HYPNO5E – Trame Noire (2026)
(10.578) Stephan (8,5/10) Progressive Metal/ Post Metal
Label: Pelagic Records
VÖ: 06.11.2026
Stil: Progressive Metal/ Post Metal
Die französische Avantgarde-Formation HYPNO5E meldet sich mit ihrem siebten Studioalbum „Trame Noire“ zurück. Wer das Quartett um Mastermind Emmanuel Jessua kennt, weiß, dass Musik bei ihnen nie bloßer Konsum, sondern stets ein visuelles Erleben für die Ohren ist. Der von der Band selbst geprägte Begriff „Cinematic Metal“ beschreibt auch dieses Werk perfekt: Ein tiefgängiger Tonschnitt aus Härte, Fragilität und theatralischer Dichte.
Im Vergleich zu den ausladenden Vorgängern wie „Sheol“ oder „A Distant (Dark) Source“ präsentiert sich „Trame Noire“ überraschend gestrafft und fokussiert. Mit einer kompakteren Spielzeit gewinnt das Material spürbar an Stringenz, ohne dass die typische Epik oder der erzählerische Tiefgang auf der Strecke bleiben. Mit gut 39min auf 5 Titel verteilt, also recht kompakt zu den doch oft über einstündigen Konzeptalben der Band.
Der Einstieg gelingt meisterhaft: „Lost Fires“ beginnt mit einem einsamen, zerbrechlichen Klaviermotiv, bevor sich dichte Riffwände und Jessuas wandelbarer Gesang entladen. Kontraste bestimmen das gesamte Werk. In „Falmer“ prallen hypnotische Passagen, die fast an die psychedelische Ära von PINK FLOYD erinnern, auf eine rohe, peitschende Härte, die an extreme Black-Metal-Strukturen grenzt.
Neben der instrumentellen Leistung und der durchweg dichten Soundteppiche, beeindruckt Emmanuel Jessuas charakteristischer Gesangsstil immer wieder aufs Neue und schwankt zwischen extrem sanftem Klargesang, Spoken-Word-Samples und verzweifelten Schreien.
„Molecular Angel“ brilliert mit verspielter Rhythmik unter melancholischen Ambient-Flächen, während „Bare Bones“ mit tonnenschweren Riffs die düstere, unbarmherzige Seite der Band betont. Das monumentale, zehnminütige Titelstück „Trame Noire“ fungiert schließlich als bittersüßes, dynamisches Finale, das den Hörer emotional erschöpft, aber tief beeindruckt zurücklässt. In Summe muss man festhalten, dass die Platte keine schnellen Glückshormone liefert. Sie verlangt Geduld, mehrmaliges Hören und die Bereitschaft, sich auf eine unangenehme, aufwühlende Reise in die eigenen mentalen Abgründe einzulassen. Genau dann beginnt sie zu begeistern.
Abschließend lässt sich sagen, dass „Trame Noire“ mit dieser Schnittmenge das perfekte Einstiegsalbum in den Kosmos der Franzosen geworden ist, um sich dann anschließend den Backkatolog reinzuziehen. Wer den Kontrast zwischen Schwere, Heavyness, Melancholie und extasischen Wutausbrüchen wie bei THE OCEAN oder KATATONIA liebt, wird hier nicht Drumherum kommen. Ich würde mich nicht wundern, wenn die Platte zu Jahresende nicht in den oberen Reihen der Prog/Post Metal Alben des Jahres landet.
Anspieltipp:
🔥Lost Fires
😇 Molecular Angel
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Lost Fires
02. Falmer
03. Molecular Angel
04. Bare Bones
05. Trame Noire

