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OBSCURITY - Ascheregen (2026)

(10.057) Olaf (8,3/10) Viking Death Metal


Label: Trollzorn
VÖ: 29.01.2026
Stil: Viking Death Metal






Es gibt diese Bands, die einen über Jahrzehnte begleiten, ohne jemals zur bloßen Gewohnheit zu verkommen – und Obscurity gehören für mich genau in diese Kategorie. Seit den frühen Tagen im Bergischen Land, als noch Demo-Rohlinge und der Geruch von feuchtem Proberaum zum guten Ton gehörten, haben die Bergischen Löwen einen Weg eingeschlagen, der ebenso unbeugsam wie eigenständig ist. Pagan Metal war hier nie folkloristische Staffage, sondern Haltung. Und genau mit dieser Haltung kommt nun Ascheregen um die Ecke – ein Album, das mehr will als bloß abliefern.

Schon nach den ersten Durchläufen war klar: Das hier ist kein Schnellzündler. Während mich der überragende Vorgänger Skogarmaors quasi beim ersten Kontakt am Schlawittchen gepackt und nicht mehr losgelassen hat, musste ich mir Ascheregen erst erarbeiten. Mehrfach. Intensiv. Mit Kopfhörern, mit der nötigen Portion Geduld. Und ja – das war anfangs fast irritierend. Aber genau darin liegt eine seiner Stärken: Dieses Album will nicht sofort gefallen, sondern wachsen.

Musikalisch rücken OBSCURITY hörbar wieder näher an die rauere, kantigere Phase von Tenkterra und Vintar heran. Der melodische Death-/Viking-Metal-Kern ist weiterhin präsent, wird aber von einer deutlich schärferen Black-Metal-Kante angeraut. Das Ergebnis ist weniger episch schwelgend als zuletzt, dafür bissiger, dunkler und stellenweise regelrecht widerborstig. Die Gitarren drücken mit Nachdruck, das Schlagzeug treibt kompromisslos nach vorne, und die Produktion schiebt ordentlich, ohne die Ecken und Kanten glattzubügeln. Vor allem positiv: Die deutschen Texte sind diesmal tatsächlich besser zu verstehen – kein kleines Detail, wenn Worte und Inhalte so zentral sind wie hier.

Inhaltlich entfaltet sich Ascheregen als düstere, konzeptionelle Reise. Von Initium Dekadentiae bis Dystopie und Schwanengesang zieht sich ein roter Faden aus Verfall, Zwangsbekehrung, Machtmissbrauch und gesellschaftlicher Dekadenz. Die Texte verweben altnordische Mythologie mit historischen Brüchen und schlagen immer wieder den Bogen zur Gegenwart. Religiöser Fanatismus, kollektiver Gehorsam und der Verlust individueller Haltung werden nicht historisch verklärt, sondern als zeitloses Problem seziert. Hier wird nichts romantisiert – hier wird angeklagt, und zwar mit erhobenem Schwert.

Besonders stark funktioniert das Album immer dann, wenn Pathos und Aggression ineinandergreifen. Flammentaufe, Ketzerjagd oder der Titeltrack Ascheregen leben von dieser Mischung aus wuchtigem Druck und unterschwelliger Melodik, die sich erst mit der Zeit festsetzt. Kein billiger Refrain, kein sofortiger Mitsingmoment – stattdessen schwelende Glut, die langsam heißer wird. Auch Dreifaltigkeit und Bekehrung zeigen, wie gereift das Songwriting inzwischen ist: klar strukturierter, weniger vorhersehbar, aber immer noch tief verwurzelt im typischen OBSCURITY-Kosmos.

Ein besonderer Moment ist zweifellos Rúnar Víg, bei dem Erik Grawsiö von Månegarm seine Stimme beisteuert – komplett auf Deutsch. Das wirkt nicht wie ein Gimmick, sondern fügt sich erstaunlich organisch ein und verleiht dem Song eine zusätzliche epische Tiefe, ohne den Fluss des Albums zu stören. Im Gegenteil: Gerade hier zeigt sich, wie sehr OBSCURITY inzwischen wissen, wann Zurückhaltung stärker wirkt als maximale Eskalation.

Das Artwork – erneut aus der Schmiede von Jan Yrlund – unterstreicht diesen Eindruck perfekt: stark, düster, symbolisch aufgeladen. Keine überladene Fantasy-Tapete, sondern ein visuelles Statement, das den thematischen Kern des Albums aufgreift. Alles wirkt aus einem Guss, von der Optik über die Texte bis hin zur musikalischen Ausrichtung.

Und jetzt kommt das Bekenntnis: Bei Wotan, ich finde den bergischen Löwen immer noch gut – obwohl das normalerweise nicht hundertprozentig meinen Hörgewohnheiten entspricht. Ascheregen ist kein Album, das ich „mal eben“ nebenbei laufen lasse. Es fordert Aufmerksamkeit, Zeit und ein gewisses Maß an Offenheit. Wer den direkten Zugriff von Skogarmaors erwartet, wird sich vielleicht wundern. Wer aber bereit ist, tiefer einzusteigen, wird belohnt.

Ascheregen ist ein starkes, reifes Album, das nicht versucht, den Vorgänger zu kopieren oder zu übertrumpfen – was angesichts dessen Klasse ohnehin kaum möglich gewesen wäre. Stattdessen schlagen OBSCURITY bewusst einen etwas sperrigeren Weg ein, schärfen ihre Kanten und vertiefen ihre Inhalte. Kein Instant-Klassiker, aber ein Werk mit Langzeitwirkung, das wächst, wenn man es lässt.

Anspieltipps
🔥Flammentaufe
☠️Ascheregen
⚔️Rúnar Víg


Bewertung: 8,3 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Initium Dekadentiae
02. Flammentaufe
03. Schwur
04. Blutgebet
05. Dreifaltigkeit
06. Ascheregen
07. Ketzerjagd
08. Läuterung
09. Bekehrung
10. Runewinter
11. Rúnar Vig
12. Dystopie und Schwanengesang 



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