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Maiks metallische Mottenkiste Vol.19: SATAN'S HOST

Zur falschen Zeit am falschen Ort


Eine Band, die bis auf eine längere Zwangspause immer am Start war, beständig Alben veröffentlicht hat und dennoch nie den Sprung ins Rampenlicht schaffte, sind die Amerikaner SATAN’S HOST. Selbst an mir ist das Schaffen dieser Band bis vor ein paar Jahren fast völlig vorbeigegangen, obwohl deren Debütalbum „Metal From Hell“ regelmäßig den Weg in meinen CD- Player gefunden hat. Bei einem dieser ‚Anhörungen‘ kam mir dann die Idee, dieser Band mal etwas auf den Zahn der Zeit zu fühlen und war selbst fürbass erstaunt, welch immenses Output diese Formation um Mastermind Patrick Evil zu verzeichnen hat. Grund genug, SATAN’S HOST den Weg in meine Mottenkiste zu bahnen.

Es gibt ja die Redewendung ‚zur falschen Zeit am falschen Ort‘, und fast möchte man meinen, die Band SATAN’S HOST hätte dies zu ihrem Motto gemacht. Doch gehen wir der Reihe nach. Der Beginn der Bandgeschichte wird von Metal Archives auf das Jahr 1977 gelegt, was aber wohl nur heißt, dass Hauptsongwriter und Gitarrenhexer Patrick Elkins alias Patrick Evil damals die ersten Ideen zu einer eigenen Band zusammengetragen hat. Doch sollte es bis in die frühen Achtziger dauern, bis dieses Projekt Gestalt annahm, da Elkins auch sehr wählerisch war, was Musiker anging und wohl nur absolute Virtuosen akzeptierte.

Die fand er letztlich in Rob Evans (dr.), der sich D. Lucifer Stele nannte, Bassist Belial John Phantom und Harry Conklin, der gerade JAG PANZER verlassen hatte, am Gesang. Letzterer nannte sich Leviathan Thisiren, und Patrick besetzte den Posten des vierten Höllenfürsten als Satan Patrick Evil, höllischer Herrscher über die sechssaitige Axt. In dieser Besetzung wurde 1985 das Debütalbum „Metal From Hell“ aufgenommen. Mit diesem Album beschritten SATAN’S HOST damals Wege, die für die meisten Hörer wohl noch zu fortgeschritten waren. Klassischer US- Power Metal, aber viel härter eingespielt, teilweise ziemlich verfrickelt, dazu das offensichtliche okkult/satanische Image trafen damals nicht jedermanns Geschmack. Zur falschen Zeit am falschen Ort? Nun, vielleicht nicht unbedingt.

Bei der Wahl des Labels schien sich dieser Satz allerdings zu bewahrheiten. Die Band hatte Angebote von Web Records und den damals noch aufstrebenden Metal Blade Records, entschieden sich aber fatalerweise für Web Records, weil die angeblich besser zum Image der Band passen würden. Die waren aber finanziell nicht so gut aufgestellt, so dass nur 10 000 Einheiten von „Metal From Hell“ gepresst wurden, was das Original heute zu einer Rarität macht, für die man gern mal 300 Euro hinlegen kann.

„Metal From Hell“ erschien 1986 und darf als Bindeglied zwischen Heavy, Speed- und Thrash Metal gesehen werden. 1987 wurde ein weiteres Album aufgenommen, welches unter dem Titel „Midnight Wind“ erscheinen sollte. Doch kurz nach den Recordings wurde der Drummer D. Lucifer Stele ermordet. Da Web Records in finanzielle Probleme gerieten, hätte dieses Album auf Metal Blade erscheinen können, doch da die Band keinen passenden Drummer finden konnten, und dazu noch Probleme mit Organisationen wie der PMRC, wegen dem offen zur Schau gestellten okkult-satanischem Image, auftraten, verloren die verbliebenen Bandmember den Elan. Es gab einen Roh-Mix, der limitiert verteilt wurde. Das Album befindet sich zu meinem Glück als Bonustracks auf meiner „Metal From Hell“ Re-Release-CD und kann auch auf YouTube gehört werden.

Aufgrund dieser Entwicklung und angesichts der aufkommenden Situation, dass sich im Hause SATAN’S HOST demnächst nicht viel tun wird, warf Harry Conklin das Handtuch und ging zu TITAN FORCE, wo er sich den Beinamen ‚Tyrant‘ zulegte. Inzwischen brodelte es aber weiter bei SATAN’S HOST, und irgendwann wurde Patrick Evil fündig und gewann an den Vocals einen neuen Mitstreiter, der sich Lucifer Eli Elixir nannte. Auch ein Schlagwerker fand sich letztendlich. Anthony Chavez alias Leviathan A.C. vervollständigte das Line Up. 199 wurde eine EP unter dem Titel „In Articulo Mortis“ aufgenommen, die aber scheinbar noch rarer ist als „Midnight Wind“. Nicht einmal YouTube hat da etwas zu bieten.

Das Ding erschien auf einem Label namens Black Magick inc. Das nächste Release, diesmal wieder ein Langspieler namens „Archidoxes Of Evil“ erschien ein Jahr später. Durch den rauhen Gesang von Eli Elixir wurde der Sound um Dimensionen härter, düsterer und bösartiger. SATAN’S HOST schienen nun auch im Bereich Death Metal/Black Metal zu agieren, was durchaus zu nennenswerten Ergebnissen führte. Passend dazu legte sich die Band auch ein bösiger wirkendes Logo zu. Auch das Coverartwork war sehr expliziert und schien sagen zu wollen: ‚PMRC? WTF!‘ Aber, erinnert Euch: zur falschen Zeit am falschen Ort… Die Claims im Bereich satanischer Musik, besonders Death und Black Metal, waren zu der Zeit schon abgesteckt, und die Band ging demnach etwas unter.

2002 sollte ein weiteres Album aufgenommen unter dem Titel „Legions Of The Fire Age“werden. Doch kurz bevor die Band das Studio enterte, brach sich Drummer A.C. den Knöchel und war nicht in der Lage, seine Parts zu spielen. Kurz darauf verletzte er sich auch noch am Ellbogen, was längere Zeit der Heilung verlangte. So schien es unvermeidlich, einen neuen Drummer zu rekrutieren. Schlagzeuger aus ganz Amerika wurden angetestet, doch schien keiner den Ansprüchen von Patrick Evil zu genügen. 2002 war man dann mit Pete Gonzales fündig, der fortan unter dem Pseudonym Pete 3 Wicked die Trommelfelle bei SATAN’S HOST verdrosch.

Das neue Material erschien dann 2004 unter dem Titel „Burning The Born Again… (A New Philosophy“). Die Band hatte soviele Songs auf der Agenda, dass aus Gründen der begrenzten Spieldauer von CDs einige Tracks gecancelled werden wüssen. Dennoch war das ganze Album am Ende über 76 Minuten lang. Produktionstechnisch stellte diese Platte einen großen Sprung zum Vorgänger dar. Die Musik wirkte dichter und nicht so rumpelig wie auf „Archidoxes Of Evil“. Auch auf dem Album tendierten SATAN’S HOST mehr zu Death und Black Metal, allerdings mit einer gewissen technischen Facette.

Dass die Band in den Toplisten des Death und Black Metal keine führende Rolle ergattern konnte, schien ihr egal zu sein. Scheinbar ging es Patrick Evil wohl nur darum, seine musikalischen Vorstellungen wahr werden zu lassen. Und so kam schon 2006 das nächste Album heraus. „Satanic Grimoire: A Greater Black Magick“ nannte sich das Teil. Bassist Belial John Phantom hatte die Band mittlerweile verlassen, aber schon auf dem Vorgängeralbum hatte Patrick Evil einen Großteil der Basstracks selbst eingespielt. „Satanic Grimoire…“ wurde nun also von einem Trio verbrochen, Pat Evil, Elixir und Pete Wicked. 

Die Mucke tendierte nun noch stärker zum Black Metal, auch das Coverartwork wirkte eisig. Aber Mitte der Nuller Jahre war der allgemeine Fokus nicht mehr zwingend auf Black Metal gerichtet und SATAN’S HOST waren, trotz eines fulminanten Albums, wieder mal zur falschen Zeit am falschen Ort. Der Release-Gig fand natürlich stilgerecht am 06.06.06 zusammen mit DEICIDE statt. 

Der zwei-Jahres-Serie folgernd, warfen SATAN’S HOST schon 2008 das nächste Album heraus. „Great American Scapegoat 666“ wurde in derselben Dreierkonstellation eingehämmert wie der Vorgänger. Zudem legten sich SATAN’S HOST ein neues Bandlogo zu, was ein bisschen mehr nach Black’n’Death aussah. Das Herausragende auf diesem Album war die unmenschliche Arbeit, die Drummer Pete 3 Wicked geleistet hat. Die Drums hämmern die ganze Zeit in atemberaubender Geschwindigkeit. Wahrscheinlich hatte er ein wenig Angst, auf dem nächsten Album noch schneller spielen zu müssen, also verließ er SATAN’S HOST. Sein Ersatz war Anthony Lopez, der sich fortan Evil Hobbit nannte. Und schon 2009 stand das nächste Album in den Regalen. 

„Power, Purity, Perfection 999“ nannte sich die Scheiblette, und ging insgesamt ein wenig vom Gas. Teilweise agierte die Band regelrecht melodisch und weniger auf Krawall gebürstet. Die Songs hatten teilweise eine etwas eingängigere Note, wie etwa beim Song „Lord Ahriman“. Den Bass spielte auch auf diesem Album Patrick Evil ein. Doch eine weitere Besetzungsänderung stand auf dem Programm. Eli Elixir verließ SATAN’S HOST nach dem Album und die Band stand nun ohne Sänger da. Man hatte zwar mit Marcus Garcia einen neuen Bassisten am Start, aber der Posten am Mikro war nun vakant.

Und hier waren SATAN’S HOST zur Abwechslung mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Hatte die Band doch einen Gig auf dem Keep It True, auf welchem auch ein gewisser Harry Conklin mit seinen Bands TITAN FORCE und JAG PANZER, bei denen er seit 1995 wieder zugange war, zu spielen gedachte. Also fragte man kurzerhand den ‚Tyrant‘, ob er denn Bock hätte, auch den SATAN’S HOST- Auftritt mit seiner Stimme zu veredeln. Conklin hatte keine Angst vor der Dreifachbelastung und sagte zu…

…und war plötzlich wieder der Sänger von SATAN’S HOST. Und schon 2011 präsentierte die Band ein weiteres Album, diesmal wieder mit dem Originalsänger Harry Conklin, Verzeihung: Leviathan Thisiren. Und „By The Hands Of The Devil“ ist ein wahres Brett geworden. Die Verbindung vom eher Power Metal-lastigen Gesang und ziemlich hartem Riffing passt einfach besser zu einer Band wie SATAN’S HOST und stellte stilistisch eine Verbindung zum Debütalbum her. Natürlich war das jetzt wieder ein ziemlicher Cut, weg vom garstigen Black und Death Metal- Gebrate, obgleich die Riffs immer noch extrem heftig auf die Kapuze drückten. 

Um diesen weiteren Stilumschwung plausibel zu machen, warfen SATAN’S HOST noch im gleichen Jahr eine Compilation unter dem Titel „Celebration: For The Love Of Satan“ raus, allerdings mit neu aufgenommenen Versionen der alten Songs, und mit dem Gesang von Conklin. Songs wie „H.E.L.L.“ mit dem anderen Gesang entfalteten da eine völlig andere Wirkung.

Fleißig, wie Satans Horden nun mal sind, erschien bereits 2013 der nächste Langstreckenteufel. Bassist Marcus Garcia hatte sich zwischenzeitlich den Namen Margar zugelegt, und die Band hat ihr Logo einmal mehr verändert. Das Album bekam den für SATAN’S HOST ungewöhnlich kurzen Titel „Virgin Sails“. Musikalisch orientierte sich die Band nun weniger auf Raserei, ohne merklich an Intensität einzubüßen. Harry Conklin bewies einmal mehr, dass er in der oberen Liga der Metalsänger spielte. Gerade seine Leistung beim Song „Dichotomy“ hätte auch einem Ronnie James Dio Paroli bieten können.

Dennoch war der Formation der große Erfolg nicht beschieden. Mitte der 2010er Jahre war auch der Kuchen im Bereich Heavy Metal, Doom Metal und Epik Metal weitgehend aufgeteilt und verspachtelt. Neue Heavy- Schergen waren am Horizont aufgetaucht und gierten hungig nach Erfolg. SATAN’S HOST waren wohl einmal mehr zur falschen Zeit am falschen Ort, und die neuen Genreabgrenzungen boten wohl keine passende Nische für die Verbindung so vieler Stilarten. Doch das war der Band, voran Mastermind Patrick Evil, scheinbar scheißegal. Man fühlte sich im verkannten Kult scheinbar wohler als auf den Titelseiten der kommerziellen Metalpresse.

2015 hatten SATAN’S HOST bereits derart viele Songs beisammen, dass sie nicht auf ein Album passen würden. Rausschmeißen wollte man aber diesmal keinen, und so entstanden zwei Scheiben unter dem Titel „Pre-Dating God: Part 1“ und „Pre-Dating God: Part 2“. Die Coverartworks waren identisch, nur verschieden eingefärbt. Part 1 erschien in einem dunklen Blaugrün, während Part 2 in düsterem Rot erstrahlte. Dazu hatten SATAN’S HOST mal wieder am Logo herumgespielt. Musikalisch führte das Doppelalbum den Weg fort, den schon „Virgin Sails“ eingeschlagen hatte. Komplexere Songstrukturen und teilweise recht schleppende Parts wechselten mit heftigen Ausbrüchen. Über allem natürlich der dominante Gesang von Conklin. Die Basslinien wurden hier wieder von Patrick Evil eingespielt. Scheinbar war er mit der Arbeit von Margar nicht vollends zufrieden, und selbiger verließ die Band dann auch im Jahre 2016.

Dann gönnten sich SATAN’S HOST eine längere kreative Pause, denn bis zum nächsten Album ließ die Band ganze sieben Jahre verstreichen. Die Scheibe kam unter dem hochtrabenden Titel „This Legacy Will Never Die“ heraus, und präsentierte mit Corey Tibbets einen neuen Mann am Bass. Die Reaktionen der Presse waren zwiegespalten. Die einen lobten den Gesamteindruck der Scheibe, einige allerdings fanden das Album weniger kompakt als die Vorgängerscheiben. Schon die beiden ersten Songs wirkten schwerfällig und überladen. Doomige Elemente passen zwar zu SATAN’S HOST, doch irgendwie braucht das Album etwas mehr Zeit, um sich wohlig in die Gehörschächte zu kuscheln.

Gut, leichte Kost waren SATAN’S HOST nie. Die Gratwanderung zwischen epischer Wucht, satanischer Wut und technischer Rafinesse traf nicht hundertprozentig die Geschmäcker der Hörer, insbesonders derer, die auf klare Genreabgrenzungen setzen. Auch verhinderten wohl Stilwechsel in punkto Härte und Gesang auch die Bildung einer stabilen Fanbasis. Trotz allem haben sich SATAN’S HOST nie beirren lassen, und regelmäßig gute bis sehr gute Alben veröffentlicht. Vielleicht hat ja der eine oder andere aufgrund dieses Geschreibsels Lust bekommen, sich näher mit dieser Band zu befassen. SATAN’S HOST sind, meines Wissens, noch aktiv. Ob ein weiteres Album geplant ist, weiß ich allerdings nicht.




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