CRIMSON COVEN – I – The Forge (2026)
(10.548) Maik (7,5/10) Epic Metal
Label: Cruz Del Sur Music
VÖ: 09.10.2026
Stil: Epic Metal
Es zeugt von Mut, ein Epic Metal-Album im selben Monat zu veröffentlichen wie die Kauzmetallegende CIRITH UNGOL. Doch ich nehme mal an, dass der Gott Zufall hier seine schleimigen Tentakel drin hatte. Die Spanier von CRIMSON COVEN existieren gerade mal seit drei Jahren, und stehen schon mit ihrem Debütalbum auf der Matte.
Dies nennt sich „I- The Forge“, und wenn man sieht, dass das vorangegangene Demo den Titel „0–The Genesis“ trug, ahnt man schon, dass die Band wohl vorhat, ihre Veröffentlichungen zu nummerieren, was uns Rezensenten die Arbeit in Zukunft leichter machen könnte.
Das Album beginnt mit einem gesprochenen Intro, welches den Zuhörer schon mal auf den Epik- Schaltkreis einpegelt. Und dann kommt der erste Song, den die Band selbstbetitelnd „Crimson Coven“ genannt hat. Und da wird auch die Marschrichtung klar. Hier wird episch angehauchter Power Metal angeboten, der sich stark an ähnlich getakteten US- Metal- Bands aus den Achtzigern zu orientieren scheint.
Wuchtiges Riffing und hymnisch ausgelegte Vocals lassen den Nostalgiepegel auf ‚zehn‘ schnellen. Bands wie X-CALIBER, OMEN oder MEDIEVAL STEEL fallen mir da ein. Der Song ist ganz cool arrangiert, leider passiert ein wenig zu, äh, wenig, was ihn etwas langatmig wirken lässt.
„Sacrament Of Shame“ packt etwas Wumms drauf und tendiert nun eher zum Power Metal, der aber die episch/hymnische DNA nicht völlig abschüttelt. Wieder getragener und doomiger erscheint dann „The Birth Of The Serpent“. Ich weiß nicht, inwieweit es lebendgebärende Schlangen gibt, habe da auch meine Zweifel, aber diese Geburt hier zieht sich auf sechs recht wuchtig schweren Minuten hin. Naja, diese Viecher sind ja recht lang, und ehe sich das Biest da rausgeschlängelt hat…
Und spätestens hier fällt auf, dass CRIMSON GLORY zwar fantastische Songs schreiben, denen aber etwas wenig Eigenständigkeit verleiht. Man kann hier wirklich eine schöne Zeit verleben, wenn man dieser epischen Schiene gegenüber wohlgesonnen ist. Aber insgesamt werden hier doch größtenteils mehr oder wenig bekannte Versatzstücke zusammengeschmiedet.
Das gilt für den einem Flugzeug gewidmeten Slo-Mo- Banger „Lockheed Electra“ ebenso wie für das etwas bedrohlicher wirkende „Crowns Of Greed“. Ich möchte dieses Album wirklich mögen. Nein, ich würde es wirklich gern abfeiern, doch meine Pflicht als halbwegs objektiv wirkend wollender Rezensent muss bei aller Nostalgie einräumen, dass CRIMSON COVEN das Thema Eigenständigkeit doch etwas zu stiefmütterlich behandeln.
Mir fällt auch auf, dass die Band ein wenig zu sehr auf Eingängigkeit setzt. Da fehlen mir irgendwie die Songs, die einen beim ersten Hören an den Eiern packen und deren Melodien und Riffs sich tagelang im Lauschgebälk wohnlich einrichten. Natürlich muss man einräumen, dass sich die Band auch erst am Beginn ihrer Karriere befindet. Hier ist jeden Menge Potential am Start, und wenn CRIMSON COVEN das mal richtig ausschöpfen, kann sich die Epic Metal- Oberstufe warm anziehen. Denn wenn die Band genug Mut zusammenrafft, songwriterisch auch mal etwas zu riskieren, kann hier wirklich etwas Großes entstehen.
Naja, auch über das Coverartwork kann man streiten. Siebziger-Nostalgie hin oder her, aber das Ding schreit nicht wirklich danach, dass man im Plattenladen voll orgiastischer Erwartung seinen Geldbeutel rauskramt. Gut, man hat sich stilistisch an das Demo angelehnt, was zusammen mit der Nummerierung wohl Sinn ergibt, aber auf einem T-Shirt sieht das wohl eher mau aus.
Wer alles aus dem Bereich epischer Power Metal mit leicht doomiger Note braucht, sollte hier zugreifen. Allen anderen Fans dieser Sparte rate ich zumindest ein Probehören an, denn insgesamt ist die Scheibe schon irgendwie cool, nur eben mit angezogener Handbremse.
Anspieltipps:
🤘 Crimson Coven
🐙 Unleash The Kraken
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. The Forge (Intro)
02. Crimson Coven
03. Sacrament Of Shame
04. The Birth Of The Serpents
05. Lockheed Electra
06. Children Of The Same Sun
07. Crowns Of Greed
08. Cold Dawn Arrives
09. Unleash The Kraken

