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Live on Stage Report: MASS HALLUCINATION TOUR 2026
HYPOCRISY | ABBATH | VOMITORY | VREID 21.04.2026 – Hamburg @ Grünspan
Was für eine Tourankündigung war das denn bitte? HYPOCRISY zusammen mit ABBATH, VOMITORY und VREID auf Tour mit Zwischenstopp unter anderem in Hamburg, im ikonischen Gruenspan. Da musste ich nicht 2mal überlegen und habe mir sofort die Tickets gesichert. Die Chance auf eine Akkreditierung hin oder her, ich will, nein, ich musste da einfach hin und ein unbezahlter Bericht hat doch auch irgendwie etwas Gutes, oder? Und darüber hinaus: Bei dem Line-up kann eigentlich nichts schiefgehen, immerhin höre ich alle 4 Bands auch privat oft, habe sie schon mindestens 1-mal live gesehen und weiß daher zu 100%, worauf ich mich einlassen werde.
VREID
Nach einer kurzen Wartezeit vor dem Club auf der Reeperbahn ging es auch schon bald los, wobei noch kurz erwähnt sei: Vorab versendete mir Eventim eine Änderung per Mail, dass das geplante Konzert 20 Minuten früher starten wird, weshalb wir uns demnach auch früher auf den Weg gemacht haben, um letzten Endes festzustellen, dass der Einlass dennoch wie ursprünglich geplant um 18 Uhr stattfinden wird. Dies hatte den Vorteil, dass ein Platz in der ersten Reihe sicher war und dank des generell schnellen Einlasses der Club pünktlich zu Beginn der Show von VREID schon gut gefüllt war. Ob noch eine Schlange draußen zu Beginn stand, kann ich nicht sagen, aber ich gehe auch mal davon aus, dass es grundsätzlich innerhalb der Woche schwer ist, den Club gleich zu Beginn vollkommen auszureißen bzgl. der Besucherzahlen.
Die Norweger hat das definitiv nicht gestört und sie haben direkt losgelegt – und das gleich mit ihrem Filmsoundtrack-Titel Kraken. Der Track ist schon so eine wuchtige Sache, das Video war großartig, aber live gab es da einfach nur Gänsehaut pur. Die Spannung war somit aufgebaut und man bekam einfach Bock auf den Abend bzw. hat realisiert, dass es endlich losging. Die Atmosphäre hat insgesamt super gepasst, der „Sognametal“ hat geballert und die Band hat ihren Opener-Slot perfekt auf die Sekunde genau ausgereizt. Viel Platz für ausgiebige Bühnenaktionen und Ansagen gab es nicht, aber das ist bei der Art von Black Metal auch überhaupt nicht nötig gewesen und die Musik sowie die Präsenz der Band haben vollkommen ausgereicht, um zu überzeugen. Dem „Prince of Darkness“ Ozzy Osbourne wurde sogar auch hier mit einem Track gehuldigt und zeigt mal wieder, wie viel Einfluss er auf die Musikszene gehabt hat. Lediglich das abrupte Ende stieß mir ein wenig sauer auf, aber dass die Setlists bei 4 Bands nicht allzu lang sein werden, war mir schon vorab klar und zeigte einfach nur, dass mir die Truppe mehr als nur gefällt und sie alles richtig gemacht haben.
VOMITORY
Während der kommenden Umbaupause ging es an die Neuversorgung mit Getränken sowie dem Lauschen des Drum-Soundchecks von VOMITORY und ihrem Schießbudenbuben Tobias Gustafsson, was für mich schon gefühlt eine zusätzliche Attraktion gewesen ist. Mensch, was ballert er uns da um die Ohren? Präzise, schnell und einfach großartig, wie viele Schläge man mit Sticks und Bassdrum innerhalb ein paar Minuten so packen kann. Ähnlich kompromisslos hat dann demnach – logisch schlussfolgernd – die komplette Truppe mir den Kopf abgeschraubt! Frisch gestärkt mit ein paar neuen Titeln der neuen Platte haben die Schweden knappe 40 Minuten ohne Rücksicht auf Verluste ihren brutalen und messerscharfen Death Metal in die Menge gespielt.
Der Club wurde nun auch voller bzw. hat so langsam sein Maximum erreicht, was der Stimmung auch sehr zugutekam. Hier konnte man einfach nur headbangen und sich der Macht der Titel ergeben, etwas anderes wurde nicht zugelassen. Es kam sogar nun auch schon zu den ersten kleinen Moshpits in der Mitte der Menge, ein eindeutiges Zeichen, dass die Menge tobte, oder? Der Sound war perfekt und die Titelauswahl hat auch noch Platz für ein paar „ältere“ Klassiker gelassen. Viel passiert bei den Jungs auf der Bühne natürlich nicht, aber sie haben auch sehr viel an ihren Instrumenten zu tun und den Rest übernimmt eben das Publikum. Alles einfach sehr zackig, aber auch ähnlich zügig ging leider auch das Set vorbei und der Nacken gab schon die ersten Warnsignale ab – und das, obwohl doch gerade mal Halbzeit ist! Ach ja, und bevor ich es vergesse: Die kurzen Reels und Co. pro Show auf der Tour von der Band sind doch einfach großartig, oder? Das muss einfach mit erwähnt werden.
ABBATH
Wieder eine „kleine“ Umbaupause und die letzte Chance auf Getränke, WC und Co., denn man merkt nun so langsam, dass die beiden „großen“ Bands kommen werden und vor allem sehnsüchtig erwartet wurden. Jede noch so kleine Lücke in den Reihen füllte sich und mit leichtem Verzug ging es dann los mit den Norwegern rund um ABBATH. Meine 2te Show seines Soloprojekts und definitiv die bessere Show von beiden. Nicht nur, da nun mehr eigene Titel zur Verfügung standen, sondern auch, weil es mehr als nur 1 IMMORTAL-Hit in die Setlist geschafft hat. Darunter unter anderem One by One, der einfach nur eine Wucht ist. Das Ding live knallt einfach und schädelt nur ab, fertig! Aber nun zurück zur Band, denn nach ein paar vergangenen Mitgliederwechseln über die Jahre wirkt die Truppe mehr wie eine Einheit, wie eine richtige Band, als nur ein simples Soloprojekt. Das hat man spielerisch und an der Atmosphäre deutlich gemerkt.
Der bandnamensgebende Frontmann und Gitarrist hat natürlich darüber hinaus alle bekannten und erhofften Moves ausgepackt, unverständlich witzige Ansagen zwischen den Tracks ins Publikum geworfen und die ikonischen Posen rausgehauen, sodass es rundum eine Best-of-Show wurde, was mir sehr gut gefallen hat. Lediglich der Gesang war ein wenig zu leise abgemischt bzw. kam in den ersten Reihen sehr schlecht rüber. Ich war anfangs ein wenig skeptisch, ob das für mich live noch funktioniert, aber nun weiß ich: definitiv! Der Typ und seine Truppe haben es echt noch drauf und die ausgewählten Perlen der 3 Alben knallen live ordentlich! Leider musste aufgrund einer etwas zu langen Umbaupause das Set plötzlich eingekürzt werden. Mehr als schade, aber gerade unter der Woche und bei 4 Bands und einer Clubshow gibt es da wenig Luft bzw. wurde man schon durch die Sets der beiden Vorgängerbands darauf vorbereitet und ich frage mich so langsam: Waren die Sets allgemein nur kurz oder hat dieses perfekte Line-up mich einfach in seinen Bann gezogen, sodass es sich wie eine 4-Track-EP in Erinnerung angefühlt hat? Ich weiß es nicht, aber sehr schön, einfach nur sehr schön. Ach ja, da wir nun wieder bei einer Umbaupause sind: Diese kommt hier auch nochmal nach der Show mit rein, denn kurz vor Beginn des Hauptacts hat der gute ABBATH vom Balkon oben in Unterhose, mit nassen Haaren und Handtuch um den Kopf gewickelt, nochmal sowas wie eine Comedy-Zugabe gegeben, da ABBATH wohl gleich nach der Show ein „Bad“ genommen hat.
HYPOCRISY
Nun aber los jetzt! Was gleich während des etwas längeren Umbaus aufgefallen ist: Das Team vor Ort hat wirklich top Hand in Hand gearbeitet. Das Gewusel wurde gerade jetzt gut ersichtlich und wirkte wirklich durchdacht. An dieser Stelle auch mal ein Lob an die Location, die Crew und alle, die solche Abende möglich machen. Ja, man hört es oft, aber mal ganz ehrlich: Es ist halt so und ohne diese Leute hätten sowohl Bands als auch Fans eben nicht diese Abende! Also ein großes Danke an die gesamte beteiligte Crew an diesem Abend!! Nun aber auch fix zurück zu den Schweden rund um Peter Tägtgren.
Der seit Jahren bekannte und genutzte Drumraiser ist weg, keine Logo-Kreuze, die mehr links und rechts empor thronen – was ist da los? Dafür wurden aber LED-Screen-Cases überall hingeschoben, welche später noch ordentlich zum Einsatz kamen. Es war vorab schon leicht bekannt, aber die Truppe hat wohl etwas am Bühnenbild geschraubt. Aber bevor es losging, wurde die Bühne – nein, eigentlich der gesamte Saal – komplett zugenebelt, sodass man wirklich die eigene Hand vor den Augen kaum noch sehen konnte. Gut, dass das Fluid mittlerweile gut riecht bzw. nicht mehr so in den Augen beißt – und ZACK! Ab die Post! Die Band steht vor einem auf der Bühne und ballert gleich mal They Will Arrive ohne richtiges Intro und Ankündigung um die Ohren. Eine fulminante, auf den Track abgestimmte Lichtshow – das war mal eine Überraschung und für HYPOCRISY wirklich ein unerwartet cooler Effekt, eine Show zu beginnen. Aber auch so haben die Jungs echt viel Power und Wumms, was mir so manchmal bei anderen Shows gefehlt hatte.
Die Tracklist war wieder mal ein wenig abgeändert im Gegensatz zu den letzten Jahren und den Touren und Co. bzw. machen die anfangs erwähnten Bildschirme schon echt was her. Nicht jeder Titel, aber fast alle bekommen dadurch visuelle Unterstützung durch Grafiken, Animationen und Co., was der Show etwas frischen Wind und viel mehr Atmosphäre gegeben hat. Dazu mehr Lichtspots und Co., was den Titeln visuell alles in allem einen super Rahmen gegeben hat. Anfangs nicht als nötig empfunden, nun möchte ich das aber definitiv nicht mehr missen. Es passt perfekt zur Musik und dem Stil, welcher HYPOCRISY doch einzigartig macht, vor allem unter dem Gesichtspunkt der verschiedenen Nuancen der Tracks über die Alben all der Jahre hinweg. Und diese wurden meiner Meinung nach auch gut eingefangen und alle ausreichend präsentiert. Vor allem konnte ich endlich mal meinen Lieblingshypohit Nummer 2 Deathrow (No Regrets) live erleben! Krass, wie der live doch funktioniert und eine ganz besondere Stimmung schafft! Aber auch so gab es genügend Titel und Hits, sodass jeder Fan der Band zufrieden gewesen sein müsste. Ich war es auf jeden Fall.
Fazit
Alles in allem also wie erwartet, erwünscht und erhofft ein großartiger Abend mit 4 genialen Bands. Immer schön Black mit Death Metal im Wechsel, 4 namhafte Truppen, die alle für sich Headliner sein könnten – und das alles in einem Paket in einer super Location. Da kann man und gibt es nichts zu meckern, außer dass jede Band gefühlt gerne länger hätte spielen können. Und das zeigt ja, dass alles richtig gemacht wurde und gepasst hat. Wir sind definitiv glücklich und mit einem Beutel voll Merch nach Hause gegangen und werden den Abend noch lange in Erinnerung behalten!

