PAGANIZER – As Mankind rots (2026)
(10.059) Olaf (9,1/10) Death Metal
Label: XTreem Music
VÖ: 06.02.2026
Stil: Death Metal
Wenn PAGANIZER ein neues Album ankündigen, dann ist das für mich kein Pflichttermin, sondern eine Art jährlicher Gesundheitscheck: Klingt Rogga noch wütend? Sind die Riffs noch faulig genug? Und fühlt sich das Ganze noch so an, als würde man mit dem Kopf voran durch einen feuchten schwedischen Bunker rennen? Spoiler vorweg: As Mankind rots beantwortet all diese Fragen mit einem sehr entschlossenen Ja – und legt noch eine Schippe Verachtung für die Menschheit obendrauf.
Ich begleite PAGANIZER nun wirklich lange. Gegründet Ende der 90er in Schweden, aus jener fruchtbaren Fäulnis geboren, aus der auch Entombed, Grave oder später Vomitory ihre Monolithen gezimmert haben, waren Paganizer immer Rogga Johanssons Herzprojekt. Und ja, der Mann betreut gefühlt mehr Bands als andere Leute Zimmerpflanzen. Aber während vieles davon Spaß macht, solide ist oder genau das liefert, was man erwartet, bleiben Paganizer konstant sein schärfstes Schwert. Die Hauptband. Der Ort, an dem alles zusammenläuft. Und genau deshalb muss man diesmal – bei allem Respekt vor der langen Szenezugehörigkeit – klar sagen: Das hier ist das beste Paganizer-Album bisher.
Der Einstieg ist keine Einladung, sondern ein Tritt in den Solarplexus. As Mankind rots kommt ohne Vorwarnung, ohne Intro, ohne Schnickschnack. Riff. Schlagzeug. Wut. Fertig. Die Platte fühlt sich an wie ein Manifest gegen die Menschheit, passend zu diesem nihilistischen Grundgedanken, der sich durch das gesamte Album zieht: Der Mensch als kurzlebiger Parasit, der sich selbst überschätzt, während unter der Oberfläche längst andere Mächte träumen und warten. Diese Sichtweise zieht sich wie ein kalter Luftzug durch das Album, ohne dass Paganizer dabei in esoterisches Gewaber abdriften. Das ist Death Metal, kein Philosophie-Seminar – aber einer mit Haltung.
Was sofort auffällt: Rogga klingt angepisster denn je. Nicht routiniert böse, sondern ehrlich gereizt. Seine Vocals sind kein bloßes Growlen nach Vorschrift, sondern wirken wie ausgespuckt. Gerade in Momenten, in denen das Tempo gedrosselt wird, bekommt seine Stimme etwas Unheilvolles, beinahe Verachtendes. Dazu dieser typische Paganizer-Mix: Crustige Dreckigkeit, Blastbeats, schleppende Parts, alles miteinander verschraubt, ohne dass es beliebig wirkt. Viele schwedische Bands entscheiden sich heute für eine saubere Linie – Paganizer machen das Gegenteil und gewinnen genau dadurch. Wenn man unbedingt vergleichen will: Vomitory sind die Einzigen, die da mithalten können. Vielleicht sogar einen Tick besser. Und das sage ich als jemand, der Vomitory zu seinen absoluten Lieblingsbands zählt.
Songwriterisch ist As Mankind rots ein echtes Brett, ohne sich in Details zu verlieren. Man merkt, dass hier jemand sitzt, der seit Jahrzehnten weiß, wie man Riffs schreibt, die hängen bleiben, ohne sich anzubiedern. Devoured, Only Maggots oder A Testament to Madness wirken wie natürliche Bestandteile eines großen, zusammenhängenden Albums und nicht wie einzelne Bausteine für die Setlist. Besonders schön: Trotz der Brutalität gibt es immer wieder diese leicht schrägen Momente, in denen Riffs minimal kippen, Tempi kurz stolpern oder Melodien schief grinsen. Genau das verleiht der Platte ihren Charme.
Der unbestrittene Megahit ist allerdings Put on your Gasmask. Ein Song, der sich sofort festsetzt, mit dieser sirenenhaften Atmosphäre, die Bilder von Luftschutzkellern, Giftgas und kollektivem Wahnsinn heraufbeschwört. Hier wird alles vereint, was Paganizer ausmacht: Groove, Aggression, Wiedererkennungswert. Ebenfalls herausragend ist Vanans Makt, eine Neuaufnahme eines älteren Songs, der hier mit zusätzlicher Punk-Attitüde und Gastgesang eine neue, bissigere Dimension bekommt. Der Song wirkt wie ein Brückenschlag zwischen Death Metal und schwedischem Crust/Punk – roh, direkt, kompromisslos.
Produktionstechnisch ist das Album ein Traum für alle, die genug von klinischem Hochglanz haben. Fett, druckvoll, aber an den richtigen Stellen herrlich rumpelig. Die Gitarren sägen, der Bass ist präsent, das Schlagzeug knallt, ohne steril zu wirken. Man hört, dass hier Erfahrung am Werk ist, aber auch der Wille, es nicht zu glatt zu ziehen. Das Album klingt lebendig, schmutzig, manchmal ein wenig schräg – und genau das macht es so großartig. Perfektion wäre hier fehl am Platz gewesen.
Am Ende bleibt ein Album, das nicht versucht, das Genre neu zu erfinden, sondern es auf den Punkt bringt. As Mankind rots ist wütend, düster, verdammt unterhaltsam und erstaunlich abwechslungsreich, ohne sich zu verzetteln. Paganizer waren immer gut. Oft sehr gut. Diesmal sind sie herausragend. Und ja: Auch nach zig-hundert Projekten beweist Rogga Johansson hier eindrucksvoll, warum Paganizer immer noch seine wichtigste Band sind.
Anspieltips:
🔥Put on your Gasmask
💀Vanans Makt
🎸As Mankind rots
Bewertung: 9,1 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. As Mankind rots
02. Devoured
03. Aftermath Bleeder
04. Only Maggots
05. Put on your Gasmask
06. Hollow
07. A Testament to Madness
08. Afterworld
09. The rotting End
10. One Way to the Grave
11. Vanans Makt

