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Live on Stage Review: CHRONICAL MOSHERS 2026

12. bis 13.06.2026 - Am Mühlteich @ Hauptmannsgrün


Es ist Freitag der 12.06.2026. Wir sitzen in Prag beim Frühstück und während dessen weint der Himmel bittere Tränen. Aber gut…jeder Urlaub geht einmal vorbei und außerdem stand ja bereits das nächste Highlight vor der Tür: das CHRONICAL MOSHERS OPEN AIR. Prag hatte uns ein paar wunderschöne Erinnerungen beschert. Zwischen Altstadtromantik, tschechischem Bier, ausgiebigem Gulasch-Konsum und dem einen oder anderen sehr wichtigen Gespräch wurden dort Entscheidungen getroffen, die wohl dafür sorgen werden, dass Männlein und ich uns in nicht allzu ferner Zukunft tatsächlich Mann und Frau nennen dürfen. Mehr dazu vielleicht irgendwann an anderer Stelle, denn nun geht es erstmal (das PARTY SAN mal ausgeklammert) auf Deutschlands bestes Festival!

Von nun an sollten unsere Nacken schmerzen, unsere Kehlen nicht mehr austrocknen und die Stimmung irgendwo zwischen Bier, Blastbeats und Freundschaft pendeln. Dafür gibt es wohl kaum einen besseren Ort als dieses mit Herzblut, Leidenschaft und einer gehörigen Portion Wahnsinn organisierte Festival. Das einzig wirklich Beschissene? Das Wetter. Was in Prag schon seinen sehr feuchten Anfang nahm, sollte sich auch über Hauptmannsgrün nicht legen. Graue Wolken, Regen und Matsch soweit das Auge reicht. Aber…..und das ist viel wichtiger, als wir auf dem Gelände ankamen und in die strahlenden Gesichter der großen Familie rund um die Party San-Crew blicken konnten, wurde schnell klar: Das Wetter spielt heute höchstens die zweite Geige. Das Zelt stand – zumindest halbwegs gerade – innerhalb kürzester Zeit, die Bändchen waren am Handgelenk, das erste Bier in Reichweite. Natürlich fing es exakt in diesem Moment wieder an zu regnen. Aber egal. Wir waren angekommen. Wir waren glücklich. Das Bier schmeckte. Das Wochenende konnte also beginnen.

FREITAG, 12.06.2026

Den musikalischen Auftakt machten die Death/Thrasher PSYCROTTED aus Leipzig. Schon nach den ersten Tönen war klar, dass diese Band nicht gekommen war, um Gefangene zu machen. Besonders die tiefen Growls von Frontmann Michael Apelt fraßen sich direkt durch die regennasse Luft. Die ersten Reihen füllten sich, die Gespräche verstummten langsam und man merkte: Die Leute hatten Bock. Und pünktlich zur ersten Band hatte sogar Petrus ein Einsehen. Der Regen hörte auf und die Sonne lugte zumindest kurz zwischen den Wolken hervor. Wer auch immer für diesen Moment verantwortlich war – danke dafür.

FATEFUL FINALITY. Jetzt muss ich etwas gestehen: Die sympathischen Herren erinnerten mich stellenweise verdammt stark an alte BULLET FOR MY VALENTINE. Und bevor jetzt alle die Mistgabeln auspacken – für mich und meine blauhaarige Begleitung ist das absolut nichts Schlechtes. Die Schwaben servierten modernen Melodic Death Metal mit ordentlich Groove, eingängigen Leads und überraschend viel Gefühl. Besonders der Wechselgesang am Mikrofon funktionierte hervorragend. Mehr als einmal bescherte uns die Band echte Gänsehautmomente. Nebenbei sorgte ein Gesprächsthema auf dem gesamten Gelände für Erheiterung: Wie zum Teufel kann ein so kleines Schlagzeug derart viel Krach machen? Die Antwort blieb offen. Die Begeisterung über die sympathische Truppe dagegen nicht.

Nachdem die Getränkeversorgung gemeinsam mit Frau Blauhaar und Männlein wiederhergestellt war, standen wir bereit für die erste Schwarzmetall-Zeremonie des Festivals. YOTH IRIA, gegründet von Jim Mutilator – einst Bassist der legendären ROTTING CHRIST – gehören mittlerweile zu den spannendsten Vertretern des griechischen Black Metal. Atmosphärisch, episch und voller okkulter Melodien. Trotzdem wirkte der Auftritt auf diesem Festival-Slot etwas verloren. Solche Bands entfalten ihre Magie eigentlich in der Dunkelheit, wenn Nebel über die Bühne kriecht und die Nacht die Kulisse übernimmt. Am Nachmittag zwischen Bierständen und Bratwurstduft fehlte irgendwie das gewisse Etwas. Der Hit vom aktuellen Album „The Blind Eye of Antichrist“ sorgte zwar noch einmal für Aufmerksamkeit, aber so richtig zünden wollte die Messe für mich heute nicht.

Natürlich musste zwischen den ganzen Band Geschichten auch die Festivalpflicht erledigt werden: Ein Besuch im Merchzelt. Wer das CHRONICAL MOSHERS kennt, weiß, dass man dort eigentlich nie mit leeren Händen wieder herauskommt. Nicht nur wegen der Shirts, Patches und Tonträger, sondern vor allem wegen der Menschen dahinter. Ein paar Euro hinterließen wir dort selbstverständlich und wie jedes Jahr wurden wir von den wohl liebevollsten Mon Cheries des gesamten Festivals begrüßt: Erik und Sebastian. Mit guter Laune, einem lockeren Spruch auf den Lippen und der Geduld von Heiligen sorgten die beiden dafür, dass aus einem kurzen Merchbesuch meistens ein längerer Plausch wurde.

Dann wurde es schwerer. BERZERKER LEGION betraten die Bühne und mit ihnen eine halbe Death-Metal-Allstar-Truppe. Besonders Alwin Zuur an der Gitarre, der bei ASPHYX den Tieftöner bedient, zog sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Doublebass-Gewitter, klassischer schwedischer Death Metal und ein Sound, der direkt aus den Neunzigern in die Gegenwart teleportiert wurde. Die Fläche vor der Bühne füllte sich merklich. Selbst der immer wieder einsetzende Regen konnte die Meute nicht bremsen. Trotzdem blieb bei mir persönlich nicht allzu viel hängen. Alles war solide, professionell und druckvoll gespielt – aber irgendwie fehlte mir das Besondere. Ganz nett, nie langweilig, aber manchmal eben auch einfach etwas belanglos. 

Plötzlich war Leben auf der Bühne. HELLRIPPER aus Schottland zelebrierten ihren wilden Mix aus Black Metal, Speed Metal und dreckigem Rock'n'Roll mit einer Energie, als hätten MOTÖRHEAD und BATHORY gemeinsam einen Dämon beschworen. Von der ersten Minute an gab es keine Verschnaufpause. Riffs jagten Riffs, Soli flogen durch die Luft und die Menge dankte es mit zunehmender Bewegungsfreude. Genau die Art von Band, die man auf einem Festival sehen möchte: roh, ehrlich und völlig entfesselt.

Was soll man über HELLBUTCHER groß sagen? Vielleicht einfach: Band des Tages. Oder besser: Band des verdammten Festivals. Der ehemalige NIFELHEIM Frontmann betrat die Bühne und hatte das Publikum sofort in der Tasche. Was für eine Präsenz. Was für eine Ausstrahlung. Und vor allem: Was für ein sympathischer Kerl. Mit Klassikern wie “Satan's Power” und „Possessed By The Devil's Flames“ wurde eine Lehrstunde in Sachen kompromisslosem Blackened Speed Metal abgehalten.

Als dann am Ende noch BATHORYsDie in Fire“ sowie VENOMS unsterbliches „Black Metal“ durch die Boxen donnerten, gab es endgültig kein Halten mehr. Ein grandioser Auftritt einer grandiosen Band und der Herr Hellbutcher selbst hatte sichtbar genauso viel Spaß wie das Publikum. DAS ist die Quintessenz des Heavy Metal!

Der Co-Abschluss gehörte NARGAROTH. Eigentlich müsste diese Band bei mir offene Türen einrennen. Deutscher Black Metal, rau, kompromisslos und mit Kultstatus versehen. Und trotzdem werde ich mit NARGAROTH einfach nicht warm. Versteht mich nicht falsch: Die Band hat, trotz diverser Kontroversen in der Frühphase, ihren Platz in der Geschichte des deutschen Black Metal mehr als verdient. Viele Menschen verehren Ash und seine Werke beinahe religiös. Aber der berühmte Funke will bei mir einfach nicht überspringen.

Das geordnete Chaos wurde im Laufe des Auftritts immer chaotischer. Zwischen intensiven Momenten und merkwürdigen Passagen blieb ich etwas ratlos zurück. Das Finale gipfelte schließlich in einem Kreischen, das nicht wenige Zuschauer eher zum Schmunzeln als zum ehrfürchtigen Nicken brachte.

Den eigentlichen Abschluss des Freitags lieferten ANDRAS aus dem Erzgebirge. Allerdings hatte das Wetter zu diesem Zeitpunkt endgültig beschlossen, wieder die Hauptrolle spielen zu wollen. Während draußen Regen und Wind ihre eigene Performance aufführten, lauschte ich dem Auftritt größtenteils aus der Sicherheit des Zeltes heraus. Und wenn ich ehrlich bin: Ich habe keine Ahnung, was dort gerade gespielt wurde. Irgendwo zwischen prasselnden Regentropfen auf der Zeltplane, Gesprächen der Nachbarn und dem inzwischen nicht mehr ganz nüchternen Festivalzustand verschwammen die Songs zu einem entfernten Klangteppich.

Man hörte Blastbeats, man hörte Gitarren und man hörte eine Band, die offensichtlich ihre Sache verstand – aber eine fundierte Bewertung wäre ungefähr so seriös wie eine Weinprobe nach zehn Bier. Deshalb belassen wir es dabei: ANDRAS waren definitiv da. Sie spielten Black Metal. Das Wetter gewann. Ich verlor die Übersicht. Manchmal schreibt ein Festival eben seine eigenen Geschichten. So endete der Freitag zwischen Regen, Bier, Blastbeats und jeder Menge guter Menschen. Und trotz aller Wetterkapriolen blieb vor allem eines hängen: Das CHRONICAL MOSHERS ist kein Festival. Es ist ein Familientreffen mit verzerrten Gitarren.

SAMSTAG, 13.06.2026

Die Nacht war feucht. Sehr feucht, aber der Samstag begann genauso, wie ein perfekter Festivaltag beginnen sollte. Kein Regen. Kein Matsch. Ein Blick auf die Wetter App auf dem Handy versprach tatsächlich schöne Aussichten und somit waren die Blicke gen Himmel im Zehn-Minuten-Takt hinfällig. Stattdessen regierte Sonne, gute Laune und die wichtigste Entscheidung des Morgens: Bier oder Kaffee? Während die ersten verstrahlten Gesichter bereits glücklich über das Gelände schlurften, gab es allerdings noch ein kleines Sanitär-Drama. Durch eine Verstopfung waren einige Leitungen dicht. An dieser Stelle ein kleines Dudu an die betreffende Damenwelt: Die Hinweise auf den Toilettentüren hängen nicht zur Dekoration dort. Das erspart Veranstaltern eine Menge Zeit, Nerven und Geld. Doch wie alles auf dem CHRONICAL MOSHERS wurde auch dieses Problem schnell und professionell gelöst und ehe man sich versah, war es bereits Mittag. Zeit also, die Tore der Hölle erneut zu öffnen.

Den Auftakt machten GRANITADER. Die Sachsen lieferten rohen Black Metal mit atmosphärischen Einschlägen, auch wenn nicht jeder Einsatz hundertprozentig saß. Irgendwie fühlte ich mich sofort an ASAGRAUM vom Vorjahr erinnert. Vielleicht lag es an der Uhrzeit, vielleicht an der Stimmung. Von Weitem hörte ich zwischenzeitlich sogar ein paar Klangfarben heraus, die mich an SAOR denken ließen. Wenn man sich um zwölf Uhr mittags vor eine Black-Metal-Bühne stellt, dann ist es für eine Band leider immer etwas schwierig, dem eingefleischten Black Metal Liebhaber den gewünschten Spirit zu liefern. Trotzdem ein solides Ding.

Zeit für das Samstags-Highlight und ja, was soll ich sagen? Die Achtziger sind zurück – und sie kommen aus Dresden. Die Jungs von LEAD INJECTOR dürften gerade einmal Anfang zwanzig sein, spielten aber mit einer Selbstverständlichkeit auf, als würden sie seit Jahrzehnten Festivalbühnen zerlegen. Klassischer Speed Metal, messerscharfe Riffs, großartige Melodien und vor allem eine Spielfreude, die vom ersten bis zum letzten Ton ansteckend war. Songs des aktuellen Albums “Witching Attack” wurden vom Publikum begeistert aufgenommen und spätestens bei „Sacrifice This Bitch“ oder „Chains“ hatte die Band die Meute komplett auf ihrer Seite. Dabei wirkte nichts aufgesetzt oder geschniegelt – einfach ehrlicher Heavy Metal von jungen Musikern, die für das brennen, was sie da tun. Ich hatte mich bereits vor dem Auftritt mit Merch eingedeckt und auch die neue LP landete direkt in meiner Sammlung. Nach dem Gig ergab sich noch ein kurzes Gespräch mit dem Gitarristen. Als wir ihm erzählten, wie begeistert wir von ihrer Show waren, konnte man förmlich sehen, wie sehr ihn das freute. Irgendwann wechselte die Freude sogar in ungläubiges Begeisterungs-Geschrei. Und ganz ehrlich: Ich glaube, wir waren an diesem Tag nicht die Einzigen. Dieser Auftritt dürfte der Band einige neue Fans beschert haben. Deshalb ziehen wir hier einfach mal den Hut. Jungs, macht bitte genau so weiter. Die Szene braucht junge Bands wie euch. Leidenschaft, Talent und Herzblut kann man nicht lernen – entweder man hat es oder eben nicht und ihr habt davon mehr als genug.

Danach hatten COMMANDER aus München die schwere Aufgabe, die Stimmung nicht abflachen zu lassen und irgendwie gelang den alten Hasen des deutschen Death Metals dieses Kunstwerk überraschend einfach. Groove, Härte und z.T. schwer eingängige Songs übertrugen sich eins zu eins aufs Publikum. Die Band wirkte sichtlich zufrieden und hatte mindestens genauso viel Spaß wie ihre Zuhörerschaft vor der Bühne. Hier gab es keine großen Überraschungen und keinen unnötigen Schnickschnack. Einfach ehrlicher old school Death Metal von Leuten, die genau wissen, wie das zu klingen hat. Und manchmal reicht genau das. Schöne Säge!

Beim folgenden Soundcheck erregte eine Tatsache unsere komplette Aufmerksamkeit. Hall. Mehr Hall. Noch mehr Hall. Und wenn es geht, dann vielleicht noch ein bisschen Hall auf die Stimme. Ein kurzer Blick aufs Backdrop zeigte dann auch warum. VULTURE standen in den Startlöchern und brachten die Achtziger nun endgültig zurück auf die Bühne. Einheitliches Gitarrendesign, enge Hosen und jede Menge Heavy-Metal-Posen inklusive. Dennoch war es vor der Bühne erschreckend leer, was die Band aber glücklicherweise überhaupt nicht interessierte. Die Jungs hatten sichtbar Spaß und spielten ihr Set, als würden zehntausend Menschen vor ihnen stehen. Auch uns zog es zwischenzeitlich in den Backstage-Bereich. Dort saßen bereits die sympathischen Schweizer von STILL SLAYER, allen voran Drummer Steve, der später noch eine ganz besondere Rolle spielen sollte. Als dann noch die netten Holländer von LEGION OF THE DAMNED anrückten, mit denen mein Männlein vor einiger Zeit für rund 3 Wochen den Tourbus geteilt hatte, wurde es kurz eng am Bierstand. Wiedersehensfreude, euphorische Gespräche und jede Menge Durst bestimmten die folgenden Momente.  

Auf der Bühne ging es derweil unaufhaltsam weiter……Jetzt werden Gesichter zerstört. Die Schweden von FACEBREAKER walzten mit ihrem groovigen Death Metal durch die Menge wie eine Planierraupe durch einen Vorgarten. Die Growls von Fronter Jocke waren abartig gut. Die vereinzelt platzierten Blastbeats drückten gewaltig. Überall nickende Köpfe und zufriedene Gesichter. FACEBREAKER lieferten einen wahren Triumphzug! Was für ein Auftritt! An dieser Stelle muss auch einmal der Sound erwähnt werden. Es ist jedes Jahr beeindruckend, wie gut jede einzelne Band in diesem kleinen Tal des CHRONICAL MOSHERS klingen. Und noch etwas fiel auf: Musikalische Früherziehung wird hier großgeschrieben. Ich habe noch nie so viele Metal-Kinder auf einem Festival gesehen. Überall kleine Mini-Mosher mit Mickey-Mouse-Gehörschutz, die fröhlich zwischen Kutten, Bier und Blastbeats herumwuselten. Genau so muss das sein.

NIGHT IN GALES gehören eigentlich zu den Institutionen des deutschen Melodic Death Metal. Umso mehr hatten wir das Gefühl, dass die Musiker an diesem Tag eher gegeneinander als miteinander spielten. Eine neue Single wurde vorgestellt, doch irgendwie wollte der Funke nicht ganz überspringen. Vielleicht lag es aber auch daran, dass FACEBREAKER mit ihrem relativ stumpfen Geballer hier einfach nur verbrannte Erde übriggelassen haben. Die Mucke von NIGHT IN GALES erhebt nun einen wesentlich höheren musikalischen Anspruch und genau diese Tatsache, könnte dem ein oder anderem Metaller zu dieser Zeit eher schwer fallen. Mir ging das zumindest stellenweise so. Besonders das Schlagzeug dominierte den Sound oftmals so sehr, dass die Stimme von Fronter Christian stellenweise kaum durchkam. Manchmal bleibt die alte Erkenntnis eben wahr: Weniger ist mehr. Trotzdem spielten die Jungs ihr Set routiniert und souverän, mit ein paar Bandklassikern gespickt herunter.

Nun kam ein kleines Highlight. Kontrolliertes Chaos. Anders kann man SVARTTJERN aus Norwegen kaum beschreiben. Schreihals Hans war komplett in seinem Element. Die Norweger wirbelten mit einer Energie über die Bühne, die irgendwo zwischen Wahnsinn und Genialität pendelte. Außer dem Bandklassiker „All Hail Satan“ und „Chop, Slit, Flay“ vom aktuellen Album, habe ich keine Ahnung mehr, welche Songs im Einzelnen gespielt wurden. Und wisst ihr was? Es war völlig egal. Die Band lieferte dermaßen ab, dass man irgendwann einfach nur noch grinsend und wie von einem Rausch benebelt vor der Bühne stand. Alles war einen Hauch übertrieben – aber genau so viel wie es sein musste. SVARTTJERN beherrschen den schmalen Grat zwischen albernem Gehampel und totaler, sowie bedingungsloser Hingabe an die Sache wahrlich meisterhaft. Immer nen Zacken drüber, aber niemals lächerlich, war es ein wahrer Genuss, den Jungs beim Musizieren zuzuhören und zuzusehen. Und als Hans uns nach dem Auftritt noch in die Arme schloss und sich sichtlich gerührt für unseren offensichtlichen Merch-Einkäufen bedankte, fühlten wir uns kurz wie auf Wolke Sieben. Danke für diese vollkommen irre Show.

Dann war es Zeit für LEGION OF THE DAMNED und die Jungs machten genau das, was LEGION OF THE DAMNED immer machen. Sie kamen. Sie spielten. Sie zerstörten. Die Niederländer gehören schon sehr lange zur europäischen Thrash-Elite und lieferten einen Auftritt ab, der so präzise war wie ein Vorschlaghammer. Keine Experimente. Keine Überraschungen. Einfach Vollgas. Alte Songs wie die Namensgebende Bandhymne, sowie neuere Brecher vom Schlage eines „Beheading Of The Godhead“ verfehlten ihr Ziel nicht und die zahlreich erschienenen Zuschauer machten unmissverständlich klar, dass die Jungs definitiv noch genügend Relevanz besitzen. Aktuell ist die Band im Studio um den Nachfolger vom 2022er „The Poison Chalice“ einzutrümmern und Gerüchten zufolge, kommt da ein wahrer Dampfhammer auf uns zu. Es bleibt also spannend.

Dann kam der wohl intensivste Moment des Tages. PRIMORDIAL enterten die Bühne und schon die ersten Töne reichten aus, um eine völlig andere Atmosphäre über das Gelände zu legen. Unser aller Lieblings-Ire A.A. Nemtheanga – oder einfach Alan – ist mittlerweile einer der beeindruckendsten Frontmänner der gesamten Metalszene. Was der Mann gemeinsam mit seiner Band auf die Bühne bringt, ist weit mehr als ein Konzert. Es ist eine Zeremonie. Ein Ritual. Eine Reise. Seine Stimme, seine Gestik, seine Präsenz – all das zieht einen unwiderstehlich in den Bann. Die Setlist lies absolut keine Wünsche offen und somit schmetterten die Mannen von der Insel mit "Empire Falls". "Gods To The Godless" oder dem irre intensiven "The Coffin Ships" ihre absolut großartige Hymnen in die sich langsam herabsenkende Dunkelheit. Für mich persönlich gab es an diesem Abend keine bessere Band. Und sowohl Männlein als auch ich mussten mehr als einmal gegen feuchte Augen kämpfen. PRIMORDIAL ist immer wieder ein Genuss!

Dann übernahm wieder Griechenland die Bühne und wenn ROTTING CHRIST da sind, dann sind sie auch wirklich da. Sakis, sein Bruder Themis und der Rest der Mannschaft verfügen mittlerweile über eine Ausstrahlung und Routine, von der viele Bands nur träumen können. Doch Routine bedeutet hier keineswegs Langeweile. Ganz im Gegenteil. Die Energie der Band sprang sofort auf das Publikum über. Da sitzt einfach alles. Jeder Riff. Jeder Chor. Jede Ansage. Mit „Like Father, Like Son“ wurde mein persönlicher Lieblingssong gespielt, während „Apage Satana“ live einmal mehr bewies, warum dieser Song seit Jahren zu den absoluten Festivalhymnen des Extreme Metal gehört. Egal wie oft man ROTTING CHRIST bereits gesehen hat: Man kann sie sich immer wieder anschauen. Diese Bühnenpräsenz ist einfach außerordentlich und seien wir ehrlich...für die Damen gibt es ja auf der Bühne auch durchaus etwas zu sehen. Zwinker. 

Den Abschluss des Festivals übernahm die Schweizer SLAYER Covergranate STILL SLAYER. Und was soll man sagen? MESSIAH Drummer Steve zerlegte sein Schlagzeug in bester Dave Lombardo Manier und wer mit „Hell Awaits“ ins Set einsteigt macht grundsätzlich NICHTS verkehrt! Es grenzt schon an reinen Wahnsinn, zu erleben, wie irre präzise und nah die Jungs hier am Original liegen. Ich bin grundsätzlich kein großer Freund von Coverbands und (Schande über mich) auch nicht der allergrößte SLAYER Fan, aber das hier war ganz großes Kino. Während die Band die unvergesslichen Thrash Metal Hymnen durch die Nacht feuerte, übernahm das Publikum große Teile des Gesangs. Die Stimmung war ausgelassen, die letzten Bier wurden geleert und langsam machte sich dieses Gefühl breit, das man auf Festivals immer kurz vor Schluss bekommt: Man möchte eigentlich noch nicht nach Hause.

FAZIT

Zum Schluss bleibt eigentlich nur noch eines zu sagen: DANKE! Danke an die gesamte Crew des CHRONICAL MOSHERS OPEN AIR. Danke an die Helfer, die Organisatoren, die Bands, die Besucher und jeden einzelnen Menschen, der dieses Festival möglich macht. Es ist beeindruckend zu sehen, mit wie viel Liebe, Leidenschaft und Herzblut hier gearbeitet wird. Alles wirkt familiär, ehrlich und vollkommen unverkrampft. Viele größere Festivals könnten sich davon eine gewaltige Scheibe abschneiden. Für mich gehört das CHRONICAL MOSHERS spätestens seit dem letzten Jahr zu meinen absoluten Lieblingsfestivals. Nicht wegen der Größe. Nicht wegen der Namen. Sondern wegen der Atmosphäre und genau deshalb werden wir definit wiederkommen. Bis zum nächsten Jahr!


MIRI

Fotos Tag 1 by Danny Jakesch



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