Die Alben des Jahres 2025

DIE Alben DES MONATS (09/26)

Aktuelle Reviews

Q&A - Die Interviews

Tales from the hard side

live on stage reports

Wir hörten früher gerne

So fing alles an

CD-Reviews H-J

HATESPHERE - Guillotine (2026)

(10.505) Olaf (6,9/10) Thrash Metal


Label: Scarlet Records
VÖ: 09.10.2026
Stil: Thrash Metal






Meine Vorfreude auf ein neues HATESPHERE-Album lässt sich offenbar schwerer abgewöhnen als manche schlechte Angewohnheit. Ich war mal riesiger Fan der Dänen aus Aarhus, deren Mischung aus Thrash, Death Metal und wuchtigem Groove für mich genau die richtige Betriebstemperatur hatte. Platten wie „Bloodred Hatred“, „Ballet of the Brute“ und „The Sickness Within“ stehen für eine Zeit, in der diese Band reichlich Argumente dafür lieferte, die Lautstärkeregelung ausschließlich nach rechts zu bewegen. Seit der Jahrtausendwende unter diesem Namen unterwegs, haben HATESPHERE einiges erlebt und zahlreiche Personalwechsel überstanden. Die alte Durchschlagskraft vermisse ich allerdings seit Jahren. Entsprechend groß war die Hoffnung, dass „Guillotine“ endlich wieder mehr davon freilegt.

Der Nachfolger von „Hatred Reborn“ setzt auf eine finsterere Grundstimmung und räumt der Atmosphäre mehr Platz ein. Das vertraute Gemisch aus Aggression, melodischen Einsprengseln und körperbetontem Groove bleibt dabei erhalten. Grundsätzlich klingt das nach einer vernünftigen Weiterentwicklung. Nur entsteht Spannung eben nicht automatisch dadurch, dass man das Licht weiter herunterdimmt. Zu häufig fehlt den Songs jene zwingende Idee, die aus ordentlich verwalteter Härte ein Erlebnis macht.

Dabei zeigt „Dogma“ ziemlich früh, weshalb ich die Hoffnung auf diese Band noch immer nicht aufgegeben habe. Hier greifen die guten Einfälle ineinander, hier bekommt die Wut Kontur, hier blitzt tatsächlich etwas von jener Klasse auf, wegen der HATESPHERE bei mir einmal hoch im Kurs standen. Auch textlich sitzt der Angriff: „Faith is a weapon“ bringt die Instrumentalisierung des Glaubens auf einen unangenehm treffenden Nenner. Mathias Uldall nimmt moralische Selbstgerechtigkeit auseinander und stellt die Frage, was eine vermeintlich gute Tat noch wert ist, wenn dahinter niederträchtige Absichten stecken. Das hat mehr Substanz als die übliche Beschimpfung mit anschließendem Kreuzigungsauftrag.

Mit „Morbid“ folgt der zweite Moment, in dem ich wieder aufmerksamer werde. Gerade die kompaktere Form tut der Nummer gut: Die Einfälle bekommen Gewicht, statt unnötig ausgewalzt zu werden. Inhaltlich geht es um die zwanghafte Faszination für Gewalt, um das Hinschauenmüssen und den immer größeren Bedarf an grausigen Bildern. Wenn aus „It’s only human“ schließlich „It’s all inhuman“ wird, kippt die vorgeschobene Normalität ins Entlarvende. Ein kleiner sprachlicher Dreh mit Wirkung. So dürfen sich musikalischer Biss und inhaltlicher Anspruch gerne gegenseitig anschieben.

Leider bleiben solche Momente zu selten. Über weite Strecken ertappe ich mich dabei, auf die nächste wirklich packende Passage zu warten. Da wird Druck aufgebaut, Härte demonstriert und das vertraute Vokabular bemüht, doch die Songs kommen zu selten auf einen Punkt, der hängen bleibt. Manche Abschnitte wirken länger, als es ihre Ideen rechtfertigen; andere ziehen vorbei, ohne eine besondere Spur zu hinterlassen. Handwerklich wissen die Herren selbstverständlich, was sie tun. Gerade deshalb fällt auf, wie wenig sich daraus stellenweise entwickelt. Ich möchte bei HATESPHERE schließlich mitgerissen werden und nicht bloß anerkennend feststellen, dass alle ihre Instrumente beherrschen.

An Gesprächsstoff mangelt es dem Album jedenfalls nicht. Hinter den blutigen Bildern steckt die Auseinandersetzung mit Macht, Manipulation und einer Moral, die sich erstaunlich bequem den eigenen Interessen anpassen lässt. „Bottom Feeder“ zeichnet das Bild skrupelloser Profiteure fremden Elends, während andernorts religiöse Unterwerfung und bewusste Auflehnung gegeneinanderstehen. Selbst die titelgebende Hinrichtungsmaschine wirft die Frage auf, wann vermeintliche Gerechtigkeit in lustvoll ausgelebte Rache umschlägt. Das ergibt einen nachvollziehbaren thematischen Zusammenhang. Musikalisch wünsche ich mir eine ähnlich konsequente Zuspitzung.

Am Ende steht für mich die Ernüchterung eines ehemaligen großen Fans, der sich auf diese Veröffentlichung wirklich gefreut hatte. Zwei starke Nummern und vereinzelte gute Ideen halten die Verbindung zur alten Begeisterung aufrecht. Für echten Hörgenuss über Albumlänge reicht das diesmal allerdings nicht. Die Guillotine hätte durchaus auch beim Kürzen einiger Arrangements helfen dürfen. Vielleicht fällt dann beim nächsten Mal wieder häufiger die Kinnlade statt der Blick auf die Restlaufzeit.

ANSPIELTIPPS:
🔥Dogma
💀Morbid


Bewertung: 6,9 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Chapter XII
02. Dogma
03. Guillotine
04. Morbid
05. Cleansing
06. Snake Charmer
07. Mouth filled with barbed Wire
08. Bottom Feeder
09. Human Scum
10. Heresy 



Multimedia

Album der Woche

Album des Monats

Album des Jahres

MERCH

70.000 Tons 2024

The new breed

GROTESQUE GLORY

mottenkiste

P P P

ZO SONGCHECK

V.I.P.

alter Z.O.F.F.

Unsere Partner

Join the Army

Damit das klar ist