DAWN OF DESTINY – Ashes over tomorrow (2026)
(10.536) Olaf (8,0/10) Power Metal
Label: El Puerto Records
VÖ: 30.10.2026
Stil: Power Metal
Zehn Studioalben in gut zwanzig Jahren: Die Bochumer DAWN OF DESTINY haben seit ihrer Gründung durch Jens Faber Ende 2005 offenbar wenig Zeit mit Däumchendrehen verbracht. Vom 2007 veröffentlichten Debüt …Begins bis zum aktuellen Ashes Over Tomorrow ist jedenfalls einiges zusammengekommen. Seit 2010 steht Jeanette Scherff am Mikrofon, und die Verbindung aus symphonischem Power Metal, großen Melodien und gelegentlichen Ausflügen in härtere Gefilde gehört längst zum Inventar. Also ziemlich viel von dem, bei dem ich normalerweise erst einmal vorsichtig die Augenbraue hochziehe. Diesmal bekam allerdings auch der Kopf etwas zu tun. Und zwar durchaus anerkennend.
Natürlich wird hier an vielen Stellen ausgiebig geträllert. Die Melodien nehmen reichlich Anlauf, die Refrains beanspruchen Platz, und mit dramatischer Gefühlsregung wird ebenfalls nicht gegeizt. Wer schon beim Gedanken an symphonischen Überschwang nervöse Zuckungen bekommt, wird auch mit dieser Scheibe seine Schwierigkeiten haben. Allerdings verstehen DAWN OF DESTINY ihr Handwerk, und vor allem hört man ihnen die Leidenschaft für ihre Musik an. Genau deshalb funktionieren auch Passagen, bei denen ich auf dem Papier vermutlich schon vorsorglich abgewunken hätte. Zwischen Gitarren, Tasten und der gemeinsamen Gesangsarbeit von Jeanette Scherff und Jens Faber steckt ausreichend Leben, um mich immer wieder aus meiner skeptischen Beobachterposition herauszulocken.
Zwei ausgesprochen passende Gäste unterstützen das Ganze. Fabio Lione, bekannt durch RHAPSODY OF FIRE, veredelt Chasing Dreams, während Ralf Scheepers von PRIMAL FEAR bei Above the Noise mitmischt. Beides sind schöne Kollaborationen, die zum musikalischen Selbstverständnis der Bochumer passen. Die Gäste können ihre stimmlichen Qualitäten einbringen, ohne dass man darüber vergisst, wessen Album gerade läuft. Gerade bei solchen prominenten Namen ist das schließlich keine Selbstverständlichkeit. Hier stimmt das Verhältnis zwischen zusätzlicher Strahlkraft und eigener Identität.
Auch inhaltlich hat Jens Faber, der Musik und Texte verantwortet, genügend Baustellen gefunden. Es geht um seelische Tiefpunkte, bröckelnde Beziehungen und Menschen, die ihre Gefühle lieber hinter einer mühsam aufrechterhaltenen Fassade verstecken. Dazu kommen Realitätsflucht und die Aussicht auf den ganz großen Zusammenbruch. Die Dramatik besitzt damit einen nachvollziehbaren menschlichen Hintergrund. Hinter all den weit ausgreifenden Melodien stehen Themen, die auch ohne Bühnennebel unangenehm nahe kommen können.
Dennis Köhne hat Mix und Mastering übernommen und dem Material eine saubere Produktion mitgegeben. Das passt zu einer Band, deren Musik von klar erkennbaren Melodien und dem Zusammenspiel ihrer Beteiligten lebt. Mit zwölf regulären Stücken und den beiden Bonustracks Death Wears a Human Face und In Vain kommen gut 66 Minuten zusammen. Eine ordentliche Portion also, zumal meine persönliche Aufnahmefähigkeit für diese Art von melodischer Dauerbestrahlung weiterhin Grenzen hat. Dennoch machen die Bochumer vieles um Welten besser als etliche Konkurrenten im selben Metier: engagiert, überzeugend und mit hörbarer Freude an der eigenen Sache.
Meine musikalischen Animositäten dürfen bei Ashes Over Tomorrow deshalb ruhig einmal hinten anstehen. Geschmack ist schließlich keine Dienstvorschrift. DAWN OF DESTINY haben sich ein offenes Ohr verdient, und dass ich zwischendurch zustimmend mit dem Kopf nicke, können sie ebenfalls als Erfolg verbuchen. Für eine dauerhafte Umschulung zum Symphonic-Metal-Jünger reicht es bei mir weiterhin nicht. Zur anerkennenden Verbeugung aber allemal.
ANSPIELTIPPS
🔥Chasing Dreams
🎸Above the Noise
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Still here
02. Too weak
03. Chasing Dreams (feat.Fabio Lione)
04. A different Story
05. Ashes over Tomorrow
06. Above the Noise (feat.Ralf Sheepers)
07. Leave me now
08. I’ll find you in Time
09. When the Worlds end quietly
10. Those Moments
11. One small Lie
12. Death wears a human Face (Bonus)
13. In Vain (Bonus)
14. Let Love be the last Light

