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ABSOLUTE DARKNESS – Witness to a dying World (2026)

(10.517) Olaf (8,3/10) Death/Thrash Metal


Label: Asher Media
VÖ: 23.10.2026
Stil: Death/Thrash Metal






San Francisco hat bei mir ohnehin einen Stein im Brett. Diese Stadt, die 49ers – da darf eine Band von dort schon mal mit einem kleinen Sympathievorschuss antreten. Dass mir ABSOLUTE DARKNESS bislang komplett durchgerutscht sind, ist deshalb umso ärgerlicher. Die 2015 gegründete Truppe legt mit „Witness to a Dying World“ schließlich bereits ihre vierte Platte vor. Während ich also noch über eine vielversprechende Neuentdeckung nachdenke, haben die Herren längst einen kleinen Katalog zusammengeschraubt. Läuft bei mir. Immerhin funktioniert das Gehör zuverlässiger als das musikalische Frühwarnsystem.

Beim angekündigten Thrash muss ich allerdings kurz die Augenbraue heben. Was hier aus den Boxen kommt, sitzt für meine Ohren deutlich tiefer im Death Metal und erinnert mich stellenweise angenehm an DEATH zu „Symbolic“-Zeiten. Nicht als verkappte Schuldiner-Gedächtnisveranstaltung, sondern durch diese Verbindung aus griffigen Riffs, melodischem Gespür und Songstrukturen, die sich ihre Bewegungsfreiheit nehmen. Thrashige Versatzstücke stecken reichlich darin, doch die Jungs machen erfreulich wenig Anstalten, einfach die vertraute Bay-Area-Ausfahrt zu nehmen. Die Herkunft hört man, den eigenen Kopf ebenfalls.

Genau damit ziehen mich ABSOLUTE DARKNESS in ihren Bann. Die Gitarren von Ron Dorn und Douglas Vetter II liefern starke Riffs, entwickeln daraus aber auch etwas. Harmonien öffnen die Stücke, Soli bekommen Platz und Tempowechsel verändern den Charakter, ohne den Zusammenhang zu zerlegen. Bereits „Above the Law“ zeigt, wie gut das funktioniert: erst beherzt nach vorn, dann ein zurückgenommener Mittelteil, in dem Melodien und Leadgitarre Luft holen dürfen, bevor der nächste Angriff folgt. Schema F dürfte hier höchstens beim Aufbauen der Verstärker helfen. Musikalisch wird damit lieber ein bisschen gespielt.

Dass erstmals alle vier Musiker wesentliche Ideen zum Songwriting beigesteuert haben, passt zu diesem lebendigen Eindruck. Trotz der vielen Wendungen bleiben die Stücke kompakt; niemand muss einen siebenminütigen Instrumentalvortrag überstehen, nur weil im Proberaum noch drei Riffs übrig waren. Dorns tiefer Gesang hält die Verbindung zur Todesbleifraktion, während Bassist Orson Sojo und Schlagzeuger Scott Russell das nötige Fundament legen. Dazu kommt ein Sound, der ordentlich knallt und die Gitarrenarbeit trotzdem nachvollziehbar durchlässt. Harry Ahlas hat bei Produktion, Mix und Mastering hörbar gute Voraussetzungen für dieses musikalische große Tennis geschaffen.

Inhaltlich ist der Albumtitel leider näher an der täglichen Nachrichtenlage, als einem lieb sein kann. Machtmissbrauch, Propaganda, Ausgrenzung und gesellschaftlicher Absturz bilden den Hintergrund, erzählt wird häufig aus der Perspektive einzelner Betroffener. Besonders bitter gerät „Snake Oil“: Aus der Behandlung von Schmerzen wird Abhängigkeit, aus dem Heilungsversprechen ein Geschäft mit tödlichem Ausgang. „Peddling the hope / Peddling the lies“ bringt diesen Zynismus knapp auf den Punkt. Dass die Musik zwischendurch mehr Raum lässt, gibt der Geschichte zusätzlich Gewicht. „Attritional Warfare“ wiederum betrachtet den Abnutzungskrieg aus beiden Schützengräben: Menschen warten darauf, verheizt zu werden, während der Nachschub bereits anrückt. Da braucht es keine erfundenen Monster. Die Wirklichkeit erledigt den Job erschreckend zuverlässig.

Zum Abschluss kommt mit „World in a World“ dann doch noch eine ausdrückliche Verbeugung vor der heimischen Thrash-Geschichte. Und was für eine! Das VIO-LENCE-Cover bewahrt den Biss der Vorlage, bekommt durch Dorns tieferen Gesang aber eine eigene Färbung. Sean Killian nachzuahmen wäre ohnehin ein ziemlich aussichtsloser Betriebsausflug für die Stimmbänder gewesen. Besonders schön: Die natürlichen Temposchwankungen des Originals wurden bewusst übernommen, statt die Nummer einem Klicktrack zu unterwerfen. Dorn war seinerzeit sogar bei der Release-Show zu „Oppressing the Masses“ dabei. Hier bedankt sich jemand mit hörbarer Hingabe für ein Stück seiner musikalischen Sozialisation.

Ich wollte am Ende schon schreiben, dass da noch etwas Großes auf uns zukommen könnte. Angesichts der vierten Platte muss ich wohl eher feststellen, dass ich mich endlich um die Vorgänger kümmern sollte. „Witness to a Dying World“ macht jedenfalls mächtig Lust darauf: eigenwillig genug, um neugierig zu halten, und zupackend genug, um jede Grübelei mit einem kräftigen Riff zu beenden. Der San-Francisco-Bonus wäre damit übrigens gar nicht nötig gewesen. Den behalten wir für den nächsten Touchdown.

ANSPIELTIPPS:
🔥Above the Law
💀Snake Oil
🎸World in a World


Bewertung: 8,3 von 10 Punkten




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