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WRECK-DEFY – Dissecting the Leech (2026)

(10.123) Olaf (9,2/10) Thrash Metal


Label: Massacre Records
VÖ: 06.03.2026
Stil: Thrash Metal






Es gibt diese Momente, in denen man ein Album startet, eigentlich nur kurz „reinhören“ will – und eine knappe Stunde später feststellt, dass man inzwischen drei Songs weiter ist, als man ursprünglich geplant hatte, und der Lautstärkeregler sich heimlich Richtung „Nachbarschaftskrieg“ bewegt hat. Genau so ging es mir mit WRECK-DEFY und ihrem neuen Album Dissecting the Leech. Dieses Teil packt einen ziemlich schnell am Kragen, schüttelt einmal kräftig durch und lässt dann für 48 Minuten nicht mehr los.

Die Kanadier aus Thunder Bay sind inzwischen alles andere als Neulinge im Thrash-Zirkus. Seit ihrer Gründung hat sich die Band Schritt für Schritt eine beachtliche Diskografie erarbeitet, und mit Dissecting the Leech wirkt es fast so, als hätten sie all ihre Erfahrungen in eine besonders bissige Essenz destilliert. Die Besetzung ist dabei ebenso interessant wie effektiv: Matt Hanchuck sorgt an der Gitarre für die maßgeblichen Ideen, Greg Christian legt am Bass ein solides Fundament, David Allan prügelte die Drums in Form – und am Mikro steht Greg „Wags“ Wagner, dessen Stimme der ganzen Sache ein zusätzliches Maß an Charakter verleiht.

Musikalisch wird hier Thrash Metal serviert, der tief in der Old-School-DNA verwurzelt ist, aber mit moderner Durchschlagskraft daherkommt. Das Riffing ist teilweise so herrlich bissig, dass man unweigerlich an Kreator zu Terrible Certainty-Zeiten denken muss. Diese scharfkantigen Gitarrenläufe sägen sich regelrecht ins Gehör, ohne dabei stumpf zu wirken. Im Gegenteil: Trotz aller Geschwindigkeit bleibt genügend Raum für Melodie und Struktur. Genau das hebt das Album über reinen Raserei-Thrash hinaus und verleiht ihm ein beachtliches kompositorisches Niveau.

Ein weiterer großer Pluspunkt ist die Produktion. Die Platte klingt druckvoll, klar und gleichzeitig angenehm ruppig – ein Sound, der jedem Riff genügend Gewicht verleiht und den Songs die nötige Schneidkraft gibt. Nichts wirkt überpoliert oder steril, sondern genau so roh und kraftvoll, wie es Thrash Metal eben sein sollte. Das Resultat ist ein Soundbild, das ordentlich Wucht entwickelt und den Hörer förmlich in die Songs hineinzieht.

Inhaltlich bewegt sich Dissecting the Leech thematisch durch ein ziemlich düsteres Terrain. Krieg, persönliche Traumata, gesellschaftliche Korruption und der psychische Druck moderner Lebensrealitäten bilden den roten Faden des Albums. Songs wie Revolt, The Haunting Past oder I don’t care spiegeln unterschiedliche Formen von Widerstand, innerem Konflikt und emotionalem Überlebenskampf wider. Gleichzeitig schwingt immer ein Funken Trotz mit – ein Gedanke, der im finalen Apocalypse of Hope als eine Art widerspenstige Schlussbotschaft kulminiert.

Was dieses Album aber wirklich stark macht, ist seine Dynamik. Hier wird nicht einfach von Anfang bis Ende blind durchgeprügelt. Die Songs besitzen Struktur, entwickeln Spannung und sorgen dafür, dass die Platte über ihre gesamte Spielzeit interessant bleibt. Rasende Thrash-Attacken wechseln sich mit groovigen Passagen und melodischen Momenten ab, ohne dass der Fluss der Platte darunter leidet. Das sorgt dafür, dass das Album zu keinem Zeitpunkt langweilig wird – im Gegenteil: Es bürstet einem komplett das Fell.

Dazu kommt Wagners Gesang, der der Musik eine zusätzliche emotionale Ebene verleiht. Seine Stimme hat diese raue Intensität, kann aber auch eine leicht dramatische Färbung entwickeln, die stellenweise sogar ein wenig an Warrel Dane erinnert. Dadurch gewinnt die Musik eine gewisse Tiefe, die im Thrash nicht selbstverständlich ist.

Am Ende bleibt ein Album, das Thrash Metal in seiner kraftvollen, melodischen und gleichzeitig kompromisslosen Form präsentiert. WRECK-DEFY verbinden rasende Geschwindigkeit mit durchdachtem Songwriting und einer Produktion, die das Ganze megafett in Szene setzt. Für mich ist Dissecting the Leech genau die Art von Platte, die man immer wieder auflegt, weil sie gleichzeitig Energie, Atmosphäre und handwerkliche Klasse vereint.

Einen Seitenhieb kann ich mir aber dennoch nicht verkneifen: Liebe Exodus-Bande: Hört Euch dieses Album mal etwas genauer an und Ihr werdet hören, wie man es machen sollte!

Anspieltipps:
🔥Under the Sun
💀Revolt
🎸The Haunting Past

 


Bewertung: 9,2 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Under the Sun
02. Do it again
03. Millenial Dystopia
04. Revolt
05. Dissecting the Leech
06. Another Day
07. I don’t care
08. The haunting Past
09. The Path
10. Apocalypse of Hope 



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