ZEPTER - Zepter (2026)
(10.114) Olaf (8,0/10) Heavy Metal
Label: High Roller Records
VÖ: 20.02.2026
Stil: Heavy Metal
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Es gibt diese seltenen Momente, in denen man eine Platte einlegt und sofort das Gefühl hat, irgendwo falsch abgebogen zu sein – allerdings im besten Sinne. Plötzlich steht man nicht mehr im Jahr 2026 zwischen Promo-Mails, Deadlines und überproduzierten Algorithmus-Alben, sondern irgendwo zwischen verrauchten Proberäumen, Bierdosen auf Verstärkern und Gitarrenharmonien, die mehr Lederjacke als Lifestyle sind. Genau dorthin teleportiert einen das selbstbetitelte Debüt von ZEPTER. Und ehe man sich versieht, nickt der Kopf im Takt, während das innere 80er-Metal-Kind laut „Endlich!“ schreit.
Kollege Phillip brachte es bereits herrlich treffend auf den Punkt, als er die Jungs liebevoll „Thin Linzy“ nannte. Das bleibt hängen – und passt erstaunlich gut.
Die vier Linzer sind nämlich keine Retro-Karikatur, sondern ein ziemlich organisch gewachsener Haufen Musiker, die sich schon lange kennen und zuvor gemeinsam in anderen Bands aktiv waren. Irgendwann entstand schlicht die Idee, klassischen Heavy Metal zu spielen – nicht als Trendreaktion, sondern aus echter Überzeugung. Erste Probe im Januar 2024, kurz darauf bereits eine EP aufgenommen, alles in erstaunlichem Tempo umgesetzt. Man merkt: Hier wurde nichts zerredet, sondern gemacht. Und genau dieses unverkopfte Momentum hört man der Platte an.
Nun also das Debüt über High Roller Records, ein Label, bei dem man als Metalhead tatsächlich oft blind zugreifen kann. Wer deren Katalog kennt, weiß: Hier geht es nicht um moderne Plastikproduktion oder kalkuliertes Streaming-Futter, sondern um Herzblut, Lederjacke und ehrliche Riffs. ZEPTER passen dort hinein wie Patronen ins Bandolier.
Musikalisch bewegen wir uns tief im klassischen Heavy Metal, allerdings ohne staubige Museumsatmosphäre. Twin-Guitars dominieren das Geschehen – nicht als bloße Verzierung, sondern als tragende Säule. Harmonien werden zelebriert, Leads erzählen Geschichten, und immer wieder entstehen diese Momente, in denen Pathos und Melodie sich die Hand geben, ohne kitschig zu wirken. Thin Lizzy trifft UFO in der Schenker-Phase, dazu eine ordentliche NWOBHM-Schlagseite und ein Hauch Speed Metal, als hätte jemand 1978 kurz die Zukunft gesehen. Genau diese Mischung beschreibt die Band selbst ziemlich treffend – und sie funktioniert erstaunlich natürlich.
Was sofort auffällt: Die Songs wollen nicht beeindrucken, sie wollen wirken. Catchy Hooks stehen neben gallopierenden Rhythmen, hymnische Refrains neben raueren Passagen. Besonders die Gitarrenarbeit ist ein Fest für jeden, der noch weiß, dass Heavy Metal auch von Dynamik lebt. Diese Twin-Leads sind kein Beiwerk – sie sind das Herz der Platte. Viel Pathos, viel Gefühl, viel Heavy Metal. Und zwar in der schönsten Bedeutung dieses Wortes.
Die NWOBHM-DNA ist unverkennbar. Frühe Maiden, Saxon oder Angel Witch schimmern durch, ohne dass ZEPTER zur Kopie werden. Man hört, dass die Musiker aus unterschiedlichsten musikalischen Ecken kommen – von extremeren Genres bis hin zu atmosphärischer Musik –, doch statt stilistischem Chaos entsteht eine erstaunlich fokussierte Schnittmenge. Genau daraus entsteht dieser authentische Charakter: traditionell, aber nicht rückwärtsgewandt. Der Sound passt perfekt dazu. Erdige Produktion, warm, direkt und angenehm unaufgeregt. Kein klinischer Hochglanz, sondern eine Aufnahme, die atmet. Alles sitzt dort, wo es hingehört, ohne steril zu wirken. Gerade die Gitarren profitieren enorm davon, während Bass und Drums genug Druck liefern, ohne sich aufzudrängen.
Und dann wäre da noch der Gesang. Frontmann Lukas agiert stellenweise tatsächlich leicht asynchron zur Musik – aber genau das macht den Charme aus. Perfektion wäre hier fast fehl am Platz gewesen. Diese kleinen Ecken und Kanten sorgen dafür, dass sich das Album herrlich „true“ anfühlt. Man glaubt dieser Stimme jedes Wort, gerade weil sie nicht geschniegelt klingt.
Textlich bewegt sich das Album im klassischen Heavy-Metal-Kosmos zwischen Straße, Dunkelheit, Kampfgeist und mystischer Aufladung. Figuren wandern durch nächtliche Szenerien, Schatten werden zu Begleitern, und immer wieder schwingt dieses Gefühl mit, dass Heavy Metal weniger Genre als Haltung ist. Wenn von dunklen Engeln oder rastlosen Gestalten die Rede ist, entsteht kein Fantasy-Kitsch, sondern eine Atmosphäre, die eher an nächtliche Autobahnfahrten als an Drachenburgen erinnert. Die Texte funktionieren dabei vor allem als Stimmungsträger – direkt, bildhaft und angenehm frei von überintellektuellem Ballast.
Auffällig ist zudem, dass die Platte trotz ihrer kurzen Spielzeit von gut 34 Minuten keinerlei Leerlauf kennt. Kein unnötiges Aufblasen, kein Füllmaterial. Selbst die Coverversion fügt sich überraschend homogen ins Gesamtbild ein und wirkt eher wie eine Verbeugung vor den eigenen Einflüssen als ein Fremdkörper.
Was ZEPTER besonders stark macht, ist ihre Ehrlichkeit. Dieses Album will nicht modern sein, nicht innovativ um jeden Preis, nicht relevant im algorithmischen Sinne. Es will Heavy Metal sein – und trifft damit einen Nerv, den viele Produktionen heute verfehlen. Die Platte fühlt sich an wie ein Debüt aus einer Zeit, in der Bands noch einfach losgelegt haben, statt zuerst Marketingstrategien zu entwickeln. Ich lehne mich mal aus dem Fenster: Diese Band wird in der Szene für mächtig Wirbel sorgen und nicht lange eine Unbekannte bleiben. Dafür steckt hier zu viel Substanz, zu viel Spielfreude und vor allem zu viel Potential drin.
Das Debüt von ZEPTER hinterlässt das Gefühl, einer Band beim Startschuss zuzuhören. Nicht perfekt, nicht geschniegelt, aber voller Energie, Leidenschaft und ehrlicher Begeisterung für Heavy Metal. Genau diese Mischung macht die Platte so sympathisch. Da ist unfassbar viel Potential im Raum, und ich freue mich ehrlich darauf, den weiteren Werdegang der Linzer verfolgen zu dürfen. Wenn sie diesen Spirit konservieren und gleichzeitig weiter wachsen, könnte hier etwas wirklich Großes entstehen.
Anspieltips:
🔥Slasher On The Highway
🎸The Exterminator
💀The Slayer
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Slasher on the Highway
02. Everlasting
03. The Slayer
04. Hit the Streets
05. The Exterminator
06. Dark Angels
07. Lonely Nights (Scream Cover)
08. The Lords

