SEV LEZU – Blood Conscript (2026)
(10.386) Maik (8,5/10) Black Metal
Label: Ordovician Records
VÖ: 28.08.2026
Stil: Black Metal
Räudiger Black Metal der Frühneunziger, fies, böse und krawallig…das gibt es heute gar nicht mehr.
Gibt es doch. Kommt eben nur nicht mehr zwingend aus Norwegen, sondern in diesem Falle aus den USA. SEV LEZU nennt sich das Trio, und ich habe nicht die geringste Idee, was der Name bedeuten mag. Doch das geht mir heutzutage bei einigen Schwarzmetallcombos so, also lege ich hier mal den tiefschwarzen Mantel des Schweigens über meine diesbezügliche Unwissenheit.
Schweigen über die Musik werde ich allerdings nicht, denn die drei Damen haben hier mit ihrem Debüt „Blood Conscript“ etwas wirklich Fettes abgeliefert, bei dem jedem Old School Black Metaller der blutige Sabber aus den Lefzen rinnen dürfte. Drei Damen schrieb ich, und so sollte ich besagte Ladies auch vorstellen. Zum ersten die ‚Chefin‘ und Initiatorin des Ganzen, Sasha Stroud (ebenfalls BELEXUM, ONW), auf deren Konto nicht nur Gesang und Schlagzeug geht, sondern auch die Lyrics und die Produktion.
Als Zweites haben wir Melissa Moore (CROSSSPITTER, SONJA) an der Gitarre und FW (aka Funeralwhore) von MANAT am Bass. Die Band beschreibt ihren Stil als Grinding Melodic Black Metal, wobei meines Erachtens der Fokus auf Black Metal liegt. ‚Grinding‘ eventuell wegen der treibenden Wucht, mit der die Songs zelebiert werden. Melodic wegen den trotz harschem Geballer melodiösen Gitarrenläufen.
Frühe Schwarzwurzelnorweger schauen hier des Öfteren hinter einem Baumstumpf hervor. Insbesonders eben auch durch den Gesang, der fies und böse rüberkommt. SEV LEZU geben an, die melodiöse Dunkelheit von Bands wie BATHORY oder DISSECTION mit der Wildheit des frühen finnischen Schwarzmetalls verbinden zu wollen.
Das Album beginnt mit dem atmosphärischen Intro „…Into Darkness“, bevor mit „The Stillborn“ der krasse Schwarzmetallkracher ohne Vorwarnung vehement die Gehörgänge massakriert. Und auch sonst machen SEV LEZU keine Gefangenen. ‚Me and the dolls made real Black Metal. The rest can fuck off and burn in hellfire.‘ ließ Axtfrau Melissa Moore verlauten, und genau das, was man bei einem derartigen Statement erwartet, rödelt auch aus den Boxen.
Auch „Corpse Step“ bei dem Mia Priest (ex-IMPIETY) songwriterisch und mit Gitarre einen Gastbeitrag absolvierte, brät ordentliche nordische Elchsteaks. Teilweise mit mittelaterlich anmutenden Gitarrenläufen, die mich doch tatsächlich an die Frühwerke von DESASTER erinnerten.
Im Titelsong findet man doch tatsächlich auch die eine oder andere vertrackte Stelle, die dem Ganzen einen leicht technischen Effekt verschafft. „Revenge“ gaukelt dem Hörer zu Beginn eine Erholung vor, denn fast verträumte Klänge läuten den Song ein, die sich jedoch schon nach reichlich einer Minute in das erhoffte Massaker wandeln. Interessante Riffs und sogar Breaks würzen ein ansonsten rasant galoppierendes Stück, welches nach dem verhaltenen Beginn gewaltig aufs Gas tritt.
Die Erholung kommt dann im sphärischen Zwischenspiel mit dem Titel „The Ritual Of Bone And Blade“, bevor SEV LEZU mit dem abschließenden „Man’s Evil Gift“ noch mal einen Stampfer abliefern, der mit Pagan -Black Metal- artigen Melodiebögen agiert, zwischendurch aber auch mal gewaltig den Speedbooster reinhaut. Der Song ist ein Brett sondersgleichen.
Chapeau, meine Damen. Ihr habt mit „Blood Conscript“ ein schwarzmetallisches Kleinod abgeliefert, welches der rauhen und ungestümen Frühphase dieser Stilart Tribut zollt, aber dennoch frisch und unverstaubt in die Ohren flutscht. Das einzige Manko ist die kurze Spielzeit des Fivetrackers plus zwei Instrumentals. Aber glücklicherweise ist mir ja die Funktion eines Repeatbuttons nicht unbekannt.
Anspieltipps:
👶The Stillborn
👿 Man’s Evil Gift
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. …Into Darkness
02. The Stillborn
03. Corpse Step
04. Blood Conscript
05. Revenge
06. The Ritual Of Bone And Blade
07. Man’s Evil Gift

