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MASTIC SCUM – Void (2026)

(10.537) Olaf (7,0/10) Death Metal


Label: MDD Records
VÖ: 30.10.2026
Stil: Death Metal






Über drei Jahrzehnte im österreichischen Extremmetal-Unterholz nötigen mir erst einmal Respekt ab. MASTIC SCUM wurden 1992 in Salzburg gegründet, sind inzwischen in Wien beheimatet und haben sich vom frühen Death-/Grindcore-Geballer über die Jahre einen zunehmend maschinellen Anstrich zugelegt. Zwischen dem ersten vollständigen Album Zero von 1999 und dem nunmehr siebten Studiowerk Void liegt entsprechend reichlich Erfahrung. Vier Jahre nach Icon stehen elf neue Stücke auf dem Programm, verteilt auf knapp 39 Minuten. Überschaubare Spielzeit also – wobei die Herren darin durchaus das Arbeitspensum einer deutlich längeren Scheibe unterbringen.

Handwerklich gibt es hier wenig zu meckern. Harry Gandlers tiefe Gitarrenattacken, die präzise verzahnte Rhythmusarbeit und Maggo Wenzels aggressive Gesangsarbeit ergeben ein ausgesprochen schlagkräftiges Gesamtpaket. Die im Wiener Grindlab Studio entstandene Produktion verschafft dem Material ordentlich Gewicht und lässt die rhythmischen Details trotzdem erkennen. Zwischen drückenden Grooves, ruppigen Ausbrüchen und dissonanten Einsprengseln wird mit erheblichem Können hantiert. Dass diese Truppe ihre Instrumente beherrscht, muss wirklich niemand mit der Taschenlampe suchen.

Allerdings liegen spielerische Klasse und nachhaltige Begeisterung bei mir diesmal ein gutes Stück auseinander. Gerade die Verbindung aus abgehackten Gitarrenfiguren, mechanischer Präzision und industrieller Kälte ruft ziemlich regelmäßig FEAR FACTORY auf den Plan. Natürlich haben die Amerikaner weder tiefe Gitarren noch synchrone Rhythmusattacken patentieren lassen. Hier wurde mir dennoch etwas zu häufig aus demselben Werkzeugkoffer gegriffen. Der Einfluss ist nachvollziehbar, seine Verarbeitung aber nicht immer eigenwillig genug. Das Handwerk sitzt, die eigene Handschrift bleibt zu blass.

Hinzu kommt eine Hektik, die mir stellenweise mehr Konzentration abverlangt, als sie an Spannung zurückgibt. Kaum hat sich ein griffiger Rhythmus eingerichtet, wird schon die nächste Bewegung eingeschoben. Das ist sauber gespielt und mit Nachdruck arrangiert, lässt manchen guten Ansatz aber zu wenig auskosten. Ich brauche bei solcher Musik wahrlich keinen betreuten Schunkelkreis. Ein bisschen länger auf einem wirklich wirksamen Riff herumzureiten, darf trotzdem erlaubt sein. Gerade dort, wo MASTIC SCUM ihrem Groove Platz lassen, funktioniert die Verbindung aus Härte und körperlicher Wucht überzeugend. Solche Momente hätte ich gern häufiger und ausgedehnter.

Zusätzliche Akzente setzen die Gastbeiträge: Andy Dude von THROWBACK ist bei Aftermath beteiligt, Mike Kronstorfer von BEFORE THE FALL bei Experiment on Obedience und Sebastian Grihm von CYTOTOXIN bei Synthetic Catharsis. Damit bekommt die vokale Besetzung weitere Facetten, ohne dass sich die grundsätzliche Ausrichtung verschiebt. Inhaltlich beschäftigt sich Void mit Zerstörung, Chaos und dem Zerfall menschlicher Existenz. Dazu passen die kalte Grundstimmung und die beklemmenden Dissonanzen durchaus. Für meinen Geschmack dürfte diese Atmosphäre allerdings häufiger wirken, statt im nächsten technischen Kraftakt unterzugehen.

Void ist damit eine kompetente, druckvolle Angelegenheit, die Freunden technisch versierten Death Metals mit Industrial-Schlagseite durchaus etwas bietet. Mich hält sie vor allem mit ihrem Können bei der Stange; die Songs selbst hinterlassen seltener den gewünschten bleibenden Eindruck. MASTIC SCUM haben reichlich PS unter der Haube. Für einen dauerhaften Parkplatz in meiner Anlage müsste beim nächsten Modell allerdings etwas mehr Charakter zur Serienausstattung gehören.

ANSPIELTIPPS
🔥Arise // Erase
💀Aftermath


Bewertung: 7,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Birth of Emptiness
02. Arise-Erase
03. Deathwish
04. D-Termination
05. Thoughtcrime
06. Experiment on Obedience
07. Aftermath
08. Synthetic Catharsis
09. Effusion to Suspicion
10. Cut the Nerve
11. The Avoidance 



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