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Live on Stage Report: DESERTFEST 2026

vom 14. bis 16.05.2026 in Berlin @ Columbiahalle/-Theater


Da ich in den letzten Jahren schon mehrfach die Ehre hatte, das Desertfest besuchen zu dürfen, war auch 2026 schnell klar, dass ich mir dieses Festival nicht entgehen lassen wollte. Vom 14. bis zum 16.05.2026 sollte sich in Berlin wieder alles um Stoner, Doom, Heavy Rock und jede Menge Gitarrenwände drehen. Austragungsort waren erneut die Columbiahalle und das Columbia Theater, die sich für dieses Festival mittlerweile wie ein sehr passendes Zuhause anfühlen.

Am ersten Tag ging es gegen 11:00 Uhr mit dem Auto in Richtung Berlin. Um schon auf der Fahrt in Stimmung zu kommen, lief unter anderem alte Musik von STAYDED, der früheren Band unseres Bassisten und Fotografen für das Desertfest. Besser kann man sich auf ein Wochenende voller schwerer Riffs, staubiger Grooves und lauter Verstärker eigentlich kaum einstimmen.

TAG 1

Nach der Ankunft hieß es erst einmal ankommen, orientieren und die ersten Eindrücke aufsaugen. Die Columbiahalle und das Columbia Theater boten auch dieses Jahr wieder den bekannten Rahmen, in dem man schnell zwischen den Bands wechseln konnte. Der eigentliche Fokus lag aber natürlich auf der Musik. Und die begann für mich direkt mit einer Band, die schon früh am Tag ein echtes Ausrufezeichen setzen konnte.

HIGH DESERT QUEEN eröffneten für mich den ersten Festivaltag in der Columbiahalle. Die Halle war bereits gut gefüllt, was für die Uhrzeit schon einiges über den Stellenwert der Band aussagte. Auffallend war direkt der sehr gute Orange-Amp-Sound, der dem Auftritt eine warme und drückende Grundlage gegeben hat. Das Set war stark aufgebaut und nahm die Leute Stück für Stück mit. Die Band wusste genau, wie man Spannung erzeugt, ohne sich dabei zu sehr in endlosen Passagen zu verlieren. Der Groove trieb sauber nach vorne und sorgte dafür, dass die Menge schnell mitging. Man merkte, wie sich die Halle langsam einschwang und das Publikum immer mehr in Bewegung kam. Besonders der Sänger hatte extremes Feeling. Da war nichts aufgesetzt oder zu glatt, sondern genau die richtige Mischung aus Energie, Ausdruck und Kontrolle. Die Drums fielen im Vergleich etwas minimalistischer aus, was dem Gesamtbild aber nicht komplett schadete. Ein wenig mehr Druck oder mehr Spielwitz hätten dem Ganzen an manchen Stellen vielleicht noch bessergetan.

Wir durften die Band vorher schon beim Soundcheck beobachten, was den Auftritt zusätzlich interessant machte. Vieles von dem, was man dort bereits hören konnte, spiegelte sich später live positiv wider. Die Gitarre hätte für meinen Geschmack allerdings etwas präsenter sein dürfen. Mehr Gitarrensound hätte das Konzert fast perfekt gemacht. Trotzdem war es ein starker Einstieg, weil die Band es geschafft hat, mit einem treibenden Groove direkt eine sehr gute Stimmung aufzubauen.

ABANAMAT spielten anschließend zwischen Theater und Halle und erfüllten damit genau diese klassische Rolle der Innenhof-Band. Das muss gar nicht negativ gemeint sein, denn solche Auftritte haben beim Desertfest oft ihren ganz eigenen Charme. Man steht draußen, bewegt sich zwischen den Venues, holt sich etwas zu trinken und bekommt trotzdem eine Band geboten, die nicht einfach nur nebenbei passiert. Optisch hatte die Band auf jeden Fall etwas zu bieten. Der Look war cool, die Posen saßen und alles zusammen wirkte wie eine Mischung aus 70s-Rock und Stoner. Trotzdem stand die Musik im Vordergrund, was wichtig ist. Es war kein reines Auftreten über Style, sondern die Songs und der Groove hatten klar Gewicht. Zum Abschluss spielten sie ein tranceartiges Riff, das sie endlos zogen. Solche Momente können schnell kippen, funktionierten hier aber ziemlich gut, weil die Band genau wusste, wie weit sie gehen kann. Leider ist der Gesamtsound im Innenhof immer schwierig und schwer zu perfektionieren. Gerade draußen verteilt sich der Druck anders, und manches verliert sich schneller, als es in einer Halle passieren würde. Dennoch blieb der Auftritt positiv hängen, weil ABANAMAT genug Groove und Charakter mitbrachten.

EARTHLESS spielten anschließend in der Columbiahalle und boten genau das, was man bei dieser Band erwarten konnte: sehr viele Gitarrensoli, eine gewaltige Effektwand und instrumental getriebene Musik, bei der Bass und Drums komplett auf die Gitarre ausgerichtet waren. Der Gitarrensound hatte einen sehr direkten, typischen Fender-Charakter, der sich klar durch das Set zog. Musikalisch war das schon beeindruckend. Bass und Schlagzeug arbeiteten wie ein Rhythmikmonster und gaben der Gitarre den Raum, den sie brauchte. Wenn man einen Vergleich ziehen möchte, könnte man sagen: Es hatte etwas von Jerry Cantrell auf Stoner Rock getrimmt. Nicht eins zu eins, aber vom Feeling und von der Art, wie sich die Soli durch die Songs fraßen, kam dieser Gedanke durchaus auf.

Am Anfang funktionierte das hervorragend. Die Soli waren intensiv, der Sound war präsent und die Band hatte eine enorme Spielfreude. Mit zunehmender Spielzeit wurde es für mich allerdings etwas schwieriger. Die vielen Soli basierten oft auf einer ähnlichen Tonart und verloren dadurch irgendwann an Definition. Was zu Beginn noch stark und mitreißend war, wurde gegen Ende etwas eintönig und kräftezehrend. Trotzdem muss man anerkennen, dass EARTHLESS spielerisch auf einem hohen Niveau unterwegs waren. Nur hätte dem Set etwas mehr Abwechslung gutgetan.

Bei TRUCKFIGHTERS hatte ich mich besonders auf den Auftritt gefreut. Die Band spielte in der Halle, brachte an sich auch eine gute Leistung auf die Bühne, wurde aber leider vom Sound ausgebremst. Es war schlicht viel zu leise. Manche Songs konnte man nur erahnen, was besonders schade war, da auch Material vom neuen Album gespielt wurde. Gerade bei einer Band wie TRUCKFIGHTERS muss der Sound drücken, wackeln und den Raum füllen. Wenn dieser Druck fehlt, verlieren die Songs automatisch einen Teil ihrer Wirkung. Das Schlagzeug klang zu dünn und die Vocals waren kaum zu hören. Dadurch kam nicht die Energie auf, die man von dieser Band kennt und erwartet. Man konnte erkennen, dass die Band gut spielte und eigentlich alles da war, was ein starker Auftritt gebraucht hätte. Nur reichte es unter diesen Bedingungen nicht ganz, um wirklich zu überzeugen. Es war kein schlechtes Konzert, aber eines, bei dem man die ganze Zeit dachte: Mit besserem Sound wäre hier deutlich mehr möglich gewesen.

THE SWORD waren für mich der persönliche Headliner des ersten Tages. Diese Band hat für mich einen ganz eigenen Stellenwert, weil sie Heavy Metal und Stoner Rock mit einer ordentlichen Portion Dreck verbunden hat. Schon der Anblick der klassischen Orange-Amp-Wand versprach genau den Sound, den man mit dieser Band verbindet. Leider setzte sich das Soundproblem zunächst fort. Auch hier war der Klang zu dünn. Wir standen in der vierten Reihe, also eigentlich an einem Platz, an dem man den Druck spüren müsste. Genau dieser Druck blieb aber anfangs aus. Bei THE SWORD ist das besonders schade, weil ihre Musik davon lebt, dass die Riffs nicht nur gespielt werden, sondern einen körperlich treffen. Im Laufe des Sets wurde der Sound allerdings besser. Man merkte, dass jeder Musiker nach und nach neu eingepegelt wurde. Gegen Ende kam dann immer mehr von dem durch, was diese Band ausmacht. Die Songs wirkten schwerer, dreckiger und griffiger. Spätestens da erkannte man wieder, warum THE SWORD für viele eine wichtige Band in diesem Genre sind.

Es war kein perfekter Auftritt, aber einer, der sich im Verlauf deutlich gesteigert hat. Hätte der Sound von Beginn an so funktioniert wie gegen Ende, wäre es ein echtes Highlight geworden.

TAG 2

Am zweiten Tag wirkte der Sound insgesamt deutlich besser. Das merkte man bereits bei der ersten Band, die ich an diesem Tag gesehen habe. Vielleicht hatte man nach dem ersten Festivaltag nachjustiert, vielleicht stand ich günstiger, vielleicht passte einfach alles besser zusammen. In jedem Fall sollte Tag 2 musikalisch noch einmal stärker werden.

ACID KING spielten in der Halle und machten schnell deutlich, dass an diesem Tag mehr Druck im Raum lag. Die schwer tragende, tranceartige Musik nahm einen sofort ein. Es war ein Sound, der nicht hektisch sein wollte, sondern langsam arbeitete, sich breit machte und den Raum füllte. Die Band überzeugte mit einer sehr groovigen und dicken Soundwand. Viele Fans waren in der Halle, entsprechend eng wurde es auch. Man merkte, dass ACID KING für viele Besucher ein Pflichttermin waren. Die Musik hatte diese typische Schwere, die live noch einmal anders wirkt als auf Platte. Natürlich ist das auch ein wenig Geschmackssache. Irgendwann kann diese Art von Musik eintönig werden, und genau das kannte ich bereits von den Alben. Live funktionierte es dennoch besser, weil der Sound körperlicher war und die Atmosphäre einiges getragen hat. Die Band muss gar nicht viel machen, wenn der Klang stimmt und der Groove sitzt. Genau das war hier der Fall.

ROTOR spielten danach in der Halle und lieferten für mich einen der stärksten Auftritte des gesamten Festivals ab. Der Sound war genau so, wie man ihn sich wünscht: klar, definiert und trotzdem dreckig genug, um nicht steril zu wirken. Jedes Instrument war sauber zu hören, und man konnte sich sogar gezielt auf einzelne Musiker konzentrieren, ohne dass das Gesamtbild auseinanderfiel. Das ist eine Qualität, die live nicht selbstverständlich ist. ROTOR wirkten wie eine absolute Einheit. Alles war aufeinander abgestimmt, ohne zu glatt zu sein. Die Band hatte ein sehr erdiges Konzept: Dreck trifft Definition. Genau diese Mischung machte den Auftritt so stark. Die Spielweise war präzise, der Klang hatte Druck und die Songs funktionierten live hervorragend. Nichts wirkte überladen, nichts fiel auseinander. Für mich war ROTOR die stärkste Band des Festivals. Nicht, weil sie die größte Show geboten hätten, sondern weil hier Sound, Zusammenspiel und Stimmung perfekt ineinandergegriffen haben.

Eigentlich wollten wir im Theater kurz verschnaufen. Dann stellten wir aber fest, dass das Columbia Theater proppenvoll war. HÅNDGEMENG hatten den Raum komplett im Griff und teilten sich für mich den ersten Platz des Tages mit ROTOR. Die Band klang wie eine norwegische Version von Motörhead im Stoner-Metal-Gewand. Sehr druckvoll, sehr direkt und mit einer Energie, die sofort übersprang. Der Sound war hervorragend, wie man es vom Columbia Theater kennt. Während die Halle an Tag 1 teilweise mit Soundproblemen zu kämpfen hatte, zeigte das Theater wieder einmal, wie stark Konzerte dort klingen können.

HÅNDGEMENG passten hervorragend ins Line-up, obwohl sie musikalisch stärker dem Metal als dem klassischen Stoner verschrieben sind. Genau das machte den Auftritt aber spannend. Die Vocals funktionierten super, wurden durch die starke Bandperformance aber fast nebensächlich. Nicht, weil sie schlecht waren, sondern weil die gesamte Band so viel Druck erzeugte, dass man sie als Einheit wahrnahm.

Ein kleines Defizit gab es dennoch: Die Soli hätten etwas besser durchkommen können. Das änderte aber nichts daran, dass die Energie unglaublich war. HÅNDGEMENG waren eine dieser Bands, bei denen man eigentlich nur kurz reinschauen will und dann doch bleibt, weil der Auftritt einen nicht mehr loslässt.

TAG 3

Schweren Herzens musste ich den dritten Tag leider ausfallen lassen. Das hatte unschöne, private Gründe gehabt. Ich habe mir sehr viele Videos der Bands angeschaut. Anhand dessen würde ich aber nie eine Review verfassen. Bands, die ich mir angeschaut hätte wären GREENLEAF. Ich hatte vor ein paar Jahren schon mal die Ehre ein Album der Band zu rezensieren und seitdem wollte ich sie immer mal wieder live sehen. Sehr weit oben auf der Liste standen PELICAN und CRIPPLED BLACK PHOENIX. Anhand der Videos in den Medien war es wirklich schade sie nicht gesehen zu haben. Gerade nach dem erscheinen des neuen Albums von Phoenix war ich auf die Setlist sehr gespannt. Wenn man die Reaktion richtig deutete, so schien mir der Abschlusstag sehr erfolgreich zu enden. Ich habe bewusst die Headliner ausgelassen, da ich dieses Mal den Fokus auf die früheren Bands legen und Neuentdeckungen machen wollte.

Zusammengefasst war das Desertfest Berlin 2026 ein voller Erfolg. Ich glaube es gab nur noch ganz wenige Resttickets. Das merkte man definitiv in beiden Hallen. Was die Außenanlagen betrifft war es etwas enttäuschend. Es war gefühlt weniger los. Man hat den besonderen Merch vermisst, von Künstlern, die nichts mit dem Bandmerch zu tun hatten. Der Innenhof war wie immer aufgebaut und zeigte auch, dass das funktioniert. Wo früher der VIP-Bereich in der Columbiahalle war, wurde der Zockerbereich aufgebaut. Ich finde es gut, dass der VIP-Bereich entfernt und so mehr Platz für Besucher geschaffen wurde, aber dennoch ist es schade, dass die Bar oben nicht geöffnet war und es teilweise extrem, unangenehm eng wurde. 

Wir waren froh Teil dieses Festivals sein zu dürfen und man kann sich auch schon auf das nächste Jahr freuen. Erhältlich sind schon die Blind Bird Tickets, da noch keine Band angekündigt/bestätigt wurde. Dabei war das Line Up nie enttäuschend. Es findet wieder am Columbiadamm, zwischen beiden Hallen statt. Das Datum erstreckt sich vom 14.-16. Mai 2027! 




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