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PHANTOM CORPORATION | CATBREATH - Split (2026)

(10.364) Olaf (9,0/10) Thrash / Death Metal


Label: Supreme Chaos Records
VÖ: 07.08.2026
Stil: Death & Thrash Metal








Geteiltes Vinyl, doppelter Abriss: Wenn PHANTOM CORPORATION und CATBREATH gemeinsame Sache machen, bleibt für gepflegte Zurückhaltung wenig Platz. Auf dieser Split treffen zwei norddeutsche Truppen aufeinander, die musikalisch unterschiedliche Tatwerkzeuge benutzen, beim angerichteten Schaden jedoch nahezu identische Ergebnisse erzielen. Während PHANTOM CORPORATION auf Commando ihren räudigen Bastard aus Death Metal, Crust und Thrash von der Kette lassen, schickt CATBREATH auf Die By The Claw Maskottchen Fat Freddy mit Speed Metal, Hardcore-Punk und rasiermesserscharfen Krallen zurück auf die Jagd.

Entstanden ist die Zusammenarbeit aus echter Freundschaft und dem gemeinsamen Wunsch, den Underground einmal kräftig durchzulüften – bevorzugt mit der Abrissbirne. Beide Beiträge wurden von Jörg Uken in den Soundlodge Studios aufgenommen und fügen sich zu knapp 30 Minuten zusammen, die wie aus einem Guss klingen, ohne dass eine Band ihre eigene Identität verliert. Zwei EPs, zwei Wendecover und zehn Songs ohne Leerlauf: Diese Split ist keine musikalische Zweckgemeinschaft, sondern ein gemeinsamer Feldzug gegen Langeweile, saubere Wohnzimmer und unbeschädigte Halswirbel.


PHANTOM CORPORATION - Commando

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Splits zu reviewen, gehört ungefähr so weit oben auf meiner Beliebtheitsskala wie das Ausschneiden filigraner Bandlogos mit einer rostigen Nagelschere. Grafisch ist das stets eine Heidenarbeit. Wenn allerdings mit PHANTOM CORPORATION und CATBREATH zwei der momentan spannendsten Extrem-Bands Deutschlands gemeinsame Sache machen, lege ich das Skalpell bereitwillig an. Beginnen wir also mit Teil eins und dem Bremer-Dortmunder Abrisskommando.

Seit 2016 verbinden PHANTOM CORPORATION die Erfahrungen ihrer Mitglieder aus Kapellen wie Dew-Scented, Eroded, Weak Aside oder Obscenity zu einem räudigen Gemisch aus D-Beat, Crust, Death Metal und altem Thrash. Nach Fallout und dem erst Ende 2025 veröffentlichten Time And Tide hätte niemand schon wieder neues Material erwartet. Doch statt Füße und Leichen hochzulegen, liefert das Quintett knapp 15 Minuten Nachschlag. Vier neue Brecher und ein älteres Instrumental – aufgenommen, gemischt und gemastert von Jörg Uken im Soundlodge Studio – ergeben eine EP, die nicht nach übrig gebliebenem Ausschuss klingt, sondern nach präzise gesetztem Genickschuss.

Das kurze, akustische Cursed Lands stammt ursprünglich aus dem Jahr 2021 und täuscht zunächst eine Friedfertigkeit vor, die ungefähr so lange hält wie ein Waffenstillstand im Moshpit. Danach marschieren die Phantome mit knatterndem D-Beat, scharfkantigen Riffs, mächtigen Grooves und Leif Jensens unverwechselbar angepisstem Organ los. Die Produktion besitzt ordentlich Druck, lässt dem Material aber genügend Dreck unter den Fingernägeln. Gerade die Gitarren, die hier nahezu komplett von Arne eingespielt wurden, sägen wunderbar bissig durch die Botanik. Gastsoli von Ingo Fussangel und Marc Bräutigam sorgen zudem für kleine technische Widerhaken.

Inhaltlich wird es deutlich ernster. When All Roads Lead To Hell handelt von Sackgassen, erzwungenen Entscheidungen und dem Versuch, den vorgezeichneten Weg endlich zu verlassen. Deep Well blickt in einen vergifteten inneren Abgrund, in dem Erinnerungen angreifen und Dunkelheit plötzlich Trost verspricht: „There’s comfort in darkness, they say.“ Das ist keine dekorative Weltuntergangslyrik, sondern ein ziemlich eindringliches Bild für psychischen Verfall. Dazwischen prügelt World Of Hate in nicht einmal einer Minute Begriffe wie Hass, Gewalt und gerechtfertigten Genozid gegen die Wand – kurz, primitiv und erschreckend passend zur Gegenwart.

Zum Schluss wird allerdings das Stirnband festgezogen. Phantom Kommando erzählt tatsächlich die Handlung des Schwarzenegger-Klassikers nach: Johns entführte Tochter, Arius, Bennett, Val Verde, schweres Gerät und eine Problemlösung, bei der Verhandlungen traditionell durch explodierende Gebäude ersetzt werden. Musikalisch ist das Stück ein mächtiger Death-Crust-Stampfer mit Thrash-Schlagseite, während der ständig wiederholte Refrain so lange auf die Schädeldecke hämmert, bis selbst der letzte Filmverweigerer „Phantom Kommando!“ brüllt.

Commando ist kurz, schmutzig und ohne überflüssige Füllmasse. PHANTOM CORPORATION nutzen die Split nicht als musikalische Resterampe, sondern schieben fünf Stücke nach, die ihren bisherigen Weg konsequent fortsetzen und dennoch genügend Abwechslung besitzen. Nach einer Viertelstunde ist alles vorbei – Val Verde liegt in Trümmern, Bennett zahlt die Rechnung und ich habe plötzlich wieder erstaunlich gute Laune. Auftrag erfüllt.


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Cursed Lands
02. When all Roads lead to Hell
03. Deep Well
04. World of Hate
05. Phantom Kommando


CATBREATH – Die by the Claw

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Kaum hatte Fat Freddy nach Slice ’Em All die Krallen halbwegs sauber geleckt, streift er schon wieder durch die norddeutschen Gassen. Höchste Zeit, denn seit dem Debüt von 2024 wartete ich auf neues Material von CATBREATH. Die vier Herren bringen reichlich Erfahrung aus Kapellen wie MIOZÄN und ASH RETURN mit, klingen aber keineswegs wie Veteranen beim gemütlichen Altenteil. Die By The Claw ist die zweite Hälfte der gemeinsamen Split mit PHANTOM CORPORATION – und erneut wird klar: Fat Freddy schnurrt nicht, er schreddert.

Die fünf Stücke bringen es auf knapp 15 Minuten und verbinden Thrash Metal, Speed Metal und Hardcore-Punk zu jener ruppigen Mischung, die ich an CATBREATH liebe. Kurze Wege, scharfe Riffs, keine überflüssigen Verzierungen und ein Tempo, bei dem selbst der Kammerjäger vorsorglich die Stadtgrenze überquert. Aufgenommen wurde im März 2026 bei Jörg Uken in den Soundlodge Studios. Entsprechend druckvoll fällt das Ergebnis aus, ohne dem Material seine notwendige Rotzigkeit auszutreiben. Gitarren, Bass und Schlagzeug stehen kompakt beisammen, während Philipp darüber bellt, als hätte ihm jemand Katzenminze mit Schwarzpulver gestreckt.

Mit Play Dead wird Fat Freddys Jagdgesellschaft zusammengerufen. „A bloody bond of claws / To fucking kill them all“ lässt wenig Raum für diplomatische Verhandlungen. Katzenpfoten, Krallen und eine gehörige Portion Katzenminze bilden das Einsatzkommando gegen den Nagetierabschaum. Das ist herrlich überzeichnet, bewusst stumpf und deshalb ziemlich unterhaltsam. In Inner Piece – tatsächlich „Piece“ statt „Peace“ – wird der Wunsch nach innerer Ruhe kurzerhand mit herausquellenden Eingeweiden beantwortet. Therapieplätze sind schließlich knapp, ein Thrash-Riff ist sofort verfügbar.

Das lyrische Zentrum des blutigen Katzenkosmos bildet Feline Fatality. Fat Freddy patrouilliert durch verdreckte Gassen, beseitigt den kriechenden Müll und sorgt mit rasiermesserscharfem Werkzeug für „Claw and Order“. Dahinter steckt keine tiefenpsychologische Abhandlung über das Verhältnis zwischen Mensch und Haustier, sondern eine ausgesprochen bildhafte Rattenvernichtung mit Maskottchenbonus. Etwas finsterer wird es in Cross The Gate: Morphiumnebel, Selbstzerstörung und der Tod, der bereits die Hand ausstreckt, verdrängen den schwarzen Humor und geben der EP überraschend düstere Konturen.

Zum Abschluss verbeugen sich CATBREATH mit Stand Up And Fight vor EXCITER. Die alte Speed-Metal-Hymne passt mit ihrem kämpferischen Refrain hervorragend in dieses kurze Massaker und klingt hier weniger nach musealer Traditionspflege als nach erhobener Faust im vollbesetzten Moshpit.

Gemeinsam mit Commando von PHANTOM CORPORATION ergibt Die By The Claw eine großartige Split zweier starker Bands, die trotz unterschiedlicher Ausgangspunkte denselben dreckigen Untergrundgeruch verströmen. Zwei Wendecover, rund 30 Minuten Spielzeit und keinerlei musikalisches Füllmaterial: Diese Veröffentlichung gehört ins Regal. Uneingeschränkte Kaufempfehlung – schon allein, damit Fat Freddy nicht persönlich zum Eintreiben vorbeikommt.


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Play Dead
02. Inner Peace
03. Feline Fatality
04. Cross the Gate
05. Stand up and fight



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