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Maiks metallische Mottenkiste Vol.20: TYRANT’S REIGN
Herr Godau wühlt sich durch den metallischen Urschlamm
Im Dezember 1984 gründete sich in Illinois die Band TYRANT’S REIGN. Mitglieder der Formation waren anfangs Phil Fouch (b.), Gabriel Anthony (dr.), die Gitarristen Karl Miller und Jeff Bagherpour sowie Sänger Randy Barron. In dieser Besetzung wurde 1986 auch das erste Demo „Untamed“ veröffentlicht. Auf diesem Tape waren fünf Songs, „Reign Of The Tyrants“, „Kill Or Be Killed“, „Aim To Please“, der Titelsong „Untamed“ und „Fadeaway“. Der Titelsong bestach durch sein Tempo und zeigte den Trend zum Speed Metal sehr deutlich. Der pumpende Rhythmus des Stücks erinnerte ein wenig an AGENT STEEL.
TYRANTS REIGN siedelten sich in der Schnittmenge zwischen US- Metal und Speed Metal an, hatten teilweise auch schon thrashlastiges Riffing integriert. Schon bald aber stieg Gitarrist Bagherpour aus der Band aus und wurde durch Chris Nelken ersetzt.
Da sich kein Plattenvertrag herauskristallisierte, gründete die Band kurzerhand ihr eigenes Label Cynical Records, unter dessen Banner auch die 1987er EP „Year Of The Tyrants“ erschien. Außer „Untamed“ enthielt diese EP nur neuere Songs, wobei besonders „Jack The Ripper“ und „Reign Of Terror“ den Härtegrad noch etwas anhoben. Dafür wandelte der Abschlusssong „Fadeaway“ teilweise im Spektrum Powerballade und fiel etwas aus dem Rahmen.
Obwohl das Minialbum über bemerkenswert gute Songs verfügte, entpuppte sich das Jahr 1987 eben nicht als das ‚Jahr des Tyrannen‘. Für die klassische Heavy Metal- Klientel dürften einige Songs schon zu heftig gewesen sein, während im Bereich Speed und Thrash durch Bands wie METALLICA, SLAYER, MEGADETH , ANTHRAX oder EXODUS die Claims schon gut abgesteckt waren. Musikindustrie wie Medien und letztlich eben auch viele Metalfans schauten in Richtung härtere Bereiche, wo mit Gruppen wie POSSESSED und DEATH schon hungrige Horden auf Beute lauerten.
Zudem war es damals auch schier unmöglich, für ein No Name Label international Aufmerksamkeit zu erlangen, schon im eigenen Land war es schwer. Und so konnten TYRANT’S REIGN auch mit einer EP im Rucksack und ihrem 1989er Demo „Judge And Jury“ (dies enthielt drei neue Songs, „Star Chamber“, „S.O.S.“ und „Passage To Eternity“) keinen Plattenvertrag an Land ziehen.
Da sich auch Probleme mit dem Management auftaten, gab die Band auf und fadete away beziehungsweise trat die Passage in die Ewigkeit an. Doch die ist lang, und manchmal kommen sie wieder. Ab und an trat die Band nämlich zu ausgewählten Gigs an, wobei 1998 auch ein Live- Album mit dem etwas sperrigen Titel „No, You’re Not Dreaming…TYRANT’S REIGN live“ erschien. Diese kam in einer seeeeehr streng limitierten Anzahl heraus, nur lumpige 50 Stück wurden gebrannt. Im Oktober 2000 verstarb dann auch Gitarrist Chris Nelken. Seine Position wurde von Michael Giordano übernommen. Seitdem ist die Band in diesem Line Up stabil unterwegs.
Wer meine Rubrik aufmerksam verfolgt, wird sich denken, dass es nicht lange dauern konnte, bis TYRANT’S REIGN auf dem KEEP IT TRUE- Festival aufschlagen. Und ihr liegt richtig, denn im November 2004 rockte die Band die dritte Ausgabe des Festivals und schlug 2008 beim zehnten KIT ein weiteres Mal dort auf.
2004 erschien auch eine Compilation unter dem Tital „Tyrant’s Reign“, auf welchem man viele Songs der Band noch mal in besserer Soundqualität genießen konnte. Selbiger Sampler erschien unter dem Label Cynical Gentlemen, was wohl die Wiedergeburt des alten Bandlabels darstellt, denn TYRANT’S REIGN sind die einzige Band auf dem Rooster.
Obwohl die Band seit 2003 offiziell wieder existiert, hatte sie bisher noch keine Ambitionen, neue Stücke zu veröffentlichen. 2017 schien es Studioaufenthhalte gegeben zu haben, bei dem neue Tracks aufgenommen werden sollten. Bisher zeigen sich aber keine neuen Veröffentlichungen am Horizont. Vielleicht tut sich ja in dieser Hinsicht noch etwas, aber große Hoffnungen habe ich da nicht. Inwieweit es momentan noch Live-Aktivitäten der Combo gibt, entzieht sich auch meiner Kenntnis.
TYRANT’S REIGN sind eine der Bands, die es trotz herausragendem Songmaterial damals nicht in die erste Liga geschafft haben, und letztlich durch das weitmaschige Netz der dazumal noch recht rudimentären metallischen Infrastruktur gerutscht sind. Wer die Band bisher noch nicht kannte und auf ein Gemisch aus klassischem US- Metal, Speed und teils frühem Thrash steht, sollte sich unbedingt einmal dran festhören. Auf YouTube gibt es die „Tyrant’s Reign“- Compilation komplett.

