BEYOND THE BLACK – Break the Silence (2026)
(10.027) Phillip (6,2/10) Modern Metal
Label: Nuclear Blast Records
VÖ: 09.01.2026
Stil: Modern Metal
Im Schrank verstaubte er, der Objektivitätshelm. Doch nun ist es an der Zeit ihn wieder herauszuholen, aufzusetzen und zu schauen ob das überhaupt notwendig ist, denn bis auf wenige Sekunden dieser Band, kann ich von mir behaupten, noch nie bewusst etwas von Beyond The Black, gehört zu haben. Diese wenigen Sekunden waren allerdings die Art klebrige Akustikmasse, die sich im Gehörgang festlutscht, ob man es gut findet oder nicht. Auch Nuclear Blast macht es mir leicht, relativ unvoreingenommen in die Nummer hier reinzugehen, denn Presseinfo-Texte oder Promo-Lobhudeleien gibt es schlicht nicht. Dieses Label ermutigt noch zu ehrlicher, eigener Recherche. So weiß ich jetzt, dass Frontfrau Jennifer Haben auf ihrer eigenen Homepage (nein, nicht die der Band) unter Anderem selbst gefertigte Traumfänger feilbietet. Fangt mit dieser Information bitte an, was auch immer ihr möchtet.
Trotz besagtem Helm zog sich meine linke Augenbraue bereits im Opener Rising High gefährlich weit nach oben. Wir hören Shakira nachdem sie zu viel Brom eingeatmet hat. Schlimm. Also wirklich ganz übler Vokalakrobatik-Cringe. Aber das hat auch etwas Positives: Meine Aufmerksamkeit war voll da. Nach diesem üblen Einstieg wirkt die Stimme von Jennifer Haben direkt wie abholende Umarmung, führt durch Strophe und Refrain und kickt mich dann wieder in die hässlichen Fänge des Cringe-He-Ta-Ho-Te-MaMaMa. Warum, Jennifer, tust du mir das an? Naja, danach geht’s recht unspektakulär in Pop-Songstruktur weiter.
Apropos, dass das komplette Album so glatt produziert ist, dass selbst Teflon wirkt wie grobkörniges Schleifpapier, darüber müssen wir hier nicht reden. Dass die Gitarren ausschließlich in Soli glänzen dürfen, ist schon eher zu monieren, denn in der übrigen Zeit werden diese vom Plastik-Schlagzeug niedergeknüppelt. Insbesondere im Titelsong wäre da ein bisschen mehr Mut zum Metal richtig gut gekommen, denn der ist sauber treibend und dynamisch geraten. Auch der befürchtete Totalausfall The Art of Being Alone schlängelt sich im Duett mit Chris Harms zur stimmlich sehr gut in Szene gesetzten Aufforderung doch mal wieder die Rollos herunterzuziehen und sich ein bisschen selbst zu reflektieren.
Natürlich ist mit Ravens auch eine Ballade am Start, Ehrensache. Wenn ich richtig recherchiert habe, nennen sich die Mitglieder des Fanclubs Ravens, und das international. Da ich mit dieser Art Musik nicht viel zu tun habe, bin ich an dieser Stelle ehrlich beeindruckt, was Beyond the Black so seit Inbetriebnahme 2014 gerissen haben. The Flood spart dann im Anschluss nicht mit Pathos, also noch weniger als die Songs generell, aber hier wird’s exzessiv. Verstärkt durch Asumi der Band Lovebites geht es in Can You Hear Me wieder etwas treibender geradeaus voran. Auch im Rest bestätigt sich allmählich meine Ahnung, dass Beyond The Black extremes Augenmerk auf einen Refrain legen, der möglichst groß auffährt, nur lasst bitte diesen Vocoder-Effekt raus.
Break the Silence ist im Grunde also mehr Pop als Metal, und das meine ich sogar anerkennend. Denn die Strukturen sind glasklar ersichtlich, sehr einfach nachvollziehbar, komplett durchproduziert und werden beim anvisierten Publikum sofort zünden, da bin ich mir sicher. Das hat mit ehrlichem, Staub hustenden und schwitzend gearbeiteten Metal wenig zu tun. Die kompositorische Klasse der Musiker und die stimmliche Qualität von Jennifer Haben passt einwandfrei zusammen und ergeben im Resultat eine im Tempo dynamische, im Songwriting geradlinige Produktion ohne Ecken, Kanten oder Risiken. Man möchte fast meinen, dass Beyond The Black Bammel davor haben zu viel eigene Identität einfließen zu lassen, technisch wäre das an den Saiten locker möglich, aber das würde der anvisierten Käuferschicht vielleicht etwas zu sauer aufstoßen, wenn völlig unerwartet ein, sagen wir, kurzer Blast wachrütteln würde.
Wenig überraschend ist das nicht mein Fall, doch der Objektivitätshelm hat mir hier einen sauberen Dienst erwiesen, denn wirklich schlimm war es natürlich nicht (bis auf den Beginn, versteht sich). Wirklich blöd fand ich dann jedoch, dass der Gesang im abschließenden Weltschmerz absolut unnötig zum Englischen wechselt, bis dahin war das nämlich ein schöner Closer (hehe).
Anspieltipps:
🌩 Break the Silence
💫 Weltschmerz
Bewertung: 6,2 von 10 Punkten
TRACKLIST
1. Rising High
2. Break the Silence
3. The Art of Being Alone
4. Let There Be Rain
5. Ravens
6. The Flood
7. Can You Hear Me
8. (La vie est un) Cinéma
9. Hologram
10. Weltschmerz

