REVEL IN FLESH – Flesh for the Kult of Death (2026)
(10.442) Olaf (9,3/10) Death Metal
Label: War Anthem Records
VÖ: 18.09.2026
Stil: Death Metal
Als REVEL IN FLESH 2021 vorerst zu Grabe getragen wurden, wirkte das wie ein ziemlich endgültiger Abgesang auf eine Band, deren Entwicklung ich seit ihren Anfängen verfolgt hatte – und das keineswegs immer mit grenzenloser Begeisterung. Mit Deathevokation konnte ich 2012 zunächst überhaupt nichts anfangen und verteilte damals gerade einmal vier Punkte. Offenbar waren entweder meine Ohren noch nicht ausreichend verwest oder die Band musste ihren eigenen Modergeruch erst vollständig entwickeln.
Das änderte sich jedoch ziemlich schnell: Spätestens mit Manifested Darkness und Death Kult Legions hatten mich die Schwaben gepackt, während Emissary of All Plagues und The Hour of the Avenger den einstigen Fehlstart endgültig vergessen ließen. REVEL IN FLESH entwickelten sich zu einem der zuverlässigsten Todesbleilieferanten aus deutschen Landen und standen für schwedisch verwurzelten Death Metal, der nicht ehrfürchtig vor seinen Vorbildern niederkniete, sondern ihnen lieber gemeinsam mit der Kettensäge den Friedhof umpflügte. Umso schöner ist diese Auferstehung, die nicht nur Sinn ergibt, sondern auch verdammt viel Spaß macht. Endlich sind REVEL IN FLESH zurück!
Ralf Hauber hat dafür nicht lange in fremden Telefonbüchern geblättert, sondern einfach seine Kollegen von ROTPIT eingesammelt. Erik Barthold sitzt hinter dem Schlagzeug, während Tausendsassa Jonny Pettersson Gitarre und Bass übernimmt. Mit ihm lärmt Hauber schließlich bereits bei HEADS FOR THE DEAD und eben jenen von mir innig verehrten ROTPIT. Dazu gesellt sich WHEN AT NIGHT-Gitarrist Simon Abele – und fertig sind REVEL IN FLESH in der Ausgabe 2026. Andere Bands benötigen für eine Wiedervereinigung monatelange Verhandlungen, mehrere Anwälte und eine Dokumentation bei Netflix. Hauber brauchte offenbar nur ein paar fähige Freunde und ausreichend Lust auf Verwesung.
Diese personelle Frischzellenkur klingt allerdings weniger nach Wellnessurlaub als nach einer geöffneten Gruft im Hochsommer. Flesh for the Kult of Death ist modriger, miefiger und brutaler als alles, was REVEL IN FLESH zuletzt veröffentlicht haben. „Back to the roots“ möchte man meinen, wobei diese Wurzeln offensichtlich durch einen alten Friedhof wachsen und sich hauptsächlich von Leichensäften ernähren. Der Geist von Manifested Darkness und Death Kult Legions ist deutlich zu spüren, doch die Band versucht nicht, ihre eigene Vergangenheit zu kopieren. Stattdessen verbindet sie deren rohe Energie mit der Erfahrung, die alle Beteiligten in den vergangenen Jahren gesammelt haben.
Der Titelsong Flesh for the Kult of Death formuliert gleich zu Beginn das neue alte Glaubensbekenntnis. Die Gitarren sägen, schaben und schneiden sich durch das Material, während Hauber mit seiner unverkennbaren Stimme klingt, als würde er die Messe aus einem halb verschütteten Beinhaus leiten. Besonders charmant sind die textlichen Verweise auf die eigene Vergangenheit: Manifested Darkness, Deathevokation und Death Kult Legions werden zu Bestandteilen einer finsteren Selbstbeschwörung. Das ist kein billiges Zitieren alter Großtaten, sondern ein deutliches Signal: Der Kult lebt wieder – und er hat ordentlich Hunger mitgebracht.
Mit Bodybag Inferno, The Graverobber und Pool of Blood wird anschließend nicht lange am offenen Grab diskutiert. Das Riffing ist kompakt, brutal und trotzdem eingängig genug, um sich bereits nach wenigen Durchläufen im Schädel festzusetzen. Dabei beherrschen REVEL IN FLESH weiterhin jene Kunst, aus tonnenschwerem Death Metal echte Hymnen zu formen. Unter dem ganzen Dreck liegen morbide Melodien, kleine Widerhaken und geschickt platzierte Tempowechsel. Mal prescht die Band los, als wäre der Totengräber fünf Minuten vor Feierabend, mal wird das Tempo gedrosselt und jeder einzelne Akkord mit der Ruhe eines langsam herabsinkenden Sargdeckels ausgespielt.
Gerade Pool of Blood, Hellhole und Tombstalker zeigen, wie gut die neue Besetzung bereits funktioniert. Erik Barthold hämmert nicht einfach stumpf alles kurz und klein, sondern gibt den Songs mit präzisem, kraftvollem Spiel die notwendige Dynamik. Jonny Pettersson liefert das massive Fundament, auf dem er und Simon Abele eine Gitarrenwand errichten, die irgendwo zwischen schwedischem Kettensägenmassaker, grabeskalter Melodik und deutscher Gründlichkeit steht. Hier wackelt nichts – außer den Wänden. Und vermutlich den Zähnen.
Die Produktion ist ein echtes Pfund. Aufgenommen und gemischt wurde im UNBOUND Studio, während Dan Swanö im UNISOUND Studio das Mastering übernahm. Das Ergebnis klingt gewaltig, ohne in moderner Sterilität zu ersticken. Die Gitarren besitzen genau den richtigen schmutzigen Biss, der Bass drückt von unten, das Schlagzeug klingt wuchtig und lebendig, und Haubers Stimme thront über allem wie der schlecht gelaunte Hausmeister des örtlichen Krematoriums. Trotz der enormen Dichte bleibt jedes Instrument nachvollziehbar. So muss Old-School-Death-Metal 2026 klingen: nicht künstlich auf alt getrimmt, sondern authentisch verdorben und trotzdem mit genügend Druck versehen, um auch größere Hallen fachgerecht zu entkernen.
Mit Death Kult Maniacs servieren REVEL IN FLESH eine jener Nummern, die förmlich nach geballten Fäusten, kreisenden Haaren und kollektivem Nackenverschleiß verlangen. Priest of Flesh treibt den schwarzen Humor anschließend besonders weit. Der titelgebende Fleischpriester hält seine eigene blutige Predigt und jongliert dabei genüsslich mit zahlreichen Verweisen auf JUDAS PRIEST. Da werden Wächter, Gesetzesbrecher, Mitternacht und rollende Köpfe zu Bestandteilen einer Messe, bei der man besser nicht in der ersten Reihe sitzt. Das ist herrlich überzogen, ohne zur albernen Nummernrevue zu verkommen.
Auch im letzten Drittel geht dem Album nicht die Luft aus. Demon Dawn und The Last Farewell bringen noch einmal mehr Atmosphäre und dunkle Melodien ins Spiel, ohne den zuvor aufgebauten Druck zu verlieren. Überhaupt ist das Songwriting eine der großen Stärken dieser Platte. Trotz 47 Minuten Spielzeit gibt es keinen Durchhänger, keine Alibi-Komposition und keinen Titel, der nur deshalb auf dem Album steht, weil noch fünf Minuten bis zur gewünschten Spielzeit fehlten. Diese Scheibe killt von vorne bis hinten, brennt einem Löcher in die Synapsen und ist Death Metal, wie ich ihn liebe und schätze.
Zum Abschluss wagen sich REVEL IN FLESH an All I Had (I Gave) von CROWBAR. Eine mutige Wahl, denn das Original benötigt eigentlich keine zusätzliche Schwerkraft. Trotzdem gelingt es der Band, den Song in ihren eigenen modrigen Klangkosmos zu ziehen. Die zermürbende Wucht und bleierne Melancholie bleiben erhalten, bekommen jedoch eine deutlich todesmetallischere Haut übergezogen. Das Ergebnis klingt weder nach pflichtbewusst abgespielter Bonusnummer noch nach Fremdkörper, sondern nach einem würdigen, tonnenschweren Schlusspunkt.
Und dann wäre da noch das Artwork von Juanjo Castellano Rosado. Die blau leuchtende Totenstadt, die kultische Szenerie und das groteske Zentrum des Geschehens fassen den Inhalt des Albums optisch hervorragend zusammen. Castellano liefert wieder einmal eine unfassbare Arbeit ab. Man kann dieses Cover minutenlang betrachten und entdeckt immer neue Details – wobei man sich irgendwann unweigerlich fragt, ob das Ding nicht vielleicht zurückschaut.
Flesh for the Kult of Death ist kein vorsichtiger Neustart und schon gar kein nostalgisches Klassentreffen. REVEL IN FLESH klingen hungrig, geschlossen und gefährlicher als vor ihrer Pause. Hauber und seine neue Mannschaft haben die Gruft nicht nur wieder geöffnet, sondern gleich die komplette Friedhofsmauer eingerissen. Wenn eine Auferstehung derart viel Dreck, Wucht und Spielfreude mitbringt, darf der Tod ruhig öfter eine zweite Chance verteilen.
ANSPIELTIPS:
🔥 Flesh for the Kult of Death
💀 Pool of Blood
🪦 Bodybag Inferno
Bewertung: 9,3 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Flesh for the Kult of Death
02. Bodybag Inferno
03. The Graverobber
04. Pool of Blood
05. Hellhole
06. Tombstalker
07. Death Kult Maniacs
08. Priest of Flesh
09. Demon Dawn
10. The last Farewell
11. All I hab (I gave) (Crowbar)

