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IRON KOBRA – Eternal Dagger (2026)

(10.298) Phillip (9,5/10) Heavy Metal


Label: Dying Victims Productions
VÖ: 19.06.2026
Stil: Heavy Metal






Ja, ich gebe es zu! Auch ich gehöre „erst“ seit der Über-EP Kerker & Drachen zu den Jüngern der eisernen Schlange. Und ich habe mir alle vorherigen Werke umgehend draufgeschafft. Jetzt ist diese EP nun auch bereits gestandener Grundschüler (in Menschenjahren) und hat acht Jahre auf dem Buckel, auch das letzte Vollwerk nullte bereits das erste Mal. Hach, sie werden so schnell groß. Doch seitdem ist es auch ruhiger um die Gelsenkirchener Iron Kobra geworden, die es sich vermutlich erlaubt haben, auch ein Privatleben zu haben. 

Doch nun sind sie zurück! Mit einem Album im Gepäck, das mehr Hits liefert als Iron Mike in seinen besten Tagen. Doch diese wollen erobert werden! Nach dem ersten Hördurchlauf hinterließ mich Eternal Dagger mit einem seltsamen Gefühl. Klar war, dass hier Potenzial lauert, doch anspringen wollte es mich nicht. Dieser Dolch ist nichts für nur eine Nacht. Kein euphorischer Sturm, der mich zerknittert zurücklässt, nur um danach den erneuten Druck auf die Play-Taste zu scheuen. Mit etwas Abstand musste also zwingend ein zweites Mal durchgehört werden.

Von da an offenbarte sich mir die wahre Größe von Eternal Dagger. Vieles aus der vorangegangenen Anhörung blieb doch haften, sodass der Zugang diesmal besonders leicht fiel. Mehr Hooks als in jedem Schlachthof EU-West zusammen genommen. Dazu unheimlich flinke Melodien auf der Gitarre, eine sagenhaft tighte Rhythmusfraktion mit einem geil hallig schepperndem Schlagzeug. Jeder Schlag auf die Snare klingt wie ein Tischfeuerwerk, super! Über all dem thront die eigenwillige, Ahnungslose würden sagen „komische“, Stimme von Sir Serpent, die dem gesamten Gebräu die spezielle Würze verpasst.

Was der Mann hier an Screams und Gesängen abfackelt verdient allerhöchsten Respekt. Da ist alles dabei: Melancholie in Forbidden Fruits und Fliehen, Euphorie in Shibuya Nights, hymnischer Pathos in Mountains of Madness und natürlich exzellent gesetzter Hall. Überhaupt: jedes Mal wenn Iron Kobra auf deutsche Texte zurückgreifen, wird es zur Lehrstunde. Nie auch nur ein Hauch von Fremdscham, keine Spur von billigen Reimen sondern echtes Sprachgefühl mit Texten die tiefer gehen als man es für möglich hält. Und natürlich bohrt sich jede einzelne Zeile sofort in den Hippocampus.

In Sachen Dynamik auf Albumlänge haben die eisernen Kobren hervorragend gearbeitet. Nach dem Partystampfer Shibuya Nights kommt der breitbeinige Highspeed-Brecher Silver Strings and Iron Wings und wischt einmal feucht im Gehörgang durch, um die Hörerschaft auf den Titelsong des Albums vorzubereiten. Dieser möchte sich mit besonders einprägsamen (ja, da geht NOCH mehr) „Ohhhhhhs“ vor dem Eternal Dagger festsetzen und schafft dies letztlich durch die überraschende Wendung im Mittelteil, bevor nochmal sämtliche Register gezogen werden und die, das (fantastische) Coverartwork zierende, Huntress besungen wird.

Darauf folgen noch drei sehr gut ausgewogene Songs, die wahlweise gerne auch innerhalb des Songs, das Gespür für Melodie und Breaks sowie den Rausch der Geschwindigkeit kombinieren, wie etwa Treacherous Tyrant. Bei diesem Songs ist mir spontan ein nietenbewehrter Handschuh über die rechte Flosse gewachsen. Der grandiose Abschluss ertönt in Mountains of Madness dann stilecht etwas gebremster, hymnischer und hinterlässt ein Gefühl, hier soeben Zeuge einer Großtat geworden zu sein.

War ich zuerst ein wenig zurückhaltend, zündete mich Eternal Dagger dann nachhaltig an. Heavy Metal wie er sein wollte. Zu jeder Sekunde authentisch, unkalkuliert und immer dem Gespür, was gut für den Song ist. Die Soli glänzen ohne den anderen Instrumenten im Licht zu stehen, hier wirkt alles wie aus einem Guss, alle Bandmitglieder von Team Schlange ziehen gemeinsam an einem Strang und ich lege mich fest, dass dieses Gerät hier auf so einigen Festivalcampingplätzen rotieren wird!

Anspieltipps:
Trembling Dungeons
Fliehen
🗡 Shibuya Nights
💣 Treacherous Tyrant
 


Bewertung: 9,5 on 10 Punkten


TRACKLIST

01. Trembling Dungeons 
02. Forbidden Fruits 
03. Fliehen 
04. Shibuya Nights 
05. Silver Strings and Iron Wings 
06. Eternal Dagger
07. Unchained & Untamed 
08. Treacherous Tyrant 
09. Mountains of Madness



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