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HOSTILIA – The Curse of Khamun (2026)

(10.518) Olaf (7,0/10) Thrash Metal


Label: Hammerheart Records
VÖ: 23.10.2026
Stil: Thrash Metal






Schweden liefert mir als Thrash-Freund derzeit reichlich Grund zum Grinsen. Zwischen all dem Todesblei und dem traditionell geschmiedeten Heavy Metal wächst eine formidable junge Szene heran, deren Vertreter offenbar lieber Riffs sammeln als Ausreden. HOSTILIA aus Göteborg gehören zu diesen hoffnungsvollen Kandidaten. Gegründet wurde die Truppe 2021 von den Brüdern William und Albert Lindeblad an Gitarre beziehungsweise Schlagzeug. Auf das Debüt Face the Fire von 2025 folgen nun bereits der zweite Langspieler sowie eine beachtliche Liste bisheriger Bühnenstationen: Auftritte mit THE HAUNTED und DISMEMBER und beim Sweden Rock Festival muss man sich schließlich auch erst einmal erspielen.

Auf The Curse of Khamun wird allerdings recht schnell deutlich, welche Schallplatte im Hause HOSTILIA vermutlich ausgesprochen selten im Regal gestanden hat. METALLICAs Master of Puppets dürfte hier einen ähnlich hohen Stellenwert besitzen wie die Kaffeemaschine bei mir am frühen Morgen. Besonders Escape from Hell und Sleeping Water lassen erkennen, wie gründlich die jungen Burschen diese Schule studiert haben. Die Art, Riffs aufzubauen, ihnen Raum zu geben und anschließend wieder Druck auf den Kessel zu bringen, weckt sehr vertraute Erinnerungen. Das ist musikalisch ordentlich gemacht und mit spürbarer Begeisterung vorgetragen. Gelegentlich wünsche ich mir allerdings, dass die Herren ihre Vorbilder etwas früher aus dem Proberaum verabschieden würden.

Wie viel Potenzial jenseits dieser deutlichen Verwandtschaft steckt, zeigt ausgerechnet No Mercy for the Weak. Für mich der Hit der Scheibe, weil hier ein mächtiger Groove und formidable Gangshouts zusammenfinden und unmittelbar Wirkung erzielen. Da bekommt die Nackenmuskulatur ihren Arbeitsauftrag, während der Refrain beste Voraussetzungen für gemeinschaftliches Mitbrüllen mitbringt. Vor allem treten HOSTILIA hier selbstbewusster auf und setzen eigene Akzente. Von solchen Momenten dürfte das Album gerne noch ein paar mehr vertragen.

Der ägyptische Fluch liefert dazu einen passenden Rahmen, ohne das gesamte Werk zur vertonten Führung durch die Grabkammer zu machen. Neben Tutanchamun beschäftigen sich die Stücke mit Krieg, der Angst vor dem Unbekannten und italienischen Horrorfilmen der Achtziger. Das ist ein dankbares Themenfeld für diese Sorte Thrash: düster, etwas morbide und weit genug gefasst, um unterschiedliche Stimmungen zu ermöglichen. Die auf dem Cover versammelte Sarkophagromantik passt jedenfalls bestens zur traditionsbewussten Ausrichtung der Band.

Beim Sound bleibt für mich ein kleiner Widerspruch zwischen Anspruch und Wirkung. HOSTILIA haben das Album selbst aufgenommen und produziert, die Gitarren über echte, mikrofonierte Verstärker eingespielt und die fertigen Mischungen vor dem Mastering sogar auf Tonband übertragen. Per Stålberg kümmerte sich bei Welfare Sounds um den Mix. Ein sympathischer Aufwand, dessen Ergebnis mir trotzdem etwas zu clean aus den Boxen kommt. Die Instrumente lassen sich gut verfolgen, die Riffs besitzen Kontur, aber ein wenig mehr Schmutz und Reibung hätten dieser Musik durchaus gestanden. Auch ein Tonband kann schließlich keine aufgerissenen Knie garantieren.

Unterm Strich überwiegt das Licht dennoch deutlich. The Curse of Khamun bietet handwerklich überzeugenden Thrash, ein gutes Gespür für wirksame Riffs und mit No Mercy for the Weak einen echten Höhepunkt. Die eigene Handschrift muss noch deutlicher werden, und die Produktion dürfte beim nächsten Mal ruhig etwas weniger Ordnung halten. Für den nächsten Metalabend würde ich die Scheibe jedenfalls griffbereit legen. Zwischen Kühlschrank und Anlage dürfte durchaus die Frage fallen, wer da gerade läuft. Zum neuen Weltwunder reicht es noch nicht, für einen Platz auf meinem Merkzettel aber allemal.

ANSPIELTIPPS:
🔥No Mercy for the Weak
💀Escape from Hell
🎸Sleeping Water


Bewertung: 7,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. The Awakening
02. Lost in the Void
03. The Curse of Khamun
04. No Mercy for the Weak
05. Sleeping Water
06. Escape from Hell
07. The Ritual
08. Enchanter from Hell
09. Lightning Warfare 



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