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LIONHEART – Valley of Death II (2026)

(10.021) Olaf (9,0/10) Hardcore


Label: Arising Empire
VÖ: 09.01.2026
Stil: Hardcore







Wenn LIONHEART ein neues Album ankündigen, ist das bei mir ungefähr so, als würde jemand in Oakland einen Böller in eine Telefonzelle werfen: Du weißt, es wird gleich laut, es wird gleich eng, und irgendwer wird danach behaupten, er hätte „damit gerechnet“. Nur dass LIONHEART diese Nummer seit 2007 nicht als Gag durchziehen, sondern als Lebenslauf. Die Band ist in Kalifornien groß geworden, wo die Sonne zwar scheint, aber der Asphalt trotzdem nach Stress riecht – und genau dieses „Westcoast Hardcore at its best“-Gefühl tragen sie seit The Will to Survive über Built on Struggle und Undisputed bis hin zu ihren Welcome to the West Coast-Kapiteln wie eine Tätowierung, die man nicht weglasern will, selbst wenn’s wehtut. Und dann kam 2019 Valley of Death – schon damals eher Dunkelkammer als Strandpromenade. Jetzt also Valley of Death II – die logische Fortsetzung, wenn man der Welt beim Ausfransen zusieht und statt Meditation lieber Gangshouts verschreibt.

Was mich an Valley of Death II direkt erwischt: Dieses Album macht keine Ansage, es macht Vollkontakt. Nicht dieser angekündigte Schlag in die Fresse, bei dem du noch kurz die Deckung hochkriegst – sondern völlig überraschend, ohne Zucken, und plötzlich fragst du dich, warum du überhaupt Zähne im Mund hattest. Zehn Songs, kurze Spielzeit– und trotzdem fühlt es sich nach einem kompletten Abend im Pit an, inklusive „Wer hat mir eigentlich die Rippe geklaut?“.

Gibt es ein perfektes Hardcore-Album? Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen – das ist im Hardcore ungefähr so sicher wie im Moshpit mit offenem Helmvisier – aber LIONHEART sind verdammt nah dran. Hier gibt’s alles, was die Gattung so schön unvernünftig macht: Gangshouts, Bounce-Parts bis zum Abwinken, diese stampfenden Grooves, die dich gleichzeitig treten und tragen. Und dann diese Disziplin: kein Song muss länger als nötig dauern, keiner wird zur Selbstverliebtheitsübung. Das Ding ist ein Sprint, aber einer, bei dem dir nach vier Songs bereits jemand die Trinkflasche reichen muss. Ich hab’s drei, vier Mal hintereinander laufen lassen und mich danach geistig schon in die Notaufnahme eingecheckt, um meine kaputten Knochen richten zu lassen. (Spoiler: Die Musik richtet nichts – sie bricht nur sehr zuverlässig.)

Der Sound ist dabei so „groove-heavy“ und metallisch, wie man es von LIONHEART erwartet – nur eben mit noch mehr Beton im Bauch. Das Riffing drückt, die Rhythmusfraktion marschiert, und Rob Watson bellt (im besten Sinne) seine Zeilen wie ein Haftbefehl auf zwei Beinen. Das ist Aggressionsbewältigung als Dienstleistung: Du legst Play, und der Tag verliert. Gleichzeitig wirkt das nicht wie stumpfes Draufhauen, sondern wie eine Band, die genau weiß, warum sie diesen Ton braucht – schwerer, dunkler, kompromissloser, aber eben kontrolliert genug, dass es nicht zur Geräuschkulisse verkommt.

Apropos „Bellen“: Chewing through the Leash ist so ein Paradebeispiel dafür, wie LIONHEART mit simpelsten Mitteln maximale Wirkung erzeugen. Da ist dieses Hundegebell, das sich wie ein Refrain/Gangshout ins Hirn fräst – als würdest du dem Tier nicht nur die Leine, sondern gleich den kompletten Zaun erklären. Und als wäre das nicht schon genug Eskalation, steht hier Matt Honeycutt von Kublai Khan mit im Raum und hebt die Nummer auf ein Level, auf dem selbst der Türsteher kurz nach der Versicherungspolice fragt.

Überhaupt sind die Features clever gesetzt: einmal der Texas-Dampfhammer, einmal die überraschende Kante Richtung A Day To Remember – genauer: Kevin Skaff taucht bei Death Grip auf, was dem Finale so ein „Jetzt noch einmal die Hand um den Hals“-Feeling gibt, ohne dass die Band plötzlich Pop-Punk-Glitzer streut. (Und ja: im Promo-Gerede liest man mal „Feature mit Kublai Khan“, dann steht da zusätzlich noch A Day To Remember in der Tracklist – ich sag’s mal so: Wenn LIONHEART Features ankündigen, kommt zur Sicherheit lieber ein Krankenwagen mehr.)

Unterm Strich ist Valley of Death II eine dieser Platten, die nicht „unterhalten“ will, sondern dich in die richtige Stimmung prügelt – und zwar so, dass du danach kurz freundlich zu Menschen bist, weil du deinen Frust bereits in der Küche gegen die Luftgitarre ausgetauscht hast. Es ist von Anfang bis Ende ein Schlag in die Fresse, aber einer mit Zweck: Ventil auf, Dampf raus, Kopf wieder klar. Wenn das hier nicht mindestens in der Nähe eines Hardcore-Idealbilds liegt, dann weiß ich auch nicht – vielleicht existiert das perfekte Hardcore-Album wirklich nicht. Aber LIONHEART stellen sich verdammt breitbeinig direkt davor und sagen: „Dann komm doch her.“

Anspieltipps
🔥Bulletproof
💀Chewing through the Leash
🔥Valley of Death II


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Bulletproof
02. Chewing through the Leash
03. Ice cold
04. Valley of Death II
05. No Peace
06. Roll Call
07. Salt the Earth
08. Release the Dogs
09. In Love with the Pain
10. Death Grip (feat.A Day to remember) 



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