IRON REAGAN - Demonetization (2026)
(10.305) Olaf (9,0/10) Thrash Metal
Label: Relapse Records
VÖ: 09.06.2026
Stil: Thrash Metal
Für jemanden wie mich, der IRON REAGAN seit den ersten Tagen verfolgt, war die Ankündigung von Demonetization ungefähr so erfreulich wie Freibier auf dem Protzen Open Air. Sieben Jahre Funkstille sind im Hardcore-, Crossover- und Thrash-Kosmos eine halbe Ewigkeit. Umso größer war die Vorfreude auf neues Material aus Richmond, Virginia. Die Vorbereitung zu diesem Review hat übrigens so lange gedauert, dass ich die EP achtmal hören konnte. Achtmal. Und mit jedem Durchlauf wurde klarer: Diese Band hat nichts von ihrer Wucht, ihrem Humor und ihrem Talent verloren, in kürzester Zeit komplette Straßenzüge zu verwüsten.
Die Originalbesetzung ist wieder vereint und genau das hört man. Wo andere Bands nach längeren Pausen vorsichtig antesten, ob der Motor noch läuft, treten IRON REAGAN direkt das Gaspedal durch den Fahrzeugboden. Sechs Songs. Zehn Minuten. Ende. Das klingt zunächst nach Arbeitsverweigerung, fühlt sich aber an wie zehn Minuten Kneipenschlägerei mit anschließender Randale in der Innenstadt. Ehe man realisiert, was gerade passiert ist, liegen die Möbel in Trümmern und die Nachbarschaft ruft bereits die Polizei.
Musikalisch bleibt das Quintett seiner DNA treu. Hardcore, Punk, Fastcore, Thrash Metal und jede Menge rotziger Crossover-Wahnsinn verschmelzen zu einem Sound, der sich weder um Trends noch um Algorithmen schert. Der Titel Demonetization könnte kaum passender sein. Während sich heutzutage alles um Klickzahlen, Monetarisierung und Reichweitenoptimierung dreht, klingt diese EP wie ein gezielter Tritt gegen genau diese Entwicklung. Roh, direkt, aggressiv und herrlich ungehobelt.
Besonders beeindruckend ist dabei, wie kompakt die Band ihre Ideen verpackt. Andere Gruppen benötigen für einen Spannungsbogen acht Minuten pro Song. IRON REAGAN schaffen das in achtzig Sekunden. Die Riffs kommen wie ein Hagelschauer, die Drums prügeln ohne Rücksicht auf Verluste, und Tony Foresta klingt dabei so bissig und angepisst wie eh und je. Gleichzeitig steckt erstaunlich viel Feingefühl im Chaos. Die Songs wirken nicht wahllos zusammengekleistert, sondern punktgenau auf maximale Wirkung ausgelegt.
Auch produktionstechnisch hat die Band genau die richtige Balance gefunden. Das Material klingt druckvoll und schwerer als vieles, was sie zuvor veröffentlicht haben, ohne den Dreck und die Punk-Attitüde einzubüßen. Genau diese Mischung macht IRON REAGAN seit ihrer Gründung zu einer der wichtigsten Bands im modernen Crossover-Bereich. Sie schaffen es, die Energie alter Hardcore-Keller mit der Wucht eines Thrash-Metal-Moshpits zu verbinden. Und das Beste? Demonetization wirkt nicht wie eine nostalgische Rückkehr alter Helden. Die EP klingt hungrig. Fast so, als hätten sich die fünf Musiker sieben Jahre lang angestaut und müssten nun alles auf einmal loswerden. Wenn das hier wirklich nur ein Vorgeschmack auf das ist, was noch kommen soll, dann darf man sich auf die Zukunft gewaltig freuen.
Mit gerade einmal zehn Minuten Spielzeit hinterlässt Demonetization mehr Eindruck als manche einstündige Albumveröffentlichung. IRON REAGAN melden sich nicht einfach zurück – sie treten die Tür ein, werfen den Kühlschrank aus dem Fenster und verschwinden wieder, bevor jemand ihren Namen aufnehmen kann. Für mich ist das eine der erfreulichsten Überraschungen des Jahres. Die Vinyl-Version erscheint am 18.09.2026, und bis dahin werde ich diese zehn Minuten vermutlich noch ein paar Dutzend Mal durch den Gehörgang jagen. Eine unfassbar wichtige Band. Eine unfassbar starke EP. Mosh it up!
Bewertung: 9,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Demonezation
02. God don’t like it
03. Makei t ugly
04. Hood Ornament
05. Parts unknown
06. Turning green

