HROB – Brána Chladu (2026)
(10.219) Phillip (8,7/10) Death/ Doom Metal
Label: Memento Mori
VÖ: 27.04.2026
Stil: Death/ Doom Metal
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Sollte man sich als geneigter Mitteleuropäer nicht zumindest ein bisschen schämen, dass der eigene kulturelle Horizont maximal bis zur Neiße reicht? Ja, definitiv sollte man das! Die Länder östlich der deutschen Grenze bestehen eben nicht nur aus Saufurlaub in Prag und billigen Sprit- und Kippenpreisen in Polen. Auch diese Nationen haben kulturell wesentlich mehr zu bieten als das, was der Durchschnittskartoffel so einfällt. Das schließt ganz selbstverständlich einen faszinierenden, lebendigen Metal-Untergrund in Polen, Tschechien und etwa, wie in diesem Fall, der Slowakei ein. Hrob kommen nämlich aus der weniger als hochnäsig verschrienen Nachbarschaft Wiens, aus Bratislava, und zelebrieren enorm doomigen Death Metal, der durch die slowakische Sprache ein ausgesprochenes Alleinstellungsmerkmal besitzt.
Natürlich geleitet uns ein Intro in diesen Sumpf aus gurgelig röhrenden Growls und abgründig tiefen Gitarren. Alsbald dampfen Hrob los und kloppen erstmal munter rein. Alles klingt ein wenig schief und scheppernd, aber ich gehe davon aus, dass das so muss. Die vier Dudes treten dann natürlich bald aufs Bremspedal und schalten den Gang etwas runter, allerdings ohne die Intensität zu verlieren. Viel eher klart hier alles, was davor im Wust aus Blasts durcheinander flog, auf und zieht mich in den Bann. Stets überlagert mit einer repetitiven Melodie und dramatischen Gitarren- und Bassanschlägen.
Das ist insoweit jetzt nichts Neues, braucht es aber auch nicht sein. Guter Death Metal mit heftigen Doom-Durchsätzen hat genau so zu klingen, wenn es nach mir ginge. Dennoch brauchen Bands ja irgendetwas, um sich aus der Masse emporzuheben. Neben der bereits erwähnten Sprache ist das im Falle Hrob ganz eindeutig der herrlich schmatzige Schlagzeugsound. Hört euch mal an wie die Kickdrum in Tiene stromov reinbrettert, da möchte man doch allein deswegen schon dranbleiben. So wunderbar organisch und präsent das Schlagzeug auch klingt, es bildet eine gekonnte, sumpfige Einheit mit den anderen Instrumenten. Zwar wirken die Gitarren an wenigen Stellen dann doch etwas arg herunter getuned, sodass sie sich gelegentlich im Sound verschlucken, während die Drums munter vor sich her scheppern.
Das soll der Sache aber keinen Abbruch tun und weckt ehrliche Neugier auf das, was der todesmetallische Osten Europas noch für uns parat hält. Denn hier wird in knapp 36 Minuten sicherlich kein Innovationspreis gewonnen, aber die Intensität, der hypnotische Charakter und die musikalische Brutalität, dynamisch wechselnd mit atmosphärisch ruhigeren, fast stillen Momenten, passen zu jedem Zeitpunkt. Mal wirken Hrob rastlos und rasend und nur wenige Sekunden später wird alles so zäh und langsam, dass es direkt erlösend ist, wenn wieder die melodische Gitarre heransegelt und den nächsten Sturm einleitet. Es ist gewissermaßen so, als wäre der Hörer oder die Hörerin die menschliche Gestalt auf dem Cover, die immer wieder von kräftigen Böen aus der Höhle durchgerüttelt wird.
Also lasst euch von der sumpfigen Knarzigkeit verzaubern und genießt die akustische Reise ins gebirgige Land der Burgen und Schlösser, das entsprechend der Songtitel randvoll mit dunkler Poesie und Verderblichkeit ist.
Anspieltipps:
🌲 Tiene stromov
🔥 Zotročený oheň
Bewertung: 8,7 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Intro
02. Chrám prázdnoty
03. Tiene stromov
04. Genocída snov
05. Medzihra
06. Zotročený oheň
07. Brána chladu

