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Live on Stage Report: SPACEFEST V

Space Chaser | Insanity Alert | Mechanic Tyrants | Messticator > 06.03.2026 – Berlin @ Mikropol


Manche Dinge brauchen ihre Zeit. Gute Alben, gutes Bier – und offenbar auch das SPACEFEST. Ganze acht Jahre hat es gedauert, bis dieses kleine, aber feine Berliner Thrash-Familientreffen endlich wieder aus dem Kryoschlaf geholt wurde. Am 06. März 2026 war es dann endlich soweit: SPACEFEST V landete im Mikropol, dieser charmanten kleinen Schwester des legendären Metropol am Nollendorfplatz.

Dieser Ort löst bei mir ohnehin nostalgische Kurzschlüsse aus, denn direkt nebenan habe ich anno 1987 im großen Metropol meinen Einstand in eine der schönsten Konzertlocations dieser Stadt gefeiert – damals mit SLAYER und MALICE. Ein Abend, der sich irgendwo zwischen jugendlicher Euphorie und dauerhafter Gehörschädigung ins Gedächtnis gebrannt hat.

Das Mikropol selbst ist deutlich kleiner, aber genau das macht den Reiz aus. Rund 250 Leute passen hinein, und an diesem Abend war wirklich jeder einzelne Platz besetzt. Ausverkauft. Die Chasers hatten gerufen – und Berlin kam. Vor der Bühne sammelte sich eine thrashhungrige Meute, die Stimmung lag irgendwo zwischen Klassentreffen, Familienfeier und Pulverfass. Und ich? Ich hatte sowas von Mega Bock auf diesen Abend. 

Den Auftakt des Abends bestritten MESSTICATOR, die erstmals mit neuer Besetzung auf der Bühne standen. Lommer am Bass und Thomas am Gesang fügten sich dabei erstaunlich nahtlos ins Gesamtbild ein. Gerade Thomas entpuppte sich als bellender Pitbull auf Adrenalin, der die Songs mit ordentlich Druck und Präsenz ins Publikum feuerte. Lommer hingegen bewies einmal mehr, warum er durch seine Vergangenheit bei CRIPPER oder CRITICAL MESS als technisch herausragender Musiker gilt – präzise, druckvoll und mit genau der richtigen Portion Aggression im Spiel.

Musikalisch zeigten die Hanseaten eindrucksvoll, dass fetter und technisch hochwertiger Death Metal auch problemlos mit nur einer Gitarre funktioniert. Vom Opener Trembling Earth über Summon the Destroyer bis zu The Tyrant’s Scepter und Bloodsport walzten die Songs mit mächtig Druck durch den Laden. Besonders erfreulich war für mich die Livepremiere meines persönlichen Favoriten One-Shot-Kill, der sich auch auf der Bühne als echter Nackenbrecher entpuppte. Auch Iron Messiah und das finale Unmask the Hypocrisy machten deutlich, dass das neue Album, das in wenigen Tagen erscheint, einige ziemlich starke Geschütze auffahren wird.

Der Sound war dabei überragend. Zwar war das Publikum an diesem Abend eher auf Thrash geeicht, doch mit jedem Song wurde der Applaus lauter. Am Ende hatten MESSTICATOR den Laden klar auf ihrer Seite – und bei mir führte das Ganze konsequenterweise direkt zum Merchstand, wo ein neues Shirt den Besitzer wechselte.

Nach dem Auftritt ergaben sich noch einige sehr angenehme Gespräche mit den Jungs. Wer mehr von ihnen hören möchte: MESSTICATOR sind am 20.03. in der 116. Ausgabe von Tales from the Hard Side zu Gast. Ich freue mich jetzt schon drauf.

Nach dem starken Auftakt ging es direkt weiter mit MECHANIC TYRANTS, einer Band, die auf Platte ohnehin schon ordentlich Dampf macht. Live allerdings begann das Ganze zunächst etwas… nennen wir es rustikal. Der Sound war anfangs ein ziemlicher Brei – so eine Art thrashiges Gulasch, bei dem man zwar alle Zutaten erkennt, aber nicht mehr genau sagen kann, welches Gemüse jetzt eigentlich welches sein soll.

Dem Publikum im Mikropol war das allerdings komplett Banane. Wirklich. Die Franken wurden vom ersten Moment an abgefeiert, als hätten sie gerade die verlorene dritte Hälfte von Reign in Blood gefunden. Spätestens nach wenigen Songs war klar: Hier wird heute nicht höflich mit dem Kopf genickt, hier wird das Mikropol einmal komplett auf links gedreht.

Das lag sicher auch am herrlich oldschooligen Auftreten der Truppe. Während andere Bands heute geschniegelt wie Influencer im Fitnessstudio auf die Bühne tapsen, standen MECHANIC TYRANTS da wie eine Zeitreise in die späten Achtziger. Der Blick vieler Zuschauer wanderte dabei immer wieder nach unten – nicht etwa aus Schüchternheit, sondern wegen des bemerkenswerten Schuhwerks von Jakob und Danny. Diese Treter hätten vermutlich auch einen Panzertritt auf Beton überlebt und passten perfekt zur musikalischen Abrissbirne.

Und während der Sound sich zunehmend fing, drehte auch das Publikum komplett frei. Die ersten Reihen gingen steil, hinten wurde gebangt, geschoben und kollektiv geschwitzt. Kurz gesagt: Das Mikropol wurde zum ersten Mal an diesem Abend ordentlich durchgeschüttelt. Unterm Strich ein starker Auftritt der Franken. Vielleicht nicht der sauberste Soundstart des Abends – aber definitiv einer der Momente, in denen der Laden begriff, dass dieser Abend noch einige Wirbelstürme bereithält.

Jetzt wurde es endgültig bekloppt. Ich hatte mich schon den ganzen Abend auf die komplett durchgeknallten Sickos von INSANITY ALERT gefreut – und die Innsbrucker lieferten exakt das, was man von ihnen erwartet: völliger Wahnsinn mit Ansage. Kaum auf der Bühne, flogen wieder die obligatorischen Pappschilder durchs Mikropol, während Fronter Heavy Kevy wirkte, als hätte er bereits seit 11 Uhr morgens ein ambitioniertes Alkohol-Trainingslager absolviert. Entsprechend charmant entgleist präsentierte sich seine Performance irgendwo zwischen Party, Abriss und betreutem Trinken. BTW, er trank wirklich seit 11 Uhr morgens, wie er auf der Bühne später verriet…

Musikalisch ging es ohne Vorwarnung direkt mit Shredator, Glorious Thrash und Twist Off Betrayal in die Vollen. Obwohl diesmal nur eine Gitarre im Einsatz war, ballerten INSANITY ALERT einen derartigen Thrash-Sturm durch den Raum, dass der Putz fast freiwillig von der Decke fiel. Spätestens bei Chronic State of Hate und Gonna Rip Your Head Off gab es im Publikum ohnehin kein Halten mehr – ein einziger wogender Moshpit, der vermutlich selbst einem Statiker Sorgenfalten ins Gesicht getrieben hätte.

Zwischendurch wurden mit Zongo vs Eyeball, Pact with Satan und dem völlig bescheuerten Windmill Vanilli weitere Granaten gezündet, während Heavy Kevy in seinem herrlich unverständlichen Tiroler Dialekt Dinge ins Mikro brüllte, von denen man vielleicht ein Drittel verstand – der Rest war vermutlich sowieso nicht jugendfrei.

Der absolute Höhepunkt kam dann mit der völlig eskalierenden Moshemian Thrashody, bei der das Mikropol endgültig kollektiv den Verstand verlor. Doch der finale Knockout folgte kurz darauf mit Run to the Pit. Spätestens da mobilisierte das Publikum noch einmal sämtliche Reserven und verwandelte den Laden in ein einziges thrashendes Tollhaus.

Unterm Strich: INSANITY ALERT waren ganz klar die Gewinner des Abends. Die Österreicher kamen, sahen – und wischten einmal feucht durch das Mikropol, bevor sie den Laden völlig verwüstet zurückließen. So muss Party-Thrash aussehen.

Dann war es endlich soweit: SPACE CHASER betraten die Bühne. Die Hausherren. Die Initiatoren. Die Namensgeber dieses ganzen kosmischen Irrsinns namens Spacefest. Und nach acht Jahren Pause fühlte sich das ungefähr so an, als würde man einen alten Freund wiedersehen, mit dem man früher regelmäßig Bier getrunken und anschließend die Welt verbessert hat.

Mein erster Blick ging natürlich sofort zu Leo. Seit Siggis Abgang steht er nicht nur mit der Gitarre bewaffnet auf der Bühne, sondern übernimmt mittlerweile auch das Mikro. Ich gebe zu – am Anfang fremdelte ich noch ein wenig mit seinem deutlich tieferen Gesang. Gerade Songs wie Decapitron oder Skate Metal Punks klingen dadurch natürlich anders als früher. Aber eben nicht schlechter. Nur… anders geil. Und während ich da so stand und versuchte, mein inneres Nostalgie-Monster zu beruhigen, merkte ich irgendwann: verdammt, das funktioniert. Und zwar richtig gut.

Die Band eröffnete mit Signals und jagte anschließend mit dem ersten neuen Song Ignite the Skies und Waves direkt die ersten Thrashraketen in den ausverkauften Mikropol. Spätestens bei Remnants of Technology und Give Us Life war klar, dass hier heute nichts mehr schiefgehen würde. Die Gitarren sägten sich durch den Raum, als hätten sie acht Jahre lang im Keller darauf gewartet, endlich wieder freigelassen zu werden.

Natürlich durften auch die zweite aktuelle Single Razorblade Bay nicht fehlen, bevor mit besagtem Decapitron endgültig der Abrissmodus aktiviert wurde. Spätestens jetzt verwandelte sich der Laden in ein einziges schwitzendes Moshpit-Biotop. Und als ob das noch nicht reichen würde, feuerten die Berliner mit We Are the Night und Dark Descend noch zwei weitere Geschosse hinterher. Der endgültige Wahnsinn folgte dann mit dem abschließenden Skate Metal Punks. Der Song ist ohnehin schon ein Garant für kollektiven Kontrollverlust – live aber noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Das Publikum rastete komplett aus, Bier flog durch die Luft, Köpfe rotierten im Propellerbetrieb und irgendwo zwischen Bühne und Tresen entstand vermutlich kurzzeitig ein eigenes Gravitationsfeld.

Was aber am meisten hängen blieb, war die sichtbare Freude der Band. Man merkte den Jungs wirklich an, wie sehr sie IHR Publikum vermisst hatten. Da wurde gegrinst, geschwitzt, gebangt und geackert, als gäbe es kein Morgen. Und genau so sahen sie am Ende auch aus: komplett schweißnass, völlig ausgepumpt – aber mit diesem breiten Grinsen im Gesicht, das sagt: Mission erfüllt.

SPACE CHASER haben das Mikropol an diesem Abend also nicht einfach nur bespielt – sie haben ihm zum krönenden Abschluss noch einmal ordentlich den Warp-Antrieb gezündet. Ein triumphaler Heimspielmoment voller Schweiß, Spielfreude und Thrash Metal, der eindrucksvoll zeigte, warum dieses Spacefest überhaupt existiert.

Und damit bleibt am Ende eigentlich nur noch eines zu sagen: Danke an SPACE CHASER, INSANITY ALERT, MECHANIC TYRANTS und MESSTICATOR für einen Abend, der bewiesen hat, dass Berlin immer noch verdammt gut darin ist, kleine Clubs in galaktische Metal-Schlachthäuser zu verwandeln. 




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