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Q&A – Das Interview: BULLET

Ich wusste, ich habe irgendwas vergessen! (Deutsch & Svenska)


BULLET sind seit über zwei Jahrzehnten eine feste Größe in der Heavy-Metal-Szene, bekannt für kompromisslosen Old-School-Sound im Geiste der späten 70er und 80er und eine unverwüstliche DIY-Mentalität. Fast sieben Jahre nach ihrem letzten Studioalbum melden sich die Schweden nun mit dem neuen Werk „Kickstarter“ zurück. Wir haben Drummer Gustav Hjortsjö zum Interview gebeten. Im folgenden zweisprachigen Gespräch stand er uns Rede und Antwort.

Hallo Hampus, schön dich hier zu haben! Wie geht es dir?

Hej! Alles bestens – danke der Nachfrage. Rund um Silvester wurde hier allerdings ordentlich gefeiert, was man vermutlich noch ein paar Tage in den Knochen gespürt hat. Momentan proben wir auf Hochtouren für die Release-Shows unserer neuen Platte am 9. und 10. Januar. Gefeiert wird gleich zwei Tage am Stück in unserer Heimatstadt Växjö, und zwar stilecht in unserer eigenen Bullet Bar.

Neben den neuen Songs habe ich mich außerdem kreativ ausgetobt und den Merch-Stand ordentlich aufgerüstet: frische Shirt-Designs, neue Patches und Pins – kurz gesagt, alles, was das Sammlerherz höherschlagen lässt. Wir freuen uns riesig darauf, die neuen Songs endlich live zu spielen. Es wurde auch höchste Zeit.

Sieben Jahre nach Dust To Gold (2018) seid ihr nun mit dem neuen Album „Kickstarter“ zurück, das eurer fast 25-jährigen Karriere noch einmal den titelgebenden Kickstart geben soll. Fühlt ihr euch nach der Zwangspause tatsächlich hungriger denn je und bereit, den Motor wieder richtig auf Touren zu bringen?

Ja, das stimmt! 25 Jahre?! Ich finde diese Zahl immer noch seltsam, wenn ich sie sehe – das Leben rast wirklich schneller vorbei, als einem lieb ist.

Die Jahre nach dem Ausstieg von Alexander Lyrbo waren für uns nicht gerade einfach. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir endlich einen neuen Gitarristen gefunden haben. Aber wie sagt man so schön: Gut Ding will Weile haben. Mit Freddie Johansson hat es dann endlich geklappt – er ist aus dem hohen Norden Schwedens hierhergezogen und wohnt jetzt gerade mal 500 Meter von mir entfernt. Praktischer geht’s kaum.

Zwischendurch hatten wir mit Ben Healey einen Gitarristen, der etwa ein Jahr nach Alexanders Ausstieg bei uns war und uns vor allem ermöglicht hat, weiterhin live zu spielen. Ben war außerdem am Song Kickstarter beteiligt, was wir ihm bis heute hoch anrechnen.

Jetzt fühlt es sich einfach großartig an, wieder in kompletter Besetzung unterwegs zu sein. Die Corona-Zeit war natürlich ebenfalls hart für die Band – keine Konzerte, Stillstand, und einige von uns mussten sich tatsächlich „normale“ Jobs suchen. Aber das ist Geschichte.

Heute sind wir mehr als bereit, wieder rauszugehen, Bühnen zu entern und endlich wieder auf Tour zu sein. Die Akkus sind voll – und der Motor läuft.

Schon der Opener und Titeltrack „Kickstarter“ legt mit einem kurzen Count-in auf der Snare los, als hätte jemand einen riesigen V8-Motor angeworfen. Gustav, als Drummer gibst du damit ja wortwörtlich den Startschuss. War das ein bewusster Plan, gleich zu Beginn das Motto „Jetzt geht’s los“ hörbar zu machen – quasi der sofortige Kickstart?

Ja! Wir wollten Songs schreiben, die vor Energie nur so strotzen. In der Vergangenheit haben wir auch Platten mit ausgedehnten Intros gemacht – das hatte definitiv seinen Reiz. Aber dieses Mal sollte es sofort knallen. Kein Vorgeplänkel, kein Warmlaufen, sondern direkt Vollgas. Daueraction, ordentlich Zug nach vorne, immer Druck auf dem Kessel.

Und dieses allererste Riff? Das sitzt. Einfach, geradeaus, hart – ohne Schnörkel, ohne Umwege. Es fühlt sich an wie der Moment, wenn du den Motor einer 1966er Chopper anwirfst: ein kurzer Ruck, ein sattes Grollen – und du weißt sofort, jetzt gibt’s kein Zurück mehr.

In eurem Song „Keep Rolling“ erzählt ihr mit einem Augenzwinkern die Saga eures legendären Tourbusses, dessen Motor nach einer Show explodierte – und den ihr trotzdem mit ölverschmierten Händen eigenhändig wieder flottbekommen habt. Eure allererste Demo trug ja schon den programmatischen Titel Heavy Metal Highway. Würdet ihr sagen, dass diese unverwüstliche DIY-Mentalität und „Kein-Pannendienst-nötig“-Attitüde bis heute euer Markenzeichen ist?

Ja, der Bus ist inzwischen so sehr Teil der Band geworden, dass es schlicht unmöglich wäre, ihn aufzugeben – selbst wenn dafür ein kompletter Motortausch nötig war. Aber ganz ehrlich: Jede Schraube, jeder ölverschmierte Fluch hat sich gelohnt. Jetzt schnurrt er wieder wie eine zufriedene Katze. Und es gibt kaum etwas Schöneres, als wenn in diesem Bus Party ist, unsere Fans auftauchen und sich darin versammeln. Dann fühlt es sich fast so an, als gehöre der Bus nicht nur uns, sondern ein bisschen auch ihnen.

Immerhin reden wir hier von einem echten Schmuckstück aus dem Jahr 1964 – einem Volvo 63508. Mehrere Betten, ein großzügiger Laderaum und so ziemlich jeder Komfort, den man sich auf Tour nur wünschen kann. Kurz gesagt: kein Bus, sondern ein rollendes Zuhause mit Rock’n’Roll-Seele.

Musikalisch seid ihr tief in den späten 70ern und frühen 80ern verwurzelt – Einflüsse von AC/DC bis Judas Priest sind unüberhörbar, und optisch zelebriert ihr den Look mit Oberlippenbärten, Nietenarmbändern und Vokuhila-Mähnen. Wie schafft ihr es, diesen Old-School-Spirit so authentisch auszuleben und trotzdem mit eigenem Charakter zu füllen, statt nur eure Idole zu kopieren?

Ich begann 1996 gemeinsam mit Hell Hofer, diese Art von Musik zu spielen – und damals gab es wohl kaum etwas, das noch unangesagter war als alter Heavy Metal. Für uns ist dieser Stil jedoch vollkommen selbstverständlich. Und mal ehrlich: Was gibt es Schöneres als Nieten und Leder? Wir zollen unseren Helden Respekt, verneigen uns vor ihren Errungenschaften und geben dem Ganzen irgendwo auf dem Weg unsere ganz eigene Handschrift.

Im Grunde ist das ein bisschen wie bei einem Tarantino-Film: Man bedient sich hemmungslos an der Vergangenheit, sammelt Versatzstücke aus alten Klassikern – und erschafft daraus etwas Eigenständiges, Neues und im besten Fall verdammt Gutes.

Ihr habt sogar euren Fans – den treuen “Bullet Bastards” – einen Song gewidmet: „Chained By Metal“. Was bedeutet es euch, diese Verbundenheit zu euren Anhängern in einem Song zu verewigen? Und wie würdet ihr die Beziehung zwischen Bullet und seinen Bullet Bastards selbst beschreiben?

Es war höchste Zeit, dass sie endlich ihren eigenen Song bekommen: Unser Fanclub ist ein essenzieller Teil von Bullet. Alle Mitglieder der Bullet Bastards leben und atmen Heavy Metal – und genau das wollten wir mit diesem Song würdigen. Die Symbolik ist dabei ganz natürlich: Sie sind an den Heavy Metal gekettet, freiwillig, mit Stolz und ohne Aussicht auf Begnadigung.

Viele unserer treuesten Fans begleiten uns zu praktisch jeder Show. Mit zahlreichen Mitgliedern der Bullet Bastards stehen wir in engem, persönlichem Kontakt – für uns sind sie längst mehr als nur Fans, sie sind Freunde. Ein knallhartes, unbeugsames Kollektiv, ertränkt in Nieten und Leder, immer bestens gelaunt und jederzeit bereit, die nächste Bühne in Schutt und Asche zu legen.

Eine meiner Lieblingsanekdoten über euch zeigt schön euren bodenständigen Humor: Als euer neuer Bassist Adam Hector damals zugab, noch nie zuvor Bass gespielt zu haben, soll Hampus trocken gemeint haben: „Bei BULLET kann notfalls auch ein Affe Bass spielen“. Wie wichtig sind euch solche Lockerheit und Teamgeist im Vergleich zu technischer Perfektion? 

Als Adam zur Band stieß, konnte er eigentlich nur singen und Schlagzeug spielen. Aber wir wollten ihn unbedingt dabeihaben – also habe ich vor allem eines getan: die Anforderungen so weit abgesenkt, dass er sich traute, überhaupt Ja zu sagen. Danach wurde allerdings nicht mehr lange gefackelt: Wir probten zweimal täglich, und irgendwann konnte er dann tatsächlich auch Bass spielen. Großartig war, dass er anfangs wirklich ausschließlich Bullet-Songs auf dem Bass beherrschte. Keine anderen Stücke. Kein einziges.

Irgendwann bekam er sogar ein Sponsoring für Basssaiten. Am Telefon fragte ihn die Firma ganz routiniert, ob er einen Vier- oder Fünfsaiter spiele. Adam antwortete ebenso routiniert – und vor allem schnell: „Fünfsaiter.“

Nach dem Gespräch rannte er los, zählte nach … und stellte fest: vier Saiten. Also musste er erneut anrufen und die Bestellung peinlich berührt auf ein Vier-Saiten-Set ändern. Profi-Level: freigeschaltet. Der Bassist vor Adam, Lenny Blade, war übrigens auch ein echtes Original. Einmal tauchte er zu einem Gig mit einem Sechserpack Bier auf. Wir fragten ihn, wo denn sein Bass sei. Er schaute uns an und sagte nur: „Oh nein … ich wusste, ich habe irgendwas vergessen!“

In der Encyclopaedia Metallum wird bei BULLET als lyrisches Themen-Trio schlicht „Metal, Trinken, Party“ angegeben. Trifft diese Drei-Worte-Zusammenfassung euer Songwriting tatsächlich so gut? Oder steckt hinter Lederkutten, Bierdosen und Partylaune doch auch mal eine unerwartete Inspiration?

Ja, das trifft es schon ziemlich gut. Darüber hinaus sind Motorräder eine enorme Inspirationsquelle für uns. Es geht um die Freiheit auf der Autobahn, um das Leben ohne ein Übermaß an Regeln – dieses ganz besondere „Live free or die“-Gefühl, das einem den Fahrtwind direkt ins Herz bläst.

Die Texte müssen zur Musik passen. Und wenn die Musik auf dem Heavy-Metal-Highway geschrieben wird, mit Vollgas, offenen Ventilen und ordentlich Druck auf dem Kessel, dann können die Texte nicht gemütlich im Seitenstreifen stehen bleiben. Sie müssen mithalten, Gas geben und denselben Geist atmen: Freiheit, Bewegung, Geschwindigkeit – und bloß kein Tempolimit.

In fast 25 Jahren Bandgeschichte habt ihr vom Support-Slot für AC/DC im Göteborger Ullevi-Stadion bis zu Festivalbühnen rund um den Globus (Wacken, Rock am Ring, Japan, u.v.m.) so ziemlich alles erlebt. Welcher Moment war für dich persönlich der denkwürdigste in diesem wilden Heavy-Metal-Ritt – und gab es auch Phasen, die richtig schwierig waren?

Der Moment, in dem wir den fertigen Mix des Bite the Bullet-Albums zum ersten Mal hörten, war ein echter Augenöffner: Endlich klang es genau so, wie wir es immer wollten – wie unsere Helden von Judas Priest, Accept und AC/DC. Nach dieser Platte waren wir praktisch dauerhaft auf Tour. Das waren fantastische Jahre. Wir waren kaum zu Hause, aber es fühlte sich an, als würde man das Leben in vollen Zügen auskosten: kein Dayjob, keine Alltagslangeweile – nur Heavy Metal.

Großartig war auch, dass wir dadurch in so viele Länder gekommen sind, von denen wir nie zu träumen gewagt hätten, wenn wir keine Band gehabt hätten. Freunde rund um den Globus zu haben, ist unbezahlbar – irgendwo gibt es immer eine Couch, auf der man notfalls pennen kann. Japan war schon immer ein Traum. Es hat ein paar Jahre gedauert, aber nach Dust to Gold durften wir dieses Land endlich erleben. Und ja: Da fahren wir sehr, sehr gerne wieder hin.

Ein weiteres echtes Highlight war das Treffen mit Biff Byford – und ihn dann auch noch dazu zu bringen, auf Highway Pirates zu pfeifen. Den eigenen großen Helden auf der eigenen Platte zu haben, fühlt sich einfach verdammt gut an.

Natürlich gab es auch harte Zeiten. Mitgliederwechsel sind immer schwierig, sie werfen einen oft erst mal zurück. Aber man muss akzeptieren, dass sich Menschen verändern – auch wenn man selbst das Gefühl hat, seit dem 16. Lebensjahr exakt dieselbe Person zu sein. Manche wollen irgendwann ein anderes Leben, und das muss man respektieren. Corona war ebenfalls ein ordentlicher Dämpfer, wie für so viele andere Bands auch. Umso stolzer sind wir, dass wir uns da durchgebissen haben, statt aufzugeben. Und ja, als der Busmotor den Geist aufgegeben hat, war das auch keine Glanzstunde. Es geht eben ständig auf und ab. Wichtig ist, sich klarzumachen: Nach dem Hoch kommt irgendwann ein Tief – und nach dem Tief wieder ein Hoch. Wenn man das im Hinterkopf behält, ist man auf vieles vorbereitet und wird mit der Zeit ziemlich abgehärtet.

Unterm Strich sind wir aber vor allem eines: verdammt stolz auf das, was wir mit all unseren Alben erreicht haben.

Stillstand ist bei euch offenbar keine Option – ihr habt den Motor nicht nur repariert, sondern frisiert. Wohin soll die Reise als Nächstes gehen? Was können die Fans in der nächsten Etappe von BULLET erwarten, jetzt wo die Maschine wieder heiß läuft?

Nach der Release-Party geht es für uns im Frühjahr erst einmal auf Skandinavien-Tour. Ein paar Shows in Deutschland sind ebenfalls fest eingeplant, und im Sommer stehen einige Festivalauftritte auf dem Zettel. Danach soll der nächste Schritt folgen: eine größere, längere Europatour.

Ganz ehrlich – da hängen aktuell noch ein paar lose Kabel im Proberaum. Es gibt Länder, in denen wir noch nie gespielt haben, und genau das wollen wir ändern. Unsere Hoffnung ist, dass mit dem Release des Albums neue Fans auf uns aufmerksam werden, die Mundpropaganda anspringt – und plötzlich mehr Clubs, Länder und Bühnen sagen: „Die wollen wir haben.“

Kurz gesagt: Wir stehen in den Startlöchern. Jetzt muss nur noch Europa aufspringen.

Zum Abschluss die klassische Frage: Hast du noch berühmte letzte Worte für uns – irgendetwas, das du unseren Lesern und euren Fans zum Abschied mit auf den Weg geben möchtest?

Lasst das Haar wachsen! Enge Hosen sind – zugegeben – verdammt sexy! Genießt das Leben und trinkt reichlich Bier! Headbangen gehört einfach dazu – hart, ehrlich, kompromisslos! Zerschmettert die Feinde des Metal! Gebt den Kampf niemals auf!

Wir danken Hampus Klang herzlich für das unterhaltsame Interview. BULLETs neues Album Kickstarter erscheint am 9. Januar 2026 – wir wünschen viel Erfolg damit und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen auf Tour!




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