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NUNSLAUGHTER – Satanic Chaos Legion (2026)

(10.292) Olaf (9,6/10) Blackened Thrash Metal


Label: BLKIIBLK Open
VÖ: 26.06.2026
Stil: Blackened Thrash Metal






Die Kirche darf heute geschlossen bleiben, der Beichtstuhl wird ohnehin zweckentfremdet und irgendwo in Cleveland brennt vermutlich gerade ein Weihwasserbecken mit blauer Flamme. NUNSLAUGHTER sind zurück, und Satanic Chaos Legion klingt nicht wie ein Alterswerk, nicht wie eine nostalgische Selbstkopie und schon gar nicht wie der Versuch, nach über drei Jahrzehnten noch einmal höflich am Tor zur Hölle anzuklopfen. Nein, diese Platte tritt die Pforte ein, wischt sich die Stiefel am Katechismus ab und fragt anschließend, ob der Teufel noch Bier kaltgestellt hat.

Wer NUNSLAUGHTER kennt, weiß natürlich, dass hier niemand plötzlich mit progressiven Klangtapeten, sphärischen Zwischenebenen oder postmetallischer Innenschau um die Ecke kommt. Diese Band wurde Ende der Achtziger in Pittsburgh aus Tape-Trading, Demo-Kult, Venom-Verehrung, frühem Death-Metal-Fieber und einem tief sitzenden Hass auf religiöse Institutionen geboren, später nach Cleveland verlagert und über Jahrzehnte zu einer der stursten, ehrlichsten und zugleich charmant unheiligen Bastionen des Undergrounds gezüchtet. Don of the Dead ist dabei nicht einfach Sänger, sondern eine Art diabolischer Zeremonienmeister, der seit Ewigkeiten denselben Auftrag erfüllt: Devil Metal predigen, Kreuze umtreten, Riffs schärfen und dabei klingen, als hätte man ihm zum Frühstück rostige Nägel, Hostienreste und eine alte Possessed-Kassette serviert.

Dass NUNSLAUGHTER nie eine normale Diskografie hatten, gehört längst zur Legende. Demos, Liveaufnahmen, Splits, obskure Kleinauflagen, Bootleg-artige Artefakte und Veröffentlichungen in Mengen, bei denen selbst Archäologen mit Stirnlampe und Excel-Tabelle irgendwann weinend aufgeben würden. Zwischen Ritual of Darkness, Hells Unholy Fire, Goat, Angelic Dread und Red Is the Color of Ripping Death zieht sich eine blutige Spur aus Death Metal, Punk-Dreck, Black-Metal-Attitüde und DIY-Wahnsinn. Satanic Chaos Legion ist nun erst das sechste „richtige“ Studioalbum, was bei dieser Band ungefähr so absurd wirkt, als würde man Lemmy als Gelegenheitstrinker bezeichnen.

Und was für ein Album das geworden ist. Diabolisch, misanthropisch und einfach nur höllegeil. Hätten NUNSLAUGHTER dieses Ding 1986 veröffentlicht, niemand würde heute mit Slayer-Shirts herumlaufen. Übertrieben? Vielleicht. Aber nur ein bisschen. Denn was hier aus den Boxen geprügelt wird, ist kein halbgares Spätwerk, sondern ein mieser Bastard aus Possessed, Dark Angel, räudigem Punk, schwarzer Messe und rasender Brutalität. 14-mal voll auf die Fresse, 14-mal Weihrauch mit Benzin, 14-mal der musikalische Nachweis, dass man auch nach Jahrzehnten noch klingen kann, als hätte man gerade erst entdeckt, wie gut brennende Kirchenfassaden als Bühnenbeleuchtung funktionieren.

Schon der Titeltrack Satanic Chaos Legions öffnet nicht einfach das Album, sondern ruft die Gemeinde der Verdammten zusammen. Diese beschwörende, fast rituelle Atmosphäre am Anfang wirkt wie ein schwarzer Gottesdienst, bei dem der Pfarrer schielt, der Messwein kocht und im Hintergrund bereits jemand die Abrissbirne startet. Dann setzt die Band ein, und sofort ist klar: Hier wird nicht gealtert, hier wird konserviert. In Säure. NUNSLAUGHTER klingen auf Satanic Chaos Legion schneller, bissiger und gefährlicher als viele Bands, die halb so alt sind und trotzdem schon nach Rückenschule und Kräutertee riechen.

Jesus Fucking Dies ist dann genau jener Titel, bei dem man eigentlich keine tiefen hermeneutischen Grabungen ansetzen muss. Die Botschaft trägt Stahlkappen. Don bellt, keift und speit, als wolle er dem gesamten katholischen Erziehungssystem seiner Jugend nachträglich die Fenster einwerfen. Der religiöse Furor ist hier kein aufgesetztes Theater, sondern die alte Triebfeder der Band: kein philosophisch verklausulierter Satanismus, keine dekorative Okkultästhetik für Instagram-Kapuzenpullis, sondern schnörkelloser Widerwille gegen organisierte Frömmigkeit, Heuchelei und den erhobenen Zeigefinger derer, die Wasser predigen und Macht saufen.

Musikalisch ist das Album dabei erstaunlich gut austariert. Natürlich regiert die Keule, aber es ist eben nicht nur stumpfes Geknüppel. Unsacrament, Christian Ruse, Die Your Own Death und Rotten Messiah zeigen, wie effektiv NUNSLAUGHTER Geschwindigkeit, primitives Riffing, dreckige Eingängigkeit und diese uralte Demo-Keller-Aura miteinander verschweißen. Das ist roh, aber nicht schlampig. Brutal, aber nicht beliebig. Die Produktion von Noah C. Buchanan gibt der Band genau den richtigen Druck: fett genug, um modernen Maßstäben standzuhalten, aber nicht so glattgebügelt, dass der Schwefelgeruch aus den Ritzen verschwindet. Jeder Schlag sitzt, die Gitarren sägen mit rostiger Präzision, der Bass rumpelt wie ein Leichenwagen auf Kopfsteinpflaster, und Wrath prügelt das Material mit einer Energie nach vorne, die irgendwo zwischen Abrisskommando und Exorzismus auf Speed liegt.

Gerade Tormentor an der Gitarre darf hier nicht unterschätzt werden. Die Riffs haben diesen alten, besessenen Zug, der nicht auf technische Angeberei zielt, sondern auf unmittelbaren Schaden. Mal blitzt Possessed durch, mal fühlt man sich an die Frühphase von Slayer erinnert, dann wieder an Dark Angel, wenn die Songs anfangen, wie eine überdrehte Kreissäge durch den Schädel zu laufen. Trotzdem bleiben NUNSLAUGHTER immer NUNSLAUGHTER. Diese Band besitzt längst einen eigenen Geruch: verbranntes Leder, kalte Asche, verschüttetes Bier und ein Gebetbuch, das jemand als Grillanzünder benutzt hat.

Dass Don of the Dead nach all den Jahren immer noch klingt, als hätte er persönlich schlechte Erfahrungen mit jedem einzelnen Kirchenfenster Nordamerikas gemacht, ist fast schon unverschämt. Seine Stimme ist kein variables Schönheitsinstrument, sondern ein knurrender Prediger der Verwesung. Er kreischt, bellt, würgt und kommandiert mit einer Präsenz, die perfekt zu dieser Musik passt. Da wird nicht gesungen, da wird verkündet. Und zwar nicht die frohe Botschaft, sondern die Nachricht, dass der Messdiener soeben rückwärts aus der Sakristei gerannt ist.

Im Mittelteil hängt Satanic Chaos Legion minimal durch, allerdings auf einem Niveau, bei dem andere Bands ihre komplette Karriere als gelungen betrachten würden. Einige Ideen wirken zwischen all dem Gezeter, Geschubse und Gehudel für einen Moment etwas weniger zwingend, als hätte selbst der Leibhaftige kurz den Timer für den nächsten Höllenaufguss vergessen. Doch dieser kleine Durchhänger ist eher ein flackerndes Licht im Schlachthaus als ein echter Bruch. Denn ab Peukharist nimmt die Platte wieder Fahrt auf und bekommt eine neue, besonders garstige Farbe. Der Song walzt im Midtempo nach vorne, nicht weniger bösartig, aber mit einer anderen Wucht. Hier zeigt sich, dass NUNSLAUGHTER nicht nur rasen können, sondern auch dann gefährlich bleiben, wenn sie das Messer langsamer drehen.

In the Flames of Inferno, Heavenless und Lucifer the Light setzen anschließend wieder deutlicher auf Tempo, Attacke und diesen höllisch eingängigen Untergrundcharme, der das Album so stark macht. Gerade die Mischung aus Brutalität und Wiedererkennungswert ist bemerkenswert. Viele extreme Platten ballern heute wie ein Presslufthammer im Edelstahlkeller, bleiben aber emotional so hängen wie ein Kontoauszug. NUNSLAUGHTER dagegen schaffen es, dass man nach wenigen Durchläufen ganze Riffverläufe, Refrainfetzen und diese giftige Grundstimmung im Kopf hat. Das ist satanischer Ohrwurmterror, nur eben ohne Zuckerguss, dafür mit Brandsalbe.

Gegen Ende wird es dann noch einmal richtig finster. Cathedral of Stench ist bereits dem Titel nach ein wunderbarer Gegenentwurf zur sakralen Erhabenheit: keine Kathedrale des Lichts, sondern ein stinkender Tempel aus Moder, Hohn und verbrannter Moral. Listen to the Lies tritt dem frommen Lügengebäude ebenfalls kräftig in die Stützpfeiler, bevor Infernal Reign und The Spear of Satan das Album nicht einfach beenden, sondern wie einen rostigen Pflock in den Altar rammen. Besonders schön ist, dass NUNSLAUGHTER trotz aller Anti-Christen-Raserei nie wie Karneval mit Pentagramm wirken. Das hier ist keine alberne Schockpose. Das ist seit Jahrzehnten gelebter Underground, fanatische Konsequenz und eine Haltung, die sich um Trends ungefähr so sehr schert wie ein hungriger Wolf um vegane Kirchenbasare.

Auch der historische Kontext macht Satanic Chaos Legion so stark. Nach dem Verlust von Jim Sadist und dem Druck, sich mit Red Is the Color of Ripping Death neu behaupten zu müssen, wirkt die Band jetzt hörbar gefestigt. Don, Tormentor, Wrath und Malum spielen nicht wie Musiker, die beweisen müssen, dass sie noch relevant sind. Sie spielen wie vier Typen, die genau wissen, warum sie diesen Lärm machen, und denen niemand erklären muss, wie Devil Metal zu funktionieren hat. Diese Sicherheit hört man. Das Album ist kompakter, schärfer, brutaler und zugleich einprägsamer als erwartet. Es riecht nach Bühne, nach Schweiß, nach kleinen Clubs, nach Festivalnächten und nach jenem Moment, in dem man merkt, dass eine Band nicht alt, sondern nur gefährlich gut abgehangen ist.

Für mich ist Satanic Chaos Legion tatsächlich das beste Album, das NUNSLAUGHTER je veröffentlicht haben. Ja, das ist eine große Ansage. Aber diese Platte gibt mir auch allen Grund dazu. Jeder Song ist ein Killer, selbst der leicht schwächere Mittelteil kratzt nicht ernsthaft am Gesamteindruck, und wenn das Album ab Peukharist wieder die Höllenpeitsche auspackt, ist ohnehin alles vergeben, vergessen und verbrannt. Das Teil ist brutal produziert, voller Energie, herrlich antichristlich, räudig, direkt und auf einem enorm hohen Niveau eingespielt. Es wird geschubst, dem Leibhaftigen gehuldigt, gekeift, gebellt und mit einer solchen Inbrunst randaliert, dass ich nach dem ersten Durchlauf nicht wusste, ob ich applaudieren oder sicherheitshalber die Wohnung exorzieren lassen soll.

Und genau deshalb steht Satanic Chaos Legion bei mir sofort auf der Shortlist der besten zehn Alben des Jahres. Nicht, weil NUNSLAUGHTER hier plötzlich etwas völlig Neues erfinden. Sondern weil sie ihr eigenes verdammtes Ding so zwingend, wuchtig und überzeugend auf den Punkt bringen, dass man gar nicht anders kann, als mit brennender Kutte durchs Wohnzimmer zu marschieren. Das ist keine Platte für Feingeister mit Klangschalenallergie. Das ist eine schwarze Abrissbirne mit Hufen.

NUNSLAUGHTER liefern mit Satanic Chaos Legion ein spätes Karrierehighlight, das nicht nach Altersmilde, sondern nach Benzin, Weihwasservergiftung und blankem Hass klingt. Ein Album, das die eigene Legende nicht verwaltet, sondern ihr noch einmal ein verrostetes Messer zwischen die Zähne klemmt. Wenn Devil Metal einen amtlichen TÜV-Stempel braucht, dann steht er genau hier: bestanden, gesegnet vom Teufel, durchgefallen bei der Kirche.

ANSPIELTIPS:
🔥Satanic Chaos Legions
💀Peukharist
☠️Jesus Fucking Dies
⚔️The Spear of Satan


Bewertung: 9,6 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Satanic Chaos Legions
02. Jesus fucking dies
03. Unsacrament
04. Christian Ruse
05. Die your own Death
06. Rotten Messiah
07. Peukharist
08. In the Flames of Inferno
09. Heavenless
10. Lucifer the Light
11. Cathedral of Stench
12. Listen to the Lies
13. Infernal Reign
14. The Spear of Satan 



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