BROKEN PINION – Spare Parts (I) (2026)
(10.315) Maik (8,0/10) Rock/Metal
Label: D.I.Y.
VÖ: 19.06.2026
Stil: Rock/Metal
Es ist, wenn überhaupt möglich, sehr schwer, die Musik von BROKEN PINION in eine Kategorie einzuordnen. Doch gehen wir der Reihe nach. Die Band wurde im Jahre 2013 von Martin Nottrott (Bass) und dem Gitarristen Daniel Pfeiffer aus den Überresten der vormaligen Band ANZEFAR geschmiedet, und mit dem Drummer Guido Schneider, Sänger Alexander Hettel und Michael Husnik als zweitem Gitarristen komplettiert.
Pinion bezeichnet ja ein Antriebsritzel, kann aber auch für die Fittiche eines Vogels verwendet werden. Damit bedienen sich BROKEN PINION auch in der Namensgebung einer gewissen Mehrdeutigkeit, was gut zur sehr komplexen musikalischen Richtung passt.
Da alle Musiker dann doch verschiedene Einflüsse mitbringen und auch alle am Songwriting beteiligt sind, ergibt es sich, dass sich die Songs doch sehr stark voneinander unterscheiden, was Genrepuristen wahrscheinlich eher skeptisch beäugen könnten. Selbst die Band möchte sich hier nicht einengen und bezeichnet ihre Musik als Rock/Metal. Was ich hier einfach mal kaltschnäuzig übernommen habe.
Nun hat die Band ihre erste EP veröffentlicht, welche den Titel „Spare Parts (I)“ trägt. Der Name lässt vermuten, dass weitere Ersatzteile schon in der Planung sind. Enthalten sind 5 Songs sowie ein Intro. Selbiges nennt sich „Under The Surface“, präsentiert sich einerseits atmosphärisch, andererseits aber auch ein wenig bedrohlich, wie der Soundtrack eines Gruselfilms.
Das Intro geht fast übergangslos in den ersten Song über. „Drop By Drop“ wirkt zunächst ein wenig wie siebziger Psych-Rock mit entspanntem, leicht melancholisch wirkendem Klargesang. Doch schon bald setzen harte Gitarren ein und die Vocals rutschen in leicht modern wirkendes Aggrogebrüll. Das ist schon mal eine stilistische Achterbahnfahrt, die aber keineswegs gezwungen wirkt. Das marschmäßige Drumming und die klagenden Gitarren im letzen Drittel ziehen dann wieder eine Reminiszenz in die Siebziger, werden am Ende aber noch mal von einem Gewaltausbruch abgelöst, der jede Metalcoreband in die Flucht schlagen dürfte.
Ich mache eigentlich ungern Song-by-Song- Reviews, aber hier ist das unumgänglich. Schon der Beginn von „Ambrosia“ präsentiert sich gegenüber dem vorigen Song relativ eingängig, ist eine schön treibende Rocknummer, die ein wenig im Punkrock wildert.
Fast ohne Pause geht es in den nächsten Song, „Lost Paradise“, der ebenfalls ordentlich Drive hat. Da dürften die Herzen der Thrasher höherschlagen, wenngleich auch hier teilweise der Punkrock durchschlägt. Bis es in der Mitte etwa kurzzeitig in eine entspannte Mischung aus Loungemusik und Southern Rock pendelt, bevor der Song sich wieder seiner Punk’n’Roll- Ausrichtung besinnt.
Nach diesen beiden mitreißenden Songs überraschen uns BROKEN PINION mit „Wind“. Und der erweist sich als eher ruhig. Es wirkt fast, als hätte irgendjemand THE DOORS wiederbelebt und ihnen gesagt: ‚Ihr spielt jetzt Gothic Rock!‘. Melancholisch klagende Gitarren und ein ebenso wirkender Gesang erschaffen eine völlig andere Stimmung als die vorigen Songs.
Mit dem abschließenden „No Future, No Worries“ zieht der Fünfer noch mal alle Register, vom Modern Metal über Thrash (das eine Riff kommt mir bekannt vor, ich weiß bloß nicht, woher…) bis hin zu noch aggressiveren Stilen. Im Song wird auch kontinuierlich die Intensität gesteigert. Da geht es gesanglich schon mal kurz in Bereiche des Death- wenn nicht sogar Black Metal. Der Song endet stilgerecht mit einer Coda.
Wie gesagt, sehr vielschichtig und grenzüberschreitend, das Ganze. BROKEN PINION zeigen sich hier mit all ihren Facetten, und derer sind nicht wenige. Auf Bandcamp stehen als Tags Hard Rock, Metal, Alternative Metal, Gothic Metal, Heavy Metal und Rock’n’Roll. Ich würde noch Groove Metal und Melodic Thrash Metal hinzufügen, das alles wird der Musik allerdings nur unzureichend gerecht, denn „Spare Parts (I)“ ist kein krude zusammengewürfelter Stilmischmasch, im Gegenteil: die Identität der Band ist immer erkennbar. Egal ob einfühlsam melodisch oder krass auf die Mütze kloppend.
Referenzbands zu nennen, ist ebenfalls schwer. Immer, wenn mir eine einfiel, kam kurz darauf der Gedanke: ‚nee, doch eher nicht.‘ Und die Bands, die mir da einfielen, kennt heute eh kaum noch einer. Ich nenne sie trotzdem. TIANANMEN, FROM THY ASHES, die Münchner MORTALITY und vielleicht noch CALHOUN CONQUER. Macht Euch selbst einen Reim darauf!
Die Band hat diese EP in Eigenregie aufgenommen und veröffentlicht. Auch das Artwork ist DIY. Nur das Logo, welches auf der Bandcamp-Seite zu sehen ist, gefällt mir besser als das auf dem EP- Cover.
Anspieltipp:
💣 No Future, No Worries
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Under The Surface (intro)
02. Drop By Drop
03. Ambrosia
04. Lost Paradise
05. Wind
06. No Future, No Worries

