GOSAH – …///… (2026)
(10.533) Maik (8,0/10) Metalcore
Label: DIY
VÖ: 31.10.2026
Stil: Metalcore
Als ich die Mail von GOSAH las, die um ein Review gebeten hatte, war ich erst einmal gar nicht so begeistert. Etwas von Metalcore stand da, und deutsche Texte schienen da auch eine Rolle zu spielen. Nun ja, es stand aber auch etwas von Black- und Death-Metal-Einflüssen. Und da ich mir darunter nun gar nichts vorstellen konnte, hörte ich einfach mal rein.
Und was soll ich sagen, da sind noch viel mehr Einflüsse zu finden. Das geht von Industrial über Sachen, die in der schwarzen Szene auch ganz gut ankommen würden, bis hin zu den angegebenen Stilen. Was alles vereint, ist: Das ist keine Musik, die gute Laune erzeugen soll. Hier treffen sich die dunklen Aspekte menschlicher Gedankenwelt mit nervenaufreibenden Klängen, die wehtun. Die wahrscheinlich wehtun sollen.
Die EP nennt sich „…///…“ und stellt symbolisch das SOS-Morsezeichen dar, wie mir die Band auf meine unqualifizierte Nachfrage erklärte.
Das eröffnende „Tausend Tode“ hat anfangs den Charme sinfonischen Gothic Industrials, kracht dann plötzlich mit schmerzhaft trocken produziertem Ausbruch los. „Unmensch“ wiederum hat die angekündigten Einflüsse von Death Metal und vor allem Black Metal. Hier auch wieder so furztrocken eingespielt, dass die Keyboards im Hintergrund nur unzureichende Wundbehandlung bieten. Wenn ich einen Favoritensong auf dieser EP benennen sollte, wäre es der. Gerade die Momente, die im sinfonischen Black Metal wildern, lassen BEHEMOTH und DIMMU BORGIR wie die AMIGOS wirken.
„Feist“ wiederum zeigt, dass sich Groove und Chaos nicht ausschließen müssen. Hier wird das Kontrastspiel zwischen desolater Stimmung und Wut wieder sehr gut dargestellt. Interessant das orientalisch anmutende Synth-Solo inmitten des Songs.
Wie ein gefälliger Rocksong biedert sich „Schwarze Crux“ zu Beginn an, entwickelt sich dann zu einer Art Melodic Black Core, wenn man sich das vorstellen kann. Auch hier wieder wird man mit überraschenden Wendungen überrumpelt, bei denen man extremst die Lauschbretter spitzen muss.
Mit „SOS“ beendet dann der Quasi-Titelsong den Reigen. Auch der beginnt zunächst ruhig und entspannt. Aber mittlerweile kennt man die Vorgehensweise von GOSAH, und es wird bald härter. Die Härte addiert sich zu den entspannten Klängen und beides existiert eine Weile nebeneinander, bis die Härte letztlich zu gewinnen scheint. Doch das letzte Wort hat dennoch wieder der besinnliche Teil.
Witzigerweise erzeugt die Band mit dieser Mischung eine ganz eigenwillige Stimmung, die zwar fast die ganze Zeit hart, wütend, angepisst wirkt, dennoch aber keine depressive, desolate Atmosphäre aufbaut. Die Wechsel zwischen melodischen Parts und ungezügeltem Gedresche stellen den Adrenalinfluss auf Maximum, genauso wie die ruhigen Phasen mit den brutalen Ausbrüchen sehr gut kontrastieren.
Passend zu den Texten, will ich meinen. Selbige sind nämlich fern von jeglicher NDH-Proletenlyrik, stecken nicht nur den Finger in offene Wunden, sondern die ganze im Killernietenhandschuh steckende Hand.
Nun erinnere ich Euch daran, dass Metalcore nun gar nicht meine Schiene ist und ich deutschen Texten in der harten Musik auch teilweise wenig abgewinnen kann. Dennoch habe ich mir die EP jetzt schon zum wiederholten Male angehört und, wie der lange Text zeigt, wohl auch nachhaltig. Nämlich ist das hier kein Metalcore im landläufigen Sinn, genauso wie es kein Black Metal oder Death Metal im engeren Sinne ist. Hier macht es wirklich die Mischung.
„…///…“ passt perfekt, wenn man in dieser diffusen Stimmung ist, in der man nicht weiß, ob man sich in eine Ecke verkriechen oder auf irgendwas eindreschen will. Würde bei mir persönlich nicht in jedem Moment passen, heute aber eben doch. Gutes Timing, dass das gerade am Veröffentlichungstag passiert.
ANSPIELTIPP:
🔥Unmensch
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Tausend Tode
02. Unmensch
03. Feist
04. Schwarze Crux
05. SOS

