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Live on Stage Review: Winterstorm over Europe 2026 mit ENSIFERUM | FREEDOM CALL | DRAGONY

21.01.2026 – Berlin @ Festsaal Kreuzberg


Arschkalt war’s. So ein Berliner Januarabend, bei dem selbst die Straßenlaternen frieren und man sich fragt, ob die S-Bahnheizung nur noch aus nostalgischen Gründen eingebaut ist. Umso größer die Freude, endlich im Festsaal Kreuzberg zu sein – meinem absoluten Lieblingsclub der Stadt. Kaum Schlangen am Tresen, man sieht von überall gut, der Laden schon ordentlich gefüllt und normalerweise auch soundtechnisch eine sichere Bank. Normalerweise. Heute klang das alles irgendwie etwas hellhörig, hochtönig und undifferenziert – so, als hätte jemand den Höhenregler aus Versehen mit Sekundenkleber fixiert. Was beim Opener DRAGONY allerdings gar nicht mal so dramatisch war, denn: Die Mucke ist in meinen Ohren dann doch eher Kategorie „kann man in Dosen mal hören, muss man live aber nicht unbedingt haben“.

Die Zusammenstellung des Abends war ohnehin etwas… sagen wir: merkwürdig anmutend. Von österreichischem Fantasy-Power-Metal über Happy-Metal bis hin zu finnischem Viking-Folk-Death-Metal – musikalisch ungefähr so homogen wie eine Spotify-Playlist namens „Alles, was mein Neffe mag“. DRAGONY stapften jedenfalls in Piratenklamotten und mit bierernster Miene über die Bühne, was unfreiwillig ziemlich witzig wirkte. Frontfrau Maria Nesh versuchte heldenhaft, Pathos und Drama zu versprühen, während die Band optisch irgendwo zwischen Karneval, Rollenspielmesse und Mittelaltermarkt pendelte. Auf Platte geht das alles klar, live blieb davon wenig hängen. Twilight of the Gods, Gods of War und Perfect Storm rauschten relativ folgenlos vorbei, The World Serpent und The Einherjar (What Dreams May Come) wirkten bemüht episch, Burning Skies und The Untold Story (Albion Online) klangen, als hätte man sie schon zehnmal gehört – nur eben von besseren Bands. Beyond the Rainbow Bridge machte dann endgültig klar: Das hier war solides Warm-up, mehr nicht.

Ganz andere Hausnummer danach: FREEDOM CALL. Ich mag diese Band ja wirklich total – und jedes Mal, wenn ich sie sehe, denke ich automatisch an Januar 2023 zurück. Bahamas. Radio Beach. Sonnenbrand deluxe. Und abends ein Freedom-Call-Gig in grellbunten Batik-Shirts, weil meine Frau diese großartige Idee hatte. Fotografen wie mein Freund André Schnittker kurz vorm Nervenzusammenbruch, weil nix mehr mit „seriösen Livefotos“. Unvergesslich.

In Berlin war’s zwar weniger tropisch, aber mindestens genauso herzlich. Hammer of the Gods und Tears of Babylon wurden sofort abgefeiert, Silver Romance durfte immerhin kurz glänzen – leider viel zu kurz, denn vom gleichnamigen letzten Album hätte ich mir definitiv mehr Songs gewünscht. Stattdessen gab’s die bekannten Gassenhauer, und das Publikum fraß Chris Bay und seinen Mannen mal wieder aus der Hand. Bassist Francesco bekam sogar ein Geburtstagsständchen, und der ganze Laden machte komplett mit. Viel Glitzer, verdammt gute Laune, Union of the Strong, Power & Glory, Warriors, Metal Is for Everyone – alles wie immer maximal charmant, maximal euphorisch. Ich muss allerdings gestehen: Im Gegensatz zu meiner Frau kann ich mit dem neuen Song Heavy Metal Happycore so gar nichts anfangen. Das ist mir dann doch eine Nummer zu albern. Aber hey – Land of Light zum Abschluss, strahlende Gesichter überall, und man verlässt die Halle automatisch ein bisschen glücklicher, als man reingekommen ist.

Dann ENSIFERUM. Endlich der Grund, warum diese Tour „Winterstorm over Europe“ heißt. Die Finnen sind mit ihrem noch aktuellen Album Winter Storm aus 2024 unterwegs und liefern dazu eine Setlist, die sich gewaschen hat. Winter Storm Vigilantes als Opener – und sofort ist klar: Jetzt wird hier nicht mehr geschniegelt gelächelt, jetzt wird Schlachtfeldromantik serviert. Guardians of Fate und Heathen Horde treiben die Menge nach vorne, Fatherland sorgt für kollektives Grölen, und bei One More Magic Potion fliegt der erste imaginäre Metbecher durch die Luft.

Ensiferum wirkten in Berlin extrem spielfreudig, tight wie eh und je und mit genau dieser Mischung aus Pathos, Härte und Folk-Melodie, die man entweder liebt – oder halt komplett hasst. Long Cold Winter of Sorrow and Strife passte thematisch perfekt zum Berliner Januarabend, Token of Time und From Afar wurden frenetisch abgefeiert, und spätestens bei Scars in My Heart mit Gastsängerin Maria Nesh hatte man das Gefühl, hier gerade ein kleines Highlight der Tour zu erleben. Andromeda und Into Battle beendeten das reguläre Set standesgemäß, bevor mit Axe of Judgement, In My Sword I Trust und Two of Spades im Encore noch mal alles plattgewalzt wurde, was sich bis dahin nicht bewegt hatte.

Eine merkwürdige, aber letztlich unterhaltsame Bandkombination an einem arschkalten Berliner Abend, der im warmen Festsaal Kreuzberg ein verdammt angenehmes Ende nahm. DRAGONY blieben nett, aber verzichtbar. FREEDOM CALL lieferten wie immer pures Gute-Laune-Metall mit Glitzerfaktor und Geburtstagsbonus. ENSIFERUM machten schließlich genau das, was man von einem Headliner erwartet: Sie rechtfertigten den Ticketpreis im Alleingang und verwandelten den Mittwochabend in ein kleines, nordisch angehauchtes Schlachtfest. Soundtechnisch nicht der beste Abend im Festsaal – atmosphärisch dafür umso mehr. Und ja: So darf 2026 gern musikalisch weitergehen. Zephyr’s Odem approved.




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