ABYSSAL RIFT – Relics of Great Ash (2026)
(10.372) Robse (9,0/10) Death Metal
Label: Transcending Obscurity Records
VÖ: 14.08.2026
Stil: Death Metal
Als alter Elchtod-Heini und bekennender Fan der schwedischen Death-Metal-Szene weiß ich eines ganz genau: Death Metal ist nicht immer gleich Death Metal. Es gibt die verspielte Version, wo jeder Musiker der Welt beweisen muss, was alles so innerhalb von zwei Sekunden aus seinem Instrument kommt, die von mir favorisierte Straight-ins-Maul-Variante à la VOMITORY, Grave und Fleshcrawl und den groovigen Einheitsbrei, wo man sich jedes schon 1000-mal gehörte Riff schnappt und mit allen anderen gängigen Riffs verknüpft und das dann Old School nennt. Oder man will aus dem Brei heraus und mischt dem ganzen Gebräu noch eine ordentliche Mischung Doom Metal bei, und heraus kommt Abyssal Rift aus Columbus, Ohio, USA.
Death Metal von Übersee war meiner Meinung nach immer sehr schwierig und man ruhte sich gerne zu sehr auf Helden wie Cannibal Corpse, Deicide und Hate Eternal aus, kopierte hier und da, was meistens in die Hose ging.
Doom Death Metal klingt erstmal absolut nicht neu und kann tierisch nach hinten losgehen und in trister Langeweile verschimmeln. Im Fall von Abyssal Rift ist dies absolut nicht der Fall. Optisch alte Metal-Männer, die niemals Nein zu Bier Nummer 12 sagen, gerne ein gemütliches Kippchen im Mund haben und einfach beschlossen haben, dass nach Album Nummer eins noch lange nicht Schluss sein darf.
Die monumentalen Doom-Gewitter mischen sich ab der ersten Sekunde mit technisch nicht übertriebenem Death Metal und zaubern mir, trotz meiner bevorzugten „direkt ins Maul“-Variante, ein Lächeln ins Gesicht. Man will hier das Rad nicht neu erfinden und macht einfach das, was man kann und unerhörbar liebt – böse Musik, die noch dazu zu begeistern weiß.
Schon beim Opener „Consummate Design“ machen sie dem Hörer klar, wo ab jetzt die Reise hingeht. Nichts ist hier vorhersehbar. Aus Blast-Beat-Passagen werden schwere Panzerbrecher, um dann wieder ins Gebolze überzugehen. Man lauscht hier mit einer gemütlichen Faszination und wartet auf das, was als Nächstes kommt. Pete-Steele-Fans werden mich jetzt killen, aber hier hast du hin und wieder dieses „World Coming Down“-Gefühl und auch vor Synthies wird nicht Halt gemacht. Ruhe kehrt kurz ein und dann kloppt dir der fiese Nachbarsjunge Sören wieder den Kitt aus den Fenstern raus.
Die monströsen Ausbrüche, die Breaks, die schweren Momente und die durchweg geile Atmosphäre machen dieses Album sehr mächtig und interessant. Die Jungs haben was zu erzählen, kommen auf den Punkt, eiern nicht rum und zeigen der Welt ihre Leidenschaft.
So und nur so hat Musik der harten Gangart zu klingen und auch wenn der Proberaum nur eine Ausrede ist, um seine Alte mal drei Stunden nicht zu sehen und man mit seinen Jungs einfach mal ein paar Bierchen zischen will, kam in dieser Zeit etwas sehr Schönes raus.
Die Platte macht Laune und auch wenn der Gesang es jetzt nicht in den Metal-Olymp schaffen wird, passt er wie die alljährliche Zecke am Sack, die man sich trotz aller Vorkehrungen vom Baggersee mitgebracht hat.
Fetzt wie Sau, auch wenn es die gute Scheibe nur auf 36 (geile) Minuten schafft.
Bewertung: 9,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Consummate Design
02. Relics of Great Ash
03. The Enlightenment (There Was Never Will)
04. The Death of God
05. Surrealistic Visions
06. Sphere of Perpetuity

