DAS LETZTE LAGER – Sturm Aus Nord (2026)
(10.373) Maik (7,2/10) Dark Metal
Label: D.I.Y.
VÖ: 01.08.2026
Stil: Dark Metal
Zugegeben, der Bandname DAS LETZTE LAGER könnte bei einigen Leuten komische Gedanken auslösen. Die Band scheint sich hier aber auf unser aller letztes Lager zu beziehen, wenn nämlich unsere Lebensgeister die sterbliche Hülle verlassen haben und wir uns anschicken, unsere Atome wieder an das Universum zurückzugeben, von dem wir sie geliehen haben.
Dem vor vier Jahren erschienen Debüt „WürgeEngel“ schieben DLL nun den Nachfolger hinterher. Dieser hört auf den Titel „Sturm Aus Nord“, was den einen oder anderen vielleicht an die Band BLUT AUS NORD erinnern könnte. Zumindest ging mir das so, rein vom Namen her. Musikalisch gehen DAS LETZTE LAGER aber etwas anders vor.
Die Band beschreibt Ihren Stil selbst als Melodic Blackened Death Metal, was man grob vielleicht so stehen lassen kann. Grob deshalb, weil die Formation eine ganz eigene Interpretation dieser Spielart zelebriert. Das beginnt schon mal mit dem doomigen Beginn des Openers und Titelstücks „Sturm Aus Nord“. Dann wechselt der Song in einen Stil, den man gut und gerne als Mischung aus Black, Death und Dark Metal bezeichnen kann. Die auf deutsch dargebotenen Texte zusammen mit dem Gesangsstil schlägt auch einen leichten Bogen zur Neuen Deutschen Härte, allerdings nur in Spurenelementen.
Der zweite Song mit dem Titel „Nichts Bleibt“ hat dann etwas stärkere Black Metal Vibes, verbunden mit groovigen Death Metal- Elementen und einem starken Hang zum Dark Metal. Dabei entwickelt die Gratwanderung zwischen hartem monotonen Riffing und Melodien eine regelrecht hypnotische Wirkung. Mehr in Richtung Death Metal tendiert das Riffing in „Blume Aus Blut“. Und bei diesem dritten Song stellt sich bei mir leider ein leicht störender Effekt ein. Die Gesangslinien der einzelnen Songs gleichen sich etwas zu sehr und entwickeln bei mir einen leichten Plätschereffekt.
Klar, die deutsche Sprache ist stark akzentuiert und wirkt zusammen mit diesem Stil immer irgendwie wie wütend herausgekotzt. Das verstärkt zwar die leicht melancholische Seite der Songs, rutscht mir aber mehr und mehr quer in die Ohren. Zunehmend allerdings richte ich nun meinen Fokus mehr auf die Gitarrenarbeit. Die kommt mit ziemlich körnig abgemischten Klängen daher, vermeidet einerseits schwarzmetallische Höhenlastigkeit als auch typisches Death Metal HM2- Geschrammel. Das bewegt sich alles eher im Groovebereich.
Leichte Anleihen an Industrial und Punkrock könnte man bei „Der Verlassene Strand“ erkennen, der einen regelrecht tanzbaren Rhythmus offenbart. Alles natürlich im gewohnt schwarzen und leicht desolat gehaltenen Soundgewand. Der Basslauf zu Beginn von „Alpha Ursa Minoris“ erinnert mich leicht an BETHLEHEM, insgesamt grummelt der Tieftöner während des Tracks auch gut gegen die Magenwand. Im Bereich melodischen Black Metal bewegt sich der Song „Tiefes Wasser“, welcher mit einem sehr melodischen Gitarrensolo überrascht.
Das Album endet mit dem eher verträumt- besinnlichen „Ich Töte Den Tod Für Dich“, der wohl eher die Funktion eines Outros hat, wenngleich der kurze Aggressionsausbruch kurz nach Songmitte noch mal für Wucht sorgt.
Insgesamt hat mir „Sturm Aus Nord“ ganz gut gefallen, nur mit dem Gesang, der auf Dauer irgendwie immer so nach Proberaum klingt, habe ich auf Dauer ein leichtes Problem. Ich weiß nicht, ob das jetzt am Gesangsstil selbst liegt oder an der Art, wie die Vocals in der Produktion bearbeitet wurden. Auch beim vierten Hördurchgang kann ich mir nicht so richtig einen Reim drauf machen. Musikalisch jedoch gehen DAS LETZTE LAGER konsequent ihren eigenen Weg, lassen sich nicht in feste Kategorien einsperren und bieten eine interessante Mischung aus Black Metal, Death Metal, Dark Metal mit angedeutetem NDH- Feeling und Groove. Ein Mix aus beißender Härte und traurigen Melodien.
Anspieltipp:
🔥 Nichts Bleibt
🌊 Tiefes Wasser
Bewertung: 7,2 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Sturm Aus Nord
02. Nichts Bleibt
03. Blume Aus Blut
04. 1994
05. Der Verlassene Strand
06. Alpha Ursa Minoris
07. Tiefes Wasser
08. Ich Töte Den Tod Für Dich

