REDIVIDER – Sounds of Malice (2026)
(10.023) Olaf (7,9/10) Death Metal
Label: DIY
VÖ: 09.01.2026
Stil: Death Metal
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Manchmal braucht’s für ein Death-Metal-Debüt keine Lebensgeschichte von 1987 bis „wir haben damals im Proberaum…“, sondern einfach nur diesen einen Moment, in dem dir die erste Snare ins Gesicht springt und du weißt: Okay, das ist nicht „nett“, das ist „wir meinen das ernst“. REDIVIDER aus Louisville, Kentucky, sind genau so ein Fall – eine junge Band (gegründet 2021), die nicht erst zehn Demos und drei Identitätskrisen braucht, um ihre Marschrichtung zu markieren. Sounds of Malice ist der erste Langspieler, und der riecht nach Keller, Schweiß und nach einer Produktion, die so „saufett“ daherkommt, dass du beim Hören automatisch nach einem Bier greifst, obwohl es eigentlich erst Mittag ist.
Was man der Platte sofort anmerkt: Hier will sich jemand in die Ecke SUFFOCATION/CANNIBAL CORPSE drängeln, ohne sich dort nur die Tapete abzuzeichnen. 90s-Florida-Atmosphäre als Fundament, moderner Druck als Werkzeug. Und genau so klingt das Ding auch – oldschoolige Brutalität mit heutiger Präzision, aber nicht klinisch geschniegelt. Im Gegenteil: Das Album wirkt bewusst „live gedacht“. Riffs, die nicht nur durchlaufen, sondern dich am Kragen packen sollen. Breaks, die nach vorne treten. Grooves, die im Pit mehr Sinn ergeben als im Kopfhörer-Feuilleton.
Die Platte erzählt ihre Geschichten nicht aus dem „Ich-bin-böse-weil-böse“-Handbuch, sondern aus einer ziemlich nerdigen, aber charmant konsequenten Mythologie-Kiste: Dungeons & Dragons, Elder Scrolls, Untote, Ritualexekutionen, Weltuntergänge – also genau das Zeug, bei dem man sich entweder schmunzelnd denkt „ach du meine Güte“ oder begeistert „ja, gib mir mehr davon“. REDIVIDER schaffen dabei etwas, das gar nicht so selbstverständlich ist: Diese Fantasy-Themen wirken nicht wie Kostümparty, sondern wie ein Motor für Atmosphäre. Das ist wichtig, weil Sounds of Malice eben kein strenges Konzeptalbum sein will – die Klammer ist eher Stimmung und Konsequenz als eine durchgehende Storyline.
Musikalisch ist das alles technisch vollkommen okay – man hört, dass die Jungs wissen, was sie tun wollen. Gleichzeitig merkt man aber auch: Für die ganz große „Alter, was war DAS denn?!“-Liga fehlt hier und da noch ein kleines bisschen Know-how, Feinschliff, vielleicht auch die letzte Portion Kompositions-Bosheit, die aus gutem Riffing wirklich zwingendes Riffing macht. Manche Übergänge wirken eher „sauber gebaut“ als „gemein gedacht“. Das ist kein Verriss, eher der Eindruck eines Debüts, das sehr vieles richtig macht, aber noch nicht diesen einen Giftzahn hat, der dich Tage später ohne Vorwarnung wieder beißt.
Was dagegen schon jetzt richtig knallt: der Bass. Alexander Farrington ist ein Kracher – vordergründig gemischt, schön präsent, und er treibt die Mucke nicht nur „mit“, sondern schiebt sie an wie ein Bulldozer mit Rhythmusgefühl. Gerade bei den groovigeren Passagen gibt dieser Bass dem Album den Körper, das Fleisch, den Druck auf der Brust. Wenn Death Metal „physisch“ sein soll, dann ist das hier das passende Argument.
Produktionstechnisch hat das Ganze ohnehin einen ordentlichen Rückenwind: aufgenommen in Studios in Kentucky, gemischt vom Gitarristen Paul Nunavath – und dann von Dan Swanö im Unisound-Kontext gemastert. Das hört man im Gesamtbild: Druck, Klarheit, trotzdem nicht steril. Diese Art Sound ist wie ein gut eingestellter V8: sauberer Lauf, aber jederzeit bereit, dir die Rippen zu sortieren. Und genau diese „Saufettigkeit“ passt zur Ausrichtung: modern genug, um zu ballern – erdig genug, um nicht nach Plastik zu klingen.
Inhaltlich (ohne jetzt in eine Song-für-Song-Buchhaltung abzurutschen) fällt auf, dass REDIVIDER gern mit Perspektiven arbeiten: mal ritualistisch und „von oben herab“ (göttlicher Befehl, Exekution), mal sehr erzählerisch aus der Innenansicht (Sucht, Verderbnis, Hingabe), mal existenziell („Tod ist unvermeidlich, Existenz ist… nun ja“). Gerade diese Mischung aus Splatter-Fantastik und einer unterschwelligen, unangenehmen Ernsthaftigkeit gibt dem Album mehr Tiefe als „nur“ Geballer. Es wird nicht philosophisch geschniegelt – aber es hat dieses leicht kalte Grinsen zwischen Mythos, Verfall und Abhängigkeit.
Unterm Strich ist Sounds of Malice für mich ein Debüt, das auf einem stabilen Fundament steht: Atmosphäre sitzt, die Band hat eine klare Vorstellung, die Produktion ist wuchtig, und der Bass macht richtig Laune. Es ist „ok“, aber nicht überwältigend – noch nicht dieser Meilenstein, den man ungefragt jedem Menschen in die Hand drückt. Aber: Die Richtung stimmt. Und wenn REDIVIDER beim nächsten Mal die ohnehin schon guten Ideen noch bösartiger zuspitzen und das Songwriting an ein paar Stellen weniger „gebaut“ und mehr „instinktiv gemein“ machen, dann kann aus „solider Start“ ziemlich schnell „Problem für Nachbars Bands“ werden. Ich bin ehrlich gespannt, wohin die Reise geht – und ob sie beim nächsten Kapitel nicht nur den Dungeon betreten, sondern direkt den Endboss umtreten.
Anspieltips
🔥Quartered & Devoured
💀Sounds of Malice
🎸Bask in the Rot
Bewertung: 7,9 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Quartered & Devoured
02. Sounds of Malice
03. Shackled to Existence
04. Apocalyptic Waste
05. Fratricide
06. Bask in the Rot
07. Left to rot

