GENERATION STEEL - Steelmachine (2026)
(10.510) Olaf (6,0/10) Heavy Metal
Label: Fireflash Records
VÖ: 16.10.2026
Stil: Heavy Metal
Bei einem Album namens „Steelmachine“ erwarte ich keinen musikalischen Stuhlkreis, sondern ordentlich Druck auf dem Kessel. Zumal deutscher Heavy Metal seit meinen metallischen Jugendjahren einen festen Platz im persönlichen Plattenregal besitzt. GENERATION STEEL kennen die dazugehörigen Baupläne jedenfalls bestens: 2019 von Gitarrist Jack the Riffer in Wetzlar gegründet, haben die Hessen mit „The Eagle Will Rise“ (2021) und „Lionheart“ (2023) ihr Bekenntnis zur traditionellen Stahlarbeit bereits abgegeben. Der dritte Langspieler soll nun den nächsten Entwicklungsschritt markieren. Die personellen Voraussetzungen dafür lesen sich durchaus vielversprechend.
Mit Thilo Herrmann steht dem Bandgründer inzwischen ein Gitarrist zur Seite, dessen Lebenslauf unter anderem FAITHFUL BREATH, RISK, RUNNING WILD und GRAVE DIGGER umfasst. Der Mann muss sich die Achtziger also wahrlich nicht anhand einer Spotify-Playlist erklären lassen. Dazu kommen der schwedische Sänger Mike Stark, auch bei FEANOR und STORMBURNER aktiv, sowie Bassist Fabian Watermann mit MAD MAX im musikalischen Gepäck. Erfahrung ist reichlich vorhanden, und handwerklich gibt sich die Mannschaft entsprechend wenig Blöße. Nur schreibt ein stattlicher Lebenslauf leider noch keinen zwingenden Refrain.
Genau da beginnt mein Problem mit „Steelmachine“. Hier wird ordentlich gearbeitet, aber erstaunlich wenig ausgelöst. Die Gitarren bedienen zuverlässig das vertraute Vokabular zwischen teutonischer Härte und klassischer Metal-Melodik, während Stark die nötige Durchsetzungskraft mitbringt. Alles sitzt grundsätzlich dort, wo es hingehört. Allerdings auch ziemlich genau dort, wo man es erwartet. Die Maschine läuft, aber sie bewegt bei mir erstaunlich wenig. Nach dem ersten Durchgang ertappte ich mich tatsächlich bei dem Gedanken: Wie, schon vorbei? Ich dachte, ich wäre immer noch beim ersten Song.
Natürlich sind die neun Stücke keine identischen Kopien. Doch ihre Unterschiede reichen für mich zu selten aus, um dem Album einen Spannungsbogen zu geben. Vieles klingt vertraut, bevor es überhaupt Gelegenheit bekommt, sich festzusetzen. Ein griffiger Ansatz hier, eine ordentliche Gitarrenpassage dort – nur entwickelt sich daraus kaum dieser eine Moment, bei dem ich unwillkürlich aufhorche. Dabei verlange ich von traditionellem Heavy Metal weder eine Neuerfindung noch einen eingeschobenen Jazzkurs. Ein eigener Akzent, ein überraschender Haken oder schlicht ein wirklich unwiderstehlicher Song würden bereits reichen. Hier nicke ich häufiger anerkennend, als dass es mich tatsächlich mitreißt.
Piet Sielck hat die Produktion übernommen und auch an den Arrangements mitgearbeitet; bei „Rise Up“ ist der IRON SAVIOR-Kopf zudem als Gast vertreten. Damit passt auch hinter den Reglern die personelle Besetzung zum musikalischen Programm. Das grundsätzliche Problem lässt sich allerdings durch professionelle Ausarbeitung allein kaum beheben: Was den einzelnen Nummern an Eigenleben fehlt, gewinnt durch zusätzliche Routine nicht automatisch an Charakter. Der Wille zur Weiterentwicklung ist nachvollziehbar, das Ergebnis bleibt für meine Ohren dennoch zu stark im bekannten Fahrwasser.
Inhaltlich steckt durchaus mehr dahinter, als Bandname und Albumtitel zunächst vermuten lassen. Das Titelstück betrachtet die zerstörerische Verbindung von Macht, Hass und Kriegsmaschinerie. Die knappe Formulierung „Created to destroy“ bringt deren menschenfeindlichen Zweck treffend auf den Punkt. „Witches Cross“ wiederum nutzt Hexenverfolgung als Bild für Ausgrenzung und kollektiven Fanatismus. „Masses chanting all their lies“ beschreibt dabei einen Mechanismus, für dessen Aktualität man leider kein Geschichtsbuch aufschlagen muss. Solche Gedanken geben dem Material Substanz. Umso bedauerlicher, dass die musikalische Umsetzung bei mir wesentlich weniger Reibung erzeugt als die behandelten Themen.
Unterm Strich liefern GENERATION STEEL ein ordentliches Traditionsmetal-Album ab, dessen größte Schwäche ausgerechnet seine Berechenbarkeit ist. Das reicht für respektable 6 Punkte, aber nicht für einen reservierten Platz neben den Genregrößen. Auf dem Arbeitszeugnis stünde vermutlich: fachlich versiert, zuverlässig und stets einsatzbereit. Für die nächste Beförderung müsste dann allerdings etwas mehr kommen als die tadellose Bedienung längst bekannter Gerätschaften.
ANSPIELTIPPS:
🔥Steelmachine
💀Witches Cross

