ASSI ASSASSIN – Exit Wound (EP) (2026)
(10.304) Olaf (8,5/10) Thrash Metal
Label: DIY
VÖ: 06.06.2026
Stil: Thrash Metal
Manchmal reicht ein Blick auf einen Bandnamen und man weiß sofort, dass hier weder progressive Klanglandschaften noch elfengleiche Gesangsharmonien zu erwarten sind. ASSI ASSASSIN gehören genau in diese Kategorie. Die Berliner Thrash-Truppe mit internationaler Besetzung und biergetränkter Attitüde hat sich seit ihrer Gründung Ende 2022 erstaunlich schnell einen Namen in der Underground-Szene erspielt. Bereits die Debüt-EP Entry Wound landete in diversen Jahresbestenlisten der New-Wave-of-Thrash-Metal-Gemeinde, spielte Shows mit Größen wie Jungle Rot und durfte auf Festivals wie dem In Flammen, Protzen Open Air und natürlich auf unserem 3.Z.O.F.F. zeigen, dass man auch ohne großes Marketing einen Moshpit in Bewegung setzen kann. Nun folgt mit Exit Wound die logische Fortsetzung der ersten Einschusswunde.
Was danach kommt? Wenn man der medizinischen Metapher treu bleiben möchte, vielleicht irgendwann Internal Bleeding, Open Fracture oder gleich die komplette Obduktion. Für den Moment reicht die Austrittswunde aber vollkommen aus.
Musikalisch bleiben ASSI ASSASSIN ihrer Linie treu. Das hier ist Thrash Metal für verschwitzte Kellerclubs, klebrige Bierbänke und Menschen, die ein Riff lieber in die Magengrube als ins Hirn serviert bekommen. Die Gitarrenarbeit von Affe und Hive Violator macht dabei erneut mächtig Spaß. Das Riffing sägt, fräst und häckselt sich mit sichtbarer Freude durch die fünf Songs. Besonders erfreulich: Die Band versucht gar nicht erst, irgendwelchen Trends hinterherzulaufen. Stattdessen wird kompromisslos auf Energie, Groove und Zerstörung gesetzt.
Die Texte bewegen sich zwischen Krieg, Verwüstung, parasitärer Auslöschung und persönlicher Abrechnung. In Dropping Bombs regiert die totale Katastrophe. Wenn dort beschrieben wird, wie „streets and houses burn“ und niemand dem „devil in disguise“ entkommen kann, entsteht ein angenehm apokalyptisches Bild, das hervorragend zur musikalischen Abrissbirne passt. Parasitic Infection entwickelt daraus beinahe eine Horrorfilm-Perspektive, in der der Parasit sein Opfer von innen auffrisst und genüsslich verkündet: „Exploit your resource, starve from within“. Nicht sonderlich subtil, aber verdammt effektiv. Und genau das gilt eigentlich für die komplette EP.
Besonders gut gefällt mir dabei, dass die Songs trotz ihrer Direktheit nicht bloß stumpf drauflos prügeln. Immer wieder tauchen kleine Hooks auf, die sich festsetzen. Zeilen wie „Burn betrayer, burn for your lies“ aus Vortex of Lies oder die zerstörerischen „Quake! Break it! Burn it down!“ Chöre aus Bonestorm bleiben erstaunlich schnell hängen und dürften live für erhebliche Nackenverletzungen sorgen.
Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings. Die Produktion erreicht für meinen Geschmack nicht ganz die Wucht der Debüt-EP. Natürlich klingt das alles ordentlich und druckvoll genug, aber Entry Wound hatte etwas mehr Biss, mehr rohe Gewalt im Sound. Hier wirkt manches einen Tick zahmer, obwohl die Songs selbst eigentlich das Gegenteil verlangen würden. Das ist Jammern auf recht hohem Niveau, fällt im direkten Vergleich aber durchaus auf.
Interessant ist zudem, dass dies die letzten Aufnahmen mit Frontmann STX darstellen. Sein aggressiver Vortrag passt hervorragend zum Material und hinterlässt durchaus eine Lücke. Wer künftig das Mikro übernehmen wird, bleibt spannend zu beobachten. Die Fußstapfen sind jedenfalls größer geworden, als man bei einer Band mit diesem Namen vielleicht vermuten würde.
Auch das Artwork hinterlässt bei mir gemischte Gefühle. Grün ist bekanntlich eine fantastische Farbe und passt wunderbar zum leicht räudigen Charakter der Band. Das Cover selbst wirkt jedoch etwas überladen. Da passiert visuell sehr viel gleichzeitig, wodurch die eigentliche Wirkung etwas verloren geht. Das ist allerdings Geschmackssache und hat glücklicherweise keinen Einfluss auf die Qualität der Musik.
Am Ende liefern meine Berliner Dudes genau das ab, was man von ihnen erwartet hat: ehrlichen, ehrgeizigen und äußerst unterhaltsamen Thrash Metal mit genügend Eigenständigkeit, um sich aus der Masse der Retro-Thrasher hervorzuheben. Die Songs machen Spaß, die Riffs sitzen und die Zukunft sieht trotz personeller Veränderungen weiterhin erstaunlich rosig aus. Wenn die nächste Veröffentlichung die Stärken dieser EP mit der brachialen Produktion des Vorgängers verbindet, könnte aus der Austrittswunde schnell ein Volltreffer werden.
ANSPIELTIPPS:
🔥Bonestorm
💀Parasitic Infection
🎸Vortex of Lies
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Dropping Bombs
02. Bonestorm
03. Parasitic Infection
04. Bloodgod
05. Vortex of Lies

