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SKINDRED – You got this (2026)

(10.182) Olaf (7,0/10) Reggae Metal


Label: Earache Records
VÖ: 17.04.2026
Stil: Reggae Metal







Manchmal reicht ein einziger Beat, ein einziger Offbeat-Groove, und man weiß sofort, wer da gerade aus den Boxen knallt. Dieses unverkennbare Soundgewitter aus Newport, irgendwo zwischen Dancehall, Metal und kompletter Eskalation, trägt seit Jahren einen Namen: SKINDRED. Entstanden aus der Asche von Dub War, haben die Waliser früh verstanden, dass Genregrenzen eher Vorschläge als Regeln sind – und genau daraus ihren ganz eigenen Bastard erschaffen, der bis heute gleichermaßen Hüfte und Nacken in Bewegung zwingt.

Spätestens mit Smile haben sie sich dann endgültig in eine Liga katapultiert, in der man plötzlich nicht mehr nur Szene-Liebling ist, sondern Charts knackt, Hallen füllt und Preise abräumt. Wembley, MOBO Award, volle Eskalation – das Ding war ein Brett. Und genau da liegt das Problem von You got this: Was kommt nach so einem Höhenflug? Die Antwort der Waliser fällt… sagen wir mal: kontrolliert aus.

Die Band selbst spricht von „all killer, no filler“, von kompaktem Songwriting, von Hooks, die sich wie Kaugummi im Gehörgang festbeißen, von Dancehall-Vibes für die Festivalbühnen dieser Welt. Und ja, das stimmt alles – zumindest auf dem Papier. In der Praxis wirkt das Ganze jedoch stellenweise, als hätte man die wilde, unberechenbare Energie der Band ein wenig zu sehr an die Leine genommen. Weniger Chaos, mehr Kalkül.

Dabei ist das Fundament weiterhin unangreifbar: Benji Webbe. Dieser Mann ist kein Sänger, er ist ein Naturereignis. Eine Mischung aus Animateur, Prediger und Abrissbirne, der dir mit einem breiten Grinsen ins Gesicht schreit, dass du gefälligst an dich glauben sollst – und du glaubst es ihm. Zeilen wie „You got this“ oder sinngemäße Durchhalteparolen, die sich durch das Album ziehen, funktionieren genau deshalb, weil sie nicht geschniegelt, sondern aus dem Bauch kommen. Pathos? Ja. Aber ehrlich.

Musikalisch liefern SKINDRED genau das, was sie immer liefern: fette Riffs, Offbeat-Grooves, diese unverwechselbaren Soundclash-Momente, bei denen man gleichzeitig headbangen und tanzen will. Produzent Jay Ruston hat das Ganze sauber, druckvoll und radiotauglich in Form gegossen – vielleicht einen Tick zu sauber. Wo früher noch Ecken und Kanten waren, blitzt jetzt manchmal Hochglanz durch. Und genau hier liegt der Knackpunkt: You got this ist kein schlechtes Album. Im Gegenteil – es ist immer noch besser als der Großteil dessen, was sich im sogenannten Party-Rock-Business tummelt. Aber es fehlt dieses gewisse „Was zur Hölle passiert hier gerade?!“-Gefühl, das SKINDRED sonst so besonders macht.

Bei zehn Songs kristallisieren sich relativ schnell die wirklichen Highlights heraus. You got this selbst ist ein Paradebeispiel für die Stärke der Band: sofort im Ohr, sofort im Nacken, sofort auf der Bühne funktionierend. Born Fe Dis bringt genau diesen Mix aus Attitüde und Groove, der dich automatisch mitwippen lässt, während Do it like this fast schon frech eingängig daherkommt. Und dann ist da My People – für mich der unangefochtene Höhepunkt der Platte. Ein Song, der genau dieses kollektive Wir-Gefühl transportiert, das auf Festivals ganze Menschenmassen in Bewegung setzt.

Der Rest? Gut. Solide. Unterhaltsam. Aber eben auch manchmal etwas zu kurz gedacht, zu sehr auf den schnellen Effekt ausgerichtet. Viele Songs sind knapp gehalten, zünden schnell – und sind genauso schnell wieder vorbei, ohne sich wirklich festzukrallen. Es wirkt stellenweise, als hätte man bewusst auf Nummer sicher gespielt, anstatt die Grenzen weiter auszutesten.

Und das ist der Punkt, an dem meine persönliche Fanbrille ein kleines bisschen beschlägt. Ich liebe diese Band. Wirklich. Aber gerade deshalb erwarte ich vielleicht auch ein Stück mehr Wahnsinn, mehr Mut, mehr „uns ist egal, ob das jemand versteht“. Smile hatte genau das. You got this dagegen wirkt wie der kleine Bruder, der geschniegelt mit zum Familienfoto darf, aber nicht ganz so wild sein darf wie die anderen.

Trotzdem: Die Messages sitzen. Themen wie Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen und die kleinen Lichtblicke im Alltag ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album. Und wenn Benji dir quasi ins Ohr brüllt, dass du weitermachen sollst, dann hat das Gewicht. Auch wenn die Verpackung diesmal etwas glatter ist. Was hängen bleibt? Ein Album, das Spaß macht, das auf Festivals für verschwitzte Ekstase sorgen wird – das aber im direkten Vergleich mit früheren Großtaten von SKINDRED nicht ganz an deren Strahlkraft heranreicht. Die Band scheitert hier nicht an sich selbst, sondern an ihrem eigenen Anspruch.

Anspieltips:
⚡You got this
👑Born Fe Dis
🎧Do it like this
🔥My People


Bewertung: 7,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. You got this
02. Can I get a
03. Born Fe Dis
04. This is the Sound
05. Broke
06. Glass
07. Big em up
08. Do it like this
09. My People
10. Give thanks 



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