HÄLLAS – Panorama (2026)
(10.046) Phillip (10/10) Adventure Rock
Label: Äventyr Records
VÖ: 30.01.2026
Stil: Adventure Rock
Es gibt ein paar unumstößliche, universelle Wahrheiten da draußen: die Erde umkreist die Sonne, Hansa Rostock stellt sich traditionell sackdämlich gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte an und Hällas sehen sich außer Stande ein schlechtes Album zu machen. Dazu direkt vorweg: Ich bin ein großer Fan dieser Band, doch das letzte Album Isle Of Wisdom von 2022 blieb, trotz hoher Qualität, nur wenig bei mir hängen und ich befürchtete bereits, dass Hällas ihr kreatives Feuer vielleicht bereits verschossen hätten. Begleiteten wir noch den Ritter Hällas durch die erste EP und die folgenden zwei Alben, so sahen wir auf der letzten Veröffentlichung einem Neubeginn einer Story ins Auge, der für meine Begriffe unausgegoren wirkte – aber keineswegs schlecht! Doch mit Panorama steigen die Schweden voll ein in eine Story voller dystopischer Landschaften in der der Eremit, Protagonist seines Zeichens, nichts anderes bleibt, als sich in seinen Wohnturm zurückzuziehen und einzugestehen, dass man vor der Verantwortung und der Vergangenheit nicht entfliehen kann.
Above The Continuum heißt der Opener. 21 Minuten und 29 Sekunden. Das ist kein Opener, das ist ein Statement! Beginnend mit Siebziger- und Achtzigerkeyboardreferenzen und einem Sound der direkt aus einem Mittelalter-Anime zu entspringen scheint. Treibend und stringent. Camel haben angerufen und gesagt, dass Hällas das gerne so machen sollen. Dann ein Break und die Gitarre nimmt selbstbewusst die Verantwortung an sich, ergreift zugleich die ausgestreckte Hand des Keyboards und beide werden beste Freunde. Tommy Alexanderssons dezent entrückte Stimme überzeugt wie eh und je, Bass und Schlagzeug liefern das stabile Fundament. Es ist schnell klar, dass hier kein bloßer Song stattfindet, der auf die sichere Nummer setzt. Kitschfreie Theatralik, zurückgelehnte Solo-Passagen, einige Prisen angedeuteter Vintage-Bombast und eine musikalische Opulenz die einem den Mund nicht mehr zu bekommen lässt. Was in diesen knapp 22 Minuten alles passiert, ist kaum in Worte zu fassen.
Hällas schaffen es, mit ein paar Instrumenten ein Fantasy-Universum vor dem geistigen Auge zu erzeugen, dass fesselnd-bedrohlich und gleichzeitig merkwürdig heimelig wirkt. Doch weil so lange, vielschichtige Songs enorme Aufmerksamkeit erfordern, scheut der Fünfer aus Jönköping nicht davor zurück, direkt danach eine geradeheraus poppige Nummer einzustreuen. Das sie das können wissen wir spätestens seit Carry On. Face Of An Angel trabt wuchtig aber beschwingt heran und lädt unmittelbar zum Mitsingen ein. Da anschließende The Emissary geht da schon eher in die abenteuerlustige Prog-Rockrichtung und kracht mal mit Gitarren los, mit flirrenden Synthies und herrlich abgemischten Chören. Darüber kommandiert Tommy Alexandersson seinen Gesang. Der letzte Refrain dieses Songs ist einfach zum Niederknieen schön und mit einem Mal soliert sich der Song mit Schmackes ins Fade out. Das wirkt zuerst einmal etwas befremdlich, ergibt im Kontext des Albums und der Geschichte aber Sinn.
Bestiaus schließt in Form einer Piano-Ballade an. Tommy Alexandersson und Nicklas Malmqvist stellen sich ihrem Schicksal in einer Form, die man heutzutage eher selten hört. Eine gesanglich wundervoll kräftige, unpolierte Darbietung die dann zackigen Schrittes in At The Summit übergeht. Das schwebende Tempo wird aufgegriffen und mittels Orgel und Akustik-Gitarre weiter transportiert. Dann klatschen die Drums ins Geschehen, die Gitarre wird elektrisch und die Orgel prügelt im Stakkato los. Das war’s mit der Ruhe, im letzten Song geben Hällas dem Gaul nochmal die Sporen, streuen bekannte Motive ein und verbeugen sich dann musikalisch vor der Hörerschaft. Doch hier ist Kritik angebracht: Hällas erlauben sich hier die Frechheit, das Album einfach zu beenden.
Ich habe mich wie Bolle auf dieses Album gefreut, mir extra vorab keine Songs angehört, um nicht unnötig die Erwartungen zu schüren, die ohnehin recht groß waren, ebenso die Zweifel. Doch ich habe nicht damit gerechnet, dass Panorama mich derart komplett umgehaut und vereinnahmt. Bereits in den ersten wenigen Minuten schürten Hällas die Hoffnungen in mir, dass es doch bitte so großartig weiter gehen würde. Da das aber nicht ging, machten sie einfach noch großartiger weiter und gaben mir als Hörer eine Fantasy-Reise ohne Gleichen. Dafür brauchten sie keine überbordende Produktion oder aggressive Soundeffekte, sondern spannendes Songwriting und ergreifende Riffs und Melodien, bei dem mir nichts anderes übrig blieb als mit dem Verstummen der letzten Note direkt wieder auf Play zu drücken. Und nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Hällas‘ Panorama ist ein ganz klarer erster Kandidat für das Album des Jahres!
Anspieltipps:
🔥 Alles, von vorne bis hinten und auf repeat!
Bewertung: 10 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Above The Continuum
02. Face Of An Angel
03.The Emissary
04. Bestiaus
05.At The Summit

