Alben des Jahres 2025

DIE Alben DES MONATS (08/26)

Aktuelle Reviews

Q&A - Die Interviews

Tales from the hard side

live on stage reports

Wir hörten früher gerne

So fing alles an

CD-Reviews K-M

METHANE - Demolate (2026)

(10.473) Olaf (9,0/10) Thrash Metal


Label: Fireflash Records
VÖ: 02.10.2026
Stil: Thrash Metal






„Ich hör mir keine Bands an, die ihre Cover augenscheinlich mit Chat GPT machen“, ließ unser Johnny wissen. Wer den Mann kennt, weiß: Das ist keine Einladung zu einer Podiumsdiskussion. Beim Artwork von Demolate kann ich seinen Unmut allerdings bestens nachvollziehen. Blöd nur, dass ihm dadurch eine ultrageile Thrash-Platte entgeht. Meine Ohren gebe ich jedenfalls nicht bei der Bildredaktion ab. Und was METHANE hier veranstalten, verdient entschieden mehr Aufmerksamkeit als die wenig einladende Verpackung.

Seit 2012 treiben die im schwedischen Borlänge beheimateten METHANE ihr Unwesen, mit dem amerikanischen Bassisten und Sänger Tim Scott sowie Gitarrist Jimi Mästerbo als Konstanten. Scott brachte seine Vergangenheit bei den Death-Metal-Veteranen REVENANT mit, während sich die Band über The Devil’s Own von 2017 und Kill It With Fire von 2023 immer deutlicher zum Thrash positionierte. Auftritte mit WHIPLASH, NERVOSA und MASSACRE sowie Festivalabstecher zum In Flammen oder Sabaton Open Air lieferten reichlich praktische Erfahrung im gepflegten Verwüsten.

Musikalisch trifft die Riffschärfe des Bay-Area-Thrash auf die ruppige Direktheit des New Yorker Hardcore. Eine ausgesprochen zweckmäßige Verbindung: Die Gitarren liefern genügend Futter für Freunde präziser Schneidarbeit, während der Rhythmus das Ganze mit reichlich körperlicher Wucht nach vorne schiebt. Jimi Mästerbo und Markus Grundström servieren Riffs, die sich festbeißen, statt bloß möglichst schnell vorbeizufliegen. Richard Fredriksson hält am Schlagzeug den nötigen Druck auf dem Kessel, und Scott stellt sich mit seinem aggressiven Gesang mitten hinein. Da wird weder um Verständnis geworben noch höflich um Platz gebeten. Der Platz entsteht schon, sobald die ersten Leute anfangen, ihre Arme etwas großzügiger zu bewegen.

Was mich dabei besonders abholt, ist diese Verbindung aus Brutalität und Eingängigkeit. METHANE können ordentlich zulangen, haben aber begriffen, dass ein gutes Riff auch nach dem Einschlag noch im Gedächtnis bleiben sollte. Die von Jonas Arnberg verantwortete Produktion verleiht dem Material einen mächtigen, bissigen Sound, in dem die Gitarren ihre scharfen Konturen behalten. Das passt hervorragend zu einer Platte, die nach verschwitzten Clubs, verschüttetem Bier und einer zünftigen Schlägerei in der Bahnhofskneipe klingt. Rein musikalisch natürlich; für die Reparatur der Einrichtung reicht das Budget einer Underground-Band gewöhnlich nicht.

Mit 360° of Destruction ist das Einsatzgebiet früh geklärt. „Into the pit“ lautet die unmissverständliche Aufforderung, während der Text die kreisende Menge als hungriges Rudel inszeniert. Ellbogen, fliegende Körper und blanker Kontrollverlust: subtile Lyrik geht anders, aber für diesen Zweck wäre ein Sonett auch ausgesprochen hinderlich. Im Titelstück kippt die Gewalt dagegen ins Persönliche. Demolate erzählt von Ausgrenzung, Demütigung und einem Außenseiter, dessen Verletzungen in bewaffnete Rache umschlagen. „No pity for the guilty“ verdichtet diese gnadenlose Perspektive. Hinter dem Gebrüll steckt damit durchaus etwas Finstereres als die nächste schlecht ausgegangene Tresenbekanntschaft.

Auch der alkoholische Irrsinn hat seine eigene Dramaturgie. Alcoholocaust verwandelt ein Besäufnis in einen militärischen Feldzug, bei dem irgendwann das Bewusstsein kapituliert und die Erinnerung als erste vermisst gemeldet wird. Eine geschmackssichere Wortwahl würde ich dem Titel nun wahrlich nicht attestieren; zur maßlosen Überzeichnung des Textes passt er allerdings. Interessanter wird es dort, wo Research Chemicals den Rausch mit staatlich organisierter Menschenverwertung verbindet. Ein entführter Mensch wird im Labor zur chemisch aufgerüsteten Kampfmaschine gemacht und verlangt selbst nach immer mehr Stoff. Scott verknüpft diese groteske Supersoldatenfantasie mit Erinnerungen an Vietnamveteranen in seiner Familie und die psychischen Folgen des Krieges. Das gibt dem schwarzen Humor einen bitteren Untergrund. Zwischen Horror, Vernichtungsfantasien und Kneipenwahnsinn liegt also mehr als die übliche Sammlung möglichst böse klingender Songtitel.

Dass die Herren trotzdem keinen Bildungsauftrag erfüllen möchten, erledigen die vier Sekunden von Karen ziemlich zuverlässig. So kurz kann ein Beschwerdemanagement ausfallen. Und wer beim abschließenden I fuck for Beer noch nach einer verschlüsselten philosophischen Botschaft sucht, sollte die Lesebrille gegen einen Flaschenöffner tauschen. Hier werden sexuelle Dienstleistungen gegen Gerstensaft verhandelt, ohne dass jemand ernsthaft versucht, den Vorgang mit romantischen Kerzen auszuleuchten. Primitiv? Aber selbstverständlich. Als Schlussakkord dieser biergetränkten Randale allerdings vollkommen folgerichtig. Der Humor sitzt weit unterhalb des akademischen Diskurses und fühlt sich dort offensichtlich pudelwohl.

Gerade einmal 26 Minuten und 39 Sekunden stehen auf der Uhr. SLAYER haben mit Reign in Blood schließlich längst bewiesen, dass ein großartiges Thrash-Album keine halbe Stunde benötigt. METHANE nutzen diese Kürze ausgesprochen wirkungsvoll: Die Platte behält ihren Zug, die Riffs treffen, und bevor sich die Wucht abnutzt, ist schon wieder Feierabend. Die Zutaten sind bekannt, doch so bissig und überzeugend darf man sie jederzeit erneut auf den Tisch knallen. Ich brauche genau diesen Abriss.

Umso ärgerlicher bleibt dieses für mich ausgesprochen nach KI aussehende Cover. Um es deutlich zu sagen: Ich finde es beschissen. Es wird einer musikalisch so starken Veröffentlichung einfach nicht gerecht. Liebe Jungs, beim nächsten Mal bitte jemanden ranlassen, der Euren Riffs ein ebenbürtiges Bild verpasst. Johnny liegt mit seinem Ärger nicht daneben; mit dem Verzicht auf diese Scheibe bestraft er allerdings vor allem sich selbst. Denn hinter der fragwürdigen Fassade wartet einer dieser Volltreffer, bei denen ich sehr gerne noch einmal auf Play drücke.

Demolate liefert Thrash mit Können, Hunger und einer erfreulich niedrigen Hemmschwelle. Für mich eine dicke Empfehlung an alle, die es brutal mögen und trotzdem etwas zum Festbeißen verlangen. Die Band hat ihre Hausaufgaben gemacht und anschließend vermutlich das Lehrerzimmer zerlegt. Für die nächste Veröffentlichung wünsche ich mir lediglich einen guten Illustrator. Einen weiteren Gitarrenunterricht braucht hier jedenfalls keiner.

ANSPIELTIPS:
🔥360° of Destruction
🎸Demolate
💀Research Chemicals


Bewertung: 9,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. 360° of Destruction
02. Alcoholocaust
03. Research Chemicals
04. Demolate
05. Karen
06. Get in the Coffin
07. King of Fallout
08. I fuck for Beer 



Multimedia

Album der Woche

Album des Monats

Album des Jahres

MERCH

70.000 Tons 2024

The new breed

GROTESQUE GLORY

mottenkiste

P P P

ZO SONGCHECK

V.I.P.

alter Z.O.F.F.

Unsere Partner

Join the Army

Damit das klar ist