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Q&A – Das Interview: SERVANT

Zelebrierung von Lust und Ekstase


Im Black-Metal-Underground sind sie aktuell wohl so ziemlich in „aller Munde“, wie man so schön sagt: SERVANT sind umtriebig und fleißig. Erst 2021 gegründet, können sie mit ihrer neuen Scheibe „Lux Ex Inferis“ nun bereits auf vier Alben blicken. Zudem sind sie aktuell auf etlichen Bühnen zu sehen und touren auf und ab. Genug Gründe also, Frontmann Farago mit ein paar Fragen zu löchern…

Hallo Farago, sei mir gegrüßt! Lass mich meine Glückwünsche und mein Lob zu eurem neuen Album aussprechen. Das Teil hat es echt in sich. Wie zufrieden bist du bzw. seid ihr mit eurem Werk? Wo siehst du die größten Stärken auf der neuen Scheibe und wo die gravierendsten Unterschiede zu euren vorherigen Veröffentlichungen?

Mein Redaktionskollege Maik rezensierte eure früheren Alben, ich das aktuelle. Wir beide bemerken einen steten Fortschritt in Sachen musikalische Weiterentwicklung und Eigenständigkeit und ein klares Verlassen eingetretener Pfade des Black Metals. Wie siehst du das?

Hallo und vielen Dank für die Worte erst einmal. Ja, „Lux Ex Inferis“ kann durchaus als eine gewisse Form der Weiterentwicklung gesehen werden. Ich denke, einer der größten Unterschiede zu unseren bisherigen Veröffentlichungen ist, dass die Songs diesmal vielleicht noch ein wenig mehr auf den Punkt kommen.

Die Strukturen wirken an manchen Stellen etwas kompakter und die Ideen greifen noch besser ineinander. Das war allerdings nichts, was wir von Anfang an bewusst so geplant hatten, sondern hat sich ganz natürlich im Songwriting entwickelt. Lyrisch und thematisch kann man durchaus Parallelen zu den vorherigen Alben erkennen. Black Metal ist und war sicherlich schon immer eine sehr vielschichtige Art des Genres. Ich denke, ich liege richtig, wenn ich behaupte, dass die Freiheit beim Erschaffen als einer der Grundpfeiler von SERVANT genannt werden kann.

Was auch auffällt, ist euer krasser Output. Euer Gründungsjahr ist auf 2021 datiert. Seitdem habt ihr, das neue Werk eingeschlossen, vier vollwertige Alben rausgebracht. Wie schafft ihr es, so schnell voranzukommen bei dieser durchaus – ich möchte sagen – beachtlichen Qualität? Wie läuft euer Songwriting für gewöhnlich ab? Gibt es einen festen Ablauf im Hause SERVANT? Zwischen euren vielen Shows dürfte ja wenig Zeit für den Proberaum bleiben. Oder entstehen eure Songs quasi unterwegs, sprich auf Tour?

Die Herangehensweise an das Album war jedoch so ziemlich identisch mit der bei den vorherigen Alben. Wir haben an der Arbeitsweise nicht sonderlich viel geändert. Das Songwriting bei SERVANT funktioniert sehr instinktiv und wir versuchen in der Regel, den emotionalen Zustand bestmöglich festzuhalten. Wir möchten die freie Zeit effektiv nutzen und legen den Fokus auf das Songwriting. Der Zustand kann in gewisser Weise wahrscheinlich sogar als kathartisch bezeichnet werden und dient als Antrieb. Was daraus resultiert, ist aber nicht vorhersehbar. Sobald das Songwriting beendet ist, versuchen wir, das Material zeitnah im Studio aufzunehmen. Die Songs sind in dieser Zeit noch recht frisch und genauso auch die emotionale Verbindung zu ihnen. Das ist oftmals herausfordernd und zeitgleich aber sehr erfüllend.

Apropos Tour, kommt es mir nur so vor oder ist eure Bühnenpräsenz in den letzten zwei, drei Jahren tatsächlich rapide angestiegen? Mir scheint, dass eure Wahrnehmung mit dem Erscheinen von „Death Devil Magick“ deutlich gewachsen ist. Aber berichtige mich gern, wenn ich da nur auf dem Schlauch stand! Falls ich aber richtig liege: Woran würdest du diesen Anstieg festmachen? Und hat es vielleicht auch was mit der Zusammenarbeit mit AOP Records zu tun, die euch seit dem besagten Album betreuen?

Nein, ich denke, da hast du schon ganz recht! Seit dem Release von „Death Devil Magick“ hat sich definitiv etwas getan, was die Anzahl unserer Live-Shows angeht. Besonders nach der Tour mit ELLENDE und GROZA 2024 konnten wir einen deutlichen Anstieg feststellen. Insofern ist deine Wahrnehmung absolut nachvollziehbar. Ich denke, alle Beteiligten in unserem Umfeld, ob Label oder Booker, unterstützen die Band mit ihrem Einsatz wirklich bestmöglich!

Wir sind mit der Zusammenarbeit absolut zufrieden und haben auch menschlich ein sehr freundschaftliches Verhältnis, was uns natürlich besonders wichtig ist. Am Ende kommen da sicher verschiedene Faktoren zusammen, aber wir sind auf jeden Fall weiterhin sehr motiviert, unser Material auf die Bühne zu bringen.

Zu den besagten Shows der jüngsten Vergangenheit zählen unter anderem Auftritte auf vielen Festivals. Zu diesen gehören das Zappenduster, die Walpurgisnacht in Berlin, das R.U.D.E. (Rock unter den Eichen), das Burning Q und (schon 2025) sogar das Party.San Metal Open Air, um nur ein paar zu nennen.

Auch diverse Clubshows reihten sich immer wieder ein. Welche dieser Auftritte sind nach wie vor in besonderer Erinnerung geblieben? Was bevorzugt ihr – die große Festivalbühne oder die intime Clubshow? Und hast du vielleicht die eine oder andere nette Anekdote aus dem Tourleben von SERVANT für uns?

Es ist natürlich großartig, auf Festivals wie dem Party.San oder den anderen genannten Veranstaltungen spielen zu dürfen, und wir freuen uns über jede einzelne dieser Möglichkeiten. Solche Auftritte bleiben einem natürlich in Erinnerung, gerade weil jedes Festival seinen eigenen Charakter und seine besondere Atmosphäre mitbringt.

Ich würde aber gar nicht unbedingt sagen, dass wir das eine dem anderen vorziehen. Sowohl Festivalshows als auch Clubkonzerte haben ihre ganz eigenen Reize. Bei einer Clubshow ist die Atmosphäre oft noch etwas intensiver, weil man dem Publikum unmittelbar gegenübersteht und die Distanz einfach geringer ist. Eine Liveshow lebt schließlich vom gegenseitigen Austausch zwischen Band und Publikum. Da geht die Energie nicht nur von der Bühne ins Publikum, sondern kommt von dort genauso wieder zurück. Genau dieses Wechselspiel macht für uns einen großen Teil dessen aus, was Livekonzerte so besonders macht.

Eine besondere Anekdote, die mir spontan einfällt, habe ich gerade gar nicht auf Lager. Aber ich denke, jeder, der regelmäßig unterwegs ist, kennt diese kleinen, manchmal völlig absurden Momente, die man erst im Nachhinein richtig zu schätzen weiß. Und genau solche Erlebnisse gehören neben den Shows sicherlich mit dazu.

Wo wir vorhin schon einmal beim Thema ‚Zusammenarbeit‘ waren – auf „Lux Ex Inferis“ finden gleich zwei Kollaborationen statt. Lass uns diese beiden doch bitte einmal nacheinander beleuchten.

Wie kam es zu „Tabula Rasa“, dem gemeinsamen Song mit P.G. von GROZA? Gab es die Idee schon länger? Der Track stellte den ersten Einblick ins neue Album dar und ist zudem – abgesehen vom Intro „In Noctem“ – der Opener eures neuen Werks. Warum fiel die Wahl auf dieses Stück für die erste Single und diese besondere Position in der Tracklist?

Die Idee zur Zusammenarbeit mit P.G. ist eigentlich vor allem aus dem Song selbst heraus entstanden. Wir hatten in den drei Alben zuvor noch nie eine Kollaboration mit einem Musiker einer anderen Band, aber bei „Tabula Rasa“ hatten wir einfach das Gefühl, dass P.G. musikalisch genau das gewisse Etwas mitbringt, das dem Song noch einmal eine ganz andere Wirkung verleiht. Wir schätzen seine musikalischen Fähigkeiten immens und waren uns ziemlich sicher, dass seine Beteiligung dem Stück noch einmal eine besondere Note geben würde.

Dazu kommt natürlich, dass wir uns spätestens seit der gemeinsamen Tour mit GROZA auch persönlich sehr gut verstehen und freundschaftlich verbunden sind. Da lag es für uns nahe, beides miteinander zu verbinden. Letztlich war es also keine Kollaboration, die wir unbedingt um ihrer selbst willen machen wollten, sondern eine, bei der wir wirklich das Gefühl hatten, dass sie musikalisch Sinn ergibt. P.G. war für uns bei diesem Song gewissermaßen das Salz in der Suppe.

Dass wir „Tabula Rasa“ dann als erste Single ausgewählt und gleichzeitig an den Anfang des Albums gesetzt haben, hatte ebenfalls viel mit der Wirkung des Stücks zu tun. Wir fanden, dass der Song einen starken Einstieg in das Album bietet und einen guten ersten Eindruck davon vermittelt, was den Hörer auf „Lux Ex Inferis“ erwartet. Insofern war das für uns eine ziemlich natürliche Entscheidung.

Der zweite Titel, der einen Gast präsentiert, ist „De Profundis“. Für mich ist er der Song, der den größten Old School Black Metal Faktor aufweist. Lethian (NORNÍR) ist daher auch in meinen Augen eine fantastische Kandidatin, um den Track zu veredeln. Doch warum habt IHR sie ausgewählt? War sie die erste Wahl für den Song, habt ihr ihn gar zusammen entwickelt?

Oder gab es das Stück schon länger und die Zusammenarbeit kam eher zufällig zustande, zum Beispiel bei einer Begegnung auf einer gemeinsamen Show? Ich erinnere mich beispielsweise an euer Duett bei der Walpurgisnacht, als du beim Auftritt von NORNÍR gastiert hast…

Wir verstehen uns mit Lethian und den Leuten von NORNÍR sehr gut, und dazu kommt, dass ich ihre Stimme für eine der eigenständigsten und markantesten in der aktuellen Black-Metal-Szene halte. Für mich hat sie einfach einen ganz besonderen Wiedererkennungswert.

Als ich ihre Gesangsspuren für „De Profundis“ bekommen habe, war mir eigentlich sofort klar, dass der Song durch ihre Beteiligung genau die Wirkung entfaltet, die wir uns vorgestellt hatten. Sie hat dem Stück etwas Eigenes verliehen und es letztlich zu dem Song gemacht, der er heute ist. Rückblickend kann ich mir kaum vorstellen, dass er ohne sie genauso funktionieren würde. Wir sind wirklich sehr stolz auf das Ergebnis und das wir diese Zusammenarbeit verwirklichen konnten.

Natürlich verbindet uns auch über die Musik hinaus einiges. Die gemeinsame Performance auf der Walpurgisnacht war da sicherlich einer der Berührungspunkte. Unser Schlagzeuger Apophis hatte dort bereits bei NORNÍR ausgeholfen, und ich selbst hatte bei ihrem Auftritt als Gastsänger bei einem Song mitgewirkt. Es fühlt sich absolut richtig an, wenn aus diesen Begegnungen irgendwann auch gemeinsame Musik entsteht.

Die nächsten Shows laufen bereits. Eure Label Kollegen FIRTAN fahren eine große Release Tour ihres neuen Albums „Helios“ und haben unter anderem euch „im Gepäck“. Die perfekte Gelegenheit also auch euer neues Werk „Lux Ex Inferis“ zu zelebrieren. Kannst du (ohne schon zu viel zu verraten) einen Einblick geben, wie sehr der Fokus auf der neuen Scheibe liegen wird?

Natürlich wird – und das verrät schon ein Blick auf den Flyer – euer jüngster Release besondere Aufmerksamkeit bekommen, doch wie sind die Aussichten für die Fans älterer Songs? Gibt es einen oder ein paar Titel, auf die ihr selbst nicht verzichten mögt? Welcher Song ist für euch ein SERVANT Evergreen? Und wie gesagt, verrate nur so viel, wie du möchtest. Es gilt ein Aussageverweigerungsrecht… 

Wir sind aktuell sehr zufrieden mit der Tour und der Resonanz die wir bisher erfahren durften. Es ist allen Belangen eine absolut Runde Sache. Natürlich spielen wir Songs vom neu erschienene Album Lux Ex Inferis, aber auch ältere Stücke haben ihren festen Platz im Set. 

Ob wir innerhalb von fünf Jahren Bandgeschichte schon einen echten Evergreen geschaffen haben, würden wir jetzt vielleicht nicht unbedingt behaupten. (lacht) Wenn man aber von einem Song spricht, der es regelmäßig in unser Set schafft und dementsprechend häufig gespielt wird, dann ist es sicherlich „Temple”. Alles Weitere lassen wir aber gerne  offen haha – ein bisschen Spannung muss schließlich sein!

Mittlerweile neigt sich die Tour auch schon dem Ende zu, und unsere letzte Show steht demnächst in Wolfsburg an. Dem sehen wir natürlich erwartungsvoll entgegen und sind gespannt, was uns dort noch erwartet.

Ich wünsche euch viel Erfolg und vor allem viel Spaß auf der besagten Tour. Vielen Dank für deine Zeit. Wie es sich gehört, sollen dir die letzten Worte gebühren. Was auch immer du noch unseren Lesern und mir mitteilen möchtest, lass es raus. The stage is yours!

Vielen Dank für das Gespräch. Lasst uns gemeinsam bei den kommenden SERVANT-Shows Lust und Ekstase zelebrieren! 





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