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WOLVES IN THE THRONE ROOM | WORM | FINAL DOSE am 26.10.2026 Hamburg @ Übel & Gefährlich


Drei Konzerte in 16 Tagen – was für meine Redaktionskollegen und Freunde, die in Großstädten wie beispielsweise Berlin leben, fast alltäglich ist, ist für mich Mecklenburger Landei eine echte Besonderheit, die ich in vergleichbaren Verhältnissen sonst nur auf Festivals erlebe. Die Krönung des Ganzen aber ist, dass ich nach dem starken Auftritt von MORK am 10.10. meine absoluten Lieblingsbands in kürzester Zeit aufeinanderfolgend bewundern konnte. Am 22.10. ging es nämlich erst einmal zur In League with Satan Tour in die Georg Elser Halle, bei der ich unter anderem meine großen Helden BEHEMOTH einmal mehr erleben durfte. Und im selben Gebäude, einem alten Bunker, stand am 26.10. nun die Tour meiner obersten Favoriten, wenn es um atmosphärischen Black Metal geht, an.

Der besagte Bunker ist nicht, wie man vielleicht erstmals vermutet, unterirdisch sondern mehrere Stockwerke hoch. Während ich ein paar Tage zuvor noch viele Stufen für den Aufstieg zum Saal hinter mich bringen musste, geht es diesmal mit dem Aufzug in den vierten Stock, wo das Übel & Gefährlich zu finden ist. Der Club, den ich heute zum ersten Mal besuche, hat eine angenehme Größe für die bevorstehende Veranstaltung – nicht überdimensioniert und auch nicht zu eng. Außerdem fällt positiv auf, dass die Getränke durchaus freundlicher bepreist sind als in der Georg Elser Halle im oberen Geschoss.

Nach dem einen und anderem netten Gespräch und mit einer Erfrischung versorgt platziere ich mich so langsam vor der Bühne. Bevor die erste Band eröffnet, bietet sich noch eine andere unterhaltsame Szene: Während sich manche Menschen leider darüber beschweren, wenn im Metal politische Stellung bezogen wird – komischerweise immer von Individuen mit offensichtlich rechtem Gedankengut – schätze ich persönlich eine klare antifaschistische Haltung von Bands und Clubs. Und so amüsiert es mich doch sehr zu beobachten, wie ein Herr, der sein Graveland Shirt äußerst prominent zur Schau stellt, von der Security zur Tür geleitet wird, noch bevor der erste Ton auf der Bühne erklingt. Ausgerechnet bei einem Konzert der klar zuzuordnenden Hauptband des heutigen Abends in einem Club neben dem Stadion des FC St. Pauli wahrlich eine verdammt dumme Idee… Und bevor jetzt jemand meint „das ist aber auch faschistisch“, dem sag ich klar: Nein, der gehört da einfach nicht hin – genauso wenig wie ich auf ein NSBM Konzert oder AfD-Politiker in Synagogen…

So, genug Statement meinerseits, jetzt mal zur Musik: FINAL DOSE waren mir bislang so gar nicht bekannt, wer sie heute Abend aber erlebt, wird sie wohl so schnell nicht vergessen. Während ein paar der heutigen Gäste, die ausschließlich für den atmosphärischen Sound des Headliners angereist sind, es vermutlich nicht ganz so leicht haben könnten, sich auf das Geballer der Briten einzulassen, kommen diese beim Gros doch ganz gut an. Der rüde Bastard aus Black und War Metal bringt auch eine fiese Crust und Punk Kante mit. Es kratzt und scheppert mächtig und Drummer Filipe prügelt das Publikum ordentlich nach vorn. Das Haupt von Sänger Bruno ist von einer schwarzen Henkersmaske verhüllt und genauso brutal wie ein solcher röhrt und keift er in sein Mikrofon. Die Band hat sichtlich Bock und ackert sich für eine gute halbe Stunde beherzt durch die Gehörgänge des Auditoriums. Das mag nichts für Zartbesaitete sein, wer es aber gern im Turbogang voll auf die Zwölf bekommt, ist durchaus zufrieden.

Der Einstieg in das Set von WORM kündigt unmissverständlich an, was den Angereisten jetzt bevorsteht: Gitarrenarbeit, viel Gitarrenarbeit. Und viel Show –zumindest wenn es um die beiden Hauptprotagonisten der Band geht. Denn, ohne es vorher gewusst zu haben, wird sehr schnell und eindeutig klar, um wen es sich jetzt dreht. Während Sänger Phantom Slaughter in einer Art von „Vampir Lord Dress“ mit seinem Schwert rumfuchtelt und posiert, frickelt sich sein Companion Philippe die Seele aus dem Leib, als gäbe es kein Morgen. Dafür feiert ihn der Sonnenbrillen tragende Fronter mächtig und deutet immer wieder auf diesen mit entsprechenden Gesten hin. Ach ja, es gibt auch drei Session Musiker, die völlig straight abliefern, aber das soll offensichtlich nicht größer gewürdigt werden, was die Performance nicht besonders sympathisch macht.

Und auch wenn Phantom Slaughter bereits Poserlevel 1000 erreicht hat, seine Stimme benötigt reichlich Unterstützung des Tonmanns um ausreichend Volumen zu entwickeln. Gitarrero Philippe dagegen ist technisch ein völlig anderes Pfund. Was der Kanadier da aus seiner Klampfe holt, ist schon beachtlich. Bei aller Finesse ist mir das auf Dauer allerdings auch etwas zu viel. Die Songs beginnen sich mehr und mehr zu ähneln und die Songstrukturen ausrechenbar zu werden. Die Formel lautet gefühlt fast immer gleich: 50% besingbare Riffs, 50% Giarrensolo. Und trotz aller Kritik gibt es auch immer wieder Momente, die mir gefallen. Interessanterweise tauchen diese auf, wenn WORM als Band und nicht als Duett mit stiefmütterlich behandelten Gastmusikern agieren. Wenn der Trupp ins Rollen kommt, bekomme ich Spaß an der Sache, das heißt bis der alte Trott wieder übernommen wird und die Sologitarre regiert, die in ihrer Überpräsenz Arch Enemy überragt und mit Dragonforce konkurrieren möchte. Vielleicht gehöre ich einfach nicht der Zielgruppe an, die WORM bedienen möchten. Ich stehe eben einfach darauf, wenn alle Komponenten zu einem werden und alle Zahnräder ineinandergreifen, sodass daraus etwas Großes entsteht.

Und wie genau das geht, zeigt der Headliner nun. Schon während das Intro „Crown Of Stone“ erklingt, spürt man etwas Magisches. Der Rauch der für dieses Ritual verbrannten Kräuter liegt wie üblich in der Luft. Im Verbund mit dem stimmungsvollen Licht werden die unterschiedlichen Sinne angesprochen und aktiviert. Dann betreten WOLVES IN THE THRONE ROOM die Bühne. Statt des üblich bekannten Jubels, wenn eine Band einläuft, herrscht eher eine Art andächtige Stille. Nicht etwa weil es an Begeisterung fehlen würde, sondern weil das Publikum schon jetzt völlig im Bann ist. Wahnsinn, welch besondere Wirkung diese Truppe auf ihre Fans hat.

Und dann starten die WOLVES mit „Estuary“ und „Ghosts Among The Obelisks“ mit einem Doppelschlag von Songs ihres grandiosen, brandneuen Albums in ihr Set. Wie gut ich das gerade erst schienene Werk finde, hatte ich jüngst in meinem Review erzählt. Entsprechend zufrieden bin ich mit diesem Einstieg, der obendrein aussagt, dass auch WOLVES IN THE THRONE ROOM selbst völlig überzeugt vom neuen Material sein müssen, wenn sie ihre Show damit eröffnen. Und meine Freude und Begeisterung reißt nicht ab. Denn mit „Angrboda“ und „The Old Ones Are With Us“ werden direkt zwei meiner Lieblingstücke von „Thrice Woven“ aus dem Jahre 2017 nachgelegt. Als nun ein Instrumentenwechsel ansteht, werden nicht einfach nur die Klampfen getauscht, nein, Gitarrist Kody und Basser Galen avancieren zu DJs und unterstützen das Interlude „Eostre“ mit live gemixten Samples. Sieht man so auch nicht alle Tage.

Wieder mit Saiteninstrumenten ausgestattet begeben sich WITTR zurück ins Jahr 2011 und somit folgerichtig zu „Black Cascade“. Da dieses Album meine erste Berührung mit der Band war, überrascht es sicher nicht, dass der nun vorgetragene Song „Wanderer Above the Sea of Fog“ einen besonderen Stellenwert bei mir hat – denn als Opener besagter Scheibe, eröffnete er mir so auch noch die allerersten Töne der WOLVES Soundwelt überhaupt. Und mit meiner Freude über das sehr lang nicht mehr live dargebotene Stück bin ich bei Weitem nicht allein.

Obwohl kein Track unter der 7-Minuten-Marke liegt, ist das Set unfassbar kurzweilig und vergeht irgendwie viel zu schnell. Die Songauswahl ist grandios und lässt eigentlich keinen Wunsch offen. Wobei… einen hätte ich doch gern noch – und genau der soll nun das Konzert beenden. Natürlich rede ich von „I Will Lay Down My Bones Among The Rocks And Roots“. Für mich ist dieses Stück schlicht der beste Song des atmosphärischen Black Metals. Diese gut 18 Minuten Musik verkörpern einfach alles, was dieses Sub-Genre ausmacht. Einmal gehört, lässt er dich nie wieder los und auch live verliert er niemals seine Wirkung, auch heute nicht. Was ein Song, was ein Set, was ein Auftritt!

Doch es ist nicht nur die Musik als solches, die ein Konzert der WOLVES IN THE THRONE ROOM immer wieder so besonders macht. Die Stimmung, die diese Band erzeugt ist einfach einmalig. Inmitten lauter Menschen, ob hundert oder ein paar tausend, versinkt man, man verliert sich, man taucht ab in ihre Welt. Die Kombination aus allen Puzzleteilen von Licht über Bühnenbild bis hin zu den markanten Düften und der spürbaren Eingeschworenheit der Weaver-Brüder und ihren beiden Mitmusikern Kody und Galen ist einzigartig. All dies und natürlich ihre Musik machen eine WOLVES Show zu einem Erlebnis mit Suchtpotential, von dem man immer wieder berauscht werden möchte. Doch das Tourende naht - ich mach erstmal Entzug…

Setlist
01. Crown Of Stone
02. Estuary
03. Ghosts Among The Obelisks
04. Angrboda
05. The Old Ones Are With Us
06. Eostre
07. Wanderer Above the Sea of Fog
08. I Will Lay Down My Bones Among The Rocks And Roots





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