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Q&A – Das Interview: NUNSLAUGHTER

Vielleicht haben diese satanischen Chaoten gar nicht Unrecht


Seit fast vier Jahrzehnten ziehen NUNSLAUGHTER eine blutige Schneise durch den Extreme Metal Underground. Was Ende der Achtziger als kompromisslose Death-Metal-Attacke begann, entwickelte sich zu einer Institution, die sich bis heute jeder Form von Anpassung verweigert. Mit Satanic Chaos Legions veröffentlicht die Band ihr sechstes reguläres Studioalbum und beweist einmal mehr, dass Alter im Death Metal höchstens für besseren Whisky, aber nicht für weniger Aggression sorgt. Zwischen rasenden Blastbeats, schwarzem Humor, antichristlichen Provokationen und einer beeindruckenden DIY-Geschichte gibt es genug Gesprächsstoff für ein ausführliches Treffen mit Bandchef Don of the Dead.

Kurz vor der Veröffentlichung von Satanic Chaos Legions herrscht bei euren Fans spürbare Vorfreude. Wie geht es dir persönlich in diesen Tagen – überwiegen Stolz, Erleichterung, Nervosität oder bist du nach all den Jahren inzwischen völlig entspannt, wenn ein neues NUNSLAUGHTER-Album in die Welt entlassen wird?

Normalerweise würde ich sagen, dass ich einer Albumveröffentlichung ziemlich entspannt entgegensehe. Schließlich ist NUNSLAUGHTER seit jeher eine Band, die eher im Underground als im grellen Rampenlicht zuhause ist. Doch diesmal ist die Situation etwas anders. Durch die Zusammenarbeit mit Black & Blue Records wird die Band von deren Marketingabteilung deutlich stärker ins Schaufenster gestellt als in der Vergangenheit. Und genau das sorgt durchaus für eine gewisse Mischung aus Vorfreude, Nervosität und gesunder Anspannung.

Denn machen wir uns nichts vor: NUNSLAUGHTER ist keine Band für jedermann. Viele Hörer kennen den heutigen Death Metal vor allem als technisch ausgefeiltes, oft hochkomplexes Genre mit minutiös ausgearbeiteten Songs, endlosen Gitarrensoli und tiefsten Growls aus den Eingeweiden der Hölle. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, wie Death Metal in seinen frühen Tagen tatsächlich klang.

Genau dort setzen wir an. Wir spielen noch immer die Art von Musik, die die ersten Death-Metal-Verrückten in den 1980er Jahren erschaffen haben. Unsere Songs sind kurz, direkt und ohne unnötigen Ballast. Es gibt keine minutenlangen Instrumentalpassagen, keine sechsminütigen Epen und keine künstlich aufgeblasenen Arrangements. Auch gesanglich orientieren wir uns eher an den Ursprüngen des Genres als an modernen Extremen.

Deshalb wird es sicherlich Menschen geben, die sich wundern und fragen, warum bestimmte Elemente fehlen, die heute fast als Standard gelten. Die Antwort ist denkbar einfach: Weil Death Metal ursprünglich genau so geklungen hat. Und genau diesen Geist tragen wir bis heute in uns. Wir versuchen nicht, Trends hinterherzulaufen oder uns neu zu erfinden. Wir spielen weiterhin die Musik, die wir lieben – roh, kompromisslos und mit derselben Leidenschaft, die den Death Metal in den Achtzigern überhaupt erst entstehen ließ.

Bevor wir über das Album selbst sprechen, muss ich natürlich die wichtigste Frage stellen: Euer neues Werk erscheint am 26.06.2026. 666 in einem Datum. War das ein satanischer Masterplan, ein glücklicher Zufall oder hat Lucifer persönlich die Veröffentlichung koordiniert?

(lacht) Es war tatsächlich eine Mischung aus allem. Uns wurden einige mögliche Veröffentlichungstermine vorgeschlagen, und der 26. Juni erschien uns schlichtweg als die passendste Wahl.

Letztlich hätte es aber auch ganz anders kommen können. Vielleicht hätte sich eine andere Band genau dieses Datum gesichert – schließlich vermeiden Labels in der Regel, zwei relevante Veröffentlichungen auf denselben Tag zu legen. Insofern hatten wir auch ein wenig Glück. Die Auswahl an Terminen war zwar überschaubar, doch aus dieser kurzen Liste hat sich der 26.06. als derjenige herauskristallisiert, der am besten zu NUNSLAUGHTER und zum Charakter dieses Albums passt. Manchmal fügen sich die Dinge einfach auf eine Weise zusammen, die sich im Nachhinein genau richtig anfühlt.

Don, wenn man sich die Veröffentlichungen von NUNSLAUGHTER anschaut, könnte man meinen, ihr habt mehr Releases als manche Bands überhaupt Fans haben. Hast du irgendwann aufgehört zu zählen?

Irgendwann habe ich aufgehört mitzuzählen – und das ist inzwischen etliche Jahre her. Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir in einem Jahr einmal unglaubliche 14 Veröffentlichungen. Zugegeben, einige davon waren extrem kleine Auflagen, teilweise nur 50 Kassetten. Aber ganz ehrlich: Auch 50 Exemplare sind eine Veröffentlichung und gehören in die Statistik.

Besonders lustig war die Reaktion unseres damaligen Drummers Jim. Er war völlig überrascht, als er davon erfuhr. Das lag vor allem daran, dass ich solche Dinge meist nicht groß mit der Band abgesprochen habe. Wenn ich eine Aufnahme in den Händen hatte, von der ich überzeugt war, dann habe ich einfach losgelegt: einen passenden Künstler für das Artwork gesucht, ein Label organisiert, das Layout erstellt und die Veröffentlichung auf den Weg gebracht. Für mich war das ein ganz natürlicher Prozess.

Jim hingegen fiel aus allen Wolken. Als ihm klar wurde, dass wir im Vorjahr tatsächlich 14 Releases veröffentlicht hatten, war seine erste Reaktion ein ungläubiges: „Heilige Scheiße, wir haben 14 Veröffentlichungen rausgehauen?“ Meine Antwort war denkbar knapp: „Ja, haben wir.“ (lacht)

Ungefähr zu dieser Zeit – das dürfte heute etwa zwölf oder dreizehn Jahre her sein – habe ich endgültig aufgehört, Buch darüber zu führen. Irgendwann wird die Zahl ohnehin nebensächlich. Dann zählt nicht mehr, wie viele Veröffentlichungen man gemacht hat, sondern nur noch, dass man nie aufgehört hat, welche zu machen.

Mit Satanic Chaos Legions veröffentlichst du das sechste reguläre Studioalbum von NUNSLAUGHTER. Fühlt sich eine neue Platte heute noch genauso besonders an wie damals bei Hells Unholy Fire?

Ich glaube, viele Musiker würden sagen: Es gibt nichts, das man mit dem ersten Album vergleichen kann. Und genau so empfinde ich es auch bei Hell’s Unholy Fire. Dieses Album war etwas ganz Besonderes, weil es ursprünglich gar nicht geplant war. Ehrlich gesagt hatten wir zu diesem Zeitpunkt nicht einmal konkret vor, ein vollständiges Album aufzunehmen.

Die Gelegenheit ergab sich eher unerwartet – sie fiel uns quasi vor die Füße. Wenn ich heute darauf zurückblicke, spielt es keine Rolle, wie viele Veröffentlichungen oder Studioalben wir seitdem gemacht haben oder noch machen werden: Hell’s Unholy Fire wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen behalten. Es war unser Debüt, der Anfang von allem, und solche Momente lassen sich nicht wiederholen.

Gleichzeitig ist das neue Album auf eine ganz andere Art aufregend. Ich bin überzeugt, dass wir diesmal die stärkeren Songs geschrieben haben. Die Stücke sind ausgereifter, durchdachter und zeigen besser, wofür die Band heute steht. Dazu kommt, dass das Album nun die volle Unterstützung von Black to Black erhält. Dadurch haben wir die Möglichkeit, die Musik deutlich mehr Menschen zugänglich zu machen und wesentlich mehr Augen und Ohren zu erreichen, als es im Jahr 2000 bei der Veröffentlichung von Hell’s Unholy Fire jemals möglich gewesen wäre. Damals waren die Voraussetzungen schlicht andere – heute können wir dem Album die Bühne geben, die es verdient.

Zum neuen Album hast du gesagt, dass NUNSLAUGHTER die eigenen Grenzen verschiebt. An welchem Punkt während des Songwritings hast du gemerkt, dass hier etwas Besonderes entsteht?

Ich würde sagen, das wurde uns ziemlich früh klar – in dem Moment, als wir angefangen haben, die ersten Songs zu demen. Die Aufnahmen entstanden damals noch denkbar unkompliziert, teilweise auf dem Handy, teilweise auf einem alten Ghettoblaster. Doch je mehr Material zusammenkam und je häufiger wir uns die Demos anhörten, desto deutlicher wurde mir, dass hier etwas Besonderes entsteht.

Oft ist es bei Alben so, dass eine Band ein oder zwei herausragende Songs im Köcher hat und der Rest eher als Lückenfüller dient. Genau dieses Gefühl hatte ich bei dieser Platte aber nie. Jeder einzelne Song wurde mit derselben Sorgfalt ausgearbeitet. Uns war wichtig, dass jede Nummer für sich funktioniert, im Gedächtnis bleibt und dem Hörer etwas mitgibt.

Ein Stück wie Rotten Messiah ist dafür ein perfektes Beispiel. Das ist einer dieser Songs, die sich sofort im Gehörgang festsetzen, die man nach dem ersten Hören vor sich hin summt und einfach nicht mehr loswird. Genau solche Momente wollten wir erschaffen – Songs mit Wiedererkennungswert, die nicht nur für die Dauer eines Albums funktionieren, sondern sich langfristig im Kopf festkrallen.

Du wirkst auf diesem Album selbstbewusster als je zuvor. Liegt das daran, dass die aktuelle Besetzung inzwischen wie eine eingespielte Familie funktioniert?

Ich denke schon. Das zeigt sich schon daran, dass das dienstälteste Mitglied neben mir inzwischen seit 13 Jahren Teil der Band ist. Unser Schlagzeuger trommelt mittlerweile auch schon fast ein Jahrzehnt bei uns, und selbst unser „Neuzugang“ am Bass ist inzwischen seit drei Jahren dabei – wobei er ohnehin ein enger Freund von mir ist und nur ein paar Häuser weiter wohnt.

Diese Vertrautheit merkt man der Band an. Ein großer Teil unseres Selbstvertrauens beim Entstehungsprozess des Albums kommt aber auch daher, dass wir dort aufgenommen haben, wo wir ohnehin proben. Unser Proberaum ist gleichzeitig ein vollwertiges Tonstudio. Man betritt also keinen fremden Ort, an dem sofort der Druck steigt, sondern eine Umgebung, in der man sich zuhause fühlt. Das macht einen gewaltigen Unterschied.

Plötzlich sitzt dir niemand im Nacken, der auf die Uhr schaut. Es gibt keinen Stress nach dem Motto: „Los, wir haben nur noch fünf Stunden Studiozeit, beeilt euch!“ Stattdessen konnten wir uns die Zeit nehmen, die die Songs tatsächlich brauchten. Gerade bei den Gesangsaufnahmen war das ein enormer Vorteil. Ich musste nicht versuchen, an einem einzigen Tag einen ganzen Stapel Songs einzusingen. Stattdessen konnte ich ein oder zwei, vielleicht auch drei Stücke aufnehmen, meiner Stimme anschließend einen Tag, mehrere Tage oder sogar eine Woche Ruhe gönnen und dann mit frischen Ohren zurückkommen. So konnte ich mir die Aufnahmen noch einmal anhören, Details überarbeiten und Passagen bei Bedarf problemlos neu einsingen.

Früher war das eine völlig andere Geschichte. Vor allem in den Zeiten der klassischen Zwei-Zoll-Bandmaschinen, als jede Stunde im Studio schnell weit über hundert Dollar kostete. Da konnte man es sich schlicht nicht leisten, ständig zurückzugehen und Dinge nachzubessern. Wenn etwas nicht perfekt war, musste man oft damit leben. Heute gibt uns die moderne Arbeitsweise die Freiheit, wesentlich entspannter und zugleich präziser zu arbeiten – und genau das hört man am Ende auch auf der Platte.

Songs wie Jesus fucking dies oder Heavenless zeigen mehr Dynamik und Atmosphäre als manche ältere NUNSLAUGHTER-Stücke. War das eine bewusste Weiterentwicklung oder einfach das Ergebnis natürlicher Kreativität?

Das war eigentlich ein ganz natürlicher kreativer Prozess. Wir haben zusätzliche Songs geschrieben, und oft ist es so, dass man ins Studio geht, ohne dass ein Stück bereits einen endgültigen Titel hat. Manchmal existiert nur ein Arbeitstitel, manchmal gibt es noch gar keine Lyrics. Zunächst wird einfach die Musik aufgenommen, während sich Titel und Texte oft erst im weiteren Verlauf der Aufnahmen oder sogar danach herauskristallisieren.

Genau so lief es auch diesmal. Wir hatten einige Songs fertig, von denen wir wussten, dass sie Potenzial haben. Also haben wir die Musik aufgenommen und uns gedacht: „Das ist ein guter Song, daraus machen wir später etwas.“ Oft erkennt man aber erst, was man wirklich geschaffen hat, wenn alles komplett fertig ist.

Das ist mir bei NUNSLAUGHTER schon häufig passiert. Während des Schreibens oder der ersten Aufnahmen gab es Songs, die mich zunächst überhaupt nicht vom Hocker gehauen haben. Manche wirkten sogar eher unscheinbar oder unfertig. Doch sobald die Texte dazukamen und der Mix Gestalt annahm, begann plötzlich alles zusammenzuwachsen. Auf einmal entwickelte der Song ein Eigenleben und entfaltete genau die Wirkung, die zuvor noch verborgen war.

Bei diesen beiden Stücken war es ähnlich. Wir wussten zwar, dass sie ordentlich nach vorne gehen und richtig Dampf haben, aber wir waren uns noch nicht sicher, was sie eigentlich ausmacht. Erst als Titel und Texte ihren Platz gefunden hatten, machte es plötzlich Klick. Von einem Moment auf den anderen wurde klar, was in den Songs steckt. Da saßen wir da und dachten: „Verdammt, jetzt zündet das Ding richtig.“ Plötzlich sprangen die Stücke förmlich aus den Lautsprechern – beziehungsweise direkt von der Schallplatte. Genau diese Magie macht den kreativen Prozess manchmal so spannend.

In meinem Review habe ich geschrieben, dass Satanic Chaos Legions für mich zu den stärksten NUNSLAUGHTER-Alben überhaupt gehört. Wie siehst du das selbst mit etwas Abstand?

Da stimme ich vollkommen zu. Für mich bewegt sich das Album auf Augenhöhe mit Red Is the Color of Ripping Death. Es besitzt genau den Sound und die Atmosphäre, die NUNSLAUGHTER meiner Meinung nach haben sollten.

Was wir diesmal geschafft haben, ist ein schmaler Grat: Wir haben die Platte weder glattgebügelt noch sterilisiert. Gerade bei frühen Alben oder besonders ursprünglichen Aufnahmen – denken wir an die ersten Werke von Sodom, Sarcófago, Possessed oder an Seven Churches – gehören kleine Makel oft einfach dazu. Gitarren sind nicht immer hundertprozentig gestimmt, das Schlagzeug eiert hier und da ein wenig, Worte verschwimmen im Gesang. Genau diese Art von ungeschliffener Wildheit prägte auch Hell’s Unwilling Fire.

Dieses Album bedeutet mir bis heute sehr viel, aber rückblickend gab es dort einige Dinge, die eher versehentlich passiert sind. Bei der neuen Platte konnten wir deutlich bewusster arbeiten. Wir haben die Fehler korrigiert, die uns tatsächlich gestört haben, und gleichzeitig jene Ecken und Kanten erhalten, die wir bewusst behalten wollten. Es gibt diesmal keine Momente, bei denen man nach der Veröffentlichung denkt: „Verdammt, das hätte ich lieber anders gemacht.“ Keine verstimmten Gitarren, keine unfreiwillig brechende Stimme, keine Passagen, bei denen man sich später ärgert.

Kurz gesagt: Wir konnten die handwerklichen Schwächen ausmerzen, ohne den Charakter der Musik zu opfern. Die Fehler, die man heute noch hört, sind genau die Fehler, die wir hören lassen wollten.

Die Produktion klingt druckvoller und transparenter als früher, ohne den rohen Underground-Charakter zu verlieren. Wie schwierig war es, genau diese Balance zu finden?

Bei den Aufnahmen verlasse ich mich komplett auf Noah – oder Tormentor, wie ihn die meisten von NUNSLAUGHTER kennen. In seinem Studio sind bereits unsere letzten Veröffentlichungen entstanden, und er besitzt dieses seltene Gespür dafür, einer Band genau den Klang zu verleihen, den sie haben soll. Das gilt nicht nur für NUNSLAUGHTER, sondern auch für viele andere Bands, mit denen er arbeitet.

Natürlich hätte er problemlos noch etliche Stunden investieren können, um kleine Verspieler, Ungenauigkeiten oder winzige Fehler auszubügeln. Viele Produzenten hätten solche Details aus der Aufnahme herauspoliert, bis alles klinisch sauber und makellos klingt. Noah hat sich bewusst dagegen entschieden. Diese kleinen Ecken und Kanten sind kein Versehen, sondern Teil des Konzepts.

Genau das macht eine Aufnahme für mich lebendig. Man hört, dass hier keine Musiker am Fließband zu einem Klicktrack zusammengesetzt wurden. Die Songs wurden nicht in unzählige Einzelteile zerlegt, nur um am Ende eine mathematisch perfekte Performance zu erhalten. Wir sind Menschen, keine Maschinen. Deshalb beschleunigt oder verlangsamt sich ein Song manchmal ganz natürlich, und meine Stimme trifft vielleicht nicht in jeder Sekunde die hundertprozentige Perfektion.

Aber genau darin liegt der Reiz. Diese Natürlichkeit, diese kleinen Unvollkommenheiten und die menschliche Dynamik sorgen dafür, dass die Musik atmet. Sie geben den Songs Charakter – und machen aus einer Aufnahme mehr als nur ein technisch perfektes Produkt.

Du hast einmal gesagt, dass deine Abneigung gegen organisierte Religion mit dem katholischen Umfeld deiner Jugend zusammenhängt. Würde der junge Don heute dieselben Texte schreiben wie der Don von 2026?

Wahrscheinlich eher nicht. Der erste NUNSLAUGHTER-Song wurde ursprünglich sogar für eine Band geschrieben, in der ich vor NUNSLAUGHTER gespielt habe – sie hieß Death Sentence. Damals hatte ich ein paar Songtexte bei Jerry Jameson liegen lassen, dem Schlagzeuger der Band. Als wir uns später zusammensetzten, um NUNSLAUGHTER ins Leben zu rufen, brachte Jerry plötzlich die Lyrics zu I Am Death mit. Das Kuriose daran: Er hatte bereits den Großteil der Musik geschrieben.

Er nahm die Gitarre in die Hand, spielte mir den Song vor und begann zu singen. Nach wenigen Sekunden dachte ich nur: „Moment mal, das kommt mir verdammt bekannt vor.“ Jerry grinste und meinte: „Kein Wunder. Die Texte hast du vor anderthalb Jahren bei mir zu Hause vergessen.“ (lacht)

Wenn ich heute darauf zurückblicke, muss ich schmunzeln. Die Zeilen waren denkbar simpel und direkt. Ich glaube, ein fünfzehnjähriger Don hat damals I Am Death, Death Is Me geschrieben. Wahrscheinlich würde ich so etwas heute nicht mehr exakt auf dieselbe Weise formulieren.

Trotzdem bin ich froh, dass diese Texte entstanden sind. Heute steckt vielleicht etwas mehr Überlegung dahinter, ein wenig mehr Feinschliff. Aber wir sind keine Band, die sich in hochtrabenden Konzepten verliert oder über mystische, ätherische Wesen philosophiert, die durch irgendwelche kosmischen Dimensionen schweben.Bei NUNSLAUGHTER ging und geht es im Kern immer noch um Tod, Satan und all die düsteren Themen, die den Extreme Metal seit Jahrzehnten begleiten. So schreibe ich bis heute. Vielleicht ein wenig kreativer als früher – zumindest hoffe ich das. Aber nie so verkopft, dass die Leute erst ein Philosophiestudium absolvieren müssen, um zu verstehen, worum es eigentlich geht.

Wenn wir schon bei Religion sind: Falls Jesus tatsächlich bei einem NUNSLAUGHTER-Konzert auftauchen würde – bekäme er einen Backstage-Pass oder müsste er sich ganz normal am Merch-Stand anstellen?

(lacht laut) Er kann von mir aus direkt an die Spitze der Warteschlange marschieren. Seine Schuld ist das Ganze schließlich nicht. Auch er wurde über Jahre hinweg mit den immer gleichen Wahrheiten gefüttert, bis sie sich wie unumstößliche Fakten anfühlten.

Aber wer weiß schon, was die Zukunft bringt? Vielleicht legt er eines Tages ein paar Nunslaughter-Songs auf, hört genauer hin als bisher und kommt zu einer überraschenden Erkenntnis: „Moment mal ... vielleicht haben diese satanischen Chaoten ja gar nicht in allem Unrecht.“

Die Tape-Trading-Szene hat NUNSLAUGHTER mit aufgebaut. Vermisst du manchmal diese Zeit, in der man wochenlang auf ein Demo aus Übersee warten musste?

Vermissen würde ich die Zeiten des klassischen Tape-Tradings heute nicht unbedingt. Natürlich hatte diese Ära ihren ganz eigenen Charme, aber man darf auch nicht vergessen, wie oft damals etwas schiefging. Kassetten kamen beschädigt an, manche Tauschpartner verschwanden plötzlich von der Bildfläche, andere verloren schlicht das Interesse an der Musik oder hatten irgendwann keine Lust mehr, ihren Teil der Abmachung einzuhalten.

Manchmal wartete man wochenlang auf eine Kassette und fragte sich irgendwann: „Warum sollte ich sie überhaupt noch verschicken? Ist mir inzwischen egal.“ Die Gründe konnten vielfältig sein – Krankheit, private Probleme oder einfach nachlassende Begeisterung für die Szene. Gewissheit hatte man selten.

In dieser Hinsicht ist das Internet ein echter Segen. Musik und Dateien lassen sich heute praktisch in Echtzeit austauschen, ohne monatelange Wartezeiten und ohne die ständige Unsicherheit, ob am anderen Ende überhaupt noch jemand reagiert. Das macht vieles einfacher und effizienter.

Trotzdem ging mit dem digitalen Zeitalter auch etwas verloren. Der persönliche Kontakt war damals oft intensiver. Es hatte etwas Besonderes, wenn man nach zwei Monaten plötzlich einen Brief aus Deutschland im Briefkasten fand – geschrieben von jemandem, der sich die Mühe gemacht hatte, zwei handgeschriebene Seiten auf Englisch an einen Metalhead irgendwo in den USA zu schicken. Das war mehr als nur Musiktausch; es war eine Form internationaler Freundschaft, lange bevor soziale Netzwerke den Alltag bestimmten.

Viele dieser Namen habe ich bis heute nicht vergessen. Sie kommen mir noch immer in den Sinn, weil ihre Päckchen und Briefe regelmäßig bei mir ankamen – aus allen Ecken der Welt. Rückblickend war das eine faszinierende und einzigartige Zeit. Eine Zeit, die man gerne in Erinnerung behält. Trotzdem bin ich nicht unglücklich darüber, dass wir sie hinter uns gelassen haben.

Was darf die weltweite NUNSLAUGHTER-Gemeinde als Nächstes erwarten – weitere satanische Feldzüge oder die überraschende Veröffentlichung von Don sings Disney Classics?

(lacht) Nein, Langeweile kommt bei uns definitiv nicht auf. Für das aktuelle Album stehen zunächst einige Tourneen an, mit denen wir die Veröffentlichung unterstützen werden. Danach geht es praktisch direkt wieder zurück ins Studio. Wobei „zurück“ eigentlich das falsche Wort ist – wir proben ohnehin in unserem Studio und sind jede Woche dort. Entsprechend liegen bereits sieben oder acht neue Songs in der Pipeline, die nun Schritt für Schritt ausgearbeitet und vermutlich auch als erste Demos festgehalten werden.

Mein Ziel wäre es, noch vor Jahresende die nächsten konkreten Schritte in diese Richtung zu machen. Darüber hinaus wartet bereits ein weiteres Projekt auf seine Veröffentlichung: ein Livealbum. Allerdings kein klassischer Konzertmitschnitt, sondern eine Live-im-Studio-Aufnahme gemeinsam mit unseren Freunden von Ringworm, einer Band aus unserer Heimatregion. Das Material muss noch gemischt werden, doch ein Label hat bereits Interesse bekundet und zugesagt, das Album zu veröffentlichen.

Als wäre das nicht genug, arbeiten wir außerdem an einer Vierer-Split-Veröffentlichung zusammen mit Exhumed, Molder und Traffic Death. Auch diese Platte soll noch vor Jahresende erscheinen. Jede Band steuert zwei neue Songs bei – wobei Traffic Death möglicherweise sogar vier Stücke beisteuern werden, weil ihre Songs etwas kürzer ausfallen.

Das Ganze wird über Redefining Darkness Records veröffentlicht. Unterm Strich lautet die Devise also ganz einfach: weitermachen, neue Musik schreiben und regelmäßig neue Veröffentlichungen raushauen. Schließlich habe ich momentan nichts Besseres zu tun. (lacht)

Zwischen den ersten Demo-Tapes aus den Achtzigern und Satanic Chaos Legions liegen beinahe vier Jahrzehnte voller Blut, Schweiß, Blastbeats und Gotteslästerung. Dass NUNSLAUGHTER dabei nie ihre Identität verloren haben, sondern sogar heute noch hungriger wirken als viele deutlich jüngere Bands, verdient Respekt – unabhängig davon, auf welcher Seite der himmlischen oder höllischen Barrikade man steht. Vielen Dank für eure Zeit und die offenen Antworten. Möge Lucifer weiterhin ein Auge auf euch haben – und die Nachbarn verständnisvolle Ohren. Danke an den unfassbar sympathischen Don.




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