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Q&A – Das Interview: FLESHCRAWL

Wir sind wie Herpes!


Seit fast vier Jahrzehnten gehören FLESHCRAWL zu den verlässlichsten Konstanten des deutschen Death Metals. Ohne Trends hinterherzulaufen, hat sich die Band ihren eigenen Weg durch Blut, Schweiß und unzählige Bühnen rund um den Globus gebahnt.

Mit Epitome of Carnage legt die Truppe nicht nur eines ihrer stärksten Alben der letzten Jahre vor, sondern eröffnet gleichzeitig ein neues Kapitel: Erstmals steht Borisz Sarafutgyinov als Sänger auf einem Studioalbum am Mikrofon, während Bandgründer Bastian Herzog die Geschichte von FLESHCRAWL konsequent weiterschreibt. Über die Entstehung des Albums, den Verlust von Sven Gross, lyrische Abgründe, die bevorstehende US-Tour und vieles mehr sprechen wir heute mit Borisz und Bastian.

Wie war das Party.San für Euch?

Borisz: Es war einfach absolut großartig. Ich habe diesen Auftritt geliebt.

Bastian: Ja, war klasse.

Und das war es schon?

Borisz: Ich weiß nicht – was erwartest du jetzt von mir? Ich könnte natürlich auch 90 Minuten lang darüber sprechen, wie sehr ich die Tontechniker und alle anderen liebe, die an diesem Festival mitgearbeitet haben. Aber nun ja … ihr wisst schon (lacht).

Bastian, wenn du auf beinahe vierzig Jahre FLESHCRAWL zurückblickst – gibt es einen Moment, an dem du heute noch manchmal innehältst und denkst: „Verdammt… das hätte ich 1991 niemals für möglich gehalten“? Wie beispielsweise die 70.000 Tons of Metal 2024?

Bastian: Ja, das ist definitiv einer dieser Momente. Als wir die Band gründeten, hätte ich niemals gedacht, dass wir eines Tages dort auftreten würden. Das gilt ebenso für die Tourneen, die wir Ende der Neunziger- und Anfang der Zweitausenderjahre gespielt haben.

Wenn ich heute zurückblicke, waren das alles große Erfolge und wichtige Meilensteine für die Band. Aber ich glaube nicht, dass wir schon am Ende angekommen sind. Auf unserer Bucketlist steht noch einiges, und ich hoffe sehr, dass wir davon möglichst viel verwirklichen können. Allerdings wird es zunehmend schwieriger, entsprechende Auftritte und Tourneen gebucht zu bekommen.

Epitome of Carnage ist für mich zu euren stärksten Alben überhaupt gehört und den klassischen FLESHCRAWL-Sound mit frischen Ideen verbindet, ohne die Wurzeln zu verraten. War genau dieser Spagat euer Ziel oder entstand das Album ganz organisch?

Borisz: Ich denke, tatsächlich beides. Zunächst einmal war es durchaus unsere Absicht, nicht vom eingeschlagenen Weg abzukommen und etwas zu erschaffen, das sowohl die alten als auch die neuen Seiten der Band repräsentiert. Andererseits hat sich diese Balance aber auch ganz natürlich entwickelt. Genau deshalb haben wir schließlich fast sechs Jahre gebraucht, um diese gottverdammte Platte zu schreiben.

Wir haben zu keinem Zeitpunkt versucht, irgendetwas zu erzwingen oder Songs nach einem bestimmten Rezept zusammenzubauen. Seit wir Anfang 2021 oder 2022 mit dem Songwriting begonnen haben – ich glaube, es war Anfang 2022 –, hat nach und nach einfach alles seinen richtigen Platz gefunden.

Bastian: Ja.

Borisz: Siehst du jetzt, was ich damit meine, wenn ich sage, dass er in Interviews viel zu verdammt deutsch ist? (Gelächter)

Bastian: Ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut, dass dir die Platte so gut gefällt und auch dein Review so positiv ausgefallen ist. Ehrlich gesagt hatte ich damit anfangs nicht unbedingt gerechnet. Natürlich hatten wir gehofft, gute Kritiken zu bekommen – und glücklicherweise war die Resonanz in nahezu allen Magazinen durchweg positiv.

Ich persönlich halte das neue Album für sehr, sehr viel stärker als die Platte von 2019. Einige Leute behaupten sogar, es sei unser bestes Werk oder mindestens ebenso gut wie As Blood Rains from the Sky. Für mich selbst ist das allerdings nur schwer zu beurteilen. Ich bin einfach glücklich mit dem Album und den Songs. Nach der langen Pause und mit einer neuen Besetzung war es enorm wichtig, mit einer solchen Platte zurückzukehren. Nach dem Album von 2019 hatten schließlich bereits einige daran gezweifelt, ob diese Band überhaupt noch etwas zu sagen hat. Doch wir haben ihnen das Gegenteil bewiesen.

Borisz: Ja, Mann, die ganzen positiven Kritiken und Reaktionen fühlen sich für mich ebenfalls unglaublich gut an. Wenn man so verdammt lange an einem Album arbeitet – wie bereits erwähnt, waren es rund fünf Jahre –, erreicht man irgendwann den Punkt, an dem man selbst überhaupt nicht mehr beurteilen kann, ob das Ergebnis nun wirklich gut ist oder nicht.

Natürlich erzählen dir deine Freunde, dass die Platte großartig ist. Die begleiten die Band schließlich schon seit Ewigkeiten. Doch dass die meisten Webzines und nahezu alle Leute, die online oder auf anderem Wege Interviews mit uns führen, dieses Album für ausgesprochen stark halten, bedeutet uns wirklich sehr viel.

Unser Review zu "Epitome of Carnage"

Borisz, jeder Death-Metal-Fan wusste, dass niemand Sven Gross ersetzen kann. War es für dich schwieriger, seine Stimme zu beerben oder vielmehr den Respekt der langjährigen Fans zu gewinnen?

Borisz: Ja, dann werde ich jetzt wohl auch einmal superdeutsch. Nein, im Ernst: Gleich nach meinem Einstieg in die Band spielten wir 2021 unseren ersten gemeinsamen Auftritt. Plötzlich hieß es nur: „Okay, cool. Pack deinen Scheiß zusammen, wir fahren zum Obscene Extreme.“ Dort standen wir dann vor 3.500 Leuten. Bis zu diesem Zeitpunkt war der größte Auftritt meiner bisherigen Laufbahn vor vielleicht 850 Zuschauern gewesen. Ich wurde also von Anfang an direkt ins kalte Wasser geworfen.

Ob ich mir den Respekt der Fans erst verdienen musste, kann ich selbst nur schwer beurteilen. Mir ist allerdings aufgefallen, dass die Leute bei den ersten Konzerten – eigentlich sogar während der ersten zwei oder drei Jahre – mir gegenüber nicht besonders kommunikativ waren, wenn ihr versteht, was ich meine. Doch wir machten einfach immer weiter, und irgendwann begriffen alle: Der Typ verschwindet nicht wieder.

Danach wurden die Menschen deutlich offener und freundlicher, insbesondere die langjährigen Fans, frühere Sänger der Band und all jene, die Fleshcrawl seit vielen Jahren begleiten – vor allem hier in Deutschland. Deshalb habe ich inzwischen das Gefühl, dass sowohl die alten Fleshcrawl-Anhänger als hoffentlich auch die neuen Fans diese Veränderung akzeptiert haben. Und um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Ich gehe nirgendwohin. Tut mir leid (lacht).

Bastian, eine sicherlich emotionale Frage: Was glaubst du, hätte Sven gesagt, wenn er heute Epitome of Carnage zum ersten Mal komplett gehört hätte?

Bastian: Ich glaube, er wäre wirklich stolz auf uns.

Borisz: Das hoffe ich sehr.

Bastian: Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihm dieses Album sehr viel bedeutet hätte. Wie ich bereits in vielen anderen Interviews erzählt habe, war es Svens ausdrücklicher Wunsch, dass wir weitermachen und nicht aufgeben. Und genau das haben wir getan. Gleichzeitig führten wir die Band wieder stärker zu ihren Wurzeln zurück: mehr Old School, weniger moderne Einflüsse als auf dem Album von 2019, mit dem sich einige – oder sogar ziemlich viele – Leute schwertaten.

Natürlich würde ich Sven sehr gerne fragen, ob ihm die neue Platte gefällt. Aber das kann ich leider nicht mehr. Dennoch bin ich mir sicher, dass er stolz darauf wäre, dass wir weitergemacht und ein solches Album auf die Beine gestellt haben.

Ihr beschreibt das Album als Beginn eines neuen Kapitels, nicht als Neuanfang. War euch diese Formulierung wichtig, weil FLESHCRAWL trotz aller Veränderungen immer dieselbe Band geblieben ist?

Borisz: Ich halte diese Unterscheidung tatsächlich für wichtig, denn wie du bereits gesagt hast, ist die Band im Kern dieselbe geblieben – soweit das nach all den Veränderungen, Tragödien und allem, was sonst noch passiert ist, überhaupt möglich ist.

Ein neues Kapitel trifft es auch deshalb sehr gut, weil ich nicht der Einzige bin, der zur Band gestoßen ist. Wir haben eine komplett veränderte Besetzung, zu der auch zwei neue Gitarristen gehören. Die beiden waren sogar schon etwas länger dabei als ich. Wenn ich mich nicht irre, kamen sie Anfang 2021 zu uns – korrigiere mich bitte, falls das nicht stimmt, Basti.

Dass es uns gelungen ist, den alten Geist einzufangen und ihn mit den frischen Ideen der heutigen Mitglieder zu verbinden, ohne dabei die bewährte Rezeptur zu stark zu verändern, ist für sich genommen bereits ein großer Erfolg.

Bastian: Ja, absolut. Ich habe mittlerweile von verschiedenen Seiten gehört – sowohl von Fans als auch von anderen Leuten –, dass diese Besetzung inzwischen wie eine gut geölte Maschine funktioniert.

Wie Borisz bereits bei der vorherigen Frage sagte, waren viele Menschen anfangs skeptisch. Doch nach all den Jahren haben sie erkannt, dass dieses Line-up trotz der personellen Veränderungen hervorragend funktioniert und wir nicht einfach wieder von der Bildfläche verschwinden. Ganz gleich, was passiert: Wir machen weiter. Und ich glaube, diese Beharrlichkeit wird irgendwann auch entsprechend gewürdigt.

Borisz: Wir sind ein bisschen wie Herpes: Wir kommen einfach immer wieder (lacht).

Bastian: Für mich persönlich war es enorm wichtig, dass die Band dem treu bleibt, wofür sie ursprünglich gegründet wurde – diesem Old-School-Charakter und allem, was dazugehört. Wie bereits gesagt, bin ich sehr froh, dass uns genau das mit dem neuen Album gelungen ist.

Zu Beginn war diese Besetzung mit zwei neuen Gitarristen und einem neuen Sänger natürlich auch ein Experiment. Einfach war das keineswegs. Ich hatte gehofft, dass es funktioniert, aber letztlich mussten wir es einfach wagen und schauen, wohin uns dieser Weg führt. Inzwischen wissen wir: Alles ist gut.

Songs wie Heralds of Death oder Path of Thorns wirken auf mich deutlich gesellschaftskritischer als viele klassische Death-Metal-Texte. Wolltet ihr bewusst mehr Raum für Interpretationen lassen, anstatt ausschließlich Splatter und Gore zu bedienen?

Borisz: Das ging tatsächlich größtenteils von mir aus. Einerseits wollte ich die Old-School-Atmosphäre der früheren Alben bewahren, auf denen es vor allem um Zerstörung, Tod, Blut und Chaos ging. Andererseits habe ich mich nie wirklich damit wohlgefühlt, ausschließlich über solche Dinge zu schreiben. Deshalb versuchte ich, etwas mehr von meiner eigenen Persönlichkeit einfließen zu lassen und mich auch kritisch mit gesellschaftlichen Themen auseinanderzusetzen.

Gleichzeitig ist es mir wichtig, den Fans genügend Raum für eigene Interpretationen zu lassen. Jeder soll das, was er liest oder hört, aus seiner persönlichen Perspektive betrachten können. Deshalb werde ich niemals bis ins kleinste Detail erklären, wovon ein Text handelt, sondern lediglich einen groben Rahmen vorgeben. Von diesem Ausgangspunkt aus kann jeder seinen eigenen Weg gehen und für sich herausfinden, worum es auf dem Album tatsächlich geht.

In Orphan God erschafft ihr beinahe kosmischen Horror, während Chapel of Guts eher wie ein verstörender Albtraum funktioniert. Woher stammen solche Bilder – Filme, Literatur, persönliche Gedanken oder entstehen sie einfach während des Schreibens?

Borisz: Tatsächlich ist es eine Mischung aus all diesen Einflüssen. Bei Orphan God wollte ich ganz bewusst die Atmosphäre der alten In Flames-Alben einfangen, insbesondere die von Whoracle und Songs wie Dialogue with the Stars. Es war ein interessantes Experiment, diese Art des Textens mit der teilweise melodischen Ausrichtung des Stücks zu verbinden, denn auch die Riffs besitzen einen deutlichen Göteborg-Einschlag.

Chapel of Gods wiederum entstand aus meiner geradezu zwanghaften Angewohnheit, ständig ein Notizbuch bei mir zu tragen. Wenn wir im Tourbus unterwegs sind, ich am Flughafen nichts zu tun habe oder irgendwo sitze und auf etwas warte, schreibe ich einzelne Zeilen und bestimmte Verse auf, die ich später vielleicht verwenden möchte.

Alles, was thematisch zusammenpasst, füge ich irgendwann zu einer Idee zusammen. Wenn das Ergebnis mit unseren übrigen Vorstellungen für den jeweiligen Song harmoniert und funktioniert, behalten wir es bei. Allerdings war ich nicht allein für sämtliche Texte verantwortlich. Auch Vashti steuerte einige Passagen bei, und Apu schrieb ebenfalls Texte für ein paar Songs. In dieser Hinsicht war das Album also ebenso eine Gemeinschaftsarbeit.

Bastian: Ja, genau. Meine Beiträge bewegen sich eher im klassischen Bereich: Gore, Blut, Teufel und der ganze übliche Kram. Über die inhaltliche Tiefe mache ich mir dabei nicht allzu viele Gedanken. Dafür ist im Grunde Borisz zuständig. Ich kümmere mich eher um die Klischees.

Borisz: Ja, aber ich muss zugeben, dass ich diese Freiheit sehr zu schätzen weiß.

Bastian: Ich halte das für eine gelungene Kombination. Vielleicht ist es gerade auf der Textebene eines Albums ganz reizvoll, beide Seiten miteinander zu verbinden. 

Mit Committed to Suffer entsteht fast der Eindruck, dass Leiden nicht nur Qual, sondern auch Antrieb sein kann. Ist das lediglich Fiktion oder steckt darin auch ein Stück persönlicher Wahrheit?

Borisz: Nein, dieser Song ist keineswegs fiktiv. Auch hier möchte ich keine konkreten Beispiele nennen oder bis ins Detail erklären, worum es darin geht. Doch Committed to Suffer entstand während einer ausgesprochen schwierigen Phase meines Lebens.

Irgendwann stellt man fest, dass man zwar nicht immun gegen Leid und Rückschläge wird, sich davon aber immer schneller erholt. Man begreift, dass all der negative Scheiß, der einem widerfährt, letztlich auch Erfahrung bedeutet und mit der Zeit die eigene Widerstandskraft stärkt. Genau darum geht es in diesem Song – zumindest in groben Zügen.

Eure Gitarrenarbeit wirkt auf diesem Album unglaublich geschlossen. Wie lief das Songwriting zwischen Christian, Apu und euch ab? Gab es diesmal mehr Diskussionen oder mehr gemeinsames Bauchgefühl?

Borisz: Ich selbst habe die Musik für einen Song gemeinsam mit Basti geschrieben, während das übrige Material von Chris und Apu stammt. Konkrete Vorgaben oder feste Richtlinien haben wir den beiden dabei nie gemacht. Sie begannen einfach, gemeinsam an ihren Ideen zu arbeiten – und daraus entwickelte sich eine ganz eigene Magie.

Sie warfen sich gegenseitig Ideen zu, luden erste Demos hoch, und wir tauschten hier und da ein paar Riffs aus oder brachten einige rhythmische Vorschläge ein. Im Wesentlichen harmonierten die beiden jedoch so hervorragend miteinander, dass wir ihnen einfach freien Lauf lassen konnten.

Bastian: Entscheidend war die gemeinsame Vision davon, wohin sich das Album musikalisch bewegen sollte. Vor allem Apu ist ein ausgesprochener Old-School-Typ. Natürlich bringt er auch andere Einflüsse mit, aber er verstand von Anfang an ganz genau, welche Richtung uns vorschwebte, und war sofort bereit, diesen Weg mitzugehen.

Dann legten die beiden einfach los. Zunächst sammelten sie unabhängig voneinander jede Menge Material, das wir später gemeinsam sichteten und zusammenfügten. Wir setzten uns zusammen, überlegten, welche Ideen miteinander funktionieren und an welchen Stellen sie sich ergänzen konnten. Ich glaube, einen – nein, sogar zwei Songs – haben sie vollständig oder zumindest teilweise gemeinsam geschrieben. So ungefähr war es.

Im September geht es gemeinsam mit Vader, Jungle Rot und weiteren Hochkarätern auf US-Tour. Herzlichen Glückwunsch dazu! Seid ihr nach all den Jahren überhaupt noch aufgeregt, wenn eine solche Tour bevorsteht, oder überwiegt inzwischen die Routine?

Borisz: Ich bin nach wie vor aufgeregt – selbst vor kleinen Clubkonzerten. Das liegt schlicht daran, dass ich es liebe, Musik zu spielen, zu reisen und auch das ganze verdammte Drumherum zu erleben. Gerade bei einer Tour dieser Größenordnung müssen allerdings viele organisatorische Dinge ineinandergreifen. Deshalb hoffen wir natürlich, dass am Ende alles wie geplant funktioniert.

Grundsätzlich ist das aber eine unglaublich spannende Sache, zumal die Band schon sehr lange keine ausgedehnte Tour mehr gespielt hat. In diesem Jahr stehen gleich mehrere davon an: Im September soll es gemeinsam mit Vader, Jungle Rot und Trashpanda durch die USA gehen. Im November folgt eine mehr als zehntägige Europatournee mit Avulsed und Violentor, bevor wir im Dezember erneut mit Avulsed nach Spanien reisen.

Bastian: Das werden fünf Konzerte in Spanien. Besonders die Auftritte in den USA bedeuten uns jedoch enorm viel. Im kommenden Jahr existiert diese Band seit 40 Jahren, und ich denke, dass ich inzwischen mit gutem Gewissen sagen kann: Wir haben es verdient, endlich in den Vereinigten Staaten zu spielen – und zwar am liebsten nicht nur auf einer, sondern gleich auf zwei oder drei Tourneen.

Natürlich sind Vader dort der Headliner, und Jungle Rot spielen direkt davor. Dennoch bin ich überzeugt, dass auch uns viele Menschen sehen möchten, weil wir in den meisten dieser Städte noch nie aufgetreten sind. Die Nachfrage ist definitiv vorhanden, und ich glaube sogar, dass sich einige Leute allein wegen uns ein Ticket kaufen würden. Das ist schon ein großartiges Gefühl.

Nun hoffen wir, dass auch die letzten organisatorischen Dinge rechtzeitig geklärt werden. Der Zeitplan ist inzwischen verdammt eng, und wenn alles klappt, wird es für uns bis zum Start noch einmal höllisch stressig. Aber genau dafür macht man diesen ganzen Wahnsinn schließlich.

Dezember in Spanien…gibt Schlimmeres… (Gelächter)

Borisz: Ja, und noch eine kleine Randnotiz: Am 4. Dezember, wenn die Tour beginnt, habe ich Geburtstag. Ich werde meinen Ehrentag also in Barcelona feiern. Das wird großartig!

Ihr habt mit so gut wie jeder Legende des Death Metals die Bühne geteilt. Gibt es trotzdem noch eine Band, bei der ihr sagen würdet: „Mit denen wollten wir schon immer einmal auf Tour gehen“?

Bastian: Lass mich überlegen. Ich würde wahrscheinlich Obituary nennen. Sie gehören für mich zu den absoluten Fixpunkten des Death Metal. Mit Bolt Thrower war ich bereits auf Tour, aber diese Band wird nicht zurückkehren – das wissen wir alle. Deshalb wäre meine Antwort vermutlich Obituary.

Borisz: Sag niemals nie. Jo Bench hat gerade erst ihr Profilbild auf Instagram aktualisiert.

Bastian: Ja, aber solche Dinge postet sie seit Jahren, ohne dass anschließend etwas passiert. Wenn es eine Band gibt, die konsequent ihren eigenen Weg geht und grundsätzlich nicht das tut, was alle von ihr erwarten, dann sind es Bolt Thrower.

Eine weitere Möglichkeit wären vielleicht Autopsy, wobei auch das keine Band ist, die noch auf große Tourneen geht. Ehrlich gesagt bin ich mir gar nicht so sicher – das ist irgendwie witzig. Ich würde nicht einmal Dismember oder andere schwedische Bands wie Grave oder Unleashed nennen. Obwohl wir selbst sehr schwedisch klingen, zieht es mich eher in eine andere Richtung – eben zu einer Band wie Obituary.

Borisz: Übrigens liebe ich es, wenn man uns als die schwedischste deutsche Band aller Zeiten bezeichnet.

Borisz, mittlerweile verbinden viele Fans deine Stimme ganz selbstverständlich mit FLESHCRAWL. Wann hast du persönlich gespürt: „Jetzt bin ich wirklich Teil dieser Familie“?

Borisz: In dem Moment, als das Album veröffentlicht wurde. Wobei – eigentlich schon etwas früher: als mit Blood Dominion die erste Single erschien.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich, wenn ich ganz ehrlich bin, im Grunde vor allem Svens Vermächtnis bewahrt. Die ersten Jahre in der Band machten unglaublich viel Spaß, und zwischen mir, den anderen Musikern und unserem gesamten Umfeld entstanden enge Freundschaften. Doch als das neue Album aufgenommen war und die erste Single herauskam, fühlte sich plötzlich alles vollkommen anders an.

Mich selbst im Musikvideo zu sehen, meine eigene Stimme zu hören und zu erleben, wie sie mit der Musik harmoniert, war ein verdammt besonderes Gefühl. Dann kamen die Reaktionen der Leute, die uns bestätigten: Ja, das funktioniert. In diesem Moment wusste ich endgültig, dass ich wirklich zu dieser Familie gehöre.

Zum Abschluss gehören euch die berühmten letzten Worte. Was möchtet ihr unseren Lesern und euren Fans weltweit noch mit auf den Weg geben?

Borisz: Unterstützt weiterhin den Underground Death Metal! Er gehört zu den ehrlichsten Musikrichtungen auf diesem Planeten. Und kommt zu unseren Konzerten – denn wir brauchen euch!

Bastian: Und unsere allerletzte Botschaft lautet: Wir wollen endlich wieder in Berlin spielen!

Fast vierzig Jahre Bandgeschichte, unzählige Besetzungswechsel, persönliche Schicksalsschläge und dennoch keine Spur von Stillstand: FLESHCRAWL beweisen mit Epitome of Carnage, dass echter Death Metal weder Trends noch Kompromisse braucht. Vielen Dank an Bastian und Borisz für die offenen Antworten. Wir wünschen euch viel Erfolg mit dem Album, eine großartige US-Tour und hoffen natürlich, euch bald wieder auf einer Bühne in Deutschland begrüßen zu dürfen – laut, brutal und mit jeder Menge Nackenschmerzen im Publikum.




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