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Q&A – Das Interview: TAILGUNNER
Die Musik hat Priorität. Immer!
TAILGUNNER stehen sinnbildlich für eine neue Generation Heavy Metal: fest verwurzelt in der Tradition, aber mit dem Blick nach vorne gerichtet. Mit „Midnight Blitz“ legen sie ein Album vor, das gleichermaßen nach NWOBHM, jugendlicher Angriffslust und professioneller Konsequenz klingt. Nach intensiver Beschäftigung mit dem Album und der rasanten Entwicklung der Band will ich genauer bei Bandgründer und Bassist Thomas „Bones“ Hewson nachfragen – musikalisch, persönlich und mit der Gewissheit, in mir einen Fan gewonnen zu haben.
Hallo Bones, schön, dass Du Dir euch Zeit für dieses Interview genommen hast – wie geht es Dir aktuell, kurz vor der Veröffentlichung von „Midnight Blitz“ Nervös??
Nein, nicht nervös – eher aufgeregt. Weißt du, ich bin vor vier oder fünf Tagen erst von der Tour zurückgekommen, die wir mit Hammerfall gespielt haben, und morgen geht’s schon wieder los mit der nächsten Runde.
Ich stecke gerade in diesem seltsamen Zwischenzustand: zu Hause, aber eigentlich schon wieder unterwegs. Mein Schlafrhythmus ist komplett im Eimer – aber ganz ehrlich: Ich mache mir nicht mal die Mühe, ihn zu reparieren, weil wir ohnehin direkt in den nächsten Tourabschnitt starten.
Meine Tage laufen im Moment ziemlich simpel ab: Ich wache spät auf, esse irgendwas, erledige bis tief in die Nacht Pressearbeit – und wenn alles durch ist, gönne ich mir einen Joint und falle wieder ins Bett. Mehr passiert da nicht. Also ja: Im Moment bin ich extrem entspannt.
Wenn ihr den Sound von „Midnight Blitz“ in einem einzigen Bild beschreiben müsstet: Was hängt bei euch im Kopfkino – Nachtflug, Luftalarm, Neonlichter oder etwas völlig anderes?
Ja – wahrscheinlich all das. Ich denke, Blade Runner war eine riesige Inspirationsquelle für dieses Album. Dieses düstere, neongetränkte Zukunftsgefühl, die melancholische Kälte, aber auch diese faszinierende Mischung aus Schönheit und Verfall – genau so etwas schwebte uns dabei vor.
In meinem Review habe ich „Midnight Blitz“ als ein Album beschrieben, das klassischen Heavy Metal lebt, ohne wie eine bloße Retro-Übung zu wirken – fühlt sich diese Balance zwischen Tradition und Gegenwart für euch bewusst gesteuert an oder ergibt sie sich ganz natürlich?
Ein bisschen von beidem. Ich glaube, vieles passiert bis zu einem gewissen Grad ganz natürlich – aber wir sind uns dieser Sache durchaus bewusst. Und dass uns so viele Leute genau das zurückmelden, ist natürlich großartig zu hören.
Wenn man allerdings zurück in die 80er schaut, vergisst man heute oft, was dieses Jahrzehnt wirklich ausgemacht hat: Innovation. Das war keine Ära, in der man sich einfach gemütlich auf dem Fundament der Vergangenheit ausgeruht hat – im Gegenteil. Bands wie Iron Maiden, Judas Priest, Motörhead oder Venom haben permanent nach vorne gedacht. Die klangen eben nicht einfach wie eine Kopie von Deep Purple, Black Sabbath oder Rainbow. Sie haben nicht nur Tradition verwaltet, sie haben sie weitergeschrieben.
Und genau das ist heute auch unsere Aufgabe. Das macht uns nicht weniger Metal, das macht uns nicht weniger „true“. Im Gegenteil: Wenn man Heavy Metal wirklich ernst nimmt, dann muss man ihn auch weiterentwickeln. Wir wollen nicht nur am Altar dieser Legenden knien und ehrfürchtig den Kopf senken – wir wollen selbst darauf stehen. Mit einer eigenen Identität, mit einer eigenen Stimme.
Und genau darin liegt für mich der Schlüssel. So hat sich auch Judas Priest immer wieder neu erfunden: vom Rocka Rolla der Anfangstage über Sad Wings of Destiny, British Steel und sogar Turbo bis hin zu Painkiller. Diese Bandbreite entsteht nicht zufällig – die entsteht nur, wenn da ein echter Wille ist, sich weiterzubewegen, sich zu verändern, zu wachsen.
Ich habe außerdem den Eindruck gewonnen, dass ihr im Vergleich zum Debüt deutlich selbstbewusster und fokussierter klingt – seht ihr „Midnight Blitz“ selbst als eine Art Standortbestimmung?
Ja, ich denke schon. Ich sehe das Debütalbum inzwischen fast wie eine Art Pilotfolge – so etwas wie den ersten Testlauf. Denn dieses Album habe ich größtenteils noch alleine geschrieben, bevor es die Band in dieser Form überhaupt richtig gab.
Dieses Mal war die Ausgangslage eine völlig andere: Wir haben mittlerweile ein festes, eingespieltes Line-up, waren ausgiebig auf Tour und haben über hundert Shows gespielt – und das zusammen mit so vielen legendären Bands, dass man sich manchmal selbst kneifen musste, um zu begreifen, was da gerade passiert.
Dadurch fühlte sich diesmal alles deutlich realer und etablierter an. Und genau dieses Gefühl hat auch das Songwriting geprägt: Da war plötzlich diese Selbstverständlichkeit, dieses Vertrauen in die eigene Stärke. Das Debüt wurde so gut aufgenommen, dass wir wussten: Wir können noch einen draufsetzen. Und wir hatten auch das Gefühl, dass da noch viel mehr in uns steckt, dass wir noch längst nicht alles gesagt haben.
Deshalb war es großartig, dieses Album zu schreiben – mit mehr Erfahrung, mehr Hunger, mehr Überzeugung. Dieses Mal nicht als Versuch, sondern als Statement.
Songs wie „Midnight Blitz“, „Blood Sacrifice“ oder „Eye Of The Storm“ wirken extrem direkt und energetisch, während Stücke wie „Tears In Rain“ oder „War In Heaven“ eine andere, fast epische Seite zeigen – wie wichtig ist euch diese dramaturgische Abwechslung auf Albumlänge?
Das ist mir wirklich unglaublich wichtig. Und wenn ich ehrlich bin, geht das schon Jahre zurück – sogar noch in die Zeit vor der Band. Ich wusste damals nie so ganz, in welcher Art von Band ich eigentlich spielen wollte. Nicht, weil mir die Richtung fehlte, sondern weil ich viel zu viele Einflüsse, Inspirationen und Sounds in mir trage, die alle raus wollen.
Genau deshalb war Helloween für mich so ein gigantischer Schlüsselmoment, als ich zum ersten Mal die Keeper of the Seven Keys-Alben gehört habe. Diese Platten haben mir nämlich gezeigt, dass man eine Heavy-Metal-Band sein kann und trotzdem alles unter einen Hut bekommt: Speed Metal, Thrash-Anleihen, lange epische Songs, Balladen, und sogar diese etwas kommerzielleren, spaßigen, radiotauglichen Rocknummern. Und das Verrückte daran ist: Es wirkt nicht wie ein zusammengewürfeltes Mixtape, sondern wie ein stimmiges Gesamtwerk – kohärent, geschlossen, und trotzdem vielseitig. Alles klingt nach derselben Band, nach derselben Handschrift.
Das hat bei mir wirklich unglaublich viel verändert. Und genau das ist auch das, was ich mit TAILGUNNER erreichen will. Diese Freiheit, alles zuzulassen, was uns musikalisch reizt – ohne dass wir uns selbst in eine Schublade zwingen oder von außen in eine gesteckt werden.
Deshalb können wir eine breite Palette an Songs schreiben und veröffentlichen, ohne dass sich jemand beschwert. Denn die Leute haben uns nicht von Anfang an auf „Speed-Metal-Band“ oder irgendein anderes enges Etikett reduziert. Und das ist ein Luxus, den wir voll auskosten wollen.
Mit K. K. Downing als Produzent zu arbeiten, ist eine große Ehre – wie präsent war er im Studio tatsächlich, und hat er euch eher gelenkt oder euch bewusst freie Hand gelassen?
Beides, ehrlich gesagt – sowohl was die klare Anleitung angeht als auch die nötige Freiheit. Er wusste ganz genau, wann er sich aktiv einbringen musste, und ebenso, wann es besser war, einen Schritt zurückzutreten und die Band einfach Band sein zu lassen. Dieses Gespür war beeindruckend, und er beherrschte diese Balance nahezu perfekt.
Während der gesamten Aufnahmen war er praktisch permanent im Studio präsent – nicht als Kontrollfreak, sondern als jemand, der jederzeit da war, wenn man ihn brauchte. Und genau das machte die Zusammenarbeit so angenehm: Er war nicht nur ein wirklich großartiger Produzent, sondern auch menschlich jemand, mit dem man unglaublich gut arbeiten konnte.
Man konnte förmlich spüren, wie viel Erfahrung er mitbrachte – und zwar nicht irgendeine, sondern genau diese Art von Erfahrung, die aus der Arbeit an den klassischen Priest-Alben stammt. Dieses Know-how hat er nicht wie eine Trophäe vor sich hergetragen, sondern ganz selbstverständlich in den Prozess eingebracht. Und genau dadurch wurde er zu einem echten Gewinn für das gesamte Album.
Gab es einen Moment während der Aufnahmen, in dem euch bewusst wurde: „Okay, das hier ist gerade wirklich etwas Besonderes“?
Ich würde nicht sagen, dass es während der Aufnahmen dieses eine besondere Schlüsselerlebnis gab, diesen magischen Moment, an den man sich später klammert und sagt: „Genau da ist das Album geboren.“
Das passiert bei uns eher während des Songwritings. Aber ehrlich gesagt fühlt sich das bei jedem einzelnen Stück so an, das am Ende auf der Platte landet. Denn wenn du beim Schreiben nicht dieses Kribbeln spürst – dieses innere Feuer, diese Aufregung, dieses „Verdammt, das ist es!“ –, dann ist der Song schlicht nicht gut genug für ein Album.
Wenn du etwas erschaffst und dich selbst dabei wirklich packt, wenn du merkst, dass du gerade etwas geschaffen hast, das dich begeistert und antreibt, dann ist genau das der Moment, in dem klar wird: Dieser Song gehört auf die Tracklist.
Ihr arbeitet viel mit Twin-Lead-Gitarren – ist das bei euch eher „harmonisch geplant“ (wie ein Arrangement) oder „im Raum entstanden“ (wie ein Riff, das sich verdoppelt und plötzlich fliegt)?
Oft ist es bei den Harmonieteilen so: Da ich einen Großteil der Musik selbst schreibe, skizziere ich auch die Harmony-Sections – aber ich lege dabei nicht bis ins letzte Detail fest, wie diese Harmonien am Ende genau klingen sollen. Die endgültige Entscheidung überlasse ich dann den Gitarristen. Die sollen selbst herausfinden, ob es am Ende eine Terz wird, eine Quinte, eine Oktave oder irgendetwas anderes, das den Part richtig zum Leuchten bringt. Ich gebe also die Richtung vor – und sie sorgen dafür, dass daraus am Ende nicht nur ein Gerüst wird, sondern ein echtes musikalisches Statement.
Eure Pressefotos wirken auffällig futuristisch – was ist die Idee dahinter, und wie passt diese Ästhetik zu einem Sound, der so stark im klassischen Heavy Metal verwurzelt ist? Ich gehe vor allem davon aus, dass, wie Du vorhin erwähnt hast, Blade Runner da eine große gespielt hat…
Ja, genau so ist es. Die Idee hinter den Fotos, die das Album begleiten, war ganz klar von Blade Runner inspiriert. Für dieses Konzept haben wir mit einer unglaublich talentierten Fotografin namens Tunde Valiszka zusammengearbeitet.
Sie war total begeistert von diesem Stil – und genau deshalb war für uns schnell klar, dass wir das unbedingt gemeinsam umsetzen müssen. Diese dystopisch-futuristische Ästhetik passt einfach perfekt zu klassischem Heavy Metal: kalt, glänzend, dramatisch und gleichzeitig irgendwie zeitlos.
Wenn ich mir anschaue, was IRON MAIDEN mit Somewhere in Time geschaffen haben – dieses Artwork, diese Atmosphäre und der Einfluss, den dieses Album bis heute ausstrahlt – dann wird mir jedes Mal wieder bewusst, wie stark solche visuellen Welten Musik aufwerten können. Für mich ist das mein absolutes Lieblingsalbum im Heavy Metal, und genau deshalb wird es auch immer ein ständiger Einfluss für TAILGUNNER bleiben.
Ist das ein bewusster Kontrast oder ein Hinweis darauf, dass TAILGUNNER zwar die Vergangenheit respektieren, aber klar in die Zukunft schauen?
Ja, absolut. Wie ich schon gesagt habe: Du musst etwas Neues wagen. Du kannst nicht einfach auf der Stelle treten. Und wenn ich mir heute die Underground-Szene anschaue, habe ich oft das Gefühl, dass es unzählige Bands gibt, die nichts anderes wollen, als wie irgendein obskures Album von 1982 zu klingen. Als Fan feiere ich das total – wirklich. Ich liebe diesen Spirit, ich liebe diese Leidenschaft, und ich finde es auch verdammt cool, wenn jemand so kompromisslos in der Vergangenheit wühlt, bis der Staub meterhoch fliegt. Aber das sind nicht wir.
Ich glaube, in jeder Generation muss irgendwann eine Heavy-Metal-Band auftauchen, die entschlossen ist, wieder in den Mainstream vorzudringen – und der breiten Masse in Erinnerung zu rufen, dass Rock und Metal nicht tot sind. Denn seien wir ehrlich: Heavy Metal ist dort draußen im großen Rampenlicht längst nicht mehr wirklich präsent. Dabei existiert dieser Stil immer noch. Und er hat eine riesige Fanbase. Er kann populär sein – und er verdient es auch.
Und ich habe überhaupt kein Problem damit, das offen zu sagen: Wir wollen ins Radio. Wir wollen große Arena-Bands supporten. Wir wollen auf den großen Bühnen stehen und vor Menschen spielen, die vielleicht nicht jeden zweiten Song mit einem Demo-Tape aus der NWOBHM-Ära vergleichen.
Wir machen das nicht nur für Leute, die ohnehin schon Angel Witch, Demon oder Grim Reaper kennen. Ich liebe all diese Bands – ohne Frage. Aber ich glaube nicht, dass man sie zwingend kennen oder mögen muss, um zu verstehen, was wir machen. Unsere Musik soll auch dann funktionieren, wenn man einfach nur Bock auf starke Songs, große Refrains und echten Metal hat – ohne Geschichtsprüfung und ohne Pflichtlektüre.
Bei vielen Bands läuft „Audio zuerst, Artwork später“ – war es bei euch umgekehrt, oder hat sich Bildsprache parallel zur Musik entwickelt?
Das Erste, woran wir arbeiten, ist immer die Musik. Das war von Anfang an so und hat sich bis heute nicht geändert. Das Artwork kommt bei uns erst ganz am Ende ins Spiel. Vielleicht wird sich das irgendwann mal verschieben, vielleicht denken wir in Zukunft anders darüber nach – aber im Kern gilt weiterhin: Die Musik hat Priorität. Immer.
Abseits aller musikalischen Erfolge: Wie geht es Rhea Thompson aktuell gesundheitlich, und wie wichtig ist es euch als Band, auch in schwierigen Phasen füreinander da zu sein?
Rhea geht es gut, danke der Nachfrage. Sie hat erst letztes Wochenende hier in Großbritannien gemeinsam mit uns ein Festival für Planet Rock gespielt. Im Moment ist es nur so, dass sie im Rahmen ihrer Genesung die Strapazen und vor allem die Reisestrapazen einer kompletten Tour noch nicht durchstehen kann – spielen kann sie aber absolut problemlos.
Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass sie inzwischen vollständig fit ist und wir dieses Jahr ganz normal wieder mit ihr auf Tour gehen können. Es dauert nun leider ein bisschen länger als geplant, und da müssen wir natürlich aufpassen, sie schützen und das Ganze vernünftig managen. Zum Glück hat sich dabei aber auch gezeigt, dass wir uns auf unser Umfeld verlassen können: Jara von Hunger ist für uns eingesprungen und sie macht einen wirklich großartigen Job. Sie wird uns daher auf der kommenden UK-Tour begleiten, die morgen startet. Aber auch Rhea wird bei einigen Shows wieder mit dabei sein.
Wir versuchen das Ganze so gut wie möglich zu koordinieren: Rhea bekommt die Zeit, die sie braucht, um vollständig zu genesen – und sobald sie wieder komplett bereit ist, kommt sie mit voller Wucht zurück, spätestens dann, wenn die Festivalsaison richtig losgeht.
Ist es manchmal auch ein wenig beängstigend, wie schnell eure Karriere Fahrt aufgenommen hat – oder überwiegt ganz klar die Euphorie?
Angst gibt es da überhaupt keine. Im Gegenteil: Wir sind unglaublich dankbar dafür, wie schnell die Leute die Band angenommen haben. Aber wir haben in den Jahren davor – lange bevor überhaupt irgendjemand von uns gehört hat oder wir an die Öffentlichkeit gegangen sind – unfassbar viel Arbeit reingesteckt. Ich kann nicht behaupten, dass wir erwartet hätten, dass alles derart rasant passiert. Aber ehrlich gesagt: Wir haben genau dafür gearbeitet. Und wir haben es auch genau so geplant.
Spürt ihr bereits Erwartungen von außen, und wie geht ihr mit diesem wachsenden Druck um?
Nein, wir spüren eigentlich keinen wirklichen Druck von außen. Denn am Ende machen wir das hier für uns selbst. Und ich glaube, das Einzige, was man als Band wirklich tun kann, ist genau das zu machen, was einen im Innersten glücklich macht – das, was sich im Herzen richtig anfühlt. Wenn du selbst liebst, was du tust, dann werden andere Menschen das meistens auch spüren. Und wenn nicht… na ja, dann sollen sie eben zur Hölle fahren. Es ist nicht unsere Aufgabe, irgendjemanden davon zu überzeugen, dass er unsere Musik gut finden muss. Wir machen einfach unser Ding. Punkt.
Und wenn die Leute das feiern, ist das natürlich großartig. Dann freuen wir uns über jeden, der mit einsteigt und diese Reise mit uns gemeinsam antreten will. Jeder ist willkommen, solange er Bock darauf hat. Der einzige Druck, der wirklich existiert, kommt ohnehin von uns selbst. Wir setzen uns enorm unter Zugzwang, weil wir hohe Ansprüche haben – aber alles, was außerhalb der Band passiert, spielt dabei eigentlich keine Rolle. Wir schauen nicht nach links oder rechts. Wir schauen nur nach vorne.
Woher kommt Dein Spitzname Bones?
Das geht tatsächlich bis in meine Schulzeit zurück – meine allererste Band, ich war damals vielleicht zwölf. Der Vater unseres Gitarristen hat irgendwann angefangen, mich „Bones“ zu nennen. Warum genau? Vermutlich, weil es irgendeinen Piraten namens Tom Bones gibt. Und ganz ehrlich: Ich fand einfach sofort, dass das verdammt gut klingt. Dieser Name hatte von Anfang an etwas Raues, etwas Abenteuerliches – wie ein Spitzname, der nicht geschniegelt daherkommt, sondern nach Salzwasser, Rum und schiefem Grinsen riecht. Und irgendwie hat er sich festgesetzt. Nicht als Gag, nicht als Phase, sondern als Teil von mir. Seitdem benutze ich ihn durchgehend.
Gerade im Zusammenhang mit dieser Platte wollte ich „Bones“ aber nochmal stärker nach vorne stellen. Schließlich war das auch der Name, unter dem ich das ganze Projekt ursprünglich auf Instagram gestartet habe, als ich gerade dabei war, überhaupt erst eine Band zusammenzustellen. Also dachte ich mir: Warum nicht? Ich lehne mich einfach rein. Ich mag den Namen. Und er gehört inzwischen genauso dazu wie die Musik selbst.
Wenn ihr den Leserinnen und Lesern von Zephyr’s Odem eine letzte Botschaft mitgeben dürftet: Was sollen sie fühlen, denken oder tun, nachdem sie „Midnight Blitz“ gehört haben?
Ich hoffe wirklich, dass die Leute sich nach dem Hören unserer Musik gestärkt fühlen – so, als könnten sie die ganze Welt aus den Angeln heben. Für mich ist Heavy Metal pure Flucht aus dem Alltag: Eskapismus, Fantasie, ein eigener Kosmos, in den man eintauchen kann, um für einen Moment woanders zu sein. Ein Ort, an dem Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte Platz finden dürfen – ohne Erklärung, ohne Rechtfertigung, ohne Grenzen. Genau dieses Gefühl möchte ich vermitteln: Dass man nach einem Song nicht nur Musik gehört hat, sondern ein Stück Kraft zurückbekommt. Dass man sich aufrechter fühlt, wacher, mutiger – bereit, wieder rauszugehen und sich dem Leben zu stellen.
Und ehrlich gesagt: Genau das sollte Heavy Metal im Kern immer sein. Er sollte nicht nur laut sein, nicht nur hart und nicht nur rebellisch – er sollte dich aufbauen. Er sollte dich hochziehen, wenn du am Boden bist, und dir das Gefühl geben, dass du stärker bist, als du manchmal glaubst.
TAILGUNNER stehen an einem spannenden Punkt ihrer noch jungen Geschichte. „Midnight Blitz“ wirkt nicht wie ein vorsichtiges Zweitwerk, sondern wie ein bewusst gesetztes Ausrufezeichen: klassischer Heavy Metal, der seine Wurzeln kennt, sich aber nicht von ihnen fesseln lässt. Zwischen kompromissloser Energie, epischen Momenten, modernen visuellen Konzepten und der Erfahrung, plötzlich schneller voranzukommen als ursprünglich geplant, zeigt sich eine Band, die nicht nur musikalisch wächst, sondern auch als Einheit. Dieses Interview sollte genau das beleuchten: den Blick nach vorne, den Respekt vor der Vergangenheit, die menschliche Seite hinter dem Tempo – und die Frage, wie man bei all dem laut, stolz und glaubwürdig bleibt. Wenn Heavy Metal auch in Zukunft relevant sein soll, dann braucht er Bands, die genau diesen Spagat beherrschen.

