KONVENT – Firesky (2026)
(10.570) Phillip (9,1/10) Death- Doom Metal
Label: Napalm Records
VÖ: 06.11.2026
Stil: Death/ Doom Metal
Nach mehreren, meistens leisen, Besetzungswechseln bringt die aktuelle Konstellation um Rikke List, Julie Simonsen und Heidi Brink mit Neuzugang an der Gitarre, Amira Hernan, daher. Was dahingehend interessant ist, weil die Gitarre natürlich auch im Doom-Metal ein dominierender Faktor im Sound ist und KONVENT über die beiden Vorgänger-Alben bereits einen Sound für sich etabliert haben. Können die vier Däninnen diesen ausbauen, ohne an bisheriger Qualität zu verlieren, oder geht es sogar in eine komplett andere Richtung (in Doom-Verhältnissen)?
Vorerst bleiben wir mit Exorcise auf dem bereits bekannten Pfad. Langsam, tief gestimmt und doomig-behäbig schleppen sich KONVENT in ihr drittes Studioalbum. Ebenfalls bekannt ist der pointierte Vokaleinsatz von Rikke List, jedoch hört sich das wesentlich akzentuierter an, als auf den beiden Vorgänger-Scheiben, und das, ohne an Durchschlagskraft zu verlieren. Die folgenden Screams sind allerdings recht neu, wenn mich nicht alles täuscht, und münden dann in einem Akustik-Part. Ab hier heißt es dann „Anschnallen, Freunde!“, denn dieser mündet langsam aber sicher in einem Fanal, bei dem man denkt, dass Julie Simonsen all ihren gebündelten Zorn auf dem Fell der Snare entlädt. Nicht rasend, aber gewaltig. Darüber thront eine wunderbar melodisch getragene Gitarrenwand, ach was, ein Gitarren-Massiv! Death-Doom kann so schön sein.
Das folgende Scorning zeigt eindrucksvoll, dass wohl dosiertes Growling auch zu wohl temperierten und eleganten Gitarren passt, bevor die Screams einsetzen. Hier wird die Entwicklung der Band deutlich. Noch auf dem letzten Album hätten sie aus dem vorliegendem Song-Material mindestens zwei Songs gemacht, während hier das gut miteinander verwobene Ergebnis als Ganzes strahlen darf. Ok, nicht so packend wie der Opener, aber ein heller Farbtupfer in all der Schwärze. Denn In the Unknown, mit knapp 12 Minuten der längste Song des Albums, legt direkt bedrohlich stampfend los. Ein Hauch Melodie schwebt über der schweren, doomigen Monotonie. Diese bleibt allerdings, auch aufgrund des fantastischen Gitarrensounds, streng im Fokus.
Leise Zwischentöne dürfen es in Anbetracht der Songspielzeit natürlich auch geben. Auch folgend fahren die Däninnen wieder mächtig auf und probieren danach, wie langsam sie werden können, ohne an Heavyness zu verlieren. Der Titelsong kommt dahingehend wesentlich schneller auf einen Punkt und wiegt uns mit sanften Gitarren und Klargesang in einem trügerischen Gefühl der scheinbaren Freiheit. Doch bricht der Song sehr stark aus, wirbelt wild um sich herum und beschließt den Hauptteil des Albums fast schon hoffnungsvoll. Postludium ist dann ein Abschluss, der klingt, als würde man seiner Vergangenheit dabei zuschauen, wie sie im Lagerfeuer verbrennt.
KONVENT haben es definitiv geschafft ihrem bisherigen Schaffen eine neue Facette dazu zuaddieren. Nämlich lange Songs, die funktionieren. Das benötigt einerseits Mut und andererseits Vertrauen in das eigene Schaffen, zumal das komplette, etwa 40 Minuten lange, Album aus eben „nur“ vier Songs und Outro besteht. Noch dazu sind über die komplette Spielzeit doomige Klänge zu hören, keine Folk-Einsprengsel oder anderweitige Klangexperimente, die vielleicht reizvoll erscheinen könnten. Nein, FIRESKY ist ein hundertprozentiges Death-Doom Album, das zu überzeugen weiß. Lediglich Scorning holt mich nicht so ab, doch die anderen Stück strahlen um so mehr! Im Sound sind ebenso keine Experimente gemacht worden, gut so, denn das war noch nie ein Makel von KONVENT.
Wer die Band vorher mochte, könnte sich bei Genuss dieses Albums komplett verlieben. Wer KONVENT eh bereits klasse fand, wird sie nach diesem Album noch ein Stück weit höher halten.
Anspieltipps:
🪓 Exorcise
🗡 In the Unknown
Bewertung: 9,1 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Exorcise
02. Scorning
03. In the Unknown
04. Firesky
05. Postludium

