SPEARHEAD – Into the killing Field (EP) (2026)
(10.528) Olaf (ohne Bewertung) Death Metal
Label: DIY
VÖ: 23.10.2026
Stil: Death Metal
Nach dem fulminanten Abriss beim diesjährigen Z.O.F.F. gibt es SPEARHEAD jetzt sogar auf Polycarbonat. Sehr entgegenkommend, schließlich lässt sich die Arbeit an der eigenen Nackenstarre damit bequem zu Hause fortsetzen. Der Hannoveraner Fünfer hält seit seiner Gründung 2017 das Erbe von BOLT THROWER am Leben und kommt den britischen Todesblei-Legionären dabei verdammt nahe. Wer die Jungs schon einmal live erlebt hat, kennt diese eigentümliche Mischung aus glückseligem Grinsen und dem unbedingten Bedürfnis, den Kopf Richtung Brustkorb zu befördern. Da spielen fünf Überzeugungstäter, die den Spirit ihrer Helden verinnerlicht haben. Mit Into the Killing Field bekommt diese Hingabe nun ein handliches Format.
Der eigentliche Clou steckt gleich am Anfang: Eine Tribute-Band veröffentlicht eine Eigenkomposition, um damit genau jener Legende zu huldigen, deren Repertoire sie sonst auf die Bühnen wuchtet. Mir fällt auf Anhieb kein vergleichbarer Fall ein. Für einen Eintrag ins große Geschichtsbuch des Metals müsste allerdings jemand sämtliche Proberaumarchive durchwühlen; ich beschäftige mich lieber mit dem ausgesprochen erfreulichen Ergebnis. Andere schicken ihren Helden einen Dankesbrief. Hier kommt einer mit Kettenantrieb.
Into the Killing Field klingt nämlich dermaßen nach der Mercenary-Phase, dass man gedanklich unweigerlich im Jahr 1998 landet. Dieser schwere, beharrliche Vorwärtsdrang, das Gewicht der Riffs und jener Groove, der auch bei überschaubarer Geschwindigkeit beträchtlichen Flurschaden anrichtet: SPEARHEAD haben verstanden, weshalb diese Musik bis heute so eine enorme Wirkung entfaltet. Der Titeltrack sitzt stilistisch verblüffend sicher zwischen den großen Vorbildern und besitzt genug Substanz, um dort auch bestehen zu können. Einen bekannten Song überzeugend nachzuspielen verlangt bereits einiges. Eine eigene Nummer zu schreiben, die dieses vertraute Gefühl auslöst, ist eine andere Hausnummer. Darauf dürfen die Jungs wirklich stolz sein.
Die drei Coverversionen stecken anschließend einen erfreulich weiten historischen Rahmen ab. War Master stammt vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1991, When Glory Beckons führt zu …For Victory von 1994, und When Cannons Fade beschließt den Ausflug mit einem Stück von Those Once Loyal aus dem Jahr 2005. Vierzehn Jahre Bandgeschichte auf drei Positionen zusammenzubringen, ergibt eine kleine, ziemlich schlagkräftige Werkschau. Zwischen der raueren frühen Gewalt und der später perfektionierten Schwere liegt reichlich Entwicklung, zusammengehalten von dieser unverwechselbaren musikalischen Handschrift. Dass ausgerechnet der Schlussakkord des letzten regulären BOLT THROWER-Albums auch hier den Abschluss bildet, verleiht der Auswahl zusätzlich Gewicht.
Dabei begegnen SPEARHEAD den Vorlagen mit hörbar ernst gemeinter Verehrung. Die Songs sollen ihre ursprüngliche Kraft entfalten; die Band stellt ihr Können vollständig in deren Dienst. Genau diese Haltung prägt auch die gesamte Veröffentlichung: Die EP ist eine Danksagung an Musiker, die im Leben der Beteiligten weit mehr hinterlassen haben als ein paar gut gefüllte Plattenregale. Selbst die Gestaltung schlägt eine passende Brücke. Das mit Genehmigung verwendete Artwork stammt von Peter Archer, dessen Arbeiten auch das Cover von Mercenary umfassen. Da passen musikalische Ausrichtung und optischer Rahmen ausgesprochen schön zusammen.
Bei aller Freude über die Klassiker bleibt für mich allerdings die Eigenkomposition die entscheidende Überraschung. Sie macht neugierig auf das, was in dieser Besetzung noch stecken könnte. Einen vollständigen Longplayer mit eigenen Songs würde ich jedenfalls ausgesprochen interessiert entgegennehmen, sofern das Material auch nur annähernd dieses Niveau hält. Die Bewerbung dafür liegt hier bereits vor. Vier Stücke reichen manchmal völlig aus, um aus einem zufriedenen Konzertbesucher einen ungeduldigen Menschen zu machen. Also, meine Herren: Der Bestellzettel für Nachschub ist ausgefüllt.
Bewertung: ohne (aber endgeil)
TRACKLIST
01. Into the killing Field
02. War Master (Bolt Thrower Cover)
03. When Glory beckons (Bolt Thrower Cover)
04. When Cannons fade (Bolt Thrower Cover)

