SYLOSIS – The New Flesh (2026)
(10.100) Phillip (8,0/10) Melodic Thrash/ Death Metal
Label: Nuclear Blast Records
VÖ: 20.02.2026
Stil: Melodic Thrash/ Death Metal
Sylosis sind natürlich ein Begriff. Doch was für einer? Ich kenne nicht eine Person mit einem Shirt dieser Band, noch ist mir bekannt, dass diese Band jemals höhere Slots bei relevanten kontinental-europäischen Festivals gespielt hat. Und dennoch kennen Alle irgendwie zumindest den Namen Sylosis und wissen obendrein, dass die Band sich irgendwo zwischen Melodic Thrash, - Death und Metalcore ustobt. Wobei Band ja beinahe falsch ist, schließlich ist aus der Urbesetzung lediglich Josh Middleton übrig, der diesen britischen Karren mit eiserner Hand steuert. Das stelle ich mir auch ein wenig seltsam vor, schließlich war Mister Middleton satte sechs Jahre Teil der unheimlich erfolgreichen Truppe Architects und konnte da sehen, wie durchschlagender Erfolg in ähnlich gelagerter Musik aussieht. Aber sein Herz schlägt dann wohl doch eher metallischer, also scharte er zum vierten Male seit der Sylosis-Wiederbelebung fähige Streiter um sich, um seine Vision von gutem Songwriting umzusetzen.
Wie sich das anhört, wird gleich im Opener Beneath The Surface deutlich: brachial! Es wird drauf losgedroschen, als hätte Josh Middleton eine gehörige Portion Wut im Bauch die dringend ein Ventil sucht. Als besonderes Schmankerl ertönen, wie zum Zeichen, dass jetzt bitte brutalst durch den Pit gepflügt werden soll, Pfeifen, die an die der Offiziere in Grabenstellungen des Ersten Weltriegs erinnern. Holla! In sich zeigt sich der Song dynamisch trotz durchgängig hohem Aggressionspotenzial. Im nachfolgenden Erased hören wir dann das erste Mal die cleanen Vocals, vor denen dir Band seit je her nicht zurückscheute. Ein Unterschied zum Metalcore ist, dass Sylosis dieses Stilmittel nicht in jedem Songs nach Schema F kaputt reiten, sondern stets dosiert zum Wohle des Songs einsetzen. So auch in Lacerations oder der kraftvollen Ballade Everywhere At Once. Daneben gibt es genau so heftige Banger wie All Glory, No Valour oder Spared From The Guillotine.
Bemerkenswert ist, dass Sylosis stets riff-orientiert zu Werke gehen, keine dumpfe, perkussive Gitarre, kein Breakdown, der nur existiert, weil es andere Bands auch so machen. Nein, Josh Middleton steht auf Songdienlichkeit, Dynamik und Abwechslung – da kann Adorn My Throne auch mal in den episch-melodischen Bereich schielen, bevor wieder ein mächtiges Riff regiert und in der letzten Hälfte einfach ungebremst Richtung Sahne-Solo losblastet. Nahtlos schließt sich dann ein 1a-Thrasher mit Cronenberg-Zitat an. Album-Titelsong The New Flesh brettert los und zieht nochmal gekonnt die Wurst vom Teller, denn es folgt die bereits erwähnte Ballade, um ein wenig den Druck zu reduzieren und nochmal die Perspektive gerade zu rücken. Da man so allerdings kein Hochdruck-Album beenden kann, schließen nochmal zwei Nummern mit gehobenem Tempo an, wobei der Closer Seeds In The River nochmal alle gehörten Stärken des Albums anklingen lässt. Und dann Stille. Aus.
War ich zu Beginn doch eher missmutig diesem Album gegenüber, ja fast schon geringschätzig, so steigert sich dieses Werk durch pure, unwidersprechliche Qualität. Sowohl im Songwriting, in spielerischen Fähigkeiten und im druckvoll- modernen, aber organischen Sound wird hier dermaßen viel geboten, dass es ein Rätsel ist, warum diese Band seit je her dezent unterm Radar fliegt. Sicher, Sylosis werden nicht meine neue Lieblingsband, dafür ist mir persönlich zum Beispiel der Gesang nicht durchschlagend genug. Da mag ich es deutlich Höhlenmenschen-artiger, Josh Middleton ist mir da zu vielseitig. Auch der Aufbau der Songs ist nicht so wirklich was für mich, wohl aber für jeden, der sich 2000er Slipknot zurückwünscht, oder Trivium gerne wieder mit etwas mehr Schmackes hätte. Ich muss aber zumindest die Klasse von The New Flesh anerkennen und würde mich freuen, wenn die etablierten Festivals, neben Graspop, Sylosis mal einen richtig dicken Slot zuschanzen! Das hat sich Josh Middleton verdient! LOS JETZT!
Anspieltipps:
🔥 Beneath The Surface
🪓 All Glory, No Valour
👑 Adorn My Throne
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
1. Beneath the Surface
2. Erased
3. All Glory, No Valour
4. Lacerations
5. Mirror Mirror
6. Spared from the Guillotine
7. Adorn My Throne
8. The New Flesh
9. Everywhere at Once
10. Circle of Swords
11. Seeds in the River

