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KANAAN – Kanaan (2026)

(10.527) Timo (8,5/10) Instrumental Heavy Jazz


Label: Jansen Music/No
VÖ: 16.10.2026
Stil: Instrumental Heavy Jazz






Pünktlich zum zehnjährigen Bandbestehen veröffentlichen die norwegischen Klangforscher KANAAN ihr mittlerweile zehntes Album, das schlicht und treffend den eigenen Bandnamen trägt. Dabei zeigt sich das Trio eine Spur homogener und klarer als noch auf Downpoor, dass ich 2023 mit satten 8,0 Punkten ausgezeichnet hatte. Die experimentelle Ader ist natürlich weiterhin vorhanden, doch diesmal packen die Drei ihre Ideen mit etwas mehr Zug und Groove an den Hörnern. Der Sound ist 2026 auch noch trocken, kantig und brettert mit einer herrlich ungeschliffenen Wucht aus den Speakern, allerdings etwas weniger rotzig als vor 3 Jahren. Dennoch wird nicht lange gefackelt, sondern direkt losgelegt!

Schon der Opener P1800 macht ordentlich Dampf. Flott, groovig und unmittelbar zündet das instrumentale Treiben, wobei sich die Riffs mit einer Selbstverständlichkeit durch die Boxen schieben, dass man sich dem Sog kaum entziehen kann. Noch eine Spur unwiderstehlicher wird es mit Silver Cloud Blues. Der Song beginnt herzlich bluesig, versprüht eine vergnügte, beinahe tänzelnde Leichtigkeit und wickelt einen mit seiner psychedelisch quirlig-spacigen Ausrichtung charmant um den Finger. Zum Finale driftet das Stück in treibenden Blues-Jazz ab, die Riffs werden powervoller, das Geschehen zunehmend verstörend und wild. 

Mit Ouroboros geht es auf eine ausgedehnte Reise durch verträumte 70er-Jahre-Klangwelten. Harmonischer Classic Rock trifft auf psychedelische Pink Floyd-Verspieltheit, tiefgründige Melodien und eine wunderbar atmosphärische Grundstimmung. Doch auch hier schlummert unter der Oberfläche ordentlich Druck. Ab etwa Minute neun entfalten die Soli eine grandiose Szenerie, die sich breit und eindrucksvoll vor dem geistigen Auge ausbreitet. Umso schöner, dass der Song später zum harmonischen Beginn zurückkehrt. Wie nach einer langen Reise findet man wieder am Ausgangspunkt zusammen – nur hat man unterwegs einiges erlebt.

Das abschließende The Wonderer Part 1–5 nimmt sich satte 21 Minuten Zeit, um seine Geschichte zu erzählen. Schon der Beginn baut grandios Spannung auf: treibend, dynamisch und fesselnd, als würde sich gleich eine gewaltige Tür öffnen. Augen auf, jetzt wird's BIG! Schwere Doom-Rock-Fragmente treffen auf freakige Psychedelic Passagen, bevor sich das Geschehen in getragenen, bluesigen Gefilden einrichtet. Gegen Minute zehn nimmt der Song wieder Fahrt auf, quirlige Soli sorgen für Bewegung, das Tempo zieht an und die Dramaturgie gewinnt zunehmend an Intensität. Wild, spirituell, bisweilen verstörend und mit druckvollen, peitschenden Riffs ausgestattet, bleibt das Stück dennoch melodisch einnehmend. 

Um Minute zwölf öffnet sich der Klangraum erneut, wird leichter, pulsierender und beinahe episch weit. Die druckvollen Drums setzen immer wieder kleine Weckrufe, bevor sich die Musik erneut in schwerem, doomigem Rock verankert. Das ganz große Finale bleibt letztlich aus, doch langweilig wird es auf dieser Reise keineswegs. KANAAN suchen ständig nach neuen Wegen, entwickeln ihre Ideen weiter und drehen sich trotz der ausufernden Spielzeit nie um sich selbst.

Überhaupt ist das die große Stärke dieses Albums: KANAAN verbinden einen unmittelbar packenden Groove mit psychedelischer Freiheit und einer gesunden Portion musikalischer Unberechenbarkeit. Die Riffs sind trocken, kantig und druckvoll, die Melodien einnehmend, die Ausflüge in Blues, Jazz und Doom jederzeit lebendig. Dabei wirkt das Trio weder verkopft, noch selbstverliebt. KANAAN liefern ein herrlich lebendiges, kurzweiliges und zugleich tiefgründiges Album ab. Eine Platte, die gleichermaßen zum Mitwippen wie zum Abtauchen einlädt – und die zeigt, dass zehn Jahre Bandgeschichte keineswegs bedeuten müssen auf der Stelle zu treten. Absolut stark!

ANSPIELTIPPS:
🔭  Silver Cloud Blues
🔥 Ouroboros


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. P1800
02. Silver Cloud Blues
03. Ouroboros
04. The Wonderer (Part I-V)



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