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Q&A – Das Interview: REAPER

Bei dem Veröffentlichungstempo kommt man dann irgendwann nicht mehr hinterher


REAPER sind eine altgediente Heavy Metal Band aus Deutschland, genaugenommen aus Kassel. Die Band gibt es schon seit 1984 und hat seitdem auch einige Platten veröffentlicht. Vorigen Monat erreichte mich eine Mail mit der Anfrage, ob ich denn das neue Album der Band, „Dead World Legacy“, zu rezensieren bereit wäre. Als ich dies bejahte, trudelte mir kurz darauf ein Päckchen in den Briefkasten, voll old school mit physischer CD und klassischem Infosheet. Doch old school alleine ist noch nicht die halbe Miete, jedoch machte die Band schon nach dem ersten Anhören der Platte die Summe voll und dies musste natürlich ein Interview nach sich ziehen. Und Urmitglied und Saitenhexer/Vokalist Daniel Zimmermann gab bereitwillig und ausführlich Antwort zu meinen dussligen Fragen. Here we go:

Zuerst einmal Gratulation zur neuen Platte. Das Teil ist ganz fein geraten, aber warum hat es ganze 12 Jahre gedauert, dem Vorgänger „An Atheist Monument“ einen Nachfolger zu bescheren? Hattet Ihr eine längere Pause eingelegt? Das Infoblättchen gibt da keine Infos her.

Kann man eigentlich nicht sagen, es gab keine bewusste Entscheidung, jetzt mal ne längere Pause zu machen, oder so. Es kamen einfach ständig andere Dinge dazwischen, Hochzeiten, Scheidungen, Geburten von Kindern, eine weltweite Pandemie, solche Sachen halt. Eigentlich war der Plan, das Album in Eigenregie im heimischen Proberaum aufzunehmen, doch es gab immer irgendwelche technischen Probleme, bis hin zur verschwundenen Festplatte. Irgendwann haben wir entschieden, doch lieber professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und haben dann, wie gehabt, im Studio unseres alten Freundes Michael Murauer („Mu“) aufzunehmen, ab diesem Moment ging es dann sogar recht schnell.

„Dead World Legacy“ heißt das Album. Um welche tote Welt handelt es sich dabei, und was ist ihr Vermächtnis?

Wir, REAPER, sind das Vermächtnis einer toten Welt, wir haben noch erlebt, wie es war, als man noch Alben physikalisch veröffentlichte und damit sogar Geld verdienen konnte, heutzutage ist das fast nicht mehr vorstellbar. Darüber hinaus ist es natürlich so, dass sich in den letzten Jahren die Welt insgesamt so dramatisch verändert hat, dass wir sie kaum noch wiedererkennen. Nehmen wir nur einmal den Ukraine Krieg, wir hatten uns hier in Deutschland so sehr an das Leben im Frieden gewöhnt, dass es kaum vorstellbar schien, dass sich daran mal etwas ändern könnte. Ich kann mich noch ganz gut an die Zeit des Zusammenbruchs des „Ostblocks“, das Ende der Sowjetunion, die deutsche Wiedervereinigung erinnern, eine Zeit der Euphorie, der kalte Krieg war vorbei, ja, tatsächlich, auch „die Russen“ waren eigentlich ganz nette Leute, die eigentlich nur friedlich ihr Leben leben wollen. Aus heutiger Sicht leider alles falsch, wir müssen miterleben, dass der Putin, der damals sogar im deutschen Bundestag gesprochen hatte, ein brutaler Gewaltherrscher ist, der Angriffskriege als legitimes Mittel der Politik betrachtet.

Was verbirgt sich hinter der Liebeserklärung an Jerusalem im gleichnamigen Song? Hat dies etwas mit der oben genannten toten Welt zu tun?

Ich muss zunächst einmal zugeben, dass ich bisher noch nie in Jerusalem war, es würde mich aber durchaus interessieren, mir mal die Klagemauer, die Grabeskirche, die al-Aqsa-Moschee usw. anzugucken. Was aber gar nicht so einfach, bzw. schlicht nicht möglich wäre, denn das Problem liegt natürlich darin, dass drei Weltreligionen diesen Ort beanspruchen, und zwar jede für sich, deswegen wird es dort nie Frieden geben, eine Partei wird immer versuchen ihre Ansprüche gegen die anderen durchzusetzen. Ich denke dabei auch an die Leute, die dort leben und die vielleicht auch ganz gerne ein normales, friedliches Leben hätten und die vielleicht auch von diesem religiösen Unsinn die Schnauze voll haben, aber die sind umgeben von durchgeknallten Fanatikern, für die nur ihre heiligen Bücher zählen, aber keine Menschenleben.

Ich habe in einigen Soli Anklänge an die klassische Musik entdeckt (dazu komme ich noch später). Besonders beim Instrumental „March Of The AT-AT“. Aber zu dem Stück habe ich eine andere Frage: wer von Euch ist Star Wars Fan, und warum tanzen die imperialen Läufer zu Barockmusik?

Ich bin zumindest mit Star Wars aufgewachsen und habe 1977 den ersten Teil im Kino gesehen und war schwer beeindruckt, bei den neueren Verfilmungen hat die Faszination etwas nachgelassen. Das Stück selbst war eigentlich als Intro für das Album gedacht, wir merkten dann aber, dass die Strecke, bis dann bei Eye in the sky das erste Mal Gesang kommt, einfach zu lang war, daher haben wir es in die Mitte, sozusagen als Eröffnung der B-Seite gepackt. Der Titel kam uns wohl eher durch den stampfenden, schleppenden Rhythmus in den Sinn, so als würde etwas sehr Großes auf dich zulaufen, so etwas wie ein imperialer Kampfläufer.

Noch mal zu den klassischen Elementen. Solche Sachen sind ja nicht unüblich im Metal. Schon ACCEPT haben Klänge aus der klassischen Musik verwendet, sogar in so krass getexteten Songs wie „Son Of A Bitch“. Ich bin ja der Meinung, dass klassische Musik mit Rockmusik, und eben auch Metal mehr gemein hat als andere populäre Musizierstile. Nun die Frage, ist die E-Gitarre die Violine des Metal?

Klar ist sie das, oder eher schon die ganze Streichersektion und die Holz- und Blechbläser gleich dazu. Es ist schon erstaunlich, was man mit einer verzerrten E-Gitarre alles machen kann, erst recht mit zweien oder mehr davon und natürlich dem Bass. Ich bin kein großer Freund von computergenerierten Orchestersounds und versuche lieber eine möglichst große Palette unterschiedlicher Sounds mit Hilfe des Arrangements zu erzeugen.

Hat „Garden Of Delights“ irgendetwas mit dem gleichnamigen Gemälde von Hieronymous Bosch zu tun?

Der Garten der Lüste, das ist auch so ein religiöses Bild, der Ort, wo einem alle Wünsche erfüllt werden, die Belohnung für ein gottgefälliges Leben oder eher noch für den Tod im Dienste Gottes, wobei ja lustigerweise in dem Bild einige Details zu sehen sind, die kaum der christlichen Sexualmoral entsprechen. Aber die Idee einer Belohnung im Jenseits ist ja nicht exklusiv christlich, der Text bezieht sich eher auf die Assassinen, bzw. ihre heutigen Entsprechungen IS, Hamas, Hisbollah usw., denen wird ja auch versprochen, wenn sie sich nur brav in die Luft sprengen, gibt’s im Jenseits ne schöne Belohnung.

Als ich den Titel „Dark Throne“ las, habe ich mir erst gar nichts dabei gedacht, aber gleich gemerkt, dass der Text aus der chronologischen Auflistung der DARKTHRONE- Alben besteht. Für mich als alten DARKTHRONE-Fan natürlich ein gewisses Hoghlight als Bonustrack. Doch warum hört der Text mit „Eternal Hails“ auf. Mögt Ihr „Astral Fortress“ und „It Beckons Us All“ nicht, oder war der Song schon vor dem Release der beiden Alben fertig? Oder fandet Ihr einfach, dass die Worte „Eternal Hails“ der passendste Abschluss für diesen Song darstellt?

Stimmt, der Text ist im Laufe der Zeit noch etwas gewachsen, aber bei DARKTHRONE’s Veröffentlichungstempo kommt man dann irgendwann nicht mehr hinterher, daher war „Eternal Hails“ einfach der passende Schluss.

Als alte Hasen seid Ihr sicher nicht mehr auf Vorbilder angewiesen. Dennoch würde mich interessieren, von welchen Bands Ihr Euch, wenn ja, gelegentlich inspirieren lasst.

Da kann ich jetzt nur für mich sprechen, ich freue mich immer, wenn ich eine Band entdecke, die irgendetwas macht, was ich vorher so noch nicht kannte, das können ganz junge Bands sein, aber auch ganz alte. Die letzten Alben, die ich mir gekauft habe, waren die neue MEGADETH, klar, wegen „Ride the Lightning“ und zwei Alben von BLOOD INCANTATION, lustige Mischung aus MORBID ANGEL und PINK FLOYD. Wir haben ja in Kassel das Glück, mit der ‚Goldgrube‘ einen Club zu haben, in dem es ständig Live-Musik gibt und wo bekanntere Bands, die auf Deutschland Tour sind, gerne mal an einem Day off spielen, da war ich zuletzt bei LUCIFER’S CHILD und SERVANT, habe da aber auch schon PENTAGRAM, SACRED REICH, NIGHT DEMON, JAG PANZER und viele andere mehr gesehen.

Wie geht Ihr eigentlich ans Songwriting heran? Gibt es da eine Hierarchie, gar ein Mastermind? Oder entsteht das alles in gemeinschaftlicher Arbeit?

Es ist bei REAPER eine Mischung aus beidem; es ist schon so, dass ich die Musik und die Texte schreibe und zu Hause aufnehme, um eine Idee zu kriegen, wie das Ganze klingen könnte. Das spiele ich den anderen aber nicht vor, sondern sage ihnen nur grob, was sie spielen sollen und mit etwas Glück kommt dabei ein Song heraus, der nur noch wenig mit dem gemein hat, was ich vorher aufgenommen hatte.

Die früheren Alben hatten immer recht farbenfrohe Artworks. Was hat Euch bewogen „Dead World Legacy“ ein etwas düster wirkendes Schwarz/Weiß-Cover zu verleihen?

Eigentlich hätte ich gerne ein KI- Cover gehabt, und zwar eines, bei dem man sofort sieht, dass es KI generiert ist, Figuren mit zu langen Beinen oder zusätzlichen Fingern oder so was, aber unser Fotograf Leif zeigte mir irgendwann und in einem ganz anderen Zusammenhang diese Skizze und ich dachte sofort, das isses. Der Rest ergab sich daraus, mit diesem Motiv konnte das Cover nur schwarz/weiß sein, unsere Interpretation des Motivs ist, dass eben auch Gevatter Tod älter geworden ist.

Die Hälfte von REAPER ist ja schon seit Beginn dabei. Man kann natürlich nicht davon ausgehen, 40 Jahre lang dieselbe Musik zu machen, es sei denn man heißt AC/DC oder MOTÖRHEAD. Und infolgedessen klingt „Dead World Legacy“ auch anders als, sagen wir mal, „Beyond All Time“. Was sind in Euren Augen die eklatantesten Unterschiede?

Naja, da dürfte es kaum abweichende Meinungen geben, natürlich der Gesang. Auf den ersten beiden Alben hatten wir einen richtigen Sänger, also einen, der nicht noch irgendein Instrument spielte, Benny, aber der stieg 1993 aus. Danach suchten wir eine Zeit lang nach einem neuen Sänger, aber das wurde nichts, bis ich dann genug davon hatte und beschloss selbst zu singen, wenn man das so nennen darf. Tatsächlich hat sich aber auch musikalisch viel verändert, damals waren wir recht „traditionell“, wie man das heute nennt, heute erkenne ich schon eine ziemliche Black- bzw. Death Metal Schlagseite.

„Dead World Legacy“ ist ja sozusagen ein Independent Release. Mit dem Vorgängeralbum wart Ihr noch bei Massacre Records. Nun sind 12 Jahre VÖ-Pause sicher ein Grund, einen Labeldeal zu verlieren. Habt Ihr eigentlich versucht, bei einer größeren Plattenfirma zu landen, oder wolltet Ihr die Geschichte erstmal langsam angehen?

Es wäre schon schön gewesen, hätte sich ein Label bereitgefunden, uns zu veröffentlichen; man wird dann z.B. von der Presse ganz anders wahrgenommen. Andererseits ist es so, dass es keinen echten Unterschied mehr macht, auch bei einem Label hätten wir das Album in eigener Regie und mit eigenem Geld aufnehmen müssen, die hätten es vielleicht pressen lassen, vertrieben und hoffentlich ein bisschen Werbung gemacht, aber auch hier liegt der Löwenanteil der Arbeit, nämlich die ganze Social Media Präsenz bei den Bands.

Du bist ja, wie mir Dirk Schneider verriet, außer bei REAPER auch noch bei CHAOS PATH und BURNING HELLMET tätig und spielt auch noch bei einer Tribute Rock Band namens 600 POUNDS. Alterungserscheinungen scheinst Du wohl nicht zu haben, oder wie erklärt sich ein derartiges Pensum?

Das klingt nach mehr, als es letztlich ist. BURNING HELLMET proben eher unregelmäßig und haben es nicht so sehr damit, unbedingt Alben zu veröffentlichen, 600 POUNDS haben gerade eine längere Pause hinter sich und beginnen erst langsam wieder, aber auch mit dieser Art von Musik ist es gar nicht so einfach an Auftrittsmöglichkeiten zu kommen. CHAOS PATH haben endlich einen neuen Drummer gefunden und stecken im Songwriting für ein neues Album, was noch an Live-Aktivitäten diese Jahr reinkommt, wird sich zeigen müssen. Bei REAPER ist das ähnlich, es wäre schön, wenn noch das eine oder andere Festival dazu käme.

KI ist ja mittlerweile der heiße Scheiß. Selbst Bands, die sich einen echten Artworker leisten könnten, haben KI-generierte Cover auf ihren Alben. Was meines Erachtens gar nicht geht, ist KI-generierte Musik. Egal, wie gut sie ist, ich sehe KI-Kunst als Beleidigung jedes Menschen, der mit eigenen Händen und seinem eigenen Geist Kunst erschafft. Ja, auch Metal ist in meinen Augen Kunst. Wie seht Ihr die Sache? Wird KI irgendwann echte Kunst ablösen, oder wird sie wie ein kalter Furz im Wind wieder verschwinden (hopefully)?

Ich fürchte, KI wird noch eine Weile bleiben, es ist einfach zu lukrativ, Produzenten können enorm viel Geld damit sparen und es gibt sicherlich noch viele weitere Lebens- und Arbeitsbereiche, in denen KI eingesetzt werden kann. Mit Entsetzen habe ich kürzlich einen Bericht über eine junge Frau gesehen, die ihre „beste Freundin“ auf dem Handy hat, eine KI und das völlig normal findet. Da geht noch einiges, wahrscheinlich werden wir später als Pflegepatienten von KI betreut und gefüttert. Mit der Kunst ist das so eine Sache, ich habe leider die Erfahrung gemacht, das vielen Menschen Kunst herzlich egal ist, denn wie sonst ließe sich die Popularität von Spotify erklären, als dass es Leuten egal ist, was sie da hören, Hauptsache, es dudelt irgendwas. Ich kann mir keine schlimmere Geringschätzung von Kunst vorstellen, als Playlists bei Spotify zu streamen, weil man sich dann gar nicht mehr mit den Künstlern zu beschäftigen braucht.

Wie geht es demnächst bei REAPER weiter. Was macht die Planung? Schon irgendwelche größeren Gigs oder gar Touren angesagt? Gibt es Anfragen von Festivals? Keep It True wäre ja ein passendes Event.

Wir werden natürlich überall spielen, wo man uns haben möchte, jetzt demnächst eröffnen wir in Kassel für MAIDEN UNITED (Projekt von Dennis Stratton) und im Sommer dürfen wir auf dem Iron Doghead spielen, wie gesagt, es darf gerne noch was dazukommen.

So, nun habe ich wohl genug von Eurer Zeit gestohlen. Sicher müsst Ihr dringend neue Songs schreiben, damit das nächste Album nicht wieder 12 jahre braucht. Fuck! Dann bin ich 72 und wahrscheinlich taub. Nun, ich überlasse Euch jetzt die Arena für abschließende Worte.

Vielen Dank für das Interview und vor allem die interessanten Fragen, schön zu merken, dass sich jemand mit der Musik auseinandergesetzt hat. An alle Leser: kauft das verdammte Album und kommt zu unseren Shows, bleibt ansonsten bitte aufrecht und geht ruhig ab und zu mal vor die Tür. Stay metal!


MAIK

Interviewpartner Daniel Zimmermann



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