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WOLVES IN THE THRONE ROOM – Estuary (2026)

(10.540) Schaacki (10/10) Black Metal


Label: Century Media
VÖ: 23.10.2026
Stil: Black Metal






Nach „Primordial Arcana“ aus dem Jahre 2021 schenkten Wolves In The Throne Room mir und dem Rest ihrer Hörerschaft lediglich die EP „Crypt of Ancestral Knowledge“ (2023). Jene war mit zwanzig Minuten Gesamtlänge und vier Titeln, von denen nur zwei als vollwertige Songs betrachtet werden konnten, recht knapp bemessen. Die Scheibe deutete auf eine gewisse Neuinterpretation des eigenen Schaffens hin – inwiefern der eingeschlagene Weg von 2023 weiterverfolgt wurde, erfahrt ihr hier …

Als großer Fan dieser Band bin ich nicht nur begeisterter Hörer, sondern schaue auch besonders kritisch auf alle Details. Nach all den Jahren, die ich die Wolves nun verfolge, frage ich mich demnach auch, was ich von ihnen noch erwarten darf. Und in der Tat weiß „Estuary“ zu überraschen. Der Gedanke der letzten Veröffentlichungen, die Songs etwas kompakter zu fassen, ist gewissermaßen erhalten geblieben. Dennoch gelingt auch der Spagat zu genug Zeit und Raum für die Atmosphäre, für die WITTR-Fans ihre Helden so lieben. Genau dieses Maß zu treffen, ist bereits ein kleines Kunststück.

Doch wirklich überraschend ist ein liebgewonnenes Instrument, das nie zuvor so präsent war wie auf „Estuary“: der Bass. Ohne über frühere Großtaten der Wolves auch nur ein schlechtes Wort verlieren zu wollen – meine Lobeshymnen der Vergangenheit sprechen für sich – erfüllt mich der Einsatz des Tieftöners auf dem neuen Werk mit großer Freude; und das nicht nur, weil ich dieses Instrument selbst spiele … Schon bei den jüngeren Auftritten wurde vermehrt der Bass zurück auf die Bühne geholt.

Es gab Zeiten, da spielten WITTR mit zwei oder auch drei Gitarren und Keys, aber ohne Viersaiter, die letzten Touren und Shows zeigten ein anderes Bild. Gut möglich also, dass dies beim Songwriting von „Estuary“ einen bedeutenden Einfluss hatte. Immer wieder sind in allen Songs klare Basslinien auszumachen, die den Tracks eine gewisse Schwere, Tiefe und Wuchtigkeit verleihen. Natürlich sind die markanten, tragenden Melodien, die stets die großen Bilder in die Köpfe der Hörer gezaubert hatten, nicht verloren gegangen, doch werden sie nun durch eine Art erdenden Gegenpol ergänzt. Obwohl ich, wie bereits erwähnt, älteren Stücken nie ihren Glanz und ihre Besonderheit absprechen würde, begeistert mich diese nur kleine, aber wirkungsvolle Nuance im Songwriting doch sehr.

Wolves In The Throne Room klingen dennoch, wie das Fanohr es sich wünscht. Ihre Trademarks sind erhalten geblieben. Die Gitarrenarbeit ist famos und entführt mich, wie so oft, in eine andere Welt. Dieser Sound ist einfach einmalig und entzieht mich einmal mehr dem Hier und Jetzt. Die beiden bereits zuvor ausgekoppelten Titel „Estuary“ und „Ghosts Among the Obelisks“ verzaubern in altbewährter Manier und sind eher typische WITTR-Diamanten, während „Knights of Tiamat“ nicht nur durch den Bass mehr Schwere bekommt: Die Vocals geben nicht nur das vertraute Keifen, sondern auch ungewohnte, tiefe Growls wieder. „Foretold in Reflections“ präsentiert am deutlichsten, was bereits über den Tieftöner gesagt wurde, das abschließende „Wretched Spirits, Land of the Light“ vereint nochmal alle Bestandteile, wodurch es einen guten Ausklang des Albums bietet.

Als gelungenes Ende hätte für mich aber auch „The Orca Cliffs“ funktioniert. Mit seiner besonderen Stimmung trifft der Track diesmal einen anderen Nerv bei mir. Während Wolves In The Throne Room mich sonst häufig mit ihrer melancholischen, fast depressiven Atmosphäre in ihren Bann zogen, passiert hier etwas anderes. Die Melodien schaffen ein Gefühl von Hoffnung und Zuversicht und lösen eine schwer zu beschreibende Art von Freude beim Hören aus. Ein absolutes Schmuckstück von „Estuary“.

Und eigentlich könnte ich auch nur die Reihenfolge der Tracks als ein Manko an diesem Album nennen, da für mich eine andere Anordnung eventuell ein anderes Hörerlebnis erzeugt hätte. Aber das ist wiederum so spekulativ, dass es kein Bestandteil der Wertung sein soll. „Estuary“ ist wieder mal ein Meisterwerk der Wolves. Basta!

ANSPIELTIPPS:
🔥Ghosts Among the Obelisks
🎸The Orca Cliffs


Bewertung: 10 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Estuary
02. Knights of Tiamat
03. Foretold in Reflections
04. The Orca Cliffs
05. Ghosts Among the Obelisks
06. Wretched Spirits, Land of the Light



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