NEGATIVE FRAME – Break the Ice (2026)
(10.374) Olaf (4,5/10) Thrash / Groove Metal
Label: Blood Blast Destribution
VÖ: 07.08.2026
Stil: Thrash / Groove Metal
Nord-London, 2017: Ein paar Freunde lernen sich über Skateboards und College-Alltag kennen, gründen NEGATIVE FRAME und verwandeln die gepflegte Monotonie des täglichen Lebens in metallischen Hardcore. Neun Jahre, diverse DIY-Touren, selbst organisierte Shows und einige Veröffentlichungen später steht mit Break The Ice das Debütalbum bereit. Beharrlichkeit kann man der Truppe also kaum absprechen. Musikalische Orientierung leider schon.
NEGATIVE FRAME werfen Hardcore, Thrash, Beatdown, Groove Metal und Slam in einen Topf, vergessen beim Umrühren jedoch regelmäßig, dass daraus irgendwann ein zusammenhängendes Gericht entstehen sollte. Eben hämmert noch ein durchaus brauchbares Hardcore-Riff aus den Boxen, plötzlich hüpft Soulfly-artiger Groove durch die Küche, ehe ein Brutal-Slam-Breakdown den Herd aus der Wand reißt. Das klingt auf dem Papier abwechslungsreich, auf Platte jedoch häufig wie ein heilloses Durcheinander. Break the Ice will das Eis brechen, hackt aber vor allem Löcher in den eigenen Fluss.
Das eigentliche Problem ist nicht die stilistische Vielfalt, sondern deren Verarbeitung. Übergänge wirken oft wie Zusammenstöße, Tempiwechsel wie versehentlich falsch gestellte Weichen. Kaum hat man einen Rhythmus gefunden, den Nacken geölt und die Haare zum Kreisen freigegeben, zieht die Band die musikalische Handbremse oder biegt ohne Blinker in den nächsten Breakdown ab. Kontrolliertes Chaos kann großartig sein. Hier kontrolliert das Chaos allerdings meistens die Band.
Dabei sind durchaus interessante Ansätze vorhanden. Manche Riffs besitzen ordentlich Gewicht, einige düstere Passagen erzeugen tatsächlich Atmosphäre, und die von ACID BATH, DISEMBODIED sowie LAMB OF GOD beeinflusste Mischung lässt gelegentlich erkennen, welches Potenzial in diesem Fünfer steckt. Nur wird nahezu jede gute Idee von drei weiteren überrannt, bevor sie sich entfalten kann. Break The Ice klingt dadurch weniger wie ein Album als wie eine Bewerbungsmappe mit möglichst vielen Stilproben.
Deutlich geschlossener präsentieren sich die Texte. Verlust, Abhängigkeit, Einsamkeit und seelischer Verfall werden nicht als dekorative Randnotizen verwendet. New Lows beschreibt das immer tiefere Abrutschen in einen Zustand, in dem sich die Wände zusammenziehen und selbst Sonnenlicht unerträglich wird: „The sunlight hurts my eyes, I’d rather see nothing anymore.“ Das ist schlicht formuliert, aber unangenehm direkt. Sorrow & Solitude handelt vom Unvermögen, eine zerstörerische Liebe loszulassen, bis schließlich nur noch die ernüchternde Erkenntnis bleibt: „The pieces don’t fit anymore.“ In Cut Throat treffen Todesnähe, Wut und der Wunsch nach innerer Reinigung aufeinander. „This world wasn’t made for you“ klingt dabei weniger nach Trost als nach einem endgültig zugeschlagenen Sargdeckel.
Handwerklich lässt sich der Band ebenfalls wenig vorwerfen. John Mitchell hat dem Album in den Outhouse Studios einen druckvollen, klaren und ausgesprochen massiven Klang verpasst. Gitarren, Bass und Schlagzeug besitzen genügend Wucht, ohne zu einem einzigen tiefgestimmten Betonklotz zu verschmelzen. Auch das Artwork von Adam Burke ist stark und vermittelt jene Düsternis, die das Songwriting nur stellenweise überzeugend transportiert. Produktion und Verpackung sind damit deutlich sortierter als der Inhalt.
Break The Ice besitzt Energie, ehrliche Emotionen und einige hörenswerte Momente, doch daraus entsteht noch lange kein gutes Album. NEGATIVE FRAME wollen zu viel auf einmal und verlieren dabei Groove, Spannung und Wiedererkennungswert. Für eine eskalierende Clubshow mag dieser Stilcocktail vermutlich hervorragend funktionieren – Stage Dives, fliegende Mikrofone und versehentlich neu sortierte Zahnreihen inklusive. Zu Hause bleibt hingegen vor allem der Eindruck, elf Songs lang in einem musikalischen Kreisverkehr ohne Ausfahrt festzustecken. Gut produziert, stark illustriert und voller Ambition – überzeugen kann mich dieses Debüt dennoch beileibe nicht.
Bewertung: 4,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Samsare
02. 9 Circles
03. New Lows
04. Sorrow & Solitude
05. Cut Throat
06. Cold Nights
07. Pay to Play
08. Rat Trap
09. Heavens blue
10. Part of me
11. Another Way

